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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-09-08 · 36 (8.9.1893) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
36 (8.9.1893)
Date
1893-09-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 36 Drsterreichifche WochrnMrM Sette 673 czechische Rabbinats-Candidaten zu unterstützen und für dieselben Stiftungen zu gründen^ die armen Studirenden an den czechischen Hochschulen und an den czechischen Lehranstalten zu unterstützen, für die Errichtung eines Pensionsfonds für die czechischen Rabbiner, Seelsorger, Prediger u. dgl. zu sorgen, auf die Entwicklung der Angelegenheiten der israelitischen Cultusgemeinden hinzuwirken, die Errichtung eines czechischen Rab» binatsseminars anzustreben und so lange dies nicht der Fall ist, dahin zu wirken, daß an den inländischen Rabbinats-Seminaren in theoretischer und praktischer Weise die czechische Sprache gelehrt werde u. s. w. Im Namen des Gründungscoinites eröffnete die Versammlung ^Landtags-Abgeordneter Dr. Josef Z a l u d, welcher auch sodann mit Äcclamation zum Vorsitzenden gewählt wurde. J.-U.-C. Scharf berichtete sodann ausführlich über die Schritte zur Gründung des Vereins und erwähnte, daß bisher 400 Anmeldungen zum Vereine erfolgt sind. Ortsgruppen aus dem Lande gibt es 21. Die Organisation weiterer Ortsgruppen sei im Zuge. Dem Comite wurde der Dank votirt. Kaiserlicher Rath Lederer begrüßte dann die Gründung des Vereins und brachte auf das Gedeihen desselben ein „Na zäar!‘ aus. Darauf entspann sich eine kurze Debatte, wobei HerrOesterreicher über die nationale Lauheit einiger Mitglieder der Cultusgemeinden auf dem Lande klagte, die sich gegen die natürliche Entwicklung der Sache noch sträuben und das Deutsche protegiren, was der neue Verein mit allen Kräften verhindern müsse. Es sprachen noch mehrere Redner, worauf die Wahlen vorgenommen wurden. Zum Obmann wurde einstimmig der ehemalige Reichsraths-Abgeordnete Professor Dr. Zucker gewählt. Es wurde auch beschlossen, an alle Cultusgemeinden in czechischen Gegenden czechische Musterstatuten zu versenden, damit die czechische Geschäftssprache eingeführt werden könne. Troppau, 4. September. (Sch.u l-Ei n w eihung.) Nach einem vorhergegangenen, im Tempel stattgefundem'n Gottesdienste wurde heute Vormittag die neuerbaute israelitische Volksschule in feierlicher Weise eröffnet. In dem mit den Bildnissen Ihrer Majestäten des Kaisers und der Kaiserin, der Büste Kaiser Josef II.. den Büsten des Kronprinzen Rudolf und der.Kronprinzessin-Witwe Erzherzogin Stefanie. sowie mit exotischen Gewächsen geschmackvoll decoririen ebenerdigen Lehrsaale hatten sich die Mitglieder des Vorstandes der Cultusgemeinde, Rabbiner Dr. Blüh, der Lehrkörper und die Schüler der Schule versammelt. Die der Feier beiwohnenden Herren Landespräsident Dr. Carl v. Jäger, Hofrath Kl in gner, Regierungsrath Krch, Landesschul-Jnspector Werber, Bürgermeister Dr. Roch o wan ski, ferner die als Vertreter des Ortsschulrathes erschienenen Herren F. Jankv wsky und Bürgerschullehrer Kurz, Baumeister Lundwall, Ober-Ingenieur von Lubich wurden bei ihrem Eintritt herzlich begiüßt und zu den reservirten Sitzen geleitet. Nach Vortrag eines Chores durch die Schüler und Schülerinnen ergriff der Vorstand-Stellvertreter der Cultusgemeinde Fabrikant S. Spitzer das Wort. Derselbe gedachte der früheren Verhältnisse der Schule, der Nothwendigkeit, derselben ein eigenes Heim zu gründen und der vorbereitenden Schritte hiezu. Redner schloß seine Ansprache mit einem dreifachen „Hoch" auf den. Hort des Rechtes, den Schirmherrn der Verfassung, den Geber der Sckulgesetze, Se. Majestät den Kaiser Franz Joseph I., in das die Versammlung begeistert einstimmte. Oberlehrer Blatt, die neue Schule in seine Obhut übernehmend, dankte zunächst fiir die .Anwesenheit des Landespräsidenten Dr. von Jäger und der übrigen Honoratioren, .ferner den hohen Behörden und Corporationen, welche den Schulbau förderten, Se. Majestät dem Kaiser, als dem weisen Geber der Schulgesetze und dem allmächtigen Gotte für den Beistand, den er dem Werke angedeihen ließ. In der Weiherede erflehte Rabbiner Dr. Blüh Gottes Schutz und Segen für das neue Haus, für die Lehrenden und Lernenden, für Junge und Alte, Große und Kleine, für die Cultusgemeinde und deren Vorstand, für die Vaterstadt und deren Vertreter, für die Provinz, die Beamten der hohen Regierung des Landes und insbesondere für den allverehrten Mann, der an ihrer Spitze steht, für das geliebte Vaterland und den glorreichen Monarchen, der es beherrscht. In recht ansprechender Weise gab hierauf der Schüler Rudolf Eisler dem Danke der Schüler für die Bereitung des neuen Heims Ausdruck und klang das von ihm zum.Vortrag gebrachte Gedicht in ein dreifaches „Hoch" auf Se. Majestät aus, worauf die Versammlung unter Harmoniumbegleitung die Volkshymne sang. Oberlehrer Blatt richtete nun an den Herrn Landespräsidemen die Biite, seinen Namen in das Gedenkbuch eintragen zu wollen, welchem Ansuchen bereitwilligst Folge gegeben wurde. Auch die übrigen Ehrengäste zeichneten ihre Namen daselbst ein. Hiemit war die Eröffnungsfeier beendet und es wurde nun ein Rundgang durch die Räume der neuen Schule angetreten. Troppau, 29. August. Am 4. September wurde die von der israelitischen Cultusgemeinde neu erbaute Volksschule feierlich eröffnet und ihrer Bestimmung übergeben. Es ist dies gewiß löblich, wenn eine Gemeinde so viele Opfer nicht scheut, um eine eigene Schule zu erhalten und den religiösen Sinn unserer Jugend einigermaßen zu pflegen. Allein dieses erscheint uns, wenn die Verhältnisse so liegen, wie bei uns, ganz zwecklos. Denn was nützt eine jüdische Schule, wenn die Erwachsenen, die diese Schule besucht haben, später nicht einmal den Gottesdienst an den hohen Feiertagen besuchen dürfen? Es klingt dies wohl für den Leser ein wenig unglaublich! Und doch ist dem so! Unser Tempel vermag kaum die Hälfte der Gemeindemitglieder aufzunehmen und alljährlich vor den hohen Feiertagen muß sich ein 'großer Theil der Steuerzahler der Cultusgemeinde es gefallen lassen, wenn er Sitze für die hohen Feiertage in den Tempel verlangt, daß ihm erklärt wird, es ist kein Sitz zu haben. Und so wird bei diesen Mitgliedern, die das religiöse Bedürfniß fühlen, wenigstens einmal im Jahre einem Gottesdienste im Tempel beizuwohnen, das bischen religiöse Gefühl erstickt! Sind solche Zustände der Cultusgemeinde einer Landeshauptstadt würdig? Wäre es nicht angezeigter gewesen, statt des Schulbaues, der sehr leicht zu entbehren gewesen wäre, da der Schulbesuch ein sehr geringer ist, energisch an den Tempelbau zu schreiten, um nicht noch das bischen religiöse Gefühl, welches den größten Theil unserer Gemeindemitglieder beseelt, ganz zu unterdrücken? — Hochlöbliche Redaction! Sie würden einem großen Theile der hiesigen Gemeindemitglieder einen sehr großen Gefallen erweisen, wenn Sie obenstehenden Zeilen Raum in Ihrem geschätzten Blatte gäben, das stets mit so warmen Interesse für das Judenthum eintritt. Wir danken Ihnen im Vorhinein und zeichnen hochachtungsvoll Mehrere Steuerzahler der Troppauer Cultusgemeinde. J.H. Lemberg. Während der jetzigen Kaiserreise in Galizien kann ich nicht umhin, die Leutseligkeit und das Wohlwollen unseres allgemein geliebten Kaisers gegenüber den Juden mitzutheilen. In Rzeszow wurde die Deputation der Cultusgemeinde unter Anführung des geachteten Cultuspräfidenten, Herrn Isaak Holzer, an den der Kaiser einige Fragen betreffs der israelitischen Gemeinde richtete, wohlwollend empfangen. Bei Ankunft des Kaisers am Bahnhofe Jaroslau wurde die Deputation der israelitischen Cultusgemeinde unter Anführung des Cultuspräfidenten Heinrich Strisower und Rabbiners Waldberg sehr freundlich empfangen und der Kaiser bemerkte, daher von dem Patriotismus der Israeliten überzeugt ist. Breslau. (Auch Einer der Edelsten der Nation.) Die Breslauer „Morgen-Ztg." schreibt: Unter der Spitzmarke „Schneidige Herren" berichteten wir in Nr. 149 unserer Zeitung über ein Rencontre zweier anscheinend den gebildeten Ständen ungehöriger Herren auf der Ohlauerstraße, welches am Hellen Tage stattgefunden hatte und schließlich in Thätlichkeiten ausgeartet war. Dasselbe hat noch ein Nachspiel vor dem Schöffengerichte gehabt. Der arische Geschäftsreisende Max v. H. fand Wohlgefallen an der schönen jüdischen Ehefrau eines hiesigen christlichen Kaufmannes und belästigte dieselbe, so oft er ihr auf der Sttaße begegnete, mit Liebeserklärungen und zudringlichen Werbungen. Es scheint sogar, als ob er die Begegnungen häufiger, als der Zufall es fügte, selbst herbeizuführen gewußt habe, indem er die Ausgänge der Dame beobachtete und die seinigen darnach einrichtete. Auch eines Tages im März hatte er versucht, ihr gegen Abend seine Begleitung üuszudrängen und sie sogar mit entwürdigenden Zumuthungen zu bestürmen gewagt. Tags daraus begegnete die Dame auf der Ohlauerstraße einem Bekannten ihres Gatten, dem Kaufmann E., und beschwerte sich diesem gegenüber, da Herr v. H. gerade wieder in Sicht war, über das verletzende Gebahren des zudringlichen Liebhabers. Herr E. gab darob seinen Unwillen zu erkennen, indem er ein energisches Auftreten gegen denselben für geboten erklärte, und die Dame wandte sich, als Herr v. H. an den Beiden vorüberging, demonstrativ ab. Der Geschäftsreisende hielt es nun für angemessen, ihr und ihrem Begleiter ein Schimpfwort zuzurufen, das einem Radau-Antisemiten erster Qualität alle Ehre gemacht haben würde. Hierdurch zu gewiß nicht ungerechtem Zorn gereizt, schlug Herr E. den Beleidiger in's Gesicht. Ein inzwischen hinzugekommener Schutzmann trennte darauf die Streitenden und notirte sich ihre Namen in seine Brieftasche. Beiden wurde in der Folge ein polizeiliches Strafmandat wegen groben Unfugs zu theil. Mit diesem Verlauf der Affaire war aber Herr v. H. sehr unzuftieden, da er meinte, der Schlag, welcher sein Gesicht getroffen, erheische eine exemplarische Sühne. Er wandte sich daher zunächst an die Staatsanwaltschaft mit einer Sttafanzeige wegen der an seiner Person verübten Gewaltthat. Seitens dieser Behörde wurde jedoch die Erhebung der Anklage mangels eines öffentlichen Interesses abgelehnt und er auf den Weg der PrivatÜage ver-

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