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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-09-08 · 36 (8.9.1893) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
36 (8.9.1893)
Date
1893-09-08
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 36 Vesterreichifche Wochenschrift Seitk 679 hatte unausgesetzt das als Vermuthung ausgesprochen, was Nimptsch und Tedeschi durch Falsificate erweisen wollten. Der Kaiser beachtete des Grafen Worte gar nicht und sprach zum Prinzen gewendet: „Euer Liebden, ich danke Gott, daß das häßliche Complott entdeckt wurde. Der Gedanke, von Nimptsch, einen Menschen, der mir die größte Treue, die größte Anhänglichkeit heuchelte, der mir als harmloser Flachkopf erschien, der inich nur durch seine Spässe zu erheitern suchte, in so schändlicher Weise hintergangen worden zu sein, versetzt mich in die höchste Aufregung. Sobald ich etwas ruhiger sein werde, werde ich Sie, mein Prinz, bitten, mir ausführlich mitzutheilen, in welcher Weise Sie zur Kenntniß dieses Complottes gelangten, denn ich will, daß nicht nur die Schuldigen bestraft, sondern daß auch jene belohnt werden, welche diese verbrecherischen Versuche entdeckten; aber um Ihnen, mein Prinz, einen Beweis zu geben, wie lebhaft ich es bedauere, daß ich mich zu einem grundlosen Argwohn drängen ließ, und daß dieser nunmehr gänzlich geschwunden, erkläre ich mich bereit, den Herzenswunsch meiner geliebten Nichte, der Frau Erzherzogin Maria Josefa, zu erfüllen und sie dem Prinzen August von Sachsen-Polen zu vermählen. Ich ersuche und beauftrage Sie als meinen ersten Minister, den Dresdner Hof in der Ihnen geeignetst erscheinenden Weise davon in Kenntniß zu setzen, daß wir erfahren, daß unsere Nichte dem Prinzen August eine heftige Neigung eingeflößt und daß eine Werbung für ihn von uns in gnädiger Weise ausgenommen würde". „Ich spreche Eurer Majestät für diese allergnädigste Entschließung in meinem und der durchlauchtigsten Frau Erzherzogin Namen den allerunterthänigsten Dank aus. Gott segne Eure Apostolische Majestät und das ganze erlauchte Kaiserhaus!" ~ * * Als Prinz Eugen in dem Burghof in den Wagen stieg, befahl er dem Kutscher, in das Palais, welches die Waisen Kaiser Josefs I. bewohnten, zu fahren und ließ sich bei der Erzherzogin Maria Josefa melden. „Kaiserliche Hoheit!" rief der Prinz beim Eintritte in ihr Kabinet, „ich bringe frohe Botschaft! Allerhöchst Dero kaiserlicher Oheim hat mir zu befehlen geruht, dem Dresdner- Hofe anzuzeigen, daß eine Werbung des Prinzen August um höchst Dero Hand nicht abschlägig beschieden würde". „Ah! . . . Dös dank i gwiß nur Jhna!" rief die Erzherzogin laut aufjauchzend, „Gott soll Jhna viel tausendmal die Gutthat lohnen, die S' an dem armen Waisenmadel ausgeübt, -dös vergesst ich Jhna nöt, nie, nie! Und ich will auch fromm, gut und wohlthätig sein, um dem gütigen Schöpfer meine Dankbarkeit zu beweisen! ... Durchlaucht! Die Welt sagt, Sie san der größte Feldherr, der feinste Diplomat, dös Alles is ja wahr, dös sans a; — aber Sie san a der Bravste auf der ganzen weiten Welt! Na, — Sie san Aner! Meiner Seel, i kann nöt anders — i -muaß Jhna a Busserl geben", und in überströmender Dankbarkeit flog die anmuthige Prinzessin dem Prinzen an den Hals und berührte mit ihren Kirschenlippen leicht seine hohe Denkerstirne, dann eilte sie zur Thüre des Seitenzimmers und rief in dieses. „Frau Gräfin Pallavicini, eine große Neuigkeit! I werd' mit dem Prinzen August verlobt werden. Der Herr Herzog von Savoyen ist da und erzählt's! Herr Gott im Himmel, i glaub' i werd narrisch vor Freud'! Das große Glück hat gewiß mein frommer Papa, Majestät, im Jenseits vom lieben, guten Gott für sein Kind erbeten!" Die Nachricht von der Entdeckung eines Complottes, welches bezweckte, den Prinzen Eugen durch verbrecherische Mittel zu stürzen, hatte sich rasch in Wien verbreitet und namentlich in Hof- und Diplomatenkreisen das höchste Aufsehen erregt. Die Freunde und Anhänger des Prinzen jubelten, während unter den Feinden und Gegnern derselben die höchste Bestürzung herrschte. Kaiser Karl befand sich Eugen gegenüber in der peinlichsten Lage. Er hatte die ersten Mittheilungen des Grafen Nimptsch anfänglich nur aus Neugierde angeyört, weil es ihm Vergnügen machte, zu erfahren, was in den Privathäusern vorging und war dann von Nimptsch, Schritt für Schritt weiter geführt worden. Nun aber hatte er sich dadurch, daß er auf die Erdichtungen Nimptsch' gehört und ihn zu neuen Angaben aufforderte, zu seinem Mitschuldigen gemacht. Aus diesem Grunde hätte der Kaiser, nachdem sich seine erste Aufregung gelegt hatte und sich die Einflüsse von Eugens Gegnern wieder geltend machen konnten, gerne die ganze Angelegenheit vertuscht; allein Prinz Eugen, sonst milde und versöhnlich, bestand diesmal beharrlich auf seinem Rechte, und so mußte denn endlich der Berhaftsbefehl gegen den Abbate Tedeschi und dem Grafen Nimptsch erlassen werden. Nun wurde von den beiden großen Parteien, der deutschen und der spanischen, zu welch letzterer auch Graf Althan zählte, Alles, was in ihren Kräften stand, aufgeboten, ihrer Sache zum Siege zu verhelfen. Zur Ehre der Deutschen muß es gesagt werden, daß auch jene unter ihnen, die sonst Eugens Gegner waren, sich diesmal zu gemeinschaftlichem Widerstande gegen die fremden Günstlinge und Diejenigen, die es mit ihnen hielten, vereinigten. Der Reichshofpräsident Windischgrätz gab das erste Beispiel entschiedenen Auftretens für die Sache des' Prinzen, obwohl er sonst nicht zu dessen Anhängern gehörte. Er erklärte dem Kaiser mit bewundernswerther Offenheit, daß es ein ewiger Schandfleck für seine Regierung wäre, wenn ein Mann, welchem das Haus Oesterreich zu unauslöschlichem Danke verpflichtet sei, nicht energisch vor niedriger Kabale geschützt würde. Diese Bestrebungen wurden mit nicht geringerem Eifer von den einflußreichsten Personen, namentlich von Althon, der ursprünglich selbst aus eine strenge Untersuchung gedrungen, und dem Präsidenten des spanischen Rathes, dem Erzbischof von Valencia, bekämpft. Sie bemühten sich, die Handlungsweise der beiden Angeklagten in milderem Lichte erscheinen zu lassen. Sie stellten dem Kaiser vor: eine strenge Bestrafung der beiden Schuldigen und der Sieg, den Eugen hiedurch über den Grafen Althan, dem Schwager des Einen der Verhafteten, erringen möchte, würde nur dazu dienen, die ohnehin allzugroße Macht des Prinzen noch zu steigern, man solle vielmehr die günstige Gelegenheit, sie zu schmälern, benützen. Der Prinz habe zwar erklärt, er würde, wenn er nicht vollkommen Satisfaction erhalte, alle seine Aemter niederlegen, aber es sei ihm nicht Ernst mit seiner Drohung, er werde nicht gleich zum Aeußersten schreiten, sondern, wenn ihm keine Wahl bliebe, - sich mit einer bescheideneren Stellung als bisher begnügen. Allein der Prinz erklärte mit aller Bestimmtheit, daß er, wenn ihm nicht die vollständigste Genugthuung würde, ven österreichischen Staatsdienst verlassen würde, und sein ganzes Benehmen bewies, daß sein Entschluß unerschütterlich war. Von dem Augenblicke an, wo er dem Kaiser seine Beschwerde vorgebracht, hielt er sich von allen Staatsgeschäften ferne. Der Conferenzrath hörte auf zu functioniren, denn Eugen, welcher dessen Präsident war, berief ihn nicht und Niemand wagte, dies an seiner Stelle zu thun. Auch bei dem Hofkriegsrathe gerieth Alles in's Stocken und man mußte — wenn das Getriebe der Staatsmaschine nicht znm völligen Stillstände gebracht werden sollte, — diese Angelegenheit nach Eugens Willen zu Ende führen. Es wurde daher für diesen Fall eine eigene Justizcommission eingesetzt. Sie bestand aus dem Reichs- Hofpräsidenten Grafen von Windischgrätz als Vorsitzenden, dem österreichischen Hofkanzler Grafen Stürgkh und dem Reichshof» rathe von Blümgen. (Fortsetzung folgt.) Wochenkalender. Elul-Tischri 5654. — September 1893. Freitag 27 8 E. d. R. 6h 59'6m Samstag 28 9 Sonntag 29 Vorabend des 10 Montag 1 1 Roschhaschano 11 Dienstag 2 2 12 Mittwoch 3. Fasten Gedalja 13 Donnerstag *| 14 Freitag 5 15 Briefkasten. Für den armen unglücklichen Religionslehrer sind uns ferner zugekommen von L. S. 1 fl. Emanuel Mandl, Holleschau. Ihr Bericht kam zu spät, nachdem ein anderer bereits gesetzt war. N. N., Przemysl. Im Oktober.

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