Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 35 (1.9.1893)
- Date
- 1893-09-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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©eite 654 Vesterreichiphe Wochenschrift Nr. 35 Knaben. 1. Bezirk 439 Christen, 50 Juden 12 Percent 2. „ 356 „ 84 „ 23 „ Mädchen. 2. Bezirk 132 Christinnen, 87 Jüdinnen, 65 Percent 7. „ 192 „ 27 „ 15 „ 9. „ 120 „ 67 „ 55 „ Dabei sei gleich hervorgehoben, daß auch beim Frauen- Erwerbverein in allen Abtheilungen die jüdischen Schülerinnen überwicgen. So war beispielsweise 1890 das Mädchen--Ly ceum desselben von 243 christlichen und 111 jüdischen Schülerinnen besucht. Bei den Fachschulen und fachlichen Fortbildungsschulen treten ebenfalls die jüdischen Schüler in den Vordergrund. Und wir bemerken aus den darauf bezüglichen Zahlen, daß der Andrang der Juden am stärksten zum Kaufmanns stände und dann zu jenen Gewerben ist, wo es nicht immer angeht, Fabriksbetrieb zu führen oder den Befähigungsnachweis beim Antritte eines Geschäftes zu umgehen, oder die sich sonst besonders zur jüdischen Domäne eignen. So fanden wir bei den fachlichen Lehranstalten für Textilindustrie : Christen, Juden Weber, Posamentierer, Wirkwaarenerzeuger 248 51 an der Gremialfachschule der Wiener Kaufmannschaft 1478 36 also 20 Percent Juden, dagegen an den Gremialschulen in Hernals 218 10 und im ehemaligen Bezirke Sechshaus 147 2 was darauf schließen läßt, daß dort der Besuch der Schulen weniger streng controlirt wird. Fachschule der Uhrmacher 164 34 Fachschule der Drechsler 115 15 Fachschule der Buchdrucker und Schriftsetzer 482 16 weil man wahrscheinlich nicht leicht Buchdruckereibcsitzer werden kann, oder das Geschäft nicht mehr lohnend ist, oder weil diese schon unter sich antisemitisch ist. Juweliere weisen 183 6 aus; kann man doch auch als Tandler mit Juwelen und Goldwaaren handeln. Fachschule der Conditore 114 11 Fachschule der Spängler 167 15 Fachschule der Buchbinder, Lederwaaren-, Futteral- und Cartonnagewaaren-Erzeuger 56 5 Was braucht ein jüdischer Schachtelfabrikant, von denen es jetzt schon wimmelt, den Befähigungsnachweis! Fachschule der Tapezierer 66 12 Fachschule der Kleidermacher 154 2 Woher kommt das? Das ist eben ein Zeichen, daß den Juden der Ausweg als Confectionäre offen ist. Unter sämmtlichen Schülern der Fach- und fachlichen Fortblldungsschulen zählt man 5398 Christen und 575, also 10 Percent Juden. Das Endresultat ist folgendes: Christen, Juden Gewerbliche Vorbereitungscurse 12.995 438 Gewerbliche Fortbildungscurse (Knaben) 6849 342 Gewerbliche Fortbildungscurse (Mädchen) 839 212 Fach- und fachliche Fortbildungsschulen 5398 575 zusammen 26.081 1567 Es sind demnach derzeit fast 6 Percent der die gewerblichen Schulen besuchenden Handwerkslehrjungen Juden. — Glaubt man da noch nicht an die Nothwendigkeit, dem Vordringen des Judenthums endlich Halt zu gebieten. Für die mit jüdischen Lehrlingsschülern gesegneten Bezirke stellen stch die jährlichen Gewerbeschulauslagen nur für die Fortbildungscurse folgenderweise zusammen: 1. Bezirk 12 Percent Juden 2 l 23 „ jüdische Knaben j l 65 „ jüdische Mädchen J 9. „ 55 „ jüdische Mädchen Die Gesammtauslagen für alle drei Schularuppen stellen sich auf fl. 274.200. fl. 10.000 14.200 3.500 Zur Bestreitung dieser Auslagen tragen: Die Gemeinde Wien fl. 57.518 aus den Steuern der noch zu 9 Zehntel christlichen Bevölkerung bei; die Gewerbetreibenden Wiens fl. 129.416, in Form einer 4percentigen Umlage auf deren Erwerbsteuerschuldigkeit. Wie kommt der christliche Handwerker dazu, mit seinem Steuergulden die fachliche Ausbildung der Judennachkömmlinge, seiner einstigen Concurrenten, zu honoriren? An der Spitze der Gewerbeschulcommission steht der große Liberale Dr. Weitlof, der gütige Freund der bildungsbedürftigen Juden in den Gewerbeschulen und in den Schulen des Deutschen Schulvereines. Er sorgt väterlich mit christlichem Gelde dafür, daß nicht nur Handwerk,. sondern alle Berufsclassen möglichst reichen'jüdischen Nachwuchs erhalten. Man denke: nach dem Ausweise der Gewerbeschulcommission in Wien beträgt die Zahl der jüdischen Lehrlinge mindestens 6 Percent. Christliches Handwerk hilf dir, so wird dir Gott helfen. Von den mit dem Gewerbe liebäugelnden Judenknechten kommt dir keine Rettung, sie führen dich immer tiefer an den Abgrund." Die hämische Bemerkung des „Volksfreund", daß der Andrang der Juden zum Kaufmannsstande am stärksten ist, bedarf wohl keiner ernstlichen Widerlegung, die Juden würden lieber Sections-, Hofräthe und Sections-Chefs werden. Gemein und für diebetreffenden Gewerbeschul-Jnspectoren höchst verletzend ist die Auslassung, daß die jüdischen Kinder sich deshalb in die Hernalser und Sechshauser Gewerbeschulen nicht inscribiren lassen, weil daselbst weniger controlirt wird, es gibt in diesen Bezirken eben spärlich Juden. Ebenso blöd ist der Anwurf, daß Juden weniger im Buchdruckergewerbe vertreten sind, dies läßt sich damit motiviren, weil dieselben, um zur Selbstständigkeit zu gelangen, nicht die Mittel besitzen. Es zeigt von wenig Selbstgefühl, wenn der „Volksfreund" aus dem Umstande, daß 6 Percent Juden die Gewerbeschulen besuchen, schon für das arische Gewerbe zittert. Die Juden zahlen in Wien nahezu ein Viertel der Stenern, daher die Auslagen für dieselben in den Gewerbeschulen überreichlich gedeckt erscheinen. Die Bemerkung . über den Philosemitismus Dr. Weitlof's — risum teneatis amici — tft thatsächlich elastisch. Der Schlußpassus: „Christliches Handwerk hilf Dir" ist geeignet, gegen die Juden in revolutionärster Weise aufzureizen, und man muß nur füglich sich verwundern, daß Derartiges zu drucken von den betreffenden Organen geduldet wird. Leben wir doch in einem Rechtsstaate und nicht in Anarchie! Ed. Beer. „Thut nichts, der Jude wird verbrannt." Die im fernen Osten erscheinende russische Zeitschrift „Okraina" (die Grenzmark) macht sich in der letzten Zeit durch die Veröffentlichung, von alten Ueberlieferuugen und Legenden besonders verdient, die im Volksbewußtsein der Einwohner Turkestans noch lebendig erhalten geblieben sind und interessante Streiflichter auf die Vergangenheit des Landes und seiner antiken Hauptstadt Samarkand werfen. In einer derselben (Nr. 50 vom 15. Juni), welche einen Auszug aus der alten Chronik Llanlal Abdurachman vom Jahre 1260 darstellt, erscheint nun auch der Jude in der mit orientalischer Phantasie geschmückten Geschichte des von Rußland annectirten Gebiets. Abgesehen von dem rein historischen Interesse, welches die halb legendarische Erzählung bietet, ist auch der ihr zu Grunde liegende reale Sachverhalt im höchsten Grade charakteristisch und lehrreich, weshalb wir ihn in wortgetreuer Uebersetzung an dieser Stelle wiedergeben zu müssen glauben. Die hübsche Erzählung lautet nun wie folgt: „Und aus dem Lande lbsobiu (China) kam ein Jude, der Sohn Israels, um unsere wunderbare Hauptstadt Samarkand zu schauen. Er schaute das große Wunder und immer mehr wurde er von Staunen erfaßt, und er sagte, daß in keinem andern Reiche eine solche Stadt zu sehen sei. Zugleich besichtigte er auch den Fluß Kugak (Sarefschan) und er fragte, wohin die ungeheuere Wassermasse denn fließt? Er erfuhr, daß sie nach Bochara fließt, woraus er schloß, daß Bochara eine große Handelsstadt sein müsse. Er brach auf nach Bochara, besichtigte dort den Bazar und bewunderte besonders die von dem Goldarbeiter verfertigten Figuren: einen Hasen aus Silber und eine