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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-09-08 · 36 (8.9.1893) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
36 (8.9.1893)
Date
1893-09-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 672 VrMrwichifchr Wochenschrift Nr. 36 hätte ohne Zweifel den siebenfachen Mord, dessen Motiv Genußsucht schlimmster Sorte war, als „echt jüdisch" bezeichnet. Wie«, 2. September.- (Ein jugendlicher Le- L ensretter.) Ein etwa fünfjähriger Knabe stürzte gestern Nachmittags/ als er am Donaucanal zwischen der Aspern- und/ Franzensbrücke spielte, ins Master. Der eben passirende fünfzehnjährige Uhrmacherlehrling Ignaz Spiegel, TL Bez„ Praterstraße Nr. 50 wohnhaft, Sohn des Juwelenhändlers I s r a e l Spiegel, warf, rasch ' entschlossen, seinen Rock ab, sprang dem Kinde nach und brachte es glücklich ans Ufer. Der jugendliche Lebensretter entfernte sich dann schnell, während der gerettete Knabe von einem Wachmann in Empfang genommen wurde. Ueber die Retttmg, die mit seltener Kühnheit und wahrem Opfermuthe seitens des Knaben durchgeführt wurde, gibt ein Augenzeuge, Herr Bauer, Beamter im statistischen Bureau des Handelsministeriums, welcher den Vorfall mit mehreren Collegen vom Fenster seines Bureaus in der Weißgärberstraße beobachtete, folgende Darstellung: „Es war gestern (Freitag) um ZU2 Uhr Nachmittags, als ich von meinem Bureautisch aus einen Blick auf den Donaucanal warf. Ich sah einige Kinder, circa zwölf an der Zahl, im Alter von fünf bis höchstens vierzehn Jahren, nächst dem Landungsplätze des Preßburger Schiffes „Leda" am linken Donau-Üser unterhalb der kleinen Zollhütte spielen. Ein kleiner Junge, im Alter von ungefähr fünf Jahren, bemühte sich, in das kleine Schiffchen zu steigen, welches dort angebunden ist, gerieth jedoch zwischen Schiff und Ufer ins Wasser. Das erschreckte Kind arbeitete mit Händen und Füßen, so daß es gegen die Mitte des Stromes ttieb. Kein erwachsener Mensch war in der Nähe und wir gaben das Kind verloren, umsomehr, als es bereits zu sinken begann. Ein circa vierzehnjähriger Knabe lief das User hinab, warf seinen Hut zurück und sprang vollkommen bekleidet in das Wasser, schwamm dem sinkenden Kinde nach, tauchte unter und kam mit dem noch lebenden Kinde nach einem für uns sehr langen Moment an die Oberfläche. In einem Arm das Kind, schwamm er dem Ufer zu und vollführte so die glückliche, kühne Rettung. Hierauf holte er noch den Hut seines kleinen Schützlings aus dem Wasser. Dann stieg, er an das Ufer, ohne von Jemandem bemerkt worden zu sein." Herr Polizeirath Wachler ließ sich den Knaben kommen und sprach demselben seine besondere Anerkennung aus. Von den Angehörigen des geretteten Kindes erhielt das „N. Wiener Tagblatt" folgende Zuschrift: „Löbliche Redaction! Wie Sie in Ihrem Abendblatte vom 2. d. gemeldet, wurde ein Kind von einem 14jährigen Knaben aus den Wellen der Donau gerettet. Dieser Knabe ist unser 6 Jahre altes Kind Ernst Schenkirsch, Schüler der ersten Clafse im zweiten Bezirke, Pfarrschule. Da wir außer Stande sind, dem kühnen Retter, der es, sein eigenes Leben nicht schonend, wagte, den bereits in den Wellen der Donau untergehenden Knaben eilend dadurch zu retten, daß er in die Donau sprang, dem untergesunkenen Kinde nachschwamm und es auch wirklich rettete, uns in anderer Weise erkenntlich zu zeigen, sprechen die Unterzeichneten Eltern und Geschwister dem 14jährigen Lebensretter Namens Ignaz Spiegel, II.» Bezirk, Praterstraße 50, auf diesem Wege ihren Dank aus, mit der Hoffnung, daß er von allen Bürgern der Stadt Wien, belobt wird. Johann Schenkirsch und Magdalena Schenkirsch, verwitwet gewesene Drasal, als Eltern; Andreas Drasal und Johann Drasal als Geschwister des geretteten Kindes." Wie«. (Eine deutschnationale Sedanseier.) Im Reffourcesaal in der Reichsrathsstraße fand vorgestern Abends eine „Sedanseier der deutschnationalen Hochschüler Wiens" statt, zu. der etwa. 200 Studenten, zum Theile in voller Wichs, erschienen. Die Versammlung sang zunächst den „Wahlspruch der Deutschen", dessen letzter Vers lautet: „O wolle immer treulich halten Des Kanzlers schlichtes Heidenwort, Der selber stand vor Sturmgewalten, So fest, wie Deiner Eichen Hort. Ob Donner gleich die Stürme toben, Das deutsche Herz bleibt muthgeschwellt, Wir Deutsche fürchten Gott da droben, Sonst aber nichts auf dieser Welt." Nachdem dieser Vers mehrmals wiederholt worden, ergriff der Student K. das Wort: „Schranken und Dämme wird man uns — sagte er — entgegenstellen, aber wir werden alle niederreißen und zerstören. Das Ideal, das uns im Herzen ruht, werden wir erreichen, wir schwören's!" (Tosender Applaus.) Der folgende Redner, der Student G. rief: „Die Freiheit und Einigkeit aller Deutschen wollen wir deutsche Studenten. In allen Stammesgenossen muß das gleiche nationale Feuer entflammt werden." Die Versammlung sang darauf das Schwurlied unp'ein Reichsdeutscher, ein Herr Humburg aus Berlin, ergriff das Wort, der die deutsche Jugend bedauerte, die so wenig Freiheit genieße. Als Festredner sprach darauf der Herausgeber einer deutschnationalen Zeitschrift. In Gegenwart des Regierungsvertreters, sagte er, der jedes seiner Worte stenographire, könne er leider nicht so sprechen, wie er es gerne möchte. Die Schönerianer hätten das Verdienst, wo es nur möglich sei, Sedanfeste zu veranstalten. Die Extrem-Deutschnationalen seien die einzigen Vertreter und Verfechter der akademischen Freiheit; sie wollen, daß der Student nach dem Uebertritt ins bürgerliche Leben, als Staatsbeamter, als Lehrer und Officier das Recht habe, eine eigene Meinung zu besitzen und diese auch ungehindert von Oben und Unten auszusprechen. Politische Maßregelungen dürfe es nicht geben. Die deutschnationale Studentenschaft leiste freudig den Schwur ewiger Treue für den deutschnationalen Hochgedanken. (Stürmischer Beifall.) Schließlich sangen die Studenten mit verschlungenen Armen als Schlußlied „Die Wacht am Rhein". Jaroslau, 4. September 1893. .Unsere Stadt prangt in festlichem Schmucke, denn sie beherbergt seit gestern die theuere Person unseres allergnädigsten Monarchen, der anläßlich der in unserer Gegend stattfindenden Manöver zwei Tage hier verweilen wird. Zur feierlichen Bewillkommnung Sr. Majestät erschien am Bahnhose auch die Repräsentanz der hiesigen isr. Cultusgemeinde und wurde vom Kaiser in huldvoller Weise angesprochen. Bei demspäter erfolgten Empfange der Deputationen am kaiserlichen Hoflager wurde auch der Präses der Jaros- , lauer isr. Cultusgemeinde Herr Heinrich Strisower in Audienz empfangen, wobei sich Se. Majestät eingehend über die Verhältnisse der Cultusgemeinde erkundigte. Eine besondere Ehrung wurde unserer Cultusgemeinde zu theih indem der erwähnte Präses zu der hier stattfindenden kaiserlichen-Tafel geladen wurde, was in allen. Kreisen der hiesigen Bevölkerung um so größere.Befriedigung hervorgerufen hat,- als Herr Heinrich Strisower sowohl wegen seiner ersprießlichen Wirksamkeit zum Wohle - der hiesigen Gemeinde, als auch wegen seiner persönlichen Eigenschaften, seiner Munificenz und seinem, concilianten Wesen sich allgemeiner.Beliebtheit und Verehrung erfteut. Lomnitz, 3. September. (Eonstituirung eines Frauenvereine s.) Unsere Gemeinde, die am 15. August die Denkseier des hundertjährigen Bestandes unserer Synagoge begangen, wollte es bei der bloßen Erinnerung an die Opferwilligkeit unserer Altvordern nicht bewenden lassen. Getragen von dem Gedanken, das religiöse Erbe durch eigene Verdienste zu vergrößern, trat ein Dämencomite zu dem Zwecke zusammen, Statuten zu einem Frauenvereine zu entwerfen, mit der Bestimmung, armen Kranken, insbesondere Wöchnerinnen Beistand zu leisten und mittellose Mädchen im Streben, sich für einen Erwerb auszubilden, thatkräftigst zu unterstützen, sowie armen Bräuten beizustehen. Nachdem die Statuten von der hohen k. k. Statthalterei bescheinigt wurden, schritt man zur Wahl der Verwaltung. In den Vorstand wurden gewählt: zur Präsidentin die Rabbinersgattin Frau Jsabella Wolffsohn, zu deren Stellvertteterin die Gattin des Cultusvorstehers, Frau Josefine Fischer; weiters wurden gewählt Frau Anna Fischer als Cassierin und Frau Deutsch als Schriftführerin. Mit einem Mandate für den Ausschuß wurden betraut: Frau Schwarz, Frau Bürgermeister Bauer, Frau Schiller, Frau Reichner und Frau Liebesny. Zu Beiräthen, mit blos berathender Stimme, wurden ernannt: Rabbiner Dr. Wolffsohn und Cultusvorsteher Herr Fischer. Hoffentlich wird der Verein eine segensreiche Wirksamkeit entfalten. Prag, 4. September. (Czechisch-jüdischer Nativ na lv er ein.) Der vor einiger Zeit errichtete „czechischjüdische Nationalverein" hielt gestern hier seine constituirende Generalversammlung ab, zu welcher etwa 200 Theilnehmer erschienen waren. Nach den Statuten hat der Verein den Zweck, das czechische Nationalbewußtsein unter den böhmischen Juden zu verbreite« und zu stärken, die Hindernisse zu prüfen, welche sich hem einträchtigen Zusammenwirken zum gemeinsamen Ziele entgegenstellen, dahin zu wirken, daß die jüdischen Kinder iw czechischen Schulen erzogen, und unterrichtet werden, daß der jüdische Gottesdienst in czechischer Sprache abgehalten werde,

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