Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 35 (1.9.1893)
- Date
- 1893-09-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 658 Oesterreichiptzr Wochenschrift Nr. 35 EB. Wien. (Arisch-antisemitische Lebensmittel-Fälscherbande.) Im Briefkasten der Cloake des antisemitischen Hetzorganes „Deutsches Volksblatt" vom 27. August findet sich Nachstehendes: „An mehrere Einsender. Es ist uns unmöglich, die Unzahl der uns mitgetheilten Inden-Schwindeleien zu veröffentlichen. Wir empfehlen zur Bewahrung vor weiterem Nachtheile jedem Christen die Beherzigung unserer täglichen Rathschläge und Warnungen." Wir werden dem „Deutschen Volksblatt" mit der Auslese eines Tages aufwarten, an welchem gleich eine ganze Bande Lebensmittelfälscher, welche selbstverständlich eifrige Antisemiten sind, wegen Verkaufes gänzlich verdorbenen, höchst gesundheitsschädlichen, finnigen und verfaulten Fleisches abgeurtheilt worden ist. Bedenkt man noch, daß es sich hier nur um die Gefährdung von Gesundheit und Leben derallerärmstenBevölkerung handelt, so gewinnt man einen Begriff vonder Niedertracht und Bestialität dieser antisemitischen Giftmischer: Vom Bezirksgericht Favoriten. (Was im X. Bezirk gegessenwird.) Am 15. Juni wurde bei dem Stechviehhändler Jakob S ch w i ck, X. Bezirk, Quellengasse Nr. 100, erhoben, daß er 6 Stück Schweine der veterinärärztlichen Beschau entzogen hat; Urtheil (im Sinne des § 399 St.-G.) 25 fl. Geldstrafe. Bei dem Selcher Andreas Wiesinger, X. Bezirk, Arthaberplatz Nr. 4, wurden am 17. Juni gegen 4 Kilogramm hochgradig finnenhccktiges' geräuchertes Schweinefleisch im Berkaufsladen confiscirt. Strafe- 20 fl. Desgleichen wurde der X. Bezirk, Laxenburgerstraße Nr. 44, etablirte Selcher Franz K o tz n a r wegen Nichtanmeldung von zur Schlachtung bestimmten Schweinen zu 15 fl. Geldstrafe verurtheilt. Der Fleischhauer I. Klein hatte auf seinen Stand, X. Bezirk,' Eugenplatz, hochgradig faules Rind- und Kalbfleisch feilgehalten. Wegen Uebertretung gegen die körperliche Sicherheit wurde über ihn eine Geldstrafe von 40 fl. verhängt. Derselben Uebertretung wegen wurde der Fleischselcher Oswald Wagner, X. Bezirk, Wielandplatz etablirt, zu 30 fl. Strafe verurtheilt, weil er gegen 30 Kilogramm verdorbene Salami in seinem Geschäft feilbor. Gegen den Fleischselcher Ferdinand Pecha, X. Bezirk, Himbergerstraße Nr. 53, hatte der staatsanwaltschaftliche Functionär, Auscultant Dr. Staudinger, die Anklage erhoben, daß Pecha am 14. Mai 5 Schweine zur Beschau nicht anmeldete und daß am 18. Juni in seinem Verkaufsladen gelegentlich der seitens des städtischen Oberthierarztes Kögler und des Thierarztes Obermayer vorgenommenen Nachschau 13 Kilogramm hochgradig verdorbenen geräucherten Schweinefleisches, das unter anderen Fleischstücken versteckt zum Verkaufe ausgelegt war, vorgefunden wurden. In dieser vor kurzer Zeit zu Ende geführten Verhandlung kam auch der Umstand zur Sprache, daß (wie im Magazin des Pecha constatirt wurde) zur Wurstbereitung bestimmtes, von hochgradig tuberculosen Rindern stammendes Fleisch von Neusiedl am See (Ungarn) nach Wien zu Selchern eingeschmuggelt werde. — Richter Dr. Höfe : Das illustrirt, was für ein Fleisch für die ärmere Bevölkerung nach Wien kommt! Die Leute müssen offenbar wiffen, daß sie hier ein Absatzgebiet finden, darum bringen sie es hieher. — Ferdinand Pecha wurde zu 40 fl. Geldstrafe verurtheilt. Bei dem Letztangeklagten, dem X. Bezirk, Jnzersdorf, Stefaniestraße Nr. 19, etablirten Fleischselcher JosefBrath, welcher im X. Bezirk, Jnzersdorf, Laxenburgerstraße Nr. 7, eine Verkaufsfiliale besitzt, wurden gelegentlich einer am 28. Mai Vormittags im Hauptgeschäft vorgenommenen Revision zwei geräucherte Jungschweinsschultern vorgefunden, die so stark finnig waren, daß bei jedem Schnitt an der Schnittfläche Finnen' ersichtlich waren. Gemäß § 431 St.-G. (Uebertretung gegen die körperliche Sicherheit) wurde Josef B r a t h schuldig erkannt und über ihn eine Geldstrafe von 40 fl. verhängt. Derart sind die gesinnungsverwandteu Catone des „Deutschen Volksblatt" beschaffen, die nicht genug an den Pranger gestellt werden können. Thatsächlich nimmt Schwindel und Betrug in arisch-antisemitischen Kreisen derart überhand, daß notorische Judenfresser arische Geschäfte meiden und beim Juden all ihren Bedarf versorgen. EB. Wien. (Die Verjudung Wien's.) Psenner, der die Ambition zu besitzen scheint, sich die noch nicht würdig genug vertretene Rolle des „dummen Kerl's von Wien" zu arrogiren, beginnt diese Woche mit einer Artikel-Serie: Die „Verjudung Wien's", und nimmt sich als Entree die Wiener Großmarkthalle zum Vorwurfe und bringt die Fleisch-Engros-Händler auf den Jndex-Prohibitorium, mit dem Bemerken, daß er es seinen Lesern überlasse, sich die Christen heraus zu suchen. Es ist richtig, daß der Engros-Fleischhandel ausschließlich durch Juden vermittelt wird. Ja warum widmen sich diesem Geschäfte nicht auch Arier? Thatsächlich haben Arier sich im Engros- Fleischhandel schon wiederholt versucht, um aber bald wieder vom Schauplatze zu verschwinden. Man frage nur die christlichen Fleischkäufer weshalb. Sie waren nämlich Lumpe, betrogen ihre eigenen Glaubensgenossen, welch' letztere stets lieber mit Juden in Geschäftsverbindung stehen, da sie schon aus Geschäftsraison ihre Clientel solid und reell behandeln. Uebrigens ist der Engros-Fleisch-Handel mit sehr großem Risico und ganz bescheidenen Nutzen verbunden, welcher bei Eintritt von Zwischenfällen ganz schwindet, und gebe es keine jüdischen Engros-Fleisch-Händler, würde Wien noch an einer größeren Fleischtheuerung laboriren. EB. Wien. (Juden im Gerichtssaal.) Unter diesem Titel bringt Psenner, welcher sich in die arrogirte Rolle des „dummen Kerl's von Wien" schlecht hineinfindet, in seinem „Bolksfreund" einen Anwurf gegen die Juden, daß sie ein „enormes Material, und besonders in Wien, zur Verbrecherstatistik liefern". O, diese heuchlerische, spitzbübische Verlogenheit. Psenner hütet sich wohlweislich, seinen Anwurf mit statistischen Daten zu staffiren, die ja gegen ihn sprechen würden, da die Juden proportionell ein geringeres Perzent crimineller Fälle aufweisen. Uebrigens hat Psenner alle Ursache, in dieser Richtung das Maul nicht aufzureißen. In der Vorwoche allein wurden drei Arier zum Tode durch den Strang und eine Menge anderer wegen schwerer Berhrechen zu mehrjährigem Kerker verurtheilt. Und was sagt weiters Psenner zu dem Dutzend Fleisch selch er, welche erst letzter Tage wegen Verkaufs finnigen, verfaulten und verjauchten Fleisches an die ärmste Bevölkerung bestraft wurden. So gewissenlos und unmenschlich können fteilich nur gesinnungsfreundliche Arier Psenner's sein ganz abgesehen von der Affaire des antisemitischen Engros-Defraudanten Mayer, welcher 70.000 fl. von der ärmsten Bevölkerung gesparte Nothpfennige unterschlug. Hat Psenner noch Lust, seine Artikel-Serie fortzusetzen, wir werden ihm wohl die Antwort nicht schuldig bleiben. 0.-0. Lemberg, 27. August. „Bei uns in Galizien kennt man den Antisemitismus nicht", sprach ein verdienstvoller jüdischer Abgeordneter vor einiger Zeit im Reichsrathe. Mit Lob wurde er von den Connationalen hiefür überschüttet. Ist aber diese pro toro extemo sehr effectreiche Behauptung auch richtig? Nun, wahr ist es, daß wir gemeinen verbalen Rohheiten ä la Meister Stampiglius nur in einem Theile der hiesigen manchmal zum Hohne sich liberal nennenden Journalistik ausgesetzt sind, aber ebenso wahr ist es, daß bei uns ein sehr -kräftiger,-praktischer Antisemitismus betrieben wird. Der Antisemitismus bei uns zu Lande schimpft weniger, aber dafür ist sein Sinnen und Trachten darauf angelegt, den Juden ihre Existenz zu untergraben, das Leben einfach unmöglich zu machen. Es ist nicht meine Absicht, hier neuerdigs hervorzuheben, welche Kämpfe es kostet, bis ein Jude zu einem Amte gelangt, wie die autonomen Körperschaften, Sparkassen, speciell nationale aus Landesmitteln dotirte Banken, Assekuranzen ausnahmslos für jüdische noch so fähige Beamte gesperrt sind. Der Zweck der heutigen Correspondenz ist vielmehr, an der bekannten Salzaffaire nachzuweisen, was von gewissen sogar von hoch autonomer Stelle ausgehenden declamatorischen Tiraden zu halten ist. Mit Posaunen wurde der staunenden Mitwelt das Herannahen eines goldenen Zeitalters angekündigt. Das Land wird Salz verkaufen und der Bauer wird vor der Ausbeutung des jüdischen Zwischenhändlers gerettet. Also lautete die Theorie; aber merkwürdigerweise zeigte es sich in der Praxis, daß das Salz in den autonomen Trafiken theuerer und schlechter ist, als bei den vielverschrieenen jüdischen „Ausbeutern" und darob Zeter und Mordio und das naive Verlangen, den Juden möge der An- und Verkauf von Salz ganz untersagt werden, d. h. man verlangt nichts mehr und nichts weniger als daß die Salinen auch den Salzvorrath, für den der Landesausschuß keine Verwendung findet, an Juden nicht verkaufen sollen. — Man verlangt also ganz einfach ein Privilegium, welches natürlicherweise von der Staatsverwaltung nicht gewährt werden könne. Kostbar sind Correspondenzer nuferer Journale aus verschiedenen Bezirken Galiziens, die j übereinstimmend lauten: „Die Juden verkaufen Salz billiger und