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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-09-01 · 35 (1.9.1893) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
35 (1.9.1893)
Date
1893-09-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 35 Oesterreich ifchr Wochenschrift Seüe 655 Antilope aus Gold. Der Jude fragte, für wen diese Kostbarkeiten wohl bestimmt feien, worauf er die Antwort erhielt, daß es beim Chan von Bochara Sitte sei, alljährlich solche Figuren nach Samarkand dem Padischah zum Geschenke zu schicken, um den großen Beschützer zum Senden der Master des Flusses Kugak nach Bochara zu bewegen. . . Als der Sohn Israels diese Kunde vernahm, erklärte er den Einwohnern von Bochara, daß die Sarmakander gar nicht die Macht besäßen, den Lauf des Flusses aufzuhalten, noch weniger sei es ihnen möglich, die ungeheuere Wastermaste irgendwo in einem Winkel zu verstecken . . . Der Jude rieth daher dringend an, diese Kostbarkeiten doch bei sich zu behalten und nicht mehr dem Padischah nach Samarkand zu schicken. Die Einwohner von Bochara zögerten, der Jude aber besiegte alle ihre Zweifel durch die Zusicherung, mit einem Schlag ihnen zu jeder Zeit das Wasser aus dem Flusse Kugak zu verschaffen. Seit jenen Tagen hatte Bochara aufgehört, alljährlich die Figuren nach Samarkand zu schicken... In der Folge wurde es kund, wer an der Auflehnung Bocharas schuld ist. Die Späher suchten den Juden auf und brachten ihn nach Samarkand. Der Padischah befahl, ihn zu tödten, der Jude aber erklärte, er könnte das Wasser des Flusses überallhin und nach einer jeden Stelle in der ganzen Stadt leiten, während die Samarkander damals noch aus den Brunnen tranken. Der Sohn Israels hielt getreulich sein Versprechen, indem er die ganze Stadt und ihre Umgebung bewässerte. Der Padischah konnte jedoch die Figuren aus Gold und Silber nicht verschmerzen und nach einiger Zeit erließ er wieder den Befehl, den Juden zu tödten. Der Jude versprach, wenn ihm das Leben geschenkt würde, einen seiner Gehilfen herbeizurufen und mit ihm zusammen einen Bau mit Gewölben zu errichten, wie Niemand einen solchen bis dahin in Samarkand je gesehen hatte. Das geschah denn auch. Zu jener Zeit wohnten die Samarkander in Erdhütten, weil sie kein Handwerk auszuüben verstanden, die Gewerbe und die Künste unbekannt waren. Der Sohn Israels unterrichtete sie im Zimmern und in der Baukunst und führte zuerst die Malerei ein. Doch nach einiger Zeit erneuerte der Padischah den Befehl, den Juden zu tödten. Alsdann versprach der Jude, in drei Tagen ein nie geschautes Wunder zu schaffen . . . Der Meister und sein Gehilfe verfertigten Flügel und vor den erstaunten Blicken der Samarkander erhoben sie sich in die Wolken . . . Der Gehilfe fiel aber herunter und brach sich das linke Bein. Man brachte ihn vor den Padischah und er sagte aus, sein Meister könnte in einem Fluge über fünf Zelte dahin fliegen. Die Späher und Häscher wurden ausgeschickt, die den Juden auch gefunden haben. Jetzt wurde er, ungeachtet aller von Neuem versprochenen Wunderthaten, auch wirklich getödtet. Den hinkenden Gehilfen aber befahl der Padischah am Leben zu lasten, weil er ein so außergewöhnlich geschickter Meister war." Die Erzählung hat geradezu symbolische Bedeutung. Der Jude erscheint nicht als „unproductiver Zwischenhändler", sondern als Pionier und Culturträger. Der Jude wird trotzdem getödtet — denn er hat das Unrecht begangen, ein Kritiker zu sein, dem Tyrannen nicht seine Reverenz zu erweisen. Dieser kritische Zug war seit den Tagen der römischen Kaiser das Unglück der Juden; — eine Zeit, die gerechter urtheilen wird, wird darin vielleicht den Ruhm der Juden erblicken. (Aus den „Mittheilungen" des Berliner Abwehrvereines.) Aus der Talmudschule. Bon Aron Tänzer, oauä. phil. et theol. II. Berlin, Ende August 1893. Meinen vor Kurzem an dieser Stelle und unter diesem Titel veröffentlichten Ausführungen über unsere talmudischen Hochschulen der Gegenwart und speciell über die Jeschiba zu Preßbnrg sehe ich mich veranlaßt im Interesse der guten Sache diesen Nachtrag folgen zu lassen, den ich all Jenen zur gründlichen Einsicht empfehle, die meine früheren diesbezüglichen Worte theils abtheils unabsichtlich mißverstanden, oder was leider das Wahrscheinlichste ist, gar nicht verstanden haben. Letzteres anzunehmen berechtigen mich die vielen verleumderischen Angriffe, deren Zielscheibe ich durch meinen Wahrheitssinn geworden bin und die irgendwie zu beachten mir mein Ehrgefühl verbietet. Nicht der dient Gott und dem I udenthu me, der aus falsch v e rstandenen Rücksichten eingeschlichene verhängn iß vo lle U eb e l v e rd eckt und sich um deren stille gefährliche Fortwucherung nicht kümmert, sondern der, der durch unumwundene Offenheit die Augen Jener aus diese Uebelstände lenkt, die ihnen abzuHelsen berufen sind und die Macht hierzu besitzen. Einzig und allein diese Erkenntniß, bewog mich, im Dienste der Wahrheit vor die Oeffentlichkeit zu treten, und der gefeierte Gelehrte, Herr Prediger Dr. Adolf Jellinek hat daraus Anlaß genommen in Nr. 34 der „Oesterr. Wochenschrift" auf eine Denkschrift hinzuweisen, die er auf Veranlassung des Baron Schey, zur Zeit der Tagung des jüdischen Congresses in Budapest, ausarbeitete und die Letzterer dem damaligen ungarischen Eultusminister auch überreichte. Mir ist von dem Inhalte jener Denkschrift nichts mehrbekannt, als der hochverehrte Herr Verfasser in dem erwähnten Artikel selbst wiederzugeben die Güte hatte, und darnach zu schließen, war sie vollständig im wahren Interesse der orthodoxen Inden Ungarns abgefaßt und in jeder Hinsicht geeignet, den heute leider herrschenden Uebelständen vorzubeugen, daher auch jeder klar denkende, rechtlich gesinnte orthodoxe Jude ihrem Verfasser beistimmen wird, wenn er die in jener Denkschrift ertheilten Vorschläge noch heute zur Beherzigung und Befolgung empfiehlt. Jedoch, daß dies bis zur Stunde nicht geschah, schließt noch nicht die Hoffnung ans, daß dies künftig geschehe, umsomehr als 26jährige trübe Erfahrungen und die jetzigen eben so trüben Umstände dieselben aufs kräftigste unterstützen. Die Ausgabe einer Institution, wie die Preßburger Jeschiba, ist eine zweifache, sie ist sowohl Erzieherin, in Folge der mitunter sehr frühen Jugend, in der sie Schüler aufnimmr, wie auch die direkte Vermittlerin zwischen Schule und Leben, da sie ihre Zöglinge zu ihrem künftigen Berufe fertig stellt. Sie trägt somit die Verantwortung sowohl ihren Schülern gegenüber für deren entsprechende Erziehung und correcte Ausbildung, wie auch dem Judenthume und speciell den orthodoxen Gemeinden Ungarns gegenüber als dem seinsollenden nachmaligen Wirkungskreis derselben. Selbstredend ist Ersterer durch die Letztere schon gewisse Schranken gezogen, denn der orthodoxe Rabbiner muß auch in streng orthodoxer Gesinnung erzogen werden. Nun ist leider die Gesinnung da, aber die Erziehung fehlt. — In ihrer gegenwärtigen Organisation wird und kann auch die Jeschiba keiner ihrer beiden so hochwichtigen Aufgaben gerecht werden. Die Erziehung junger Schüler zu thatkräftigen willensstarken Männern erfordert vor Allem die streng durchgeführte Disciplin einer Schule, die den Knaben oder Jüngling früh an Ordnungsliebe und geregelte, emsige Thätigkeit gewohnt, ihn vor den schrecklichen während des ganzen ferneren Lebens stets erkennbaren Folgen zu früher Selbstständigkeit schützt, ihn derselben vielmehr erst dann zuführt, nachdem sein Denken und Handeln bis zur Verstandesreife in streng vorgeschriebene Bahnen gelenkt würde, die er sich später freilich selbst wählt, in denen er aber jedenfalls sicher vorwärts schreiten wird. Nun, bei all der über jeden Zweifel erhabenen Sicherheit, mit der ich als streng orthodoxer Jude an die biblischen Wunder und übernatürliche Dinge glaube, trotz Spinoza's Cap. VI in seinem „Theolog. Polit. Traktat", so erachte ich es dennoch als unmöglich, 300—400 ganz junge Leute ohne schulmäßige Disciplin zu dem zu erziehen, was sie später sein sollen — Männer in des Wortes höchster Bedeutung, denn solche thun dem gesammten und speciell dem orthodoxen Judenthum sehr noth. Also vor Allem muß die Jeschiba — wenn auch mit Beibehaltung ihres traditionellen Namens und Charakters.— eine Sch ule w erd en. — Die Ausbildung der Jeschiba - Zöglinge ist, wie bereits erwähnt, durch ihren nachmaligen Berus als Hirten orthodoxer Gemeinden,

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