Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-09-01 · 35 (1.9.1893) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
35 (1.9.1893)
Date
1893-09-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3020954-3020989--02715-3026818
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 35 Oesterreichische Wochenschrift Seite 661 iche Aerzte Jüdische Aerzte Bezirk 190 ... . . . . 178 . . . 40. . . . . . 102 . . . . .11. 101 - ... 59 . . . - .111. 67 - . . . . . 28 . - . . - IV. 9 . . ... 14 . . . - .V. 35 . . . ... 21 . - . .VI. 36 . . . . . . 37 . . . . . VII. 77 . . . ... 38 . . . . . VIII. 129 - . . . 125 - . . . . IX. 19 - . . ... 13 . . . X. 2 - . . ... 4 . . . . . XI. 3 . . . ... 7 . . . . .XII. 14 . . . ... 12 . > . . .XIII. 10 . . . ... 10 . . - . .XIV. 4. . . ... 8 - . . . XV. 11 . . . ... 14 . . . .XVI. 7 . . ... 15 . - . . . xm. 32 . . . . . . 26 . . . . xvni. 8 . . - ... 16 . . . . . XIX. In Wien sind demnach 795 christliche, 727 jüdische Aerzte, daher. Letztere im Ganzen in namhafter Minderzahl. Wien. (Ist „Schicksel" eine Ehrenbeleidigung?) In der Bukowina wird das „Schiksel" im jüdischen Jargon als Bezeichnung für ein Bauernmädchen in harmloser Weise gebraucht. Das Wort ist, wie eine in Wien am 25. d. durchgeführte Gerichtsverhandlung ergab, slavischen Ursprunges und hat an seiner Ursprungsstätte einen üblen Beigeschmack. Bor dem Wiener Bezirksgerichte Ottakring fungirte am 25. d. der bekannte Ethnograph und Slavist Dr. Friedrich S. Krauß als Sachverständiger über ein Schimpfwort. Bor dem Jnjurienrichter dieses Bezirksgerichtes hatte nämlich eine Näherin, Anna Hertwig, die Ehrenbeleidigungsklage gegen eine Frau, die Schlossermeistersgattin Katharina Wyborny erhoben, weil sie von dieser mit dem Worte „Tschiks" beschimpft worden ist. Der Richter der über diese Klage zu entscheiden hatte, mußte eingestehen, daß er die Bedeutung dieses Wortes gar nicht kenne. Die eingeleiteten „Erhebungen" über den Ursprung dieses Wortes ergaben blos das eine, daß es kein wienerischer Ausdruck sei. Mit Rücksicht auf die Nationalität der Geklagten — sie heißt Wyborny — vermuthete man, daß das Wort möglicherweise einem czechischen Schimpflexikon entstamme, weshalb auch kein Wiener Dialectkenner, sondern der obengenannte bewährte Kenner aller slavischen Idiome als Sachverständiger berufen wurde. Dr. Krauß erklärte, er habe vor einiger Zeit in der von ihm redigirten Monatsschrift für Volkskunde über sämmtliche Schimpfworte Europas Anfragen an seine Leser gerichtet und über 1505 Zuschriften erhalten. Aus diesen habe er entnommen, daß das Wort „Schicks", auch „Tschiks" oder „Tschiksel" eines der verbreitetsten Schimpfworte sei. Das Wort bedeute ein leichtfertiges Frauenzimmer. Jin Norden sage man zu einer leichtfertigen Dirne „Schikula", in Böhmen „Schiksula", in Polen „Schiksla". Das Wort „Tschiks" sei eben eine Verdrehung dieser Volksausdrücke und sei thatsächlich ein Schimpfwort. Der Richter fand infolge dieses Gutachtens die Angeklagte der Ehrenbeleidigung schuldig und verurtheilte sie zu einer Geldstrafe von 5 fl. Die Klägerin war jedoch der Ansicht, daß 5 fl. eine viel zu kleine Strafe sei für ein Schimpfwort, das man in Wien gar nicht versteht und zu dessen Erklärung man sogar einen Gelehrten vorladen muß. Sie erklärte deßhalb, daß sie gegen das Strafausmaß die Berufung anmelde. Weidlingau. (Ein Gottesdienst zu den bevorstehenden hohen Festtagen) findet hier statt, welchen Herr A. G o t t l i e b veranstaltet, damit es den zur Sommerfrische hier weilenden Wiener Juden möglich gemacht ist, die religiöse Andacht zu persolviren. Herr Gottlieb hat zu diesem Behufs den großen Saal des „Hotel Laudon" acquirirt und verdient derselbe für seine Bemühungen wärmsten Dank und vollste Anerkennung. Auch hier zeigt sich, welcher sittliche Abstand zwischen Juden und antisemitischen Ariern besteht. Die Juden begehen die religiösen Festtage mit Gottesdienst und Erbauung, die arischen Antisemiten verbringen die Feiertage in Wirthshäusern und Heurigenschänken, welche sodann in der Regel mit einem Radau enden. Prosnitz. (Antisemitischer Ferialclub.) Wie in der vorigen Nummer dieses Blattes gemeldet wurde, hat sich hier ein antisemitischer Ferialclub gebildet und das Proßnitzer liberale Organ bringt — hombile dictu — die Mittheilung der Constituirung. Präses des Club ist Ltud. med. Bartosch, der Schöpfer des studentischen Antisemitismus hier. Bemerkt muß noch werden, daß das erwähnte liberale Organ zu dreiviertel jüdische Abonnenten zählt, ohne welche es nicht existiren könnte. Holleschau. Sonntag, am 3. September, 3 Uhr Nachmittags, findet die feierliche Einweihung des neuen Tempels statt. Die Festpredigt hält Rabbiner Dr. I. Frei mann. Abends 7 Uhr findet ein Festbankett statt. Zwittau, am 27. August 1893. Am 22. d. M. starb hier im Alter von 74 Jahren, Herr Dr. Jacob Bondy, Vater der in Wien wohnhaften Doctoren gleichen Namens, nachdenr er 30 Jahre in Zwittau in segensreicher Thätigkeit als Arzt und Menschenfreund zum Wohle der hierortigen Armen, denen er in lobenswerther, humaner Weise stets zur Seite stand und nicht nur ihre Leiden, sondern auch ihre Roth lindern half. Derselbe erfreute sich seines bescheidenen und äußerst einnehmenden Wesens halber der besten Sympathien aller Schichten der Bevölkerung, welche besonders zum Ausdrucke kamen, als ihm gegönnt war, erst vor zwei Monaten sein 50jähriges Jubiläum als Arzt zu feiern und ihm die Aerzte des ganzen politischen Bezirkes, sowie die Stadtbürgerschaft durch Ueberreichen eines Ehrengeschenkes ehrten. An dem am 24. d. M. erfolgten Leichenbegängnisse nahmen die hiesige Stadtvertretung und Vereine in corpore, sowie Generalstabsarzt Dr. Christ theil. Am offenen Grabe hielt Herr Rabbiner Kohn aus Königgrätz eine ergreifende Trauerrede. Bisenz. Unter den Deputationen, die Fürsterzbischof Dr. Kohn am 25. d. M. begrüßt haben, befand sich auch eine Deputation der israelitischen Cultusgemeinde. Auf die Ansprache des Rabbiners Dr. Jacob Spira antwortete er: „Seien Sie versichert, daß ich stets im Geiste meiner heiligen Kirche, die ja die Liebe lehrt, wirken werde und daß ich stets treu bleiben werde den Traditionen meiner Vorgänger, die ja auch in diesem Sinne wirkten". Noworadomsk (Gouv. Petrokow), im August. Ein grauenhafter Raubmord wurde in dem benachbarten Flecken Kodrembie verübt. Eine ganze Familie, bestehend aus dem Kaufmann W. Siegelmann, seiner Frau und deren beiden Töchtern, ist ermordet worden. Der Werth der geraubten Gegenstände beziffert sich auf 200 Rubel. Mehrere des Mordes verdächtigte Personen sind verhaftet worden. New-Aork, 8. August. Das Comite, welches damit betraut ist, die Feierlichkeiten zu einem würdigen Begehen des 50jährigen Jubiläums des Ordens B'nei Berith festzustellen, arbeitet schon seit mehreren Monaten an dieser Aufgabe. Das bis jetzt festgestellte Programm ist folgendes: Am Abend des 12. October großes Concert für die Mitglieder und ihre Freunde, verbunden mit einem öffentlichen Empfang im Grand Central Palace an der 43Straße. Am folgenden Samstag ein Bankett und am Sonntag eine Massenversammlung der Brüder, in welcher hervorragende Redner über die Ziele und Zwecke des Ordens B'nei Berith sprechen werden. An der Spitze des Comites stehen als Vorsitzender Moris Goodheart, als Secretär William A. Gans, als Schatzmeister Adolf Hirsch, als corresp. Secretär Max Cohen. Fürstengunst. Roman von S. Kohn. Verfasser von „Gabriel". Jeder unbefugte Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden. Uebersetzung»« 22) rechte Vorbehalten.) Aber der Kaiser erwies mir wahrhaftig nicht die Freude, sich darüber zu ärgern, er war nicht aus seiner majestätischen Ruhe zu bringen, er verzog nur leicht die Lippen — was bei ihm ein Lächeln bedeutet — und meinte, Alles was ich vorgebracht hätte, wären unerwiesene Behauptungen und das Pasquill würde von Eugens Feinden verbreitet, welche ihnl die Gunst des Kaisers und die Freundschaft der edlen, geistreichen Frau mißgönnen. Als ich mich auf Ihr und des Marquis St. Thomas Anrathen dazu verstieg, zu behaupten. Prinz Eugen könne uneingeschränkt über die ganze Armee verfügen, diese hänge mit vergötternder Liebe an ihm, und wenn er es versuchen wollte, das gesammte Heer zum Abfall zu bringen, so würde ihm das weit besser als Albrecht Waldstein gelingen, erwiderte der Kaiser,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.