Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 37 (15.9.1893)
- Date
- 1893-09-15
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 37 Oestrrreichische Wochenschrift Seite 695 Im ersten Stocke befindet sich der neue Lehrsaal, ein großer, geräumiger Saal mit hohen Fenstern, geschmackvoll decorirt, elektrisch beleuchtet. Hier fand die Feier statt, die mit einem Gesänge von Cantor Wittmann eingeleitet wurde. Rabbiner K o h n zündete das ewige Licht an und ergriff dann k. k. Baurath Wilh. Stiaßny das Wort, indem er zunächst dem Vorstände für das Vertrauen, den Bauleuten und Mitarbeitern für ihre Unterstützung während des Baues dankte, besprach dann in meisterhafter Rede den Zweck des Bet Hamidrasch und schloß mit den besten Segenswünschen für das neue Haus-und den Verein. Vorstandsmitglied Herr Markus Bondi dankte hierauf dem Baurathe für den schönen Bau, den Mitgliedern und Spendern für die Unterstützung, die sie dem Vereine zur Errichtung des Neubaues zu Theil werden ließen, worauf Rabbiner S Pitz er die Festrede hielt. Er erzählte die Geschichte des Vereines, der vor 40 Jahren unter großen Schwierigkeiten gegründet, sich jetzt ein eigenes Heim errichtet und Dank der thätigen Mithilfe seiner Mitglieder zu einem großen Vereine emporgeblüht. Er schloß mit Segenswünschen für Seine Majestät Kaiser Franz Josef, unter dessen glorreicher Regierung wir die Verfassung erhielten, die ein freies Ausüben unserer religiösen Bräuche gestatte. Er bat die Mitglieder dem Vereine treu zu bleiben, die Vorträge fleißig zu besuchen und so eine Stätte der Thoralehre zu erhalten. Mit den vom Cantor W i t t m a n n recitirten Gebet für das Kaiserhaus und darauf folgenden Maariw-Gebet schloß diese herrliche erhebende Feier. Als Vertreter des ehrw. Rabbinates der Cultusgemeinde war Herr Rabbiner Pollak erschienen. Prag. In commerciellen Kreisen macht die in der Prag- Smich o v er Cottondruckerei entdeckte Malversation große Sensation. Der commercielle, flüchtig gewordene Director P. soll angeblich in Gemeinschaft eines Unterbeamten durch falsche Lohnlisten die Anstalt namhaft geschädigt haben. Die Prag- Smichover Cottondruckerei ist eine Actien-Gesellschaft, deren Actien sich in Händen der Wiener Land er bank befinden. Budapest, 7. September. Auf eine Note des ungarischen Cultusministers wegen Befreiung jüdischer Soldaten vom Waffendienste an den hohen Feiertagen, nämlich am 11., 12. und 20. September, hat das gemeinsame Kriegsministerium erwidert, daß die Truppen im Bereiche des IV., VI. und XII. Corps am 11., 12. und 20. September Waffenruhe haben, daher eine Verfügung in dieser Hinsicht gegenstandslos ist. Die Truppen des V. und VII. Corps nehmen dagegen an den bezeichneten Tagen an den größeren Manövern theil, und es kann aus diesem Grunde eine Befreiung der jüdischen Soldaten von den Manövern nicht eintreten. Böhm.-Leipa. Der Herr JUDr. Isidor Oest.reicher wurde zum Vorsteher und der Fabrikant Herr Eduard Altschul, zu dessen Stellvertreter gewählt. Dem gewesenen Vorsteher Herrn Isidor Gau s, welcher laut eines Schreibens aus Ischl auf jede eventuelle Wiederwahl aus Gesundheitsrücksichten im Vorhinein ablehnend sich erklärte, wurde laut Beschluß des Vorstandes ein ihm gebührendes, sehr ehrenvolles Dankschreiben übersendet. Salzburg. (Niederlage der Antisemiten.) Die antisemitische Partei hat sich der Illusion hingegeben, Salzburg schon erobert zu haben, allein sie mußte eben eine bittere Enttäuschung erfahren. Seitens der Antisemiten wurde nämlich im Gemeinderathe der Antrag gestellt, die aus dem allgemeinen Steuersäckel neuerbaute Volksschule zu benedictiren, welcher Antrag nach eingehender Debatte mit schwacher Mehrheit durchdrang, da zufällig mehrere liberale Gemeindeausschüsse der Sitzung nicht anwohnten. Dieser allgemein gehaltene Antrag wurde jedoch vom Bürgermeister dahin interpretirt, daß die Benediction von allen Seelsorgern der hier vertretenen Culten vorzunehmen sei. Hierüber große Bestürzung auf Seite der Antiliberalen. In einer zweiten, der Angelegenheit gewidmeten Sitzung wurde der auf Benediction hinzielende Antrag reassumirt und mit großer Mehrheit abgelehnt. Es bricht sich hier endlich die Erkenntniß Bahn, daß in einer auf den Fremdenverkehr, zu welchem die Juden ein sehr großes Percent liefern, angewiesenen Stadt, wie es Salzburg ist, für Rassenhetze kein Raum sein darf. Temesvar. Die Temesvarer innerstädtische Religions- Gemeinde hat in ihrer jüngsten Plenarversammlung an Stelle des verewigten verdienstvollen Präses Jg. S. v. Eisenstädt e r einen Präses-Stellvertreter gewählt, welcher bis zu der im Jahre 1895 stattfindenden Präseswahl, an der Spitze der Gemeinde wirken wird. Der aus der geheimen Wahl mit großer Stimmenmajorität als gewählt hervorgegangene Dr. Max M a n o w i l l hat sich schon seit einer Reihe von Jahren um die Gemeinde, in deren Repräsentanz er dieSchulsectionspräsesstelle bekleidet, namhafte Verdienste erworben und wird gewiß das ihm entgegengebrachte ehrende Vertrauen in jeder Beziehung rechtfertigen. Als Delrath in den Präsidialagenden wählte die Plenarversammlung an die Seite des Präsesstellvertreters ein Comitß bestehend aus den Herren: Simon Brück, David Herzl, David Herz, Salomon Klein und Hermann Weiß. Dr. Manowill dankte in einer gediegenen Programmrede für das ihm geschenkte Vertrauen, in welcher er hervorhob, dem glänzenden Beispiele des verstorbenen Präses nacheifern und dahin trachten zu wollen, daß das traditionelle gute Einvernehmen in der Gemeinde erhalten bleibe, wozu er sich die Unterstützung der Repräsentanz erbat. Nach dieser mit großem Beifalle ausgenommenen Rede wurde die Plenarsitzung geschlossen. Krernsier. (Eine räthselhafteJnschrift.) Manche Spuren deuten darauf hin, daß die hiesige Gemeinde schon vor 500 Jahren bestand. In der Wassergasse sollten die Juden in alter Zeit ihr Quartier gehabt haben. An zwei Stätten zeigen Funde darauf hin, daß dort Gotteshäuser standen. Beim Umbau eines sehr alten Hauses fand ich im Hintergründe folgende von einem Kranze umgebene Inschrift: cVr>\m T33« Prof. Kaufmann, der sie entziffern half, lieft im ersten Worte -p3frx „ich fürchte" und meint, daß die fehlerhafte Schrift den christlichen Ursprung verräth und vermuthlich von einem geheimen Juden herrührt. Vielleicht gibt Jemand Aufschluß hierüber. Frankl-Grün. Skotscharr, 5. September. (Rabbiner-Jnstall a t i o n.) Gestern Nachmittags fand anläßlich des Amtsantrittes des von der Cultusgemeinde zu ihrem geistigen Oberhaupte gewählten Rabbiners Dr. L. Dobschütz eine feierliche Gottesandacht im Tempel statt. Der Feier wohnten bei: die evangelische Geistlichkeit, die k. k. Beamten, Vertreter der Stadlgemeinde, des Ortsschulrathes, sowie des Lehrkörpers und die Mitglieder der Cultusgemeinde mit ihrem Vorstände. Tereschau, 11. September (Beerdigung). Heute wurde Frau Katharina L e d e r e r geb. P o p p e s Hierselbst zu Grabe getragen. Die zahlreiche Betheiligung aller Gesellschaftskreise aus der weitesten Umgebung bewies, wie der ehrwürdige Rabbiner in seinem Nachrufe in beredten Worten Ausdruck gab, daß die Verewigte die Sympathien Aller erworben, die sie näher kannten. Als Präsidentin des israelitischen Frauenwohlthätigkeitsvereines wußte sie durch die Art ihres Wirkens, die hilfsbereite Unterstützung in der zartesten Form zu gewähren und durch ihre Einflußnahme auf ihren Sohn, welcher an ihrer statt zum k. k. Postmeister ernannt wurde — denselben zu jenen Opfern zu veranlassen, welche es allein ermöglichten, die durch das Auswandern der jüdischen Gemeindemitglieder reducirte Cultusgemeinde und deren Institutionen zu erhalten. In Frau Lederer verschied eine wahrhaft jüdische Frau einer gottesfürchtigen Familie. Panesova, im September. In der hiesigen königlichen Freistadt, in deren Mitte erst nach Auflösung der Militärgrenze sich Juden ohne Einschänkung säßhaft machten, leben 120 jüdische Familien und bilden eine Gemeinde, die vermöge der Intelligenz ihrer Mitglieder und der Thatkraft ihrer Vorsteher ein berechtigtes Ansehen genießt und die Ehre unseres Namens heilig und unverletzt zu erhalten weiß. Behufs Wahl eines Rabbiners wurden Prediger zum Probevortrag eingeladen, unter Anderm auch der Schüler des Budapester Rabbinerseminars Dr. B. Krishaber. Derselbe predigte in ungarischer und deutscher Sprache und seine Rede machte einen mächtigen Eindruck, sie war geistreich und fein ausgeführt und zeigte, daß der Redner der orthodoxen Richtung sich nähert. Als zweiter zum Bortrage Gerufener war Dr. Ketem a n aus Nag y-A t t a d, der auch vergangenen Sonntag mit Stimmenmehrheit als Rabbiner gewählt wurde. Dieser nähert sich schon mehr der Richtung der Neologen, man rühmt ihm nach, daß er ein geistreicher gewandter Redner sei, mit Affect und Declamation. Und die junge Gemeinde, welche mehr auf Aeußerlichkeiten sieht, auf mehr Repräfentationsfähiges, welches das Auge besticht, wählte ihn. Er sei uns in seinem Wirkungskreise willkommen und führe uns in richtige Pfade! —d. Prag. Ich bitte, Ihre Mittheilung in der letzten Nummer, betreffend antisemitische Geschäftsleute, dahin zu berichtigen, daß