Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 38 (22.9.1893)
- Date
- 1893-09-22
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3020954-3020992--02784-3026890- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 38 Drsterreichifchr Wochenschrift Seite 727 „Ich bitte Sie nicht zu erschrecken," fuhr der Prinz gütig fort, „es liegt hierfür kein Grund vor," und als Levi trotzdem den Blick zu Boden gesenkt in Schweigen verharrte, ergriff Wertheimer das Wort. „Euer Durchlaucht, dieser junge Mann überbrachte mir vor einigen Monaten das Schreiben eines Freundes, dem ich die größte Verehrung zolle. Dieser ersuchte mich den Ueberbringer in meinem Hause und Geschäfte aufzunehmen. Für seine unbegrenzte Vertrauenswürdigkeit verbürge er sich, von dessen eminenten Fähigkeiten und reichem Wissen würde ich mich bald selbst überzeugen. Ich nahm ihn unbedenklich auf und fand bald Alles bestätigt, was man von ihm gerühmt hatte. Er hatte sich mir unter dem Namen Rafael Levi vorgestellt. Ich hatte sofort vermuther, daß dieser nicht sein wahrer Name sei; unmittelbar vor höchst Ihrem Eintreten in dieses Cabinet, verstärkte sich meine Vermuthung zur vollen Gewißheit!" Wertheimer's Worte mußten Levi überraschen; er warf dem Oberhoffaktor einen flehenden Blick zu, aber er beruhigte sich bald, Wertheimer's Charakter bot die Sicherheit, daß bei diesem jede böse Absicht ausgeschlossen war. Das lebhafte Interesse, das der Prinz an dem jungen, schlanken, kräftig gebauten Manne, mit dem edlen ausdrucksvollen Zügen, den Wertheimer als den Hauptfactor. bei der Entdeckung des Complottes bezeichnet hatte, nothwendigerweise nehmen mußte, wurde nun noch, durch das Dunkel in das ihn Wertheimer's räthselhafte Worte hüllten, erhöhe. Der Prinz blickte ihn nun mit seinen großen, klugen Augen mit verdoppelter Aufmerksamkeit längere Zeit ins Gesicht, plötzlich zuckte er leicht zusammen, wie man ja zu thun pflegt, wenn man unerwartet eine überraschende Wahrnehmung macht und sprach zu Wertheimer gewendet. „Herr Oberkriegsfactor, Sie haben vollkommen recht, der junge Mann da, dem ich Dank schulde, heißt in der That nicht Levi", dann fuhr er das Wort, an diesem wendend, fort. „Wir sehen uns heute nicht das erste Mal", und als Levi verlegen stammelte: „Euer Durchlaucht irren sich, höchst Sie werden mich mit einem Andern verwechseln", erwiderte der Prinz entschieden. „Ich irre mich nicht. Mein starkes Physiognomiegedächtniß täuscht mich nicht. Sie wurden mir, es sind jetzt acht Jahre, vorgestellt und.... gestatten Sie", der Prinz trat plötzlich an Levi heran, strich dem Ueberraschten das dunkle Gelock an derStirne weg „diese Narbe da läßt, trotz Ihres versuchten Widerspruches nicht den leisesten Zweifel über Ihre Identität zu. Ich will es Ihnen gestehen, ich hätte Sie — Sie in ganz andern Verhältnissen als das erste Mal wiedersehend — trotz meines enormen Gedächtnisses doch nicht erkannt, > wenn nicht gestern der Besuch eines unerwarteten und unwillkommenen Gastes, mir die Erinnerung an jene Scene, wo ich Sie das erste Mal gesehen und gesprochen, lebhaft zurückgerufen hätte. ich empfing gestern." der Prinz brach ab und fuhr erst nach kurzer Pause fort: „Ich habe nicht das Recht Ihre Pseudonymität, zu der Sie nur unbekannte Gründe veranlassen mögen, zu lüften und hätte mich auch zu der Aeußerung, Sie zu kennen, nicht Hinreißen lassen, wenn nicht unser würdiger, kiuger Oberhoffactor es auch in Gegenwart dieses Herrn", er streifte Markbreiter leicht mit einem Blicke, „ausgesprochen, der Name, den Sie sich beilegen, sei nicht Ihr wahrer. Während ich Sie betrachte und mit Ihnen spreche, verstärken sich meine Erinnerungen zu voller Deutlichkeit! Vraiment! jetzt weiß ich auch, weßhalb mir der Name Rogert nicht fremd klang. E r, der mir Sie vor acht Jahren, als Sie für Rogert sprachen, vorgestellt, war gestern bei mir." „Er ist hier ... in Wien?" rief Levi erschrocken, einen Schritt zurücktretend. „Wenn er erfährt, daß ich mich hier befinde, wird er meine Auslieferung verlangen. Stände ich allein auf der Welt, würde ich den Tod nicht fürchten; aber ich habe die Pflicht, mich für Andere zu erhalten!" Der Prinz blickte höchst überrascht auf. „Was sprechen Sie? Er hat mir Sie ja als seinen Lebensretter vorgestellt! Er sprach von der Dankbarkeit, die er Ihnen schulde und die erst mit seinem letzten Athemzuge erlöschen würde." „Seine Worte, seine Versprechungen!" Levi lachte bitter auf. „Er hat dreitausend Ducaten auf meinen Kopf gesetzt!" „Tu Dieu!“ rief der Prinz, „daß ich von dieser wichtigen Umwälzung nichts erfahren! — aber ich war in den letzten Jahren durch die fortwährenden militärischen und diplomatischen Kämpfe stets so in Athem erhalten, daß alles Andere, das mich nicht unmittelbar touchirte, meiner Aufmerksamkeit entgehen konnte. Ich habe ihn schon damals als einen unzuverläßlichen, wetterwendischen Menschen kennen gelernt, aber Sie haben nichts zu befürchten! Nicht ein Haar Ihres Hauptes darf Ihnen gekrümmt werden. Ich habe gerade dnrch Ihre rechtzeitige Entdeckung den vollen Einfluß in Oesterreich, der mir rechtmäßig zukommt, den ich mir redlich dnrch dreißigjährige treue Dienste erworben, wiedererlangt. Er hat sich mit einer Bitte an mich gewendet, er bedarf meiner Protection; er muß sich meinem Willen fügen. Allerdings lassen sich bei seinem eigenthümlichen Charakter keine vernünftigen Voraussetzungen bilden; — aber sollte der halb oder ganz Verrückte, in seiner Halsstarrigkeit verharren, würde ich die allvermögende Intervention seiner Majestät desKaisers anrufen. Ich wiederhole esJhnen,Sie haben nichts zu fürchten. Kommen Sie um fünf Uhr Nachmittags in mein Palais; da wird die Sitzung des Conferenzrathes, die ich heute, seit langer Zeit wieder das erstemal einberufen, beendigt sein. Sie werden dann die Güte haben, mich über die seltsamen Vorkommnisse, denen Sie zum Opfer fielen, zu unterrichten, mich über Ihre Berhältnifie zu informiren." „Euer Durchlaucht", erwiderte Levi mit einer tiefen Verbeugung, „ich danke uuterthänigst für höchst Dero gnädige Theilnahme und nehme höchst Dero Schutz im Interesse meiner Angehörigen dankbarst an. — Ich werde höchst Dero Befehl gehorsamen und zu der bestimmten Stunde erscheinen". „Es wird mich freuen Sie bei mir zu sehen und Ihnen nützlich zu sein. Meine Dankesschuld an Sie wird dadurch noch immer nicht getilgt erscheinen." Der Prinz sah auf seine Taschenuhr und sprach: „Die unerwartete Begegnung mit Ihnen hat mich länger hier aufgehalten, als ich beabsichtigt hatte. Ich erwarte um diese Stunde die Mitglieder des Conferenzrathes in meinem Palais, ich muß mich sputen!" Eugen reichte Wertheimer und Levi die Hand, nickte dem sich tiefverbeugenden Marktbreiter freundlich an und verließ das Kabinet so rasch, daß der Oberhoffactor, dem das Podogra an schnellem Gehen hinderte ihm nicht, wie er dies gewöhnlich that, über die Treppe bis zu seinem Wagen begleiten konnte. (Fortsetzung folgt.) Wochenkalender. Tischri 5654. — September 1893. Freitag 12 j 22 E. d. N. 6k 29'7'° Samstag 13 n' r x n 23 Sonntag 14 Vorabend des 24 Montag 15 1. Succothfestes 25 Dienstag 16! 9 26 Mittwoch 17 1. Cholhamod 27 Donnerstag 18| 2n „ 28 - Freitag 19 3. „ „ 29 Briefkasten. Für den verarmten jüd. Religionslehrer sind uns von Heinrich Abeles in Döbling ft. 2—, von M. D. in M. fl. 3.— D. Ungeeignet. r JYI. Stvasser’s Vkf we.| iv Kunst-Goldstickerei eigener Erzeugung (etabiirt 1817) WIEN, VII., Mariahilferstrasse 44, 2. Stock, empfiehlt ihr Atelier zur Anfertigung von Ornamenten für an Synagogen, als: Vorhänge vor die heil. Lade, Altarn u. Kanzeldecken, Thoramäntel und Wiekein, 11 Trauhimmel u. Bedecktücher etc. Alle Stickereien M werden auf das Feinste, Geschmackhafteste und nur in volll kommen echtem Materiale ausgeführt, demzufolge viele Anerkennungschreiben des Inu. Auslandes zur gefälligen Ansicht jjji l^apfliegen^