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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-09-01 · 35 (1.9.1893) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
35 (1.9.1893)
Date
1893-09-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 35 DrMkvedhiphr WochrnschrW Sette 657 Freund der Orthodoxie und meiner ehemaligen Collegen in Preßburg konnte ich nicht schweigen, um schadenfroh einst dem Ende der traurigen Mähr beizuwohnen; mein Gefühl für die Jeschiba und ihre Zöglinge ist das wärmste und eine bittere doch vorauszusehende Enttäuschung ist es, wenn diese nicht zu unterscheiden wissen zwischen Freund und Feind. Nur der ist Euer wahrer Freund, der Euch vor einem nutzlosen und sündhaften Märtyrerthum bewahren will, der nur zu Eurem eigenen Besten handelt, wenn er Euch aus einer, wenn auch altehrwürdkgen, doch gar nicht organisirten Jeschiba in eine Schule versetzt wissen will, die Euch Gegenwart und Zukunft bieten soll und wird. Die Rücksichten gegen die Jeschiba und meine Familie, die mir Schweigen auferlegen sollen, werden beiweitem überwogen durch die Rücksichten, die ich Gott, dem Judenthume und Euch, meine Freunde, schulde. Darum bedenket den Ausspruch Salomo's Prov. Cap. 37, Vers. 6. „Wahrhaft sind die Wunden, die die Freundschaft schlägt". Ich habe nicht, wie so viele vor mir, nach meinem Austritte aus der Jeschiba getrachtet, mein Schärflein ins Trockene zu bringen, sondern habe nach mehrjähriger aufmerksamer Beobachtung meine Erfahnmgen zu Aller Besten klargelegt. Ich habe weder rasch, noch unüberlegt gehandelt, weil es ja da nicht viel zu überlegen gab, und wegen meiner Jugend muß ich schließlich noch die Bitte hinzufügen, daß die berufenen Personen, an die mein Appell gerichtet war, ganz den Autor und sein Alter übersehen und ihre Aufmerksamkeit oefälligst nur seinen Worten schenken mögen, ob diese der Wahrheit entsprechen oder nicht. Meine Individualität hat mit der heiligen Sache, der ich diene, nichts gemein. „Betrachte nicht das Faß, sondern dessen Inhalt". „Lai da non facit philosophum.“ chorresMäenLen. Wien. (Von der Baron Hirsch-Stiftung.) Auf der Durchreise nach seiner Besitzung in Mähren begriffen, stattete Herr Baron Hirsch dem Präsidenten des Curatoriums der Baron Hirsch-Stiftung, Herrn David R. v. Gutmann, einen zweistündigen Besuch in Wien ab, in dessen Verlaufe er mit demselben eingehend die Stiftungsangelegenheiten besprach. Herr Baron Hirsch zeigte eine erstaunliche Bersirtheit mit allen Phasen der Stiftungsaction und bekundete die größte Dankbarkeit für die aufopferungsvolle Thätigkeit des Präsidenten Herrn v. Gutmann, dessen Maßnahmen er unbedingt billigte. Der Stifter legte für die Arbeiten seines galizischen Werkes ein außerordentliches Interesse an den Tag und erklärte, auch in der Folge den Arbeiten des Curatoriums eine rege Aufmerksamkeit widmen zu wollen. In herzlichster Weise seine Anerkennung wiederholt ausdrückend, verabschiedete sich Herr Baron Hirsch von Herrn David R. v. Gutmann, um das Bureau der Stiftung zu besuchen, wo er ungefähr eine Stunde verweilte, in anregendster Weise seine Wünsche und Directiven andeutend und eingehende Informationen einholend. * * * (Bergani ruft nach dem Staatsanwalt.) Zu den saftigsten, aber auch nicht duftigsten Blüthen der a n t i sein i t i s ch e n P r e s s e in Wien gehört ein illustrirtes Witzblatt, welches den Titel: „'s l u st i ge Groß-Wien" führt. Wiederholt ist dieser angeblich humoristische Wisch nebst anderen gleichartigen Preßerzeugnissen im „Deutschen Bolksblatt" zum Abonnement und zur Lecture empfohlen worden. Umso größer war unser Erstaunen, als nun plötzlich Ehren- Bergani vor wenigen Tagen gegen das genannte „Witzblatt" den Staatsanwalt zu Hilfe rief. Erdenuncirte „'s lustige Groß- Wien" mit folgenden Worten: „Als eine gedruckte und gezeichnete Schweinerei von der ersten bis zur letzten Zeile stellen sich Zeichnungen und Erläuterungen in der Nr. 153 der Zeitschrift „'s lustige Groß-Wien" vom 20. August 1893 dar. Mit einer Schamlosigkeit, die ihresgleichen sucht, werden da in Wort und Bild die ärgsten Verstöße gegen die Sittlichkeit begangen. Die k. k. Staatsanwaltschaft sollte sich diese Nnnnner nicht entgehen lasten. Wir hoffen, daß, wenn sich der Staatsanwalt aus besonderen Gründen nicht zum Einschreiten entschließen sollte, die Abonnenten des anfangs unter anttsemitischem Gewände auftretenden schamlosen Blattes zur Selbsthilfe schreiten werden rc." Ei, wie empfindlich doch plötzlich HerrBergani iw Punkte der Sittlichkeit wird, er, der über den bekannten St. Pöltener Kuppelei-Proceß ein Feuilleton veröffentlichte, welches in der ganzen pornographischen Literatur seines Gleichen sucht. Sollte „'s lustige Groß-Wien" sich vielleicht gar zu einer unbequemen Concurrenz für das „Deutsche Bolksblatt" herausgewachsen haben? Wenn Herr Bergani nach dem Staatsanwalts ruft, dann kann man sicher sein, daß es ihm selber an den Kragen geht. He * * (Zur antisemitischen Criminal-Statistik.) Man darf es als eine psychologische Erscheinung bezeichnen, daß fast ausnahmslos alle antisemitischen Blätter mit Vorliebe das criminelle Berhältniß zwischen Juden und Christen behandeln. Criminal und Antisemitismus, das find zwei Begriffe, die von einander gar nicht mehr zu trennen sind. Natürlich werden von antisemitischer Seite die criminal-statistischen Tabellen in unverschämtester Weise zu Ungunsten der Juden gefälscht. In dem von der „Statistischen Central-Commistion" herausgegebenen Bande der „Statistik der Rechtspflege für das Jahr 1889" weist nun der Bearbeiter Regierungsrath Dr. Winkler, darauf hin, daß nach dem Religionsbekenntniste auf 100 Verbrecher 92 Katholiken, 1'5 Evangelische. 2-9 Nichtunirte imfc 3*5 Prozen t Juden entfallen. Nun stellen sich aber nach der Volkszählung von 1890 die Berhältnißzahlen so, daß in Oesterreich 90 Prozent der Bevölkerung Katholiken. 1'8 Prozent Protestanten. 2 3 Prozent Nichttmirte und 4*8 Prozent Juden sind. Somit liefern die Katholiken und Nichtunirten ein höheres, die Protestanten, ganz besonders aber die Juden ein niedrigeres Verbrecher-Prozent, als es ihrer Anzahl entspricht! Die unwiderlegliche Sprache der Ziffern bestätigt demnach auch für Oesterreich,' daß unter allen Confeffionen die Juden den geringsten Antheil am Verbrechen haben. * * * (Antisemitische Koscher-Ganse.) Man hat bis heute mit dem Antisemitismus die merkwürdigsten Erfahrungen gemacht; es fanden sich Antisemiten, die da raubten und stahlen, die da logen und betrogen, die Meineid schwuren undUrkunden fälschten, die da jüdische Weiber verführten und von jüdischen Banken sich bezahlen ließen. Aber daß es auch Antisemiten'gibt, die an koscherer Kost Gefallen finden, ist neu, oder doch wenigstens bisher noch nicht öffentlich bekannt geworden. Im „Deutschen Bolksblatt" vom 23. v. M. findet sich nun ein Inserat, in welchem ein gewisser L. Duschinsky, H. Rothe Sterngaffe 24, den verehrlichen Judenfteffern seine koscheren Gänse, — natürlich nebst Grieben und Stopplebern — empfiehlt. Welches Bewandtniß hat es nun mit diesem Inserat? Herr L. Duschinsky ist gewiß ein sehr sparsamer Mann, wenn sich derselbe aber nun entschließt, in einerantisemitischen Zeitung von dem Kaliber des „Deutschen Bolksblatt" seine Koscher-Gänse anzupreisen. dann muß er wissen, was er thut, dann muß es eine ziemlich ausgebreitete Antisemiten-Kundschaft für diese Gänse geben. Ist das Inserat ernst zu nehmen, dann — ja dann steht L. Duschinsky als Geschäftsmann auf gleicher Stufe mit Herrn Bergani. Der Antisemit, der jüdische Bankengelder nimmt und der Jude, der mit seinen Gänsen bei den Antisemiten hausiren geht, wären einander würdig. Es scheint aber, daß Herr Bergani mit jenem Inserat irgend einem boshaften Spaßvogel ausgeseffen ist, denn in dem Briefkasten der nächstfolgenden Nummer des „Deutschen Bolksblatt" findet sich folgende Antwort: „Herr G. P. Geben Ihnen die Versicherung, daß der Jude L. Duschinsky im 2. Bezirk, Rothe Sterngaffe Nr. 24, nicht mehr das Vergnügen haben wird, im Jnseratentheile unseres Blattes zu prangen." — Oder sollte die Findigkeit der Herren Duschinsky und Bergani gar so weit gehen, daß auch diese Briefkasten-Antwort bestellt und bezahlt wäre? Hoffentlich gibt der interessante Händler mit antisemitischen Koscher-Gansen eine entsprechende Aufklärung. Wir würden ihm dazu dringend rathen, wenn er nicht will, daß sein Kundenkreis sich für die Zukunft auf die Leser des „Deutschen Bolksblatt" reducire.^

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