Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 34 (25.8.1893)
- Date
- 1893-08-25
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 34 Orsterreichifche Wochrnfchrifl Seite 645 beinahe ein Drittel 32 6 Percent. Nun betrug in den in Betracht kommenden 13 Jahren das Mittel 2871 Verstorbene. 205 Juden und 2666 Nichtjuden, das 13jährige Mittel der Gesammtsterblichkeit an Zuckerkrankheit 11'7 0'4 Percent der Gestorbenen. Juden starben durchschnittlich 3'9 19 Percent an diesem Leiden. Andersgläubige 7 9 0 29 Percent. Es geht aus diesen Zeilen also hervor: „Das Verhältniß der Todesfälle an Zuckerkrankheit in dem angeführten Zeitraum ist bei Juden etwa sechsmal größer als bei den Andersgläubigen." Ferner wurde festgestellt, daß in allen Alters classen bei den Juden eine erhöhte Sterblichkeit an Zuckerkrankheit herrschte, sowohl in denjenigen, die weniger stark besetzt waren, als auch in den stärker besetzten, wo -sie viel höher ist, als es dem Unterschiede der Besetzung entspricht. Im Mittel von neun Jahren starben von 1000 Lebenden überhaupt 01 an Zuckerkrankheit, von 1000 Juden 0°3, von 1000 Andersgläubigen nur 0 07, also circa viermal weniger, lieber die Berufsarten der Verstorbenen wird bei 153 Fällen Folgendes berichtet: Kaufleute, Fabrikanten und größere Gewerbetreibende 26, darunter 13 Juden, Handwerker und kleine Gewerbetreibende 21, davon ein Jude, Gelehrte, Beamte und ähnliche Berufsarten 7, darunter ein Jude, Handarbeiter und Taglöhner 7 Christen. Privatier und Rentiers 24, darunter 13 Juden. Von 66 Frauen (gegen 87 Männer) waren 10 Angehörige von Kanfleuten, darunter 4 Israelitinnen, den Handwerkerkreisen rechnen 10 Personen zu, darunter eine Israelitin, zu den Familien der Gelehrten und Taglöhner zählen je 5, zu denen der Privatiers 21, davon 10 jüdischen Glaubens, ohne Angabe des Glaubens, ohne Angabe des Standes 15 Frauen, darunter 6 Jüdinnen. Paris, 12 August. Anatole Leroy-Beaulieu arbeitet an einem Werke .1-63 Juifs et le Regne de l’Argent“, welches die Juden in der Finanz, der Börse, dem Handel und dem Ackerbau behandelt. Petersburg, 8. August. Herr Fabrikant Isidor Goldberg ist mit dem St. Anna-Orden dritter Classe ausgezeichnet worden. Warschau, 8. August. Dr. Leon Rotwand hat der „Sanitäts-Commission zum Schutze gegen die Cholera" 10.000 Rubel zur Gründung einer unentgeltlichen Badeanstalt zugehen lassen. Biala (Gouv. Siedlec), 4. August. Drei jüdische Soldaten der hiesigen Garnison haben eine Sefer Thora geschrieben, umdie Abhaltung eines regelmäßigen Gottesdienstes für die jüdischen Soldaten zu ermöglichen. Bravo! Belgrad. Der König Alexander von Serbien hat anläßlich des Geburtsfestes dem Vorstand der Belgrader Jsraeliten- Gemeinde, Herrn Jacob Alkalay, den Takowa-Orden verliehen. London, 21. August. „Reuter's Office" meldet aus Tanger. Der französische Unterthan Jacob Cohen wurde gestern Abends in Zuani ermordet aufgefunden. Die Mörder sind unbekannt, doch vermuthet man, daß es Mauren sind. Die französischen Behörden begaben sich behufs Untersuchung nach der Wohnung des Getödteten. New-Ü)ork, 18. Juli. Herr Dr. Mintz, Obmann der „Showe Zion II" ist aus Palästina, wohin er Don der Genossenschaft gesandt worden war, zurückgekehrt. Die Genossenschaft hat bereits 25.000 Dollars als Angabe für 30.000 Dnnam Bodens an Baron Edmund v. Rothschild nach Paris gesandt. Mehrere junge Leute graduirten an der Akademie von Notre Dame in Dayton-Ohio. Die Einzige von allen, die mit Ehren von der Akademie ausgezeichnet wurde, war eine Jüdin, Fräulein Emma Holz. Herr Max Werthheimer, Rabbiner der Gemeinde, wurde eingekaden, die Ehren zu errheilen und die obligate Rede zu halten. Der Caplan des Institutes, Pater Martin Neville schloß die Exercitien. Er sagte unter Anderem: Es zeige von großer Toleranz des religiösen Denkens, daß es ihm und der Akademie heute vergönnt sei, die höchsten Würden, die das Institut zu vergeben hat, an eine „Jüdin" verliehen zu sehen und die Genugthuung zu haben, daß ein Rabbiner den Grad der akademischen Würde an eine Schülerin von Notre Dame ertheilt. — Der Erzbischof Henry von Cincinnati sandte ihr seine herzlichen Glückwünsche durch die Schwester A. Julia St. Notre Dame: „Ich habe nur Zeit, den Empfang Ihrer Einladung zu bestätigen und meinen herzlichen Segen an alle Ihre Schwestern und Schüler, insbesondere an Fräulein Holz zu senden. Möge sie Leuchte und Stärke haben, Gott zu dienen in diesem Leben und ihn besitzen im künftigen Leben. Betet für mich. William Henry, Erzbischof, Cincinnati. Dir Geschichte eines Modells. Zur Zeit des bekannten Berliner Sensationsproceffes gegen den Maler Gräfe wollte ich vom sittlichen Standpunkte über die Frage des Verkehrs der Künstler mit Modellen schreiben und habe mich zu diesem Zwecke viel in Künstlerkreisen bewegt, von denen mir einer Nachstehendes erzählte: „Ich war gerade an der Arbeit eines meiner anerkanntesten Bilder: Maria als Angetraute Josefs in der Vision mit dem Engel Gabriel, nach Lucas 1, und suchte nach einem Modell. Als strenger Naturalist wollte ich dazu nur eine Jüdin reinster Raffe, und weil bei den Orientalen die Mädchen schon mit dreizehn, vierzehn Jahren verlobt werden, sollte mein Modell in diesem Alter stehen. Wohl stand die weibliche Jdealgestalt, eine junge Jüdin, welche zugleich die Heiligkeit und die Schönheit, die den Töchtern ihres Stammes eigen waren, darstellen sollte, in allgemeinen, dämmerden Umrissen vor meinem geistigen Auge — wo aber ein Modell finden, das so hohen Anforderungen an Gestalt wie Gesichtszüge zu entsprechen vermochte? Ich schleuderte wochenlange mehrere Stunden des Tages in den von den Juden bevölkertsten Bezirken herum, namentlich in jenen Theilen der Leopoldstadt, wo das Quartier der polnischen Juden ist, fand aber nicht das Erwünschte. Schon mißmuthig über mein fruchtloses Forschen begegnete mir eines Tages zufällig in einer Gasse, wo ich es am wenigsten vermuthete, ein Mädchen von vierzehn Jahren, noch mager und unentwickelt, aber gerade von einer so keuschen Schönheit und einem so rührenden Ausdrucke in dem schmalen typischen Gesichte mit großen seelenvvllen Augen, wie ich es für meine Arbeit brauchte. Ich hätte bald einen lauten Ruf der Freude gethan, als ich Plötzlich das gehoffte Modell vor mir stehen sah; denn daß das Mädchen gerne bereit sein würde, mir den gewünschten Dienst zu leisten, schien kaum zweifelhaft; ihre Kleidung war ärmlich und trug den Stempel des Elends an sich, so daß sie auch in dieser Beziehung für eine echte Verkörperung der Braut des armen Zimmermannes von Nazareth gelten konnte. Ich sprach das Kind an, und schon am folgenden Tage erschien es in meinem Atelier, begleitet von einer alten Hansirerin, die das verwaiste Mädchen zu sich genommen hatte. Ich erkannte, daß es der Alten ein schweres Opfer kostete, Rebekka — so hieß das Mädchen — zu diesem Geschäfte herzugeben, und ich gab ihr sofort ein hübsches Sümmchen, um ihr den Kampf zu erleichtern. Alsbald machte nun auch das Bild rasche Fortschritte und entwickelte sich mehr und mehr zu jenem vollenveten Kunstwerke, als welches es meinen Namen verbreitete. Es war natürlich, daß ich auch an dem jungen Mädchen, dessen Züge ich verherrlichte, ein großes Interesse fand, umsomehr als ich erkannte, daß hier der Körper mit dem Geiste wirklich harmonirte. Ich beschenkte sie und unterhielt mich gerne mit ihr, wenn die Sitzung vorüber war. Das Bild wurde ausgestellt, fand allgemeine Bewunderung und endlich einen Käufer, um einen Preis, den zu erreichen ich nicht ahnte und der es mir ermöglichte, nach Italien zu reisen. Nach mehreren Jahren meines Aufenthaltes in Rom kehrte ich wieder hieher zurück und aus Dankgefühl suchte ich mein Modell auf. Ich hatte Mühe, sie zu finden. Sie wohnte jetzt mit ihrer Pflegemutter in einem fashionablen Hause in der inneren Stadt. Sie selbst öffnete mir auf mein Anläuten. Das Kind war inzwischen zu einer wunderbaren Schönheit erblüht. Sie erkannte mich sofort und wurde leichenblaß. In höchster Erregung flüsterte sie mir an der Schwelle des Vorzimmers zu: „Ich bitte Sie, nicht weiter zu gehen, wenn Ihnen an meinem Glücke gelegen ist. Ich bin die Braut eines reichen Börseaners. Seine Eifersucht hat kein: Grenzen; wenn er nur ahnte, was ich Ihnen war, er ließe mich sofort sitzen und ich wäre wieder das arme Mädchen von früher, das wochenlange hungern mußte, wenn es sich ein neues Kleid machen wollte. Eilen Sie weg, er hat mich mit Aufpassern umstellt!" Vom Herzen froh, daß das Mädchen ihr Glück gemacht hat, entfernte ich mich und nachdem ich kein weiteres Jntereffe an ihr hatte, vergaß ich sie auch bald. Nach ungefähr zwei Jahren führte mich der Zufall wieder in dieselbe Gasse; ohne daß ich mehr daran dachte, daß