Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 38 (22.9.1893)
- Date
- 1893-09-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sette 718 Drsterreichischr Wochrnschrist Nr. 38 wenn auch noch so geringe jährliche Beitragsleistung dazu beizutragen, enverbsunfähige alte Leute, deren es bei dem Wechsel der materiellen Güter bei uns Juden so viele und auch aus den besten Familien gibt, eine Heimstätte zu schaffen, wo sie den Rest ihres Lebens sorgenfrei verbringen können. Euer Hochwohlgeboren unterstützen so viele humanitäre Vereine, gedenken Sie mit Ihrer werkthätigen Liebe auch der Heimatgemeinde Ihrer Väter, die daran geht, eine Institution zu schaffen, die ihr zum Heile und dem Judenthum zur Ehre gereichen, soll, das jederzeit in Humanität als Muster vorangehen muß. Das gefertigte Comite, welches sich auf Grund eines Beschlusses der Gemeinde-Repräsentanz constituirte und seine Wirksamkeit begonnen und in vollster Uebereinstimmung mit dem ehrwürdigen Oberrabbinate handelt, gestattet sich, Ihnen anliegend eine Subscriptions-Erklärung zu unterbreiten, mit der ergebenen Bemerkung, daß die von Euer Hochwohlgeboren gütigst zu zeichnenden Beiträge an den Vorstand der israel. Cultusgemeinde in Preßbnrg eingesendet werden wollen. Es zeichnet mit vorzüglicher Hochachtung das von der Repräsentanz der orthodoxen isr. Cnltusgemeinde zu Preßbnrg gewählte Comite zur Errichtung eines Asyls für Sieche und Greise israel. Confession. flucht finden gegen Stürme und Unwetter, wenn der Abend herangezogen, wenn die Sonne zum Untergange sich neigt. Baut dieses Schutzhaus, um die Schuld an Preßburg abzutragen, als Zeichen der Dankbarkeit und als Denkmal dafür daß die Ehrfurcht vor dem grauen Haupte Gesetz in Israel ist, heute wie in den Tagen der Vergangenheit. * * * Das von der Repräsentanz der orthodoxen isr. Cultusgemeinde zu Preßburg gewählte Comite zur Errichtung des israel. Altenheimes versendet nachstehenden Aufruf: Euer Hochwohlgeboren! Zu den schönsten jüdischen Tugenden zählt das liebevolle Gedenken der Gemeinde, der man entstammt, wenn auch noch so weit und lange Zeit von ihr entfernt. Durch diese Tugend haben sich seit der Freizügigkeit alte Gemeinden erhalten, weil deren Söhne auch aus der Ferne ihrer mit Liebesgaben gedachten, wie während des zweiten Tempels die Juden der ^Diaspora Jerusalems. Und mit Berufung auf diese Tugend, welche vor aller Welt ein Zeugnis; für die patriotischen Gefühle unserer Glaubensgenossen ist, wenden wir uns auch an Sie. Wenn Euer Hochwohlgebaren heute auch einem anderen Gemeinwesen angehören und in demselben wirken und schaffen, so bewahren Sie gewiß doch auch noch, wenn auch nur ein legendenhaftes Bild von der altehrwürdigen israelitischen Gemeinde Preßburg, in welcher Ihr Stamm wurzelte, Ihre Vorfahren ruhen, und wenn Sie ihrer in Pietät gedenken, lebt das Bild dieser Gemeinde in Ihrem Geiste auf. Und fürwahr, man kann mit Stolz auf seine Abstammung von der Preßburger Jsraelitengemeinde sehen. War sie doch Jahrhunderte lang, bis herab auf die jüngste Zeit, das Primat der Judenheit, aus deren Schulen die Rabbiner für Ungarn, Oesterreich und Deutschland und Größen auf allen andern Culturgebieten hervorgingen. Mit der günstigeren Gestaltung der politischen Verhältnisse unserer Glaubensgenossen übersiedelten die reicheren Mitglieder dieser Gemeinde in die Hauptstädte der beiden Reichshälften, der zurückgebliebene Theil ward dadurch materiell geschwächt, aber er hat sich, wenn auch mit großen Opfern aus der culturellen Höhe der Zeit erhalten. Die Preßburger Jsraelitengemeinde ist die einzige in Ungarn, welche eine öffentliche Mittelschule gegründet und andere alte Gemeinde- - Institutionen modern ausstattete, so daß sie eine Zierde der Stadt bilden. Und nun schreitet sie auch zu einer socialen Einrichtung, wie die Zeit sie erfordert, an die Gründung eines Asyls für Sieche und Greise israelttischer Confession. Dank der Initiative unseres edlen Präsidenten, des bekannten Wohlthaters Herrn Joel Wolf, der selbst 8000 st. zu dem angestrebten humanen Zwecke gespendet, ist durch Erwerbung eines dafür geeigneten Hauses bereits der Anfang zu dem Werke gemacht, dasselbe kann jedoch nur mit vereinten Kräften zur Ausführung gelangen. Und so ergeht von dem gefertigten Actions-Cornit6 ein Appell auch an Euer Hochwohlgeboren, sich an diesem Liebeswerke in unserer Gemeinde zu betheiligen, entweder demselben als Gründer beizutreten durch eine einmalige Spende von mindestens 4000 Kronen, wodurch Sie der im Regulativ dieses Versorgungshauses festgestellten statutenmäßigen Rechte theil- . hastig werden, oder durch eine kleinere Spende, eventuell eine, Teutobold über die Causa Paulus Meyer und Grnoffrn. Schreibebrief des deutschnationalen Studiosus. XII. Wien, September 1893. „Wer einem Andern einen Schulchan- Aruch übersetzt, fällt selbst hinein!" O Du mein bester Pumpo! Hast Du schon gelesen, hast Du schon gehört?! Natürlich hast Du. Ich selbst bin wie geschachtet über die unerwartete Wendung dieses Processes. Ich spüre eine entsetzliche Oede und dumpfe Leere im Hirn, ich fühle mich ganz zerschlagen, zerschmettert, zermalmt. Schöne Blutsuppe hat sich da der Deckert, auf den ich so felsenfest vertraute, eingebrockt — einfach scheußlich. Ich habe mich doch auch in meiner wissenschaftlichen Carriöre — eigentlich mehr Hundetrab — gerade genügend oft blamirt, habe doch auch schon mehr als ein Dutzendmal den grün behangenen Tisch angestiert, wie, ich weiß nicht wer, etwas neu Angestrichenes — aber s o blamirt habe ich mich — Wotan, Bismarck und Schönerer sollen so leben! — noch nie nicht. Affenschande. Ich erkenne neidlos seine Unterlegenheit an, und werde einen Vertrag mit ihm schließen. Er muß mir in der Unwissenheit Lection geben. Eine Million hätte ich gegen einen alten, abgerissenen Hosenknopf gewettet, daß die Sache anders ausgehen werde. Meine Spannung wuchs von Minute zu Minute. In nervöser Ungeduld blieb ich eine Tasse Cognac nach der andern schuldig. Mein Bekleidungskünstler setzte sich gerade zu mir in meine Kaffeehaus - Fensterecke — Möros, die Rechnung im Gewände — ich warf ihn hinaus, morgen zu kommen, übermorgen, oder wenn es ihm lieber wäre, gar nicht — ich war zu erregt. Endlich stürzte Johannes um Mitternacht mit der Nachricht athemlos herein. Na, ich war so paff, daß ich gar nicht päffer sein konnte. Partzewar freigesprochen, Schmul Tarier fteigesprochen, Maische Berichts, das Christenkind freigesprochen — blos das Tridumvirat hängen geblieben. Die