Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 36 (8.9.1893)
- Date
- 1893-09-08
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 676 Vesterrebtzifttze WochrnfliMt Nr. 3 6 eine größere Summe geliehen, die in Raten gezahlt werden sollte; die letzte dieser Raten wurde im Jahre 1845 gezahlt. .Schon damals' machte sich das Bedürfnis nach einem größeren Tempel gellend, im Jahre 1865 wurde eine Sammlung eingeleitet, an der sich der verstorbene Abgeordnete Dr. Kuranda, die Grafen Rudolf Seilern und Wrbno, sowie Wiener Aristokraten und Financiers betheiligten. Gestern nun nahm die Gemeinde Abschied vom alten Tempel, um heute in den neuen einzuziehen. Kein Auge blieb thränenleer, als Rabbiner Dr. F r e i m a n n eine der Bedeutung des Tages entsprechende Rede hielt. Tiefen Eindruck machten auch die schlichten Worte des Herrn Jellinek, der als einer der Aeltesten der Gemeinde dem alten Gotteshause Lebewohl sagte. Ein Gebet für das Herrscherhaus beendete die Feier. Am Abend war die festlich geputzte Judenstadt ikluminirt. Der Weg vom alten zum neuen Tempel war durch Flaggen und Festons geziert. Der neue Tempel ist ein prächtiges, freistehendes Gebäude nach dem Plane des Architekten Gärtner aus Wien, (eines gebürtigen Prerauers) nach maurisch-byzantinischen Motiven gebaut. Mehr als 2000 Personen wohnten diesem festlichen Acte bei. Längs des Weges bildeten die Feuerwehren Spalier; das Baucomits, eine Musikcapelle, die Schuljugend eröffneten den Zug, dann kamen die Gemeiudeältesten mit der Thora, die Vertreter der Behörden Bezirkshauptmann W a ch a, Bezirksrichter Dr. G r o h mit zahlreichen Beamten, Deputationen von Cultusgemeinden u. s. w. Auf dem Festplatze hatten sich die Grafen Wrbna und Chorinsky eingefunden. Dann folgten die Uebergabsceremonien. Bezirkshauptmann W a ch a erössnete den Tempel und hielt eine Ansprache, in der er unter Anderem sagte: „Möge dieser herrliche und erhabene Bau ein Wahrzeichen der Gleichheit aller Völker und Confessionen unter dem Schutze unseres erhabenen Monarchen für alle Zukunft bleiben, möge er ebenso wie bisher der bescheidene alte Tempel als eine liebe Pflegestätte Ihrer religiösen .Pflichten und patriotischen Gefühle dienen." Dann folgte die Grundsteinlegung. Die Weihe des Hauses sprach Rabbiner Dr. Frankl-Grün aus Kremfier. Die Volkshymne und ein Gebet schlossen die Feier, ein Banket und ein Tanzkränzchen beendeten den festlichen Tag. Mrskowitz, den 5. September 1893. Freitag Abend, den 1. September d. I., gerade als man im hiesigen Gotteshause sich anschickte, die Sabbathgebete anzustimmen, ertönte in den Gaffen ein Feuerruf. Sämmtliche Gemeindemitglieder, die im Tempel waren, eilten zur Stelle, wo das Feuerbereits große Dimensionen angenommen und ein Häuschen demselben Zum Opfer fiel, in welchem, da die Besitzerin außer Hause war, eine über 80 Jahre alte Jüdin, die taub und unzurechnungsfähig, ein kleines Stübchen allein bewohnt, sich befand. Diese hatte bereits geschlafen und war in Gefahr, entweder zu verbrennen oderin Folge des großen Rauches zu ersticken. Niemand dächte daran, die arme, alte Frau zu retten, ja viele der müffig stehenden Zuschauer riefen: „Unserthalben kann die Alte verbrennen?" und ließen sie in ihrem Stübchen, ohne sie zu retten, liegen. Als jedoch der hiesige Cantor und Religionslehrer Herr Reich ner hörte, daß die Arme sich noch im Stübchen, neben welchem Alles bereits stark brannte, befinde, da lief er, die große Gefahr nicht scheuend, zur Stelle, erbrach Thüre und Fenster, weckte die alte Frau, trug sie aus dem raucherfüllten Zimmer in's Freie und rettete so ihr Leben. Prag. Unsere Leser loollen zur Kenntniß nehmen, daß die Firma Al. Hugo Lhota, Orgel- und Pianofabrik in Königgrätz. Filialen: Wien, HI.,Salesianergasse 31, Brünn. Elisabethstraße 4, Pest, IV., Kizio utcza — sowie auch M. u. C. Schwagrowsky, Maschinenhandel, Raudnitz, Vertreter von Samuel Allcocka u. Co. — sich durch große Inserate, welche einem judenfeindlichen, die Juden bedrohenden und beschimpfenden Flugblatte beigeschlossen erscheinen — jirdischen Käufern sich bestens empfohlen halten. — Auch der Weinhändler E. Lyk ora ist mit von der Partie. , Karlsbad. Herr Spediteur Feldmann sen. wurde abermals zum Vorstand der Cultusgemeinde, JUDr. Deutsch als dessen Stellvertreter gewählt. Csaktornya. Der letztjährige Hörer der Budapester Landesrabbinerschule, Herr Dr. Moritz Schwarz, Sohn unseres ehrwürdigen Herrn Rabbiners, welcher gegenwärtig zum Besuche seiner Eltern hier weilet, wurde mit der Abhaltung zweier Reden, einer ungarischen und einer deutschen, betraut. Er löste seine Aufgabe glänzend. Anläßlich des Geburtstages Seiner Majestät hielt er in Anwesenheit der Spitzen der Behörden, des Officierscorps der eben hier weilenden Regimenter, wie eines zahlreichen, alle Räume des Tempels füllenden Publicums die ungarische Festrede, welche Jedermann entzückte, nicht nur durch ihren gediegenen Inhalt und den patriotischen Geist, von welchem sie durchweht war, sondern auch durch die schwungvolle Sprache, durch die einfache und dennoch erhabene Diction, wie auch durch die ausgezeichnete Vortragsweise des jungen Redners. Herr Dr. Moritz Schwarz, welcher schon im vergangenen Jahre durch seine Festpredigten an den höhen Feiertagen in Serajevo, der bosnischen Hauptstadt, Aufsehen erregte, beendigt im kommenden Jahre seine Studien an der Budapester Landesrabbinerschule, welcher er zur Zierde und Ehre gereicht. Brody, 2. September. Wie alljährlich haben Brodyer Kaufleute in Rußland namhafte Schlüffe in Hopfen gemacht und bedeutende Einzahlungen geleistet. Knapp vor der Uebernahms-Periode wurde ihnen behördlicherseits unter Hinweis auf eine Bestimmung aus dem Jahre 1887 bedeutet, daß sie als Juden in Rußland weder kaufen noch verkaufen dürfen und sofort abreisen müssen. Die Betroffenen wendeten sich telegraphisch nach Petersburg mit der Berufung auf die Verordnung vom Jahre 1891, welche protokollirten Firmen und ihren Agenten den dreimonatlichen Aufenthalt in Geschäftssachen gestattet. Es erfolgte keine Antwort. Nun wurde seitens der hiesigen Handelskammer die Intervention der österreichischen Regierung angerufen. . ■ _ Berlin, 4. September. Der Antisemit Paasch, gegen den alle Proteste nach der gerichtsärztlichen Feststellung einer Geistes- - krankheit niedergeschlagen worden sind, der aber bisher auf freiem Fuße geblieben ist, wurde gestern abermals verhaftet und als gemeingefährlich in die Irrenanstalt Dalldorff abgesührt. Dessau, 28. August. Dem Baron v. Cohn ist im höchsten Aufträge vom Prinzen Bontheim in Gotha eine Einladung zugegangen, den Beisetzungsfeicrlichkeiten beizuwohnen. Paris. Ein ehemaliger päpstlicher Zuaven-Officier, Graf de Salvert. schreibt an den „Matin", um gegen das Gebühren Drum ont's zu pro testire n und jede Jdeengemeinschaft mit dem Führer der Antisemiten abzulehnen. „Als Edel-- mann," liest man, „verabscheue ich die Schmähung der Frauen, als Soldat und ehemaliger Adjutant des Generals de Miribi, war ich entrüstet, zu sehen, wie so viele wackere jüdische Offici'ere angegriffen und beleidigt werden. Als Christ endlich, als ehemaliger päpstlicher Zuave ertrage ich es nicht, daß die Religion der Liebe und Brüderlichkeit so verzerrt und entstellt wird. Der Mann, welcher sich so wüthenden Tollheiten hingibt, weiß nicht, was Religion, was Vaterlandsliebe, ja ich möchte sagen, was Ehre ist. Nicht in unserer Mitte — schließt Graf de Salvert — wird Herr Drumont Beifall oder Mitschuldige finden. Er hat sich selbst verbannt aus allen Parteien, aus allen Religionen, aus der Gesellschaft aller anständigen Menschen. Der ehemalige Unterpräfect von Avesnes' Jsaa e hat D rumo n t wegen einer neuen Beleidigung seine Zeugen geschickt, denen der Director der „Libre Parole", seinen Revolver schwingend, mit einem Schmähworte ablehnenden Bescheid ertheilte. Darauf antwortete Jsaac mit einem Briefe, in dem er Drumont einen „Preßbanditen" nennt, „der mit der Ehre Anderer — von seiner eigenen könne nicht die Rede sein — berufsmäßig Schacher treibt" u. s. w. Essen, 9. August. Der Metzger Ubelgünne war bekanntlich vom hiesigen Schwurgericht wegen Ermordung des Handelsmannes Grünebaum zum Tode verurtheilt worden. Pie vom Verurtheilten eingelegte Revision hat das Reichsgericht verworfen. . Amsterdam. Der Oberrabbiner von Amsterdam, Dr. I. H. Dünner, ist am Geburtstage der Königin zum Ritter des niederländischen Löwen ernannt worden. Portsmouth. Mr. John Edwards, der-älteste Bewohner unserer Stadt, starb hier vor einigen Tagen. In einer Woche sollte er seinen 100. Geburtstag feiern. Edwards war beliebt und geachtet in seiner Gemeinde. Er hinterläßt 11 Kinder,, 65 Enkel und viele Urenkel. 2 Kinder starben vor ihm. Bis zum letzten Moment war er bei vollstem Bewußtsein. Zwei Stunden vor seinem Tode verlangte er noch das Gebetbuch, um die üblichen Morgengebete zu sagen. > - Ein Tag bei den Karäern. Im Laufe der Jahre 1874—1884 passirte ich wiederholt die Strecke Lemberg - Czernowitz, doch kam ich nie dazu, das Karäerstädtchen Halicz zu besuchen,' so sehr ich dies gewünscht haben mochte. Im November 1889 jedoch, als ich wieder ein-