Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-09-15 · 37 (15.9.1893) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
37 (15.9.1893)
Date
1893-09-15
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3020846-3020954-3020991--02749-3026854
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 37 Oesterreichische Wochenschrift Sette 693 EB. Wien. (E i n russischer Großfürst für d i e I u d en.) Wie der „Wilensky Westnik" meldet, haben die Wilna'schen Juden, nachdem ihnen die Nachricht geworden war, daß der Großfürst Sergei Alexandrowitsch zu Gunsten der Stadt Wilna, s p e c i e 11 der dortselbst durch Wassernoth zu Schaden gekommenen Juden eine Spende von 1000 Rubel gewidmet habe, einen Gottesdienst für das Wohl des Großfürsten abgehalten. Die Aeltesten der Gemeinde sandten ein Danktelegramm an den Großfürsten nach Moskau und erhielten folgende Antwort; An den Generalgouverneur, General Orschewskij. Die Großfürstin und ich bitten Sie, unseren Dank der Wilna'schen jüdischen Gesellschaft zu übermitteln für das liebenswürdige Telegramm der Mitglieder der geistlichen Verwaltung. Wir sind herzlich erfreut, daß wir die Nothleidenden trösten konnten. Wien. (Mitglieder eines Katholikentages.) Mit welchen Mitteln die Hetze gegen die Juden betrieben wird, zeigt nachstehendes Telegramm aus Budapest: Bauern, welche nach Szabadka gekommen waren und dort das Verbot des Katholikentages erfuhren, wurden gegen die jüdische Bevölkerung gehetzt, indem man ihnen sagte, die Juden hätten den Minister Hier o n y m i durch ein starkes Schächtermesser zu jenem Verbote gezwungen, weil das Programm des Katholikentages auch einen Beschluß über die Ausrottung der Juden enthielt. Infolge dessen habe sich der Bauern eine derartige Aufregung bemächtigt, daß sie in die Kanzlei des jüdischen „Heiligen Vereins" einbrachen und sich das ganze dort vorhandene Geld aneigneten. Lemberg. (Der Kaiser in Galizien.) Die Juden Galiziens sind in gehobenster Stimmung, denn auch sie sind beschienen von der Gloriole, welche unser Kronland von der kaiserlichen Gnade und Huld umgibt, die der Monarch in so j reichem Maße gespendet. Bei allen Aufwartungen wurden auch i die Vertreter der Judenschaft von Sr. Majestät in huldvollster Weise ausgezeichnet und mit Ansprachen beehrt, und zwar in Przemysl der Repräsentant der israelitischen Cnltusgemeinde Banmfeld, in Stryi der Cultusvorsteher Gelern er und der Landtagsabgeordnete Dr. Fruchtmann. Przemysl, 8. September 1893. Auf der Durchreise nach Ungarn hat sich der Kaiser circa 10 Minuten auf dem hiesigen Bahnhofe aufgehalten und unter Anderen auch den Senior der bekannten Familie Gans, Herrn Leiser Gans mit einer längeren Ansprache ausgezeichnet. Zu der Repräsentanz der israelitischen Cultusgemeinde äußerte der Kaiser, daß es ihn sehr freue, sie wiederzusehen; er war schon einigemal in Przemysl, kann sich aber jetzt lange nicht aufhalten, wird es dagegen bei der nächstjährigen Reise nach Lemberg thun. Jaroslau. Als Se. Majestät der Ka iser nach dem Abblasen das Manöverfeld verließ, brachte Allerhöchst Demselben eine Schaar israelitischer Einwohner des ganzen Bezirkes eine begeisterte Ovation dar, indem dieselbe den weithin schallenden, von patriotischer Begeisterung eingegebenen Ruf ausbrachte: Hoch seine Majestät unser vielgeliebter Kaiser. Seine Majestät, welche bereits den Wagen bestiegen hatte, geruhten wiederholt salutirend leutseligst zu danken, worauf sich die Rufe so lange wiederholten, bis der Monarch aus dem Gesichtskreise der enthusiasmirten Judenschaft entschwunden war. Eine gleiche Ovation bereiteten die jüdischen Einwohner von Wiel Kic-Oczy dem Erzherzog A l.b r e ch t. Der Eindruck, den die Leutseligkeit des Kaisers auf die Juden gemacht hat, ist ein tiefgehender und wird ewig in dem Gedächtnisse Aller fortleben, welche das Glück hatten, Seine Majestät von Angesicht zu Angesicht zu sehen, resp. denen die hohe Ehre zutheil wurde, einer Vorstellung gewürdigt zu werden. Insbesondere war es den Juden eine Befriedigung, die Wahrnehmung machen zu können, daß der Kaiser die Juden mit gleich warmer Liebe und Herablassung behandelte, wie seine Unterthanen anderer Confession und doppelt betrübend wirkt der schreiende Contrast zu der schimpflichen Behandlung, welche die Juden anderweitig erdulden müssen. Nachod, am 8. September 1893. Geehrte Redaction! In Bezug auf den in Ihrem sehr geschätzten Blatte erschienenen Artikel, daß ein jüdischer Knabe einem arischen Kinde das Leben gerettet habe, mache ich der geehrten Redaction Mittheilung von einem Falle, der in grellem Gegensätze zu jenem steht: „Am 22. Juli l. I., begab sich ein Mädchen Namens Marie Maslo, an die Mettau, um daselbst etwas zu besorgen. Durch einen unglücklichen Zufall fiel das Mädchen in den Fluß. Als dies von mehreren umstehenden Ariern bemerkt wurde, eilte einer derselben hinzu, um dem Mädchen Hilfe zu leisten. Da es jedoch gerade Samstag war und das Mädchen etwas bessere Kleidung trug, so glaubten Alle, das Mädchen sei eine Jüdin. Der zu Hilfe Eilende wurde durch die Rufe: Laßt sie ertrinken, sie ist eine Jüdin, abgehalten, das Kind zu retten. Bald hatte das Mädchen den'Tod in den Wellen gefunden. Wie sich später herausstellte, war das Mädchen arischer Abstammung und an ihrem Namenstage besser gekleidet. Auf der einen Seite sehen wir also einen Judenknaben, der auf Gefahr seines eigenen Lebens ein arisches Kind aus der Lebensgefahr rettet, auf der anderen Seite arische Antisemiten, die ein Kind arischer Confession hilflos ertrinken lassen. Berlin, 22. August. Der soeben zur Ausgabe gelangte Rechenschaftsbericht des hiesigen Rabbiner-Seminars für 1891/92 legt abermals erfreuliches Zeugniß für das äußere Wachsthum und die innere Erstarkung der vortrefflichen Anstalt ab. lieber den eigentlichen Verwaltungsbericht können wir uns auf ein schlichtes Referat beschränken. Die Ziele und Aufgaben, welche die Anstalt sich gestellt, die Leistungen und Erfolge, auf welche sie Hinweisen kann, sind in Ihrem Blatte so oft besprochen worden und in den weitesten Kreisen längst so bekannt und anerkannt, daß es einer abermaligen Darstellung nicht bedarf. Wie in früheren Jahren, genügt es auch diesmal, Ziffern reden zu lassen; sie beweisen, daß die Zahl der Schüler von Jahr zu Jahr stetig wächst, daß der Kreis der Gönner und .Freunde der Anstalt sich immer mehr erweitert, und vor Allem, daß dieselbe das Vertrauen großer, geachteter Gemeinden, welches in der Berufung der Schüler zum Ausdruck kommt, in immer erfreulicherem Maße sich erhält und neu erwirbt. Der finanzielle Theil des Berichtes hebt eine Reihe namhafter Zuwendungen hervor. Der am 11. September 1889 verstorbene Herr Heinrich Löwenheim hat das Seminar zum llniversal-Erben seines Vermögens eingesetzt, dessen bisherige Eingänge ca. Mark 47.000 betragen; kleinere Beträge werden noch hinzukommen. An fernern Legaten iverden verzeichnet: von Moses und Babette Leither in Fürth Mark 10.000, von S. I. Cohn, Berlin Mark 1500 und von Heiman Simon, Berlin Mark 1000. Außerdem gingen noch fünf Legate im Gesammtbetrage von Mark 1332-70 ein. Die Einnahmen betrugen Mark 151.595,66 (davon Legate Mark 60.832-70), die Ausgaben Mark 68.358'30; das Vermögen ist auf Mark 407.104'76 gestiegen. Durch oiese Steigerung der Einnahmen ist die Verwaltung dem Ziele näher gebracht, die Anstalt von der Wandelbarkeit der Jahresbeiträge unabhängig zu machen und den durch die gesteigerte Frequenz erheblich größeren Ausgaben gerecht zu werden. Daß Letzteres in der That keine leichte Aufgabe ist, beweist ein Blick aus das Verzeichniß der Hörer, für deren materielles Wohl die Anstalt nach dem Maße ihres Könnens sorgt. Das Seminar wurde in den Berichtjahren von siebenundsechzig Schülern besucht, von denen sechsundvierzig aus Deutschland, acht aus Oesterreich, zehn aus Ungarn, je einer aus Holland, Rußland und Palästina stammen. Bedenkt man, daß die Anstalt sehr hohe Forderungen an die Vorbildung der Candidaten, welche die Aufnahme suchen, stellt, daß, wie der Bericht hervorhebt, unter den im Laufe der letzten Semester Aufgenommenen kein Einziger ist, der nicht das Gymnasium absolvirt hat, so wird man das Gewicht jener Zahlen erst ganz würdigen können. Es ist wohl kaum jemals ein ähnliches Institut von einer gleich großen, in talmudischen und allgemein wissens-hastlichen Disciplinen so tüchtig vorgebildeten Zahl von Schülern frequentirt worden. Daß diese bedeutsamen Fortschritte auch die gebührende Würdigung erfahren, beweisen die ehrenvollen Berufungen mehrerer, nach vollendetem Examen entlassener Zöglinge, und zwar wurden zu Rabbinern gewählt: die Herren Dr. H. Baneth in Gablonz (Böhmen), Dr. A. Bloch in Sulz u. W. (Elsaß), Dr. E. David in Düsseldorf, Dr E. Goitein in Nachod, Dr. A. Loewenthal in Tarnowitz, O. S., Schaffner in Baltimore (Amerika). Dr. B. Seligkowitz in Cöthen (Anhalt), Dr. E. Weill in Fegersheim (Elsaß), Dr. I. Zivi in Winzenheim (Elsaß). Höhere Lehrer-, resp. Prediger- Stellungen haben vier Schüler übernommen. Es sind hohe, herrliche Aufgaben, welche die Anstatt sich gesteckt. Soll sie dieselben in gleich erfreulichem Maße erfüllen können, so muß sie in tcn Stand gesetzt werden, einerseits die so lange erstrebte, leider aber noch nicht vollständig erreichte Selbstständigkeit, die völlig ausreichende Fnndirung zn erlangen, andererseits den

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.