Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 37 (15.9.1893)
- Date
- 1893-09-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 37 OeüerretchMtze WochrMchrM Seite 687 Flugschrift „La piaga Ebrea“ (Die Judenplage). Als Aufgeber war wiederum „Dr. P a v l y" angegeben, nach dessen Person, da mehrere der geschädigten Vorsteher Strafanzeigen erstattet haben, gerichtliche Nachforschungen eingeleitet wurden. Nunmehr setzt er katholische Geistliche in Contribution und das „Vaterland" ist genöthigt, vor der Schwindelbande zu warnen. Wir erlauben uns heute blos daran zu erinnern, daß wir sofort die Bande als „eine Gaunergesellschaft" gebrondmarkt haben. Das „Vaterland" gelangt zu dieser Erkenntniß etwas spät. _ Die Verjudung von Wien. Die Mittelschulen. Nach der Volkszählung im Jahre 1890 sind in Wien Katholiken . . . 1,195.175 Juden .... 118.495 das sind also circa 10 Percent Juden. , Im Schuljahre 1891/92 waren sämmtliche 28 Mittelschulen Wiens nach amtlichen Daten von 6429 Katholiken und 2659 Juden besucht, das sind also 42 Percent Juden. Davon zählte man im: Kathol. Juden K. k. akad. Gymnasium 1. Bez. 206 209 K. k. Franz Josef-Gymnasium 1. „ 129 143 K. k. Staats-Gymnasium 2. „ 138 310 Priv at-Unter-G ymnasium 8. „ 114 233 Nach dem 29. Jahresberichte desLeopoldstädterCommunal- Oberreal-Gymnasiums für das Schuljahr 1892/93 waren daselbst: 114 Katholiken und 322 Juden (!) In der Provinz sieht es nicht besser aus; da entnehmen wir beispielsweise dem Jahresberichte der „Prager deutschen Handelsschule" vom Jahre 1893, der uns eben bei der Hand ist: Daselbst waren im letzten Schuljahre 193 Katholiken und 255 Juden. Aus vorstehenden statistischen Daten gelangt Psenner, der in der Carriöre des Dummen Kerls von Wien sichtlich Fortschritte macht, in der letzten Nummer des „Volksfreund" zu dem Schluffe, daß die Christen gar nicht mehr in der Lage sind, ihre Söhne studiren zu lassen. Man weiß wirklich nicht, stellt sich Psenner nur so dummdreist oder ist er es thatsächlich. Es hat noch Niemand die Behauptung aufzustellen gewagt, daß die Christen nicht mehr in der Lage sind, zu studiren, weil in den 30 Mittelschulen Wiens die Juden prävaliren. Psenner verschweigt jedoch, daß in dreiviertel der Wiener Mittelschulen die jüdischen Schüler in verschwindender Minorität sind. Psenner deducirt aber auch aus dem Umstande, daß in einigen Gymnasien jüdische Schüler in Mehrheit sind, daß sich die Juden keinesfalls den producirenden Ständen anschließen, sondern ein Feld aufsuchen, wo es ihnen dann vermöge der zu erlangenden Stellungen sehr leicht ist, die Christen gänzlich beherrschen und unterdrücken zu können. Das ist ganz einfach und logisch, meint Psenner. Er habe in der vorletzten Nummer bereits nachgewiesen, daß in Wien 795 christliche und 727 jüdische Aerzte sind. Noch viel ärger sei es im Advocatenstande u. s. w. So steht die Sache. Aber unter hundert Tischlern, Maurern oder Pflasterern irgend eines Bezirkes wird man keinen einzigen Juden finden. Erst jüngst hat Psenner ein Wehegeschrei angestimmt, daß die Juden sich auch des Handwerkes bemächtigen, er scheint jedoch ein kurzes Gedächtniß zu besitzen, nun erhebt er wieder den Vorwurf, daß sich die Juden nicht den producirenden Ständen anschließen. Sind die jüdischen Schuster, Schneider, Tischler, Schlosser, Spengler, Uhrmacher, Goldarbeiter nicht producirend? Müssen sie denn in Wien auch Maurer und Pflasterer sein, um den producirenden Ständen anzugehören. Es diene jedoch Psenner zur Beruhigung, daß in Galizien Juden auch das Maurer- und Pflastererhandwerk betreiben. Des Pudels Kern kommt jedoch am Schluffe des Psenner'schen Artikels, welcher in einer gemeinen Abonnentenfängerei und widerlichen Bettelei ausklingt, u. zw. heißt es: .,V o r ste h e n d e Statistik beweist wieder klar, _ wie furchtbar die Verjudung fortschreitet und wie sehr der Antisemitismus n o t h w e n d i g und berechtigt ist. Der „O e st e r r e i ch i s ch e Bo lk s f r eu n d" ist dasjenige Blatt in Oesterreich, welches den Muth gehabt hat, zuerst mit aller Entschiedenheit und Unerschrockenheit gegen die Verjudung aufzutreteu. Und der E i g e u t h ü m e r Psenner dieses Blattes ist Derjenige, welcher in einem Zeitpunkte des Stillstandes der antisemitischen Bewegung dieselbe neu entflammt und o rganisirt hat. Der „O e st e rr e i ch i sch e B o l ks f r eu n d" und sein Eigent h ü m e r haben zugleich mit den Führern der antisemitischen Partei die größten materiellen Opfer gebracht. Sie sind es, welche dem christlichen Volke fortwährend zugerusen haben: „Kaufet nur bei Christen!" und welche auf diese Weise die christlichen Geschäftsleute vor noch größerem Schaden bewahrt haben. Es kann nicht verlangt werden, daß immer nur wenige Männer allein alle Opfer bringen, darum mögen die C h r i st e n wenigstens die christlichen Blätter — es kostet sie dies ja nicht einmal etwas — in den öffentlichen Localen unablässig und entschieden fordern! Bedenken Sie nur, welche Opfer die Socialdemokraten, meist arme Arbeiter, für ihre Sache bringen! Um Einsendung der rückständigen Beträge wird gebeten. Es gehört zu Allem Geld auf de r Welt, und zum Krieg braucht man bekanntlich Geld, Geld und wieder Geld, namentlich gewiß zu einem so schwierigen Kampfe, wie es der Kampf gegen den Liberalismus und das Semitenthum ist." Die gemeinsten Triebfedern, Eigennutz, Gewinnsucht, Habgier und Gelderwerb sind es demnach, die Psenner bestimmen, das Geschäft des Antisemitismus zu cultiviren, Haß und Zwietracht in die Bevölkerung zu tragen, und die Hetze Aller gegen Alle zu betreiben, und in diesem Schandgewerbe findet Psenner leider die Unterstützung und Förderung der maßgebenden Kreise. Mögen aber die Juden nach wie vor darnach streben, sich Bildung anzueignen und sich von dem Gekläffe Psenner's und seiner Sippe nicht davon abhalten lassen. Wissen ist nicht nur Macht, Bildung veredelt und macht den Menschen für alles Gute und Schöne empfänglich und der Jutellect, den sie sich durch Studien aneignen, wird erst zeigen, wie hoch erhaben die Juden in jeder Richtung gegen die Arier sind, welche, anstatt in den Lehrsälen zu weilen, die Zeit in Wirthshäusern todtschlugen, verführt von den antisemitischen Führern. Eck. Bear. Die Fälscher des Sorialisnms. Es gibt Leute, welche den historischen Beruf zu haben scheinen, Alles zu fälschen und Alles zu mißbrauchen und sie unterziehen sich dieses Amtes mit einer Feierlichkeit, wie sie geboten erscheint, wenn man das Volk versammelt, wenn man es zu einem Feste ladet, wenn man es für eine Idee begeistern oder für einen Wahn in Flammen setzen will. Die Religion kam vorn Himmel und sie wurde gefälscht, damit man Scheiterhaufen anzünden und Religionskriege anstiften konnte. Der Socialisums stammt vielleicht nicht vom Himmel und wird gefälscht zu den verschiedenen Zwecken des Antisemitismus. Und merkwürdig! Es sind immer dieselben geschichtsbekannten Gesichter, denen man bei den verschiedensten Gelegenheiten im Laufe der Geschichte begegnet. Raubritter und Bauernschinder in den anarchischen Zeiten des ersten Mittelalters, betheiligten ne sich später mit großem Eifer an allen Humanitätsacten der Kreuzzüge gegen Juden, Sarazenen und griechische Christen. Sie verschwören sich mit dem Papste gegen den Kaiser und brandschatzen dabei reiche Klöster. In den Bauernkriegen bekunden sie ihre tolerante Auffassung des Socialismus und die verbrannten Dörfer sind die Denkmäler ihrer Volksliebe. In der Reformationsepoche zeichnen sie sich durch die Leichtigkeit aus, mit der sie ihre Religion zu wechseln verstehen.