Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 36 (8.9.1893)
- Date
- 1893-09-08
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Orflerredtzlfchr Wochenschrifl Seite 675 Nr. 36 nom Bravermann aus Kolo nach der an Weinbergen so sehr reichen Provinz Mendoso zu reisen, um an Ort und Stelle eingehende Erkundigungen einzuziehen und zu untersuchen, ob es Erfolg verheißend sei, die neuen Colonisten dem Weinbau zuznführen. Herr Br. hielt sich in Mendoso einen ganzen Monat auf, machte eingehende Studien, ließ sich von den dortigen gutherzigen Pflanzern theoretisch und praktisch gründlich unterweisen und belehren und verfaßte dann ein sehr ausführliches Protokoll, welches er der Centralverwaltung für die Colonisation in Argentinien unterbreitete. Diese wiederum schickte die hochwichtige Schrift direct an den obersten Vorsitzenden, den Baron Hirsch in Paris. Auf die Entscheidung des Barons, der man allseitig mit begreiflicher Spannung und lebhaftem Interesse entgegensieht, wird es nun ankommen, ob das großartige Project realisirt werden kann oder nicht. Vermijsckteü. Wien, 4. September. (Georg Schönerer, Reichs ratHs-Abgeordneter eines Wiener Wahlbezirks.) Nach vorliegenden Meldungen gedenkt der Rei'chsraths-Abgeordnete des Bezirks Wieden, Herr Hauck, sein Mandat niederzulegen, um es Herrn — Georg Schönerer, der im December des laufenden Jahres wieder das active und passive Wahlrecht erlangt, zu ermöglichen, für dasselbe zu candidiren. Es heißt, daß thatsächlich in diesem Sinne die Wählerschaft des 4. Bezirkes schon jetzt seitens der Anhänger Schönerer's bearbeitet wird. Wien. Die von dem Berliner Ahlwardt-Organ in die Welt gesetzte Behauptung, es sei in Sachen des Xantener Knabenmordes eine neue Untersuchung gegen Buschhoff eingeleitet worden, wird von maßgebender Seite entschieden bestritten. Es seien allerdings zwei Berliner Criminal-Commissarien nach Xanten abgesandt worden, die jedoch nur die Aufgabe hatten, an der Hand neu hervorgetretener Momente Erhebungen anzustellen, um den Mörder zu entdecken. Mit Buschhoff habe die/Sache nicht das Mindeste zu thun. Wien. (I n st a l l a t i o n s f e i e r.) Freitag,. am 2. September fand im israelitischen Tempel des 9. Bezirkes die Einführung des Rabbiners Dr. Gelbhaus in Prag als Prediger des Bereinstempels in Gegenwart eines erlesenen Publicums statt. Sämmtliche Vereinsvorsteher nahmen an der Feier theil. Vom israelitischen Cultnsvorstand waren anwesend Präsident Geineinderath Gustav Simon, Landesschulrath Dr. Gustav K o h n, der Präsident der „Oesterr. israel. Union" Cuttusvorsteher Dr. Josef Grünfeld. Der Bereknspräsident Herr G. Bett el he im richtete an den neuen Prediger nachstehende Ansprache: „Euer Ehrwürden! Unter dem Schutze des Allmächtigen bestelle ich Sie hiemit Namens des israelitischen Bethaus-Vereines im 9. Bezirke zum Seelsorger dieser Synagoge. Indem ich diesen Act vollziehe, ist es mir gegönnt den eigentlichen Schlußstein zu unserem Gotteshause zu legen. Denn erst seit ein Mann, gleich hervorragend durch wahre Frömmigkeit, Gelehrsamkeit, und Beredtsamkeit, berufen ist. an dieser Stätte zu wirken, wird unsere Synagoge ihrem hehren Berufe entsprechend, das Licht der heiligen Lehre verbreiten können. Unsere Tempelgemeinde ist sicherlich eines Sinnes mit Ihnen, Ziel und Zweck unserer heiligen Religion in der Vorbereitung für die ewige Seligkeit, nicht minder aber auch in der zeitlichen Beglückung aller Menschen zu erkennen; Beides dadurch, daß sie Wahrheit und Liebe heischt. Wahrheit im Leben und in der Wissenschaft, Treue und Anhänglichkeit an Vaterland und Herrscherhaus. Gehorsam und Ergebenheit den Behörden und Vorgesetzten, Friede und Brüderlichkeit allen Menschen, welchem Glauben und Stamme sie auch angehören mögen, Milde und Erbarmen allen Gottesgeschöpfen. Möge diese Wahrheit alle Menschen durchdringen und erwärmen, möge es Ihnen gelingen, durch deren Verbreitung unsere Feinde zu entwaffnen, die Wankenden zu festigen, Eltern und Kinder in der Begeisterung für unseren heiligen Gottesglauben zusammenzuführen." Dr. Gelbhaus dankte in kurzen Worten. Beim Gottesdienste hielt derselbe hierauf seine Antrittspredigt und er bewährte auch diesmal den Meister der Rede. Wien. (Was im 10. Bezirke gegessen wird.) In unserer letzten Nummer brachten wir einen Bericht über eine Reihe von Verhandlungen gegen Fleischhauer und Selcher, welche verdorbenes Fleisch zum Verkaufe gebracht halten. In dieser Notiz hieß es, daß auch der Fleischhauer I. Klein wegen Verkaufs von hochgradig faulem Rind- und Kalbfleisch zu einer Geldstrafe von 40 sl. verurtheilt worden sei. Bezugnehmend hierauf theilt uns Herr I. Klein Folgendes mit: Herr Klein hatte auf dem Markte eine größere Quantität Kalbfleisch gekauft, legte selbes auf das Eis und ließ es sofort am nächsten Morgen von seinem Burschen zum Verkaufe Herrichten. Hiebei bemerkte der Geselle, daß das Kalbfleisch zum weitaus größten Theile, und zwar im Gewichte von 50. Kilogramm erstickt sei; 5 Kilogramm hievon hielt er jedoch für gut. Der mittlerweile erschienene Marktcommissär erklärte jedoch auch die 5 Kilogramm für erstickt und erstattete die Anzeige. Bei der Verhandlung zog der Staatsanwalt die Anklage wegen der 50 Kilogramm zurück und hielt dieselbe lediglich bezüglich der 5 Kilogramm aufrecht, worauf Herr Klein zu einer Geldstrafe von 30 fl. verurtheilt wurde. Die Strafe wurde jedoch vom Appellgerichte auf 15 fl. herabgesetzt mit der Motiviruug, das Verschulden Klein's sei ein sehr geringes und liege blos darin, daß er die Prüfung dem Gesellen überließ, anstatt sie selbst vorzunehmen. Der Thierarzt selbst erklärte, Herr Klein habe bisher noch niemals einen Anstand gehabt, er habe vielmehr wiederholt freiwillig die Anzeige wegen gesundheitsschädlichen Fleisches erstattet. Wien. (E i n g e s e n d e t.) .Vorüber ist die schöne Ferienzeit; frohgemuth geistig und körperlich erfrischt hält die Jugend ihren Einzug in die Schule. Es beginnt der edle Wettstreit der Ellern, ihren Kindern die besten Lehrkräfte zu sichern. Es mögen aber alle sorgsamen Eltern daraus bedacht sein, daß die Ausbildung des Geistes Ulcht auf Kosten der körperlichen Entwicklung ihrer Kinder geschehe. Es ist eine von den Eltern, wie von den Aerzten gleich schwer beklagte Thatsache, daß der lange Aufenthalt in den Schulräumen, das Sitzen in den Bänken, das Tragen der Bücherlast besonders bei der weiblichen Schuljugend gar zu häufig Blußarmuth, Bleichsucht, Engbrüstigkeit und Rückgratsverkrümmung zur Alge haben. Darum sei nebst der geistigen auch die Ausbildung der körperlichen Schönheit und Vollkommenheit gleichmäßig anzustreben. In der durch ihre glänzenden Erfolge bestbekannten orthopädischen Anstalt des Dr. Roth am Rudolfsplatz II werden die obgenannten Schulkrankheiten am erfolgreichsten bekämpft und ihrem Entstehen am sichersten vorgebeugt, darum sei diese Anstalt auch allen Ettern bestens empfohlen. Wien. (Leichenbegängniß.) Am 29. v. M. ist in Preßburg Frau Karoline Horowitz im 87. Lebensjahre gestorben. Sie war die Witwe des Rabbiners Lazar Horowitz, der durch 40 Jahre bis zu seinem im Jahre 1868 erfolgten Tode in Wien als erster Rabbiner gewirkt hatte. Die Leiche der Frau Horowitz ist Freitag Früh um 6 Uhr aus Preßburg hier eingetroffen und wurde nach dem Trauerhause, Rudolfsplatz Nr. 6, gebracht. In einfacher Weise, doch unter zahlreicher Betheiligung fand um 9 Uhr das Leichenbegängniß der Verblichenen statt, zu dem sich die Gemeinderäthe Simon und Baurath Stiaßny, Rabbiner Dr. Wolf, in Vertretung der Chewra- Kadischa die Vorsteher Mohr und Herr S. Heil; ferner der Secretär der Cultusgemeinde Dr. Lieben, Dr. Wahrmann u. v. A. eingefunden hatten. Auf dem Centralfriedhose hielt Oberrabbiner Dr. Güdemann der Verblichenen einen warmen Nachruf. Wien. (Todesfall.) Hier starb eines der angesehensten Mitglieder der spanisch-jüdischen Gemeinde in Sarajevo, Zadik Avram D a n o n HodLa Behoroviö. Der Verstorbene, wegen seines lauteren Charakters in der ganzen Bevölkerung sehr geachtet, war nach Wien gegangen, um für ein schweres Leiden Heilung zu suchen. Die Kunst der Aerzte war jedoch vergebens. Danon war auch durch mehrere Jahre Mitglied des Sarajevoer Gemeinderathes. Wien. (Mord an einem Hausirer). Bei Kapriora (Kraffo-Szörenyer Comitat) wurde, wie man uns meldet, der 50 Jahre alte Hausirer Jacob Grün stock aus Prodin in Galizien von Bauern überfallen, die ihm den Hals durchschnitten, so daß der Kopf beinahe vom Rumpfe getrennt wurde, und den Leichnam auch sonst verstümmelten. Die Mörder beraubten sodann ihr Opfer, indem sie dessen namhafte Barschaft sowie die Maaren Mitnahmen. Die Gendarmerie fahndet nach den Thätern. Hollesrhau, 3. September.' Unser Städtchen, das eine der ältesten jüdischen Gemeinden Mährens beherbergt, feierte heute die Einweibung eines neuen Tempels. Das alte Gotteshaus stammt aus dem l6. Jahrhundert. Zu seiner Erbauung hatten die Canonici der Kremsierer St. Manritiuskirche aus dem Vermögen des Domcapitels