Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 37 (15.9.1893)
- Date
- 1893-09-15
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Sette 694 Österreichische Wochenschrift Nr. 37 mit der Schülerzahl proportional wachsenden Ansprüchen voll und ganz Genüge zu thun. Mögen die Mahnworte, mit welchen das Curatorium seinen Bericht schließt, auf recht fruchtbaren Boden fallen, mögen die bisherigen treuen Freunde sowohl selbst bis zur Zeit größerer Selbstständigkeit des Instituts ausharren, als auch den Kreis seiner Gönner erweitern helfen, damit die ersehnte Zeit bald erreicht werde, wo das Seminar durch entsprechende Fundirung ohne stete Existenzsorgen den an dasselbe gestellten Ansprüchen genügen kann. Iarotschin (Prov. Posen.) Am 27. August d. I. feierte Herr Bezirksrabbiner Bloch das Fest seines 25jährigen Jubiläums als Rabbiner der hiesigen Synagogen-Gemeinde. Der Tag war für den Jubilar ein Ehren- und Freudentag und hat beredtes Zeugniß dafür abgelegt, welch inniges Verhältniß zwischen dem Seelsorger und den Mitgliedern, nicht allein der hiesigen Gemeinde, sondern auch der Bezirksgemeinden besteht, und welche Liebe und Hochachtung er sich auch in weiteren Kreisen zu erwerben gewußt hat. Am Vormittage des Festtages erschienen im Hause des Jubilars die verschiedenen Deputationen zur Beglückwünschung. Den Anfang machten der Vorstand und die Repräsentanten der hiesigen Synagogen-Gemeinde. An Stelle des leider erkrankten ersten Vorstehers, Herrn Bürgermeister Goldring, überbrachte das Vorstandsmitglied Herr A. Adler die Glückwünsche der Gemeinde und überreichte eine Ehrengabe. Es folgten dann die Vorstände der Chewra-Kadischa, deren langjähriger Vorsitzender der Jubilar ist, des Humanitäts- und des Talmud- Thora-Vereincs. Namens der Stadt überbrachten die Magistratsmitglieder, Herr Rentmeister Gillmeister und Kaufmann Eilenberg, die Glückwünsche der städtischen Körperschaften. Den Schluß bildeten der Schulvorstand, der Lehrer und eine Deputation Schüler und Schülerinnen der hiesigen jüdischen Volksschule, deren Ortsschulinspector der Jubilar ist. Während Herr Oschinsky im Namen des Schulvorstandes gratulirte, überreichte Herr Lehrer Lauser unter sinniger Anspielung das von den Kindern gewidmete Geschenk — zwei prächtige Säulen mit schönen Kandelabern. Ein Schulkind, Lina Engländer, dcclamirte ein der Festfeier entsprechendes Gedicht. Auch die Nachbargemeinden, wie Zerkow, Neustadt a. W., Lions, Schroda, Koschmin, Jaratschewo hatten Deputationen entsandt, um dem Jubilar als zum Theil ihrem Bezirksrabbiner die Glückwünsche ihrer Gemeinden zu entbieten. Auch auswärtige Collegen, Herr Dr. Baneth-Krotoschin und Dr. Hepner-Koschmin waren hierher gekommen, um ihrem Amtsgenossen ihre freudige Theilnahme persönlich zu bekunden. Den ganzen Tag kamen Gratulanten, die den verschiedensten Ständen und Confessionen angehörten; ein Zeugniß dessen, welche Verehrung der Jubilar auch in den Kreisen Andersgläubiger genießt. Von auswärts übersandten theils telegraphisch, theils brieflich mehrere Gemeinden, Verbände, Amtsgenossen und Private die nach Hunderten zählenden Glückwünsche. Was ganz besonders in unserer Zeit rühmlich hervorgehoben zu werden verdient, ist, daß der kaiserlich deutsche Botschafter in Constantinopel, Oberst-Truchseß Sr. Majestät des deutschen Kaisers rc. Se. Durchlaucht Fürst von Radolin, der gegenwärtig auf seiner Besitzung Schloß Iarotschin weilt, den Jubilar durch ein sehr huldvolles Schreiben, in dem er sein persönliches Fernbleiben durch Unwohlsein entschuldigte, und durch Verleihung seines Bildes mit eigenhändiger Widmung auszeichnete. Um 4 Uhr Nachmittags fand in der Synagoge ein Festgottesdienst statt. Nach dem Minchagebet betrat Herr Rabbiner Dr. Baneth-Krotoschin die überaus herrlich geschmückte Kanzel und feierte in' beredten Worten, anschließend an das Wort 5, Buch Mos. Kap. 28, V. 3, den Jubilar als Rabbiner, Prediger und Lehrer. Den Schluß der religiösen Feier bildete die vom Jubilar gehaltene, gedankenvolle Festrede, welcher er Ps. 71, V. 17 u. 18 als Text zu Grunde gelegt hatte und die einen tiefen, mächtig nachhaltigen und bleibenden Eindruck auf die Zuhörer zurückgelassen hat. Warschau. Die in Warschau erscheinende hebräische Zeitschrift „Hazefira" berichtet aus verschiedenen Gegenden in Rußland und Russisch-Polen, daß Hunderte und Hunderte von Juden verschiedene Arten von Feldarbeiten verrichten und sich als geschickte Feldarbeiter bewähren, als wären sie von Kindheit an dazu erzogen und daran gewöhnt worden. Ein russischer Gutsherr sprach sich sehr lobend" über die jüdischen Feldarbeiter aus. Sie sind, sagte er, fleißig, anstellig, gewandt, friedfertig und mäßig. Sie betrinken sich nicht, raufen nicht mit einander, wie die meisten nichtjüdischen Feldarbeiter. Bei den gegenwärtigen Witterungsverhältnissen und dem Mangel an Arbeitern ist es ein wahres Glück, daß man an jüdische Feldarbeiter sich wenden kann. Die christlichen Feldleute machen große Ansprüche und treiben die Löhne in die Höhe, so daß die Gutsbesitzer und Bauern sie nicht verwenden können, während die jüdischen Feldarbeiter in ihren Lohnansprüchen bescheiden sind. In den Gegenden, wo es keine Juden, gibt, müssen die Früchte auf den Feldern zu Grunde gehen, weil dort keine Arbeiter sich finden, die für mäßige Löhne Feldarbeiten verrichten wollen. Dieser Gutsherr schloß sein Lob der Arbeitstüchtigkeit der Juden mit der ausgesprochenen Hoffnung, daß es ihm im Laufe der Zeit gelingen werde, 200 jüdische Arbeiter zusammenzubringen, was für ihn sehr vortheilhaft sein werde, da die Juden auf allen Gebieten der Arbeit durch ihre Geschicklichkeit, ihre Willensstärke und Ausdauer neues Leben schaffen und verbreiten. Die russischen Juden sind nicht blos tüchtige und brauchbare Feldarbeiter, sondern auch geschickte und treffliche Handwerker. Tausende von ihnen in Rußland treiben Handwerke und begnügen sich mit einem mäßigen Ertrag. Scheere, Pfrieme, Hobel, Hammer, Säge sind die Werkzeuge, die sie gebrauchen. Ueberhaupt kann man sagen, daß sie in Rußland und in Rumänien die zahlreichsten Vertreter des Handwerks sind. Warschau. Im „Woskhod" vom 20. Juni/2. Juli wird berichtet: Ein christlicher Arzt, Herr Potchataref, Mitglied der medicinischen Gesellschaft „Smolensk", hat diese darum ersucht, bei den städtischen und allgemeinen Behörden der Provinz einzukommen, damit keine weiteren jüdischen Aerzte als Communal- und Bezirksärzte zugelassen würden. Dieses merkwürdige Gesuch ist in der Versammlung sehr kühl ausgenommen worden. In der letzten Sitzung der Gesellschaft wurde der Schritt des Herrn Potchataref sehr lebhaft angegriffen. Der Präsident beantwortete auf das Energischeste diese antijüdischen Neigungen, „die in ein anderes Zeitalter gehören". „Die jüdischen Aerzte können nichts für ihre Geburt", sagte er, „ich habe sie auf dem Schlachtfelde, wie auch während der letzten Cholera-Epidemie beobachtet, überall erfüllten sie ihre Pflicht. Es ist sehr betrübend, daß confessionelle Anfeindungen bis in einen Verein dringen, dessen einziger Zweck ist: Kranken zu helfen." _ VemiMeu. Wien. (Kundmachung.) Wir bringen hiemit zur Kenntuiß, daß wir beschlossen haben, am Jom Kipur eine zweimalige Pause eintreten zu lassen und zwar zwischen dem Schachris- und Mussafgebete und zwischen dem Letzteren und dem Minchagebete. Diese aus sanitärer Rücksicht dringendst gebotene Verordnung wird dazu benützt, um die Bethausräume durch Oeffnen sämmtlicher Fenster zu lüften. Wir müssen dabei an die P. T. Bethausbesucher das dringende Ersuchen stellen, durch Verlassen des Bethauses während der vorgeschriebenen Pausen uns in der Ermöglichung der vollständigen Lüftung zu unterstützen. Bet-Zeit: Schachris 7 bis 11, Mussaf 11% bis 27S/ Mincha 4 Uhr. Der Bethaus-Borstand der israelitischen Cultusgemeinde. Wien. (Persoualnachricht.) Der aus seiner amtlichen Thätigkeit bestbekannte Polizeicommiffär Stukard hat sich mit Frl. Gabriele Straffer, Schwester des Bankiers Alfred Straffer, verlobt. Wien, 8. September 1883. Eine schöne Feier vereinte gestern Abends die Mitglieder des Vereines „Thora E z C h a i m" zur Einweihung des Lehrsaales im neuerbauten Vereinshause 2. Bez., Große Schiffgasse Nr. 8. Durch Zusammenwirken des daselbst befindlichen israel. Bethauses und des genannten Vereines ward es möglich, das vor dem Bethause gelegene Haus anzukaufen und hat, an dessen Stelle k. k. Baurath Stiaßny einen prachtvollen Neubau aufgeführt. Der Eingang zum Bethause führt jetzt durch ein geräumiges Thor und Vestibüle, welches einen herrlichen Eindruck macht.