Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-09-08 · 36 (8.9.1893) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
36 (8.9.1893)
Date
1893-09-08
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3020954-3020990--02733-3026837
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 678 Veflrrrektzifche Wochrnschrifl Nr. 36 ein Gräuel ist, indem sie vor Blutvergießen eine gewisse Scheu haben, wurden sie lange Zeit vom Militärdienst gänzlich verschont, jetzt werden sie jedoch beim Sanitätsdienst verwendet. Aus meinen Recherchen wie aus Aeußerungen heimischer Rabbaniten combinirte ich, daß die Haliczer Karaiten seit dem Ableben des Chacham R. Josef keinen eigentlichen Chacham mehr haben, da sie keinen wirklichen Schriftgelehrten haben. In Ermangelung eines solchen nennen sie nun den weltlichen Vorsteher „Chacham", dieser sei aber ein großer am—hoorez (Ignorant); das mag wohl der wichtigste Grund gewesen sein, daß er sich vor mir so sehr versteckte, und ist jetzt ihr geistliches Oberhaupt doch nurR. Simche, .ohne dennoch „Chacham" zu sein. Hatte ich das von Herrn Dr. Jellinek 1875 herausgegebene Gedenkblatt „Abr. Firkowicz, das religiöse Oberhaupt der Karäer", bereits gekannt, es wäre mir vielleicht zu statten gekommen, — da in demselben die Namen der Mitglieder der Karäer-Gemeinde — darunter auch R. Surach und Simche — verzeichnet sind. — So aber war meine Ausbeute eine sehr geringe und kaum lohnend. Dr. Ignatz Friedlieber, Rabbiner. Szolnok, im Februar 1893. Fürstengunst. Roman von S. Kohn. Verfasser von „Gabriel". Jeder «nbefugte Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden. Uebersetzungs- 23) rechte Vorbehalten.) Dreizehntes Capitel. Am folgenden Tage gab's für die Wiener Bevölkerung ein großartiges Schauspiel. Prinz Eugen, in seinem äußern Auftreten in der Regel ein Muster bescheidener Anspruchslosigkeit, der gewöhnlich in einem einfachen Wagen und nur zweispännig fuhr, hatte diesmal zu seiner Fahrt in die Hofburg seine reich mit'Gold ausgelegte Prachtkarosse benützt, an. welche sechs ganz gleiche, isabellenfärbige, herrliche, prachtvoll geschirrte Rosse angespannt waren. - Bor dem Wagen liefen vier Heiducken in glänzender Livrä in den Farben des Hauses Savoyen. Neben dem Kutscher auf dem Bocke saß der Leibjäger des Prinzen, auf dem Trittbrett standen zwei Mohren in rothsammtenen Wämsern und blauseidenen Pluderhosen. Der Prinz fuhr an dem schönen Sommertage in offenem Wagen. Er trug die große Feldmarschallsuniform und seine Brust war von den höchsten Orden' übersäet. Der Prinz, der offenbar durch seine prunkvolle Auffahrt die Aufmerksamkeit der Residenz auf sich ziehen wollte, hatte seinen Zweck vollkommen erreicht. Das schaulustige Volk, dessen Liebling der siegreichste Feldherr Oesterreichs war, drängte sich in den Straßen, durch welche er fuhr, machte Spalier und acclamirte ihn stürmisch. dlls der Prinz das Arbeitscabinet des Monarchen betrat, fand er den Obersthofstallmeister Grafen Althan bei diesem. Der Kaiser erhob sich von seinem Sitze, ging dem Prinzen zwei Schritte entgegen und sprach: „Wir haben schon lange das Vergnügen, Sie zu sehen, entbehrt." „Euer Majestät", sprach der Prinz, „ich gestatte mir allerunterthänigst diese Schriften zu allergnädigster Ansicht zu unterbreiten" und überreichte dem Kaiser ein Packet Briefe. „Dieselben sind von der Behörde, welche über meinen Auftrag bei dem dermalen in Wien wohnenden Abbate Giovanni Prosper Tedeschi eine Hausuntersuchung gepflogen, in einem Koffer mit doppeltem Boden gefunden worden. Aus diesen Schriften geht in unzweifelhaftec Weise hervor, daß der Abbate und der Reichsrath und Kämmerer Graf Johann Friedrich von Nimptsch, wohl auch im Einverständnisse und im Aufträge noch anderer in- und außerhalb-Oesterreichs befindlicher Personen, beabsichtigten, mich durch Fälschungen, in allerhöchst Dero Augen als einen Hochverräter darzustellen. - Zu meinem tiefen Schmerze geht aus den Briefen des Grafen Nimptsch an seinen Complicen hervor, daß es ihnen in der That gelungen, das Vertrauen Eurer Majestät in mich zu erschüttern, so daß allerhöchst dieselben — trotzdem ich allerhöchst >hnen mit meinem Fürstenworte versicherte, daß mir nichts ferner als diese Absicht läge — doch glauben konnten, ich conspirire mit dem sächsischen Hofe, um mit dessen Hilfe die von allerhöchst Ihnen bestimmte Erbfolge umzustoßen! .... Sire, ich habe solches Mißtrauen nicht verdient. Ich habe -allerhöchst Ihren Vorgängern und allerhöchst Ihnen weit mehr als ein Drittel Jahrhundert mit dem vollen Aufgebote meiner Kräfte gedient.... Sire, als Sie mich letzthin aufriefen zum Schutze meines selbstgewählten Vaterlandes, für allerhöchst Sie, meinem selbstgewählten Herrn und Kaiser von Neuem das Schwert zu ziehen, als allerhöchst Sie mich an der Spitze eines an Zahl geringen und undisciplinirten, schlecht armirten Heeres, das Monate lang keinen Sold erhalten, an der Spitze hungernder, zerlumpter, unzufriedener Soldaten gegen eine von einem Feldherrn ersten Ranges geführte, uns an Zahl fünffach, an Truppenmaterial und Armatur endlos überlegene, reichlich verpflegte Armee sandten, gegen eine Armee, in welcher jeder einzelne Mann, von Glaubenseifer und Gottvertrauen beseelt, kampfesmuthig, todesverachtend, vor wilder Lust aufjauchzend der nächsten Schlacht entgegenlechzt — da schien so weit menschliche Voraussicht reichte, ein Erfolg undenkbar. Ich galt unter den Lebenden als der erste, als unbesiegbarer Feldherr, ich konnte auch im günstigsten Falle meinem Ruhme nichts hinzufügen, ich konnte nur verlieren; ich konnte am Abende meines Lebens durch einen'Mißerfolg den Glanz meiner Vergangenheit verlöschen; Sire, kein zweiter Mensch auf Erden an meiner Stelle hätte einen so undankbaren Posten übernommen — aber, Sire, es galt Ihre Krone — und ich brachte das höchste Opfer, das ein Mensch zu bringen vermag, ich wagte mein Höchstes, meine Unsterblichkeit! — Und doch konnten allerhöchst Sie, Sire, den Verleumdungen eines Grafen Nimptsch mehr Glauben schenken, als dem Ehrenworte des Prinzen Eugen von Savoyen!" Der Kaiser hatte, während Eugen sprach, die Schriften aufmerksam durchgelesen. Die Briefe des Grafen Nimptsch und die Falsificate, welche Tedeschi hatte anfertigen lassen, bewiesen die Absichten der Verschwörer mit klarster Deutlichkeit. Nimptsch, weniger klug als sein Schwager Althan, hatte nicht die Vorsicht gebraucht, seine Mittheilungen an Tedeschi zu chiffriren oder zu maskiren. Kaiser Karl trat rasch an den Prinzen heran', umarmte ihn heftig und sprach: „Verzeihen Sie mir, Prinz, ich bin ja doch nur ein fehlbarer Mensch und Ihre Feinde hatten das beste Mittel gewählt, meine Seele zu vergiften, sie haben mich an meiner verwundbarsten Stelle, bei meiner Vaterliebe gefaßt, ich lebe nur für meine Tochter und der- Gedanke, daß man ihr einst die Krone rauben könnte, trübte meinen geistigen Blick. — Sie haben in der That das Recht, mir -Vorwürfe zu machen!" *) „Euer Majestät," erwiderte Eugen, „ich bin nicht gekommen, allerhöchst Ihnen Vorwürfe zu machen.' Ich fordere nur Gerechtigkeit, ich verlange Genugthuung. Ich verlange eine strenge Untersuchung und Bestrafung der Schuldigen, wer sie auch sein mögen. Sollte mir diese Satisfaction verweigert werden, so lege ich sofort alle meine Stellen Eurer Majestät zu Füßen und werde Europa zum Richter über die Kränkung, die mir widerfahren, anrnfen." **) ' Graf Althan, welcher dem Zwiegespräche zwischen dem Kaiser und dem Prinzen mit athemloser Spannung folgte, ward todtenbleich, seine Knie zitterten, und als jener geendet, sprach er, sich tief vor dem Kaiser verbeugend: „Euer Majestät, ich vereinige meine allerunterthänigste Bitte mit jener seiner Durchlaucht, des Herrn' Generalissimus; einerseits, damit alle Schuldigen ermittelt und mit der vollen Strenge des Gesetzes bestraft; anderseits, damit nicht Unschuldige von der öffentlichen Meinung ungerechter Weise verdächtigt werden. Ich gestehe es offen, ich stelle die allerunterthänigste Bitte auch in meinem eigenen Interesse.. Graf Nimptsch ist leider der Gatte meiner Schwester, und ich kann es zu meinem Bedauern nicht verhindern, daß er sich als solcher an mich, drängt. Obwohl ich so viel Selbstachtung besitze, daß ich nicht fürchte/ irgend Jemand könnte meine Loyalität bezweifeln, könnte mich für einen Bundesgenossen meines Schwagers und seiner Complicen halten, könnte denn drch dieses unglückselige, verwandtschaftliche Verhältniß ck>ei Fernestehenden den Schein der Mitschuld ans nnch laden." Ein leichtes ironisches Lächeln überflog des Prinzen- Züge, während sich des Kaisers Stirne runzelte. Graf Althan, der sich als Obersthofstallmeister stets in seiner Nähe befand, *) Historisch. i **) Diese Worte sind historisch.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.