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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-09-15 · 37 (15.9.1893) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
37 (15.9.1893)
Date
1893-09-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 37 Orstrrreichifche Wochrnfchrifl Seite 689 Kirchenbauten, die auch wir bewundern, die auch wir als stolze Denkmäler der Civilisation betrachten, man denke an die Kirchenschätze? Hat etwa die Armuth diese Kirchen erbaut, diese Schätze gesammelt? Man denke an die Einnahmen einzelner Bischofssitze, an den Reichthum einzelner Klöster. Wie kann man daneben von dem Reichthum der Juden sprechen? In Wien wohnen zehn Forsibesitzer, die ihren Beamten so viel an Gehalt zahlen wie der Staat seinen sämmtlichen Forstbeamten; darunter befindet sich ein einziger Jude (Rothschild). Bis gegen das Ende des achtzehnten Jahrhunderts gab es, Holland ausgenommen, überhaupt keinen Juden, dessen Vermögen die zehn Millionen überklettert hätte. In diesem Jahrhunderte sind die Vermögen gewachsen; aber gewiß bei den Christen weit mehr als bei den Juden. Der Vater des Teppichfabrikanten Haas besaß einen Webstuhl, auf dem er selber arbeitete; der Va.'er des Bierbrauers Dreher hat mit nichts angefangen. Diese Beispiele ließen sich in unserer Stadt in langer Reihe fortsetzen. In der Schätzung von Einzelnvermögen sind Jrrthümer nicht zu vermeiden. Nach der Einschätzung von 1891 besitzt Rothschild in Frankfurt ein Einkommen von 4,200.000 Mark, während Krupp mit über 6,000.000 Mark taxirt ist. In Berlin allein werden 50 große und kleine Millionäre gezählt; wie viele davon sind Juden? Man denke an den Neichthum der englischen Lords. Einhundertundfünfzig Herren besitzen die Hälfte des englischen Bodens. Das Einkommen von 67 dieser Grundherren wird ans 13,700.000 Pfund Sterling berechnet; das heißt diese 67 Grundbesitzer haben nrehr zu verzehren als das österreichische Kriegsbudget ausmacht. Der Herzog von Sutherland besitzt an Grund und Boden 482.676 Hektare; das ist mehr als neunzig deutsche Quadratmeilen. Der Herzog von Westminfter hat ein tägliches Einkommen von 2000 Pfund, jährlich demnach mehr als sieben Millionen Gulden. Eine amerikanische Liste von 1890 umfaßt 122 Personen, die zusammen ein Capital von 1552 Millionen Dollars (weit mehr als die französische Kriegsentschädigung) besitzen. Man lese die Namen dieser Millionäre und man wird unter denselben nicht einen einzigen Juden finden. Man denke an den Großgrundbesitz in Oesterreich und Ungarn, wo es auch nicht an Herren fehlt, welche Herzogthümer, sozusagen kleine Königreiche an Grund und Boden ihr Eigenthum nennen. Es gibt, auch Juden, welche Bergwerke, Forste und Güter haben, auch Juden, welche Geld besitzen; der Neichthum der Juden aber ist ein Märchen, erfunden vom Neide und erzählt von seinem Bruder, dem Hasse. So lange der Socialismus noch nicht zur Herrschaft, so lange nicht in der Gleichheit der Armuth und Entbehrung das goldene Zeitalter wiedergefunden ist, muß jeder Bürger dieser Welt sich darauf angewiesen fühlen, nach Möglichkeit in seinem Vermögen vorwärts zu kommen. Gelänge es den Juden, Reichthümer zu sammeln, so wäre das vom ökonomischen Standpunkte aus nur ein unbestreitbares Verdienst. Es ist auch gewiß, daß die Juden nach so vielen Leiden und Verfolgungen nicht ihre gegenwärtige sociale und ökonomische Stellung errungen hätten, wenn sie nicht ein reiches Maß von bürgerlicher Tugend besitzen würden. Wenn man in einem Londoner Wohlthätigkeitsregister die Namen der Juden liest, welche jahraus jahrein beträchtliche Summen für Wohlthätigkeitszwecke subscripiren, so kann man erstaunen über die philantropische Potenz des Judenthums. Das sind größtentheils Juden, vom spanischen Ritus, angesiedelt in allen Erdtheilen, in allen Colonien, wo die englische Flagge weht. Das sind die Juden, die rnan vor vier Jahrhunderten aus Spanien verjagte, nachdem man sie erst beraubt und geplündert hatte. Gewiß dürfte jede Nation darauf stolz sein, den Kampf ums Dasein so ruhmvoll bestanden zu haben. Der spanische Staat führte aus dem großen Tempel in Mexiko allein so viel Gold fort, als die californische Goldproduction überhaupt bisher beträgt und nach einem Jahrhundert waren Staat und Volk' verarmt. Und die Nachkommen der Juden, die man vertrieb und plünderte, die haben Geld; das ist gewiß anerkennenswerth. Aber es ist doch nur immer eine Minderzahl, die das Glück zur Höhe emporführte; die meisten spanischen Juden sind arm und müssen arm sein, denn es ist schwer vorwärts zu kommen, wenn man, wie es bei den Juden der Fall ist, immer wieder beim ersten Kreuzer anfangen muß. Es fehlt der ererbte Besitz. Man könnte einwenden, in Amerika und Australien, auf dem malayischen Archipel u. s. w. hätten die Juden ebenso gut zu Erzmillionären sich aufschwingen können wie die Christen. Diejenigen, die das sagen, nehmen keine Rücksicht aus die erschwerten Lebensbedingungen der nach den neuen Ländern auswandernden Juden. In ihrer Heimat war den auswandernden Juden der landwirthschaftliche Betrieb unmöglich gemacht, das Erlernen eines Handwerks erschwert und ebenso schwer war es für sie, sich wissenschaftlich technische Kenntnisse zu erwerben. Die Juden konnten nicht ihre Liegenschaften verkaufen, um das Geld in den Colonien zu verwerthen, weil sie keine Liegenschaften befaßen. Die Juden konnten auch nicht als Officiere und Beamte die Gelegenheit ausnützen und konnten auch nicht daraus rechnen, daß die Chefs der Colonien ihnen Monopole einräumen würden, wie sie den' Begünstigten zu Theil wurden. Mit einem Worte, die Bedrängnisse, denen die Juden sich in Europa ausgesetzt sahen, hatten ihre Nachwirkung auch in den neuen Ländern. Ass Enterbte kamen sie in die Colonien und als Enterbte mußten sie sich eine Lebensbasis erobern. Die Juden beherrschen die Börse, sie sind Könige im Reiche des Credits. Das ist wahr. Aber ist damit erwiesen, daß die Juden das Geld haben? Damit ist nur bewiesen, daß einzelne große Geldkräfte über eine mächtige Clientel verfügen. Diese Clientel besteht aber großentheils ans Christen. Die Anleihe wird von den Inden abgeschlossen, subscripirt aber wird größtentheils von Christen und die Obligationen werden der Ueberzahl nach von Christen bezogen. Es kann aber keine größere Anerkennung für die Juden geben, als daß gerade sie über den Credit disponiren. Es ist ja nicht blos Zufall, daß gerade ihnen das öffentliche Vertrauen sich zuwendet. Für die Rechtschaffenheit der Juden gibt es keinen besseren Beweis als ihre Macht in der Welt des Credits und Lord Rothschild in London, der creditmächtigste Mann der Welt, concentrirt in seiner Unterschrift Milliarden. Aber das ist wesentlich eine moralische Macht, eine moralische Ueberlegenheit, keineswegs gleichbedeutend mit der materiellen Ueberlegenheit des Besitzes. Es gibt reiche Juden und sie sind die Ausnahmen. Man durchforsche statistisch alle Erdtheile und man wird erstaunen, wie wenig der Jude von dieser Erde, von den Alpenweiden bis tief hinab in d-'e Schächte der Bergwerke, feist eigen nennt. Die Mehrzahl der Jud.'n ist arm, und zwar arm bis zur schrecklichsten Nochlage, wo sie in größeren Massen zusammen wohnen. Was würde man denn sagen, wenn die Juden statt auf der Börse zu herrschen, die Herren wären von Grund und Boden, vom immobilen Besitz? Dann würde man gewiß noch viel heftiger gegen die Macht unb den Reichthum der Juden donnern. Ist es nicht eine Schande, wenn die Erben fürstlicher Besitzthümer als Fälscher socialistischer Doctrinen auftreten und auf den Judenhaß speculiren? Das ist die Tagesordnung des edlen Herrn. Sein Morgengebet führt ihn nach Judäa, wenn auch lateinische und griechische Modulationen den Klang der hebräischen Namen mildern. Dann liest er zum Frühstück eine antisemitische Zeitung. Die Coupons sind fällig geworden und er schickt sie zum Eincassiren an eine jüdische Bank. Während des Couponsabschneidens denkt er über eine Rede nach, die er gegen das mobile Capital halten will. Der Director der Zuckerfabrik erscheint und erhält den gemessenen Auftrag, die Arbeiter rücksichtslos zu behandeln. Dadurch angeregt, schreiben Erlaucht oder Durchlaucht einen Artikel für das anttsemitische Leiborgan über die christlich-sociale Emancipation der Arbeit. Zweites Frühstück, opulent, wie es sich für den Schloßherrn geziemt, der eine Tagreise braucht, um die Grenzen seines Besitzes zu erreichen. Bei Tische Gespräche über die von den Juden ausgeübte Bedrückung. Der Oeconomieverwalter erscheint, um über den Ausfall der Ernte zu berichten. Verschiedene Angebote liegen vor; der Jude bietet

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