Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 38 (22.9.1893)
- Date
- 1893-09-22
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Oxsterreichischr Wochenschrift Sette 725 Nr. 38 offenbar anwiderte, sich mit solch roher Gesellschaft in einen Disput einzulassen, so ließ er sich alsbald sein Zimmer anweisen. Hier sprach er. nun dem Wirth e gegenüber sein Mißfallen über solche Gemeinheiten aus und erkundigte sich nach den Namen der Radaugesellen. Der Wirth, der durch das imponirende Wesen des Fremden neugierig geworden, wollte seinerseits auch gern wissen, wen er vor sich habe, und fragte nach Namen und Stand seines Gastes. Doch dieser wollte seinen Namen nicht nennen, so daß der Wirth jetzt unter Berufung auf das Polizeigesetz auf Eintragring ins Fremdenbuch bestand. Dieser Aufforderung mußte Folge geleistet werden, und so schrieb der Fremde seinen Namen in das ihm vorgelegte Buch, den aber weder der Wirth, noch ein Anderer enträthseln konnte. An dem anderen Morgen mit dem Glockenschlage sieben trat in das Classenzimmer des oben erwähnten Lehrers jener Fremde ein und begann, ohne sich weiter vorzustellen, eine — Schulvisitation. Als der erstaunte Lehrer sich erkundigen wollte, mit wem er die Ehre habe, erhielt er die beißende Antwort: „Ich bin der Schulrath Steinkopf aus Kassel; nach Ihnen brauche ich mich nicht zu befraaen, ich habe Sie gestern schon im Gasthofe kennen gelernt!" Was dann noch weiter gefolgt ist, konnte Schreiber dieses nicht erfahren, doch soll sich noch eine ausführliche Auseinandersetzung über die zweckmäßigste Art der Fortbilduna eines Lehrers und dergleichen angeschlossen habep. Nürnberg, 13. September. (Ein antisemitischer Redacteur.) Das hiesige Schwurgericht verurtheilte den antisemitischen Reichstags-Candidaten Redacteur Weber in Fürth wegen eines in unsauberem und anstößigem Tone gehaltenen Artikels zu dreimonatlichem Gefängniß. Petersburg, 13. September. Aus Petersburg erhalten wir die schmerzliche Kunde, daß der Nestor der hebräischen Journalistik, der Begründer und langjährige Herausgeber des „Hamelitz", Herr A. I. Zederbaum, vorigen Freitag verschieden ist. In gerechter Trauer beklagt die russische Judenheit in dem jäh Dahingegangenen einen ihrer verdienstvollen Publicisten, der bis zum erlöschenden Athemzuge in Wort und Schrift allen Gebieten jüdischen Lebens seine Einsicht, seine Initiative und seine journalistische Meisterschaft gewidmet und bleibende Verdienste sich erworben hat. Es genügt, an die Blutbeschuldigung von Kuta'is, an die Entlarvung des Talmud-Verleumders Ljutostanski, des Falschmünzers Brav mann rc. zu erinnern, auf sein Eintreten für die Colonisation Palästinas, auf seinen hervorragenden Antheil an der Bekämpfung des Jammers der Gegenwart hinzuweisen, um die erfolggesegnete Wirksamkeit dieses Veteranen der Feder an einigen markanten Beispielen zu illustriren. Chicago. Professor Adam Politzer, der am 3. August New-Jork erreichte, ging von hier, einer Einladung der Massachusetts Medical Association folgend, nach Boston, wo ihm nach einem mit großem Beifalle aufgenommenen Bortrage über Anatomie des Ohres und über Behandlung der Ohrenkrankheiten ein von mehr als hundert Aerzten besuchter Empfangsabend veranstaltet wurde, welchem auch der Vice-Gouverneur des Staates Massachusetts beiwohnte. Eine gleich freundliche Aufnahme fand Professor Politzer in Montreal und Toronto in Canada und hier, wo er im Chicago Medical Club einen. Vortrag über den gegenwärtigen Stand der Ohrenheilkunde hielt. Am 18. August veranstaltete die Aerztliche Gesellschaft in Chicago zu Ehren des Professors Politzer ein großes Banket, an welchem sich sämmtliche Professoren der medicinischen Schule und die hervorragendsten Aerzte Chicagos betheiligt haben. VmnPrles. Wien. Der bekannte englische Staatsmann, Lord Randolph Churchill und Gemalin sind aus London in Wien eingetroffen und begeben sich von hier zur Jagd auf die Güter des Baron H irsch. Wien. (Wittels' Hochzeit.) Sonntag den 17. September 1893 um 2 Uhr Nachmittags hat im Leopoldstädter Tempel die Trauung des beliebten Komikers Herrn Julius Wittels mit Fräulein August« Moser, welche bei ihrem Uebertritt zum Judenthum den Namen Deborah erhalten hat, stattgefunden. Bei dem Trauungsacte fnngirten Obercantor Goldstein und Rabbiner Dr. Pollak. Das Gotteshaus war von einem zahlreichen und distinguirten Publicum dicht gefüllt. Nachmittags fand in Diglas' Restauration „zur schönen Aussicht" in der Nußdorferstraße das Hochzeitsdiner statt. Nikolsburg. Die Lehranstalt für Theologen wird kommenden Winter in Wien eröffnet werden. Aller Augen sind auf sie gerichtet. Das Schülermaierial, welches diese schöne Anstalt verlangt, soll genügend vorbereitet sein für das höhere theologische Studium. In Nikolsburg, dieser altehrwürdigen Gemeinde Mährens, war ehedem eine Heimstätte talmudischer Studien. In diesem Städtchen befindet sich ein achtclassiges Gymnasium, das allgemein als hervorragendes anerkannt und an welchem der Religionsunterricht in anerkennenswerther Weise ertheilt wird. Außerdem aber haben israelitische Gymnasiasten reiche Gelegenheit, sich zum Eintritte in das Wiener Seminar gründlich vorzubereiten, da Herr Rabbiner Doctor Feuchtwang, der die Pflege des Talmud und der jüdischen Wissenschaft als oberstes Ziel des Seelsorgers betrachtet, mit großem Eifer bemüht ist, unierstützt von tüchtigen Lehrkräften, Schüler des Gymnasiums im Talmud zu unterweisen. Solche jungeLeute, welche wahres jüdisches Wesen mit der ernsten Absicht verbinden, sich dem Studium der Theologie zu widmen, haben in Nikolsburg reiche Gelegenheit, sich in profaner und talmudischer Wissenschaft gründlich auszubilden, resp. vorznbereiten. Auch fehlt es in Nckolsburg nicht an Männern, welche tüchtige und ernstbestrebte Studenten auch materiell unterstützen; Herr Rabbiner Dr. Feuchtwang hat die ernste Absicht, hier eine Pflege- und Pflanzstätte der jüdischen Wissenschaft zu errichten und so einen kleinen Beitrag zur Hebung des jüdischen Geistes beizutragen. Przemysl. Auf Veranlassung des Herrn Med. - Dr. K u t n a, hat sich hier ein Verein „ jeschnmn!£ zur Pflege der hebräischen Sprache und zur Hebung des jüdischen Stammesbewußlseins gegründet. Mährisch-Schönberg. Hier feierte unser Synagogenverein Sonntag, den 10. d. M. am Vorabend des Neujahrstages die Einweihung seines neuen Gotteshauses. Nachdem sich sämmtliche Mitglieder mit ihren Angehörigen einaefunden hatten, wurden die Thorarollen im Festschmuck von den angesehensten Männern der Gemeinde ins Bethaus getragen und feierlichst empfangen. Nachher hielt der Rel gionslehrer, Herr Ignaz Gelb köpf, eine sehr sinnreiche, der Bedeutung des Tage? entsprechende Rede, welche allgemeine Befriedigung fand. Großen Eindruck machten auch die schlichten Worte des Herrn Hermann Hirsch, einer der Aeltesten der Gemeinde. Zum Schluffe wurde für unseren allgeliebten Monarchen und das Herrscherhaus ein Gebet verrichtet und mit der Absingung der Volkshymne nahm die solenne Feier ihren herrlichen Abschluß. A. D. Ung.-Hradisch, 10. September. (Todesfa ll.) Heute Nachmittags fand das Leichenbegängniß des Herrn Bernhard L o e w, Oeconomiebesitzers statt. Derselbe verschied nach bestandener Operation in Wien am verflossenen Donnerstag und wurde dessen Leiche hieher überführt und auf dem israelitischen Friedhöfe in D ö r f l zur ewigen Ruhe bestattet. Er stand im 76. Lebensjahre. Auch eine Abordnung von zwölf Slowaken gab ihm zum Friedhofe das letzte Geleite. Buezaez. (Tr au er fall.) Am zweiten Tage des Neujahrsfestes wurde in Buczacz Frau Sarah Stern geborene Ausschnitt, Gattin des Herrn IsraelF. Stern und Mutter des dortigen Bürgermeisters, Herrn Bernhard Stern, im Alter von 65 Jahren zu Grabe getragen. Die Verstorbene war eine der werkthätigsten Frauen der Stadt, getragen von alter Frömmigkeit und menschenfreundlichem Sinne. Die Verehrung, die sie allgemein genossen, documentirte sich bei der Beerdigungsfeierlichkeit. Fast die ganze Stadt betheiligte sich am Leichenbegängnisse und die allgemeine Theitnahme an dem Schmerz der Familie ist eine ungeheuchelte und zeigte sich in den feuchten Augen aller Theilnehmenden. Friede ihrer Asche! Kojetein, den 17. September 1893. (Tempelrenovirung.) In Folge einer an die Behörde erstatteten Anzeige über die sowohl sanitätsals sicherheitswidrigen Uebelstände der Frauenabtheilung im hiesigen Tempel sah sich der Cultusvorstand zu dem Beschlüsse veranlaßt, nach den Feiertagen die Renovirung des Frauentempels zu veranlassen; ein Beschluß, der von jedem einzelnen Gemeindemitgliede mit Freuden begrüßt wurde. Möge nun der Cnltusvorstand einem zweiten allgemeinen Wunsche der Gemeinde Rechnung tragen und an die ernstliche Besetzung der vacanten Seelsorgerstelle denken und nicht erst warten, bis derselbe von der Behörde dazu gezwungen wird.