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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-09-08 · 36 (8.9.1893) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
36 (8.9.1893)
Date
1893-09-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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i^y^^Timn ■■ i »ii iiiiipimw m~HTti'~r~iT"iUTWir~i~Mii.~iirr Nr. 36 VeüerretchWhr WortzenMxrN Seüe 671 Criminal kommen oder erst in dasselbe hineinwandern, sie sind es, welche das Judenthum aufs Schwerste compromittiren, die schlimmer sind als unsere offenen Gegner und die daher mit allen Mitteln bekämpft und von jedem anständigen und ehrlichen^Juden gemieden werden müssen.' An unsere wohlmeinenden Glaubensgenossen aber richten wir angesichts des herannahenden Neujahrfestes, des Tages der Einkehr und Sammlung, die Mahnung: Lebt Eurem Hause, lebt Eurer Familie in Bescheidenheit und Arbeitsamkeit! Nicht auf dem lauten, lärmenden Markte nicht in Putz und Tand, nicht in der nervösen Hast nach Genuß, sondern im Frieden des Hauses liegt das wahre Glück! Bleibet der Väter heiligem Brauche treu und erzieht Eure Kinder in wahrhaft jüdischem Geiste zu einfachen, bescheidenen, thätigen Menschen! EorreKMÜLiMn. - Wien. Die Schlußverhandlung in dem Processe gegen Paulus Mayer und die Mitangeklagten Pfarrer Dr. Deckert in Weinhaus und Franz Doll, verantwortlicher Redacteur des „Vaterland", findet am 15. und 16. d. M. vor dem hiesigen Schwurgerichte statt. Den Vorsitz wird Landesgerichtsrath Haller führen. Die Anklage vertritt Dr. Josef Kopp, die Bertheidigung des Pfarrers Dr. Deckert hat Dr. Porzer übernommen, während Dr. Pattai für den verantwortlichen Redacteur Doll intervenirt. Für den Angeklagten Paulus Mayer wurde Ex atko-Vertreter Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Emanuel Pollak bestellt. Wien. (Unter allgemeinem Beifall geohrseigt!) Auf dem Michaelerplatze wird jetzt Alles renovirt und großstädtisch hergerichtet. Von dieser freundlichen Geneigtheit profitirt denn auch das Straßenpflaster auf dem Michaelerplatz, was sich darin ausdrückt, daß dort ein Holzstöcklboden gelegt wird. Bei dieser Manipulation wird nun hübsch viel mit Pech hantirt, welch romantische Manipulation immer eine Menge Neugieriger anlockt, die dem emsigen Schaffen mit Beil und Pechkübel so andauernd neugierig zusehen, als ob sie selbst gar nie ein Pech gehabt hätten. Mittwoch Vormittags nun befand sich unter diesen Neugierigen auch ein Mann, der sich des zweifelhaften Vortheils erfreute, daß ein antisemitischer Feinschmecker in ihm leichtden Juden erkennen konnte. Ein solcher Feinschmecker war's denn auch, der gleichfalls unter den Zuschauern Aufstellung genommen hatte und der in einem ihm günstig erscheinenden Momente den Mann, der ihm als Jude in die Nase stach, ohne jeden anderen Grund als den des lumpenüblichen Rassenhasses ins Pech hineinstieß, das die Arbeiter über die Holzstöckel hingossen; der Mann hatte sich in Folge des Stoßes Schuhe und Kleider mit Pech beschmutzt und die Schadenfreude des ambulanten Antisemiten wäre eine ungetrübte gewesen, wenn nicht ein ihm zunächst beschäftigter Arbeiter eine andere Auffassung von der Sache gehabt hätte"." Dieser erhob sich blitzschnell und „legte" dem Uebermüthigen seine kräftige Hand so gewichtig ins Gesicht, daß er schon als Virtuos im Schnellwatschen den Beifall der Zuschauerschaft errang; der Geohrfeigte fand es gerathen, ohne Aufhebens sich zu drücken. Wien. (Eine „warnende Stimme".) Der Bischof Dr. Hais in Königgrätz erließ vor Kurzem folgendes Rundschreiben: „Obgleich ich überzeugt bin, daß der gesammte ehrwürdige Clerus meiner Diöcese sich an gar keiner gegen die Juden gerichteten feindlichen Agitation betheiligt, sehe ich mich dennoch genöthigt, meine warnende Stimme zu erheben, und im Falle, daß Jemand ohne Ueberlegung der Sache antisemitische Schriften oder Rohling's Broschüre: „Meine Antwort an die Rabbiner" u. s. w., die man nur vom wissenschaftlichen Standpunkte aus zu betrachten hat, unter dem nicht wiffenschaftlich gebildeten Publicum verbreiten oder loben sollte, einen solchen auf das Nachdrücklichste zu bitten, er möge dies unterlassen, wenn er sich nicht Schwierigkeiten zuziehen will, aus denen ich ihn leider nicht befreien könnte. Unter dem katholischen Clerus herrschte seit den ältesten Zeiten auf Grund des Römerbriefes des heiligen Paulus (XI. 15, 25), wo die zukünftige Bekehrung des jüdischen Volkes zu Christo-dem Herrn vorhergesagt wird, der Grundsatz, daß man die unter uns lebenden Juden, die Väter dieser zukünftigen Christen, so viel als möglich gegen ungerechte Angriffe schützen soll. Wir Katholiken haben aber besonders in unseren Tagen alle Ursache, der göttlichen Vorsehung zu danken, daß dieses überall zerstreute jüdische Volk sich noch erhalten hat, denn wenn es dieses Volk nicht gäbe, so würden schon längst viele gleichgiltige Christen im Namen einer gewissen antichristlichen Aufklärung die bewunderungswürdige Geschichte des Menschengeschlechtes' in der Zeit des alten Testamentes, wie auch alle prophetischen Schriften für eine Lüge und einen Betrug der Priester erklären, wodurch in den Herzen vieler Millionen gläubiger Christen der Glaube an die heilige Kirche schon im Fundamente erschüttert und zerstört wäre. Wir thun daher gut daran, auch in Zukunft die alten, guten Grundsätze unserer Vorfahren festzuhalten und werden in diesem Sinne auf das gläubige Volk wirken." Ein Antisemitenblatt in München gibt dem Bischof den „wohlmeinenden Rath, sich beschneiden zu lassen". Wien. („Culturgeschichtliche Curiosa".) In der Sitzung des Magistrats in München kam unter Anderem der folgende Gegenstand zur Verhandlung: Der Verein der Deutschnationalen in Steiermark richtete an den Magistrat das Ersuchen, sich einem Protest gegen die in Mainz geplante Errichtung eines Denkmals für Heinrich Heine anzuschließen. Bürgermeister Brunner bemerkte hierzu, daß in der Zuschrift auf ein Heine'sches Gedicht Bezug genommen werde, in dessen Berurtheilung alle Gebildeten und Deutschgesinnten einig seien. Da aber die Zuschrift von einem Vereine ausgehe, der unter dem Namen „Deutschnational" Bestrebungen verfolge, die nichts weniger als geeignet seien, dem deutschen Namen und der deutschen Nation Ehre zu machen, sei der Magistrat, trotzdem man in Manchem mit der Eingabe einverstanden sein könne, nicht in der Lage, sich derselben anzuschließen, zumal man es ruhig dem Urtheil der Bevölkerung und Stadtvertretung von Mainz überlassen könne, wie sie sich zu der Eingabe stellen werde. In diesem Sinne sollen die mitgetheilten Schriftstücke als culturgeschichtliche Curiosa dem städtischen Museum einverleibt werden. Wien. (Ein Mörder seiner Familie.) Vor einigen Tagen wurde bei Holdmezö-Vasarhely in Ungarn der Landwirth Martin Dioszegi mit seiner Frau und fünf Kindern von seinem ältesten Sohne Florian ermordet, lieber dieses furchtbare Verbrechen erzählen Budapester Blätter auf Grund der Geständnisse des Mörders Folgendes: 'Florian Dioszegi war in der Nacht zu einer Tanzunterhaltung nach Holdmezö- Vasarhely gegangen. Bei der Tanzunterhaltung hatte er ein Mädchen, die Tochrer eines Bürgers, zum Tanze aufgefordert. Das Mädchen lehnte es ab, mit ihm zu tanzen, und der erhaltene Korb kränkte ihn so sehr, daß er den Tanzboden verließ und heimging; deshalb konnte er nicht schlafen. Dann fiel ihm ein, daß ihm das Mädchen vielleicht deshalb einen Korb gegeben, weil er der Sohn Martin Dioszegi's sei, der sich nicht gerade des besten Leumunds erfreue, und er sagte sich, wenn der Vater nicht wäre und die Anderen, er der Herr des circa 120 Morgen großen Gutes seines Vaters wäre und daß ihn dann die Bürgermüdchen nicht so ganz wegwerfend behandeln würden. Er stand auf, kleidete sich an, nahm die Hacke zu sich und ging in das Haus seines Vaters. Er trat an das Bett feines Vaters und mit einem einzigen wuchtigen Hieb spaltete er demselben den Schädel; noch ein zweiter Hieb und der Vater war todt. Die Frau, die Stiefmutter Florians) erwachte, sah, was geschehen, wollte aus dem Bette springen, aber im nächsten Augenblicke traf sie ein Axthieb und dann noch einer, und auch sie sank todt in die Kissen zurück. Bon dem Geräusch waren die fünf Kinder halb erwacht, und von Bett zu Bett ging der entsetzliche Mensch, einen Axthieb um den andern ließ er niedersausen auf die Köpfe seiner Geschwister, mit jedem Axthieb ein Menschenleben auslöschend. Bei dem jüngsten Kinde, seinem kleinen Schwesterchen, der erst acht Monate alten Therese, waren seine Kräfte bereits so erlahmt, daß gerade dieser Säugling noch lebend aufgefunden wurde, doch starb das Kind ebenfalls vierundzwanzig Stunden später. Der Mörder ging in seine Wohnung zurück, warf die Hacke in eine Ecke, wusch sich die blutigen Hände und begab sich wieder nach Holdmezö-Vasarhely, wo das Ungeheuer sich noch bis zum Morgengrauen tanzend und trinkend unterhielt. Bald nachher wurde Florian Dioszegi, der mit seinem Vater und seiner Stiefmutter in stetem Unfrieden gelebt hatte, verhaftet, und nach zweitägiger Haft schritt er zu einem Geständnisse. Wenn Florian Dioszegi ein Jude wäre und z. B. Jacob Löwy hieße, welche Betrachtungen über die „sittliche Atmosphäre", in der er sich früher bewegt hatte, wären da von der antisemitischen Hetzpresse angestellt worden. Sie

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