Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 34 (25.8.1893)
- Date
- 1893-08-25
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3020954-3020988--02697-3026799- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 644 Oesterreichrfche Wochenschrift Nr. 34 rollte der gediegene Redner in dieser Beleuchtung vor den Augen seiner Hörerschaft — und so legte er den zahlreichen Anwesenden ans Herz, einen Leiter der religiösen Interessen des Judenthums für die vier Gemeinden: Groß-Bittse, Hlinik, Kotteso und Bezirk Bistritz unbedingt und in Bälde zu erwählen, nicht erst die Annahme der Reception abzuwarten. Diese meisterhafte Rede machte auf das tief ergriffene zahlreiche Auditorium einen so mächtigen Eindruck, daß schon Nachmittags eine Besprechung der Vorsteher der benachbarten vier Gemeinden anberaumt wurde, bei welcher die möglichst baldige Aufnahme eines zeitgemäßen Rabbiners zum endgiltigen Beschlüsse erhoben wurde. So hätte denn diese Anregung unseres im Auslande in hervorragender Weise wirkenden, hochgeehrten Landsmannes auf unserer Kanzel eine tiefeinschneidende Wirkung hervorgebracht, für welche ihn unsere Gemeinde, sowie sämmtliche anwesenden Gäste herzinnigen Dank sagen. Bei dieser Gelegenheit soll es rühmend erwähnt werden, daß der hochbetagte Vater des Wiener Obercantors Singer, Herr Israel Singer, in jugendlicher Frische das Vorbeten verrichtete und allgemeine Anerkennung fand. Hermanuestec, (Böhmen) 18. August. Bei der am 7. d. stattgehabten Cultusgemeindewahl wurden Herr Josef R i x zum Cultusvorsteher, Herr Josef Steindler zum ersten und Herr Theodor Pokorny zum zweiten Rath gewählt. Am 17. August beim Minchagebet wurde als Vorfeier des Geburtsfestes Sr. Majestät des Kaisers ein feierlicher Gottesdienst unter zahlreicher Betheiligung veranstaltet. Bodenbach a. E. Am 15. August wurden die Wahlen des provisorischen Ausschusses für die isr. Cultusgemeinde Bodenbach vorgenommen. Gewählt wurden: Als Vorsteher Adolf Pächter, Bodeubach; als Vorsteher- Stellvertteter Sigmund Brauner, Tetschen; als Beigeordneter Carl Heller. Tetschen; als Ausschußmitglieder Herr Gottfried Pick, Bodenbach, Herr I. H. Sonntag, Bodenbach, Herr Heinrich Schwarz, Tetschen, Herr Friedrich Flaschner, Bodenbach. Baja, 6. August. Heute wurde hier die Gattin unseres unvergeßlichen Oberrabbiners R. Moses Nascher, die denselben um 15 Jahre überlebte, unter großer Theilnahme der Gemeinde und des isr. Frauenvereines, dessen Ehrenmitglied die Verewigte war, zur ewigen Ruhe bestattet. Bei der ergreifenden Grabrede des Herrn Rabbiners Dr. Adler blieb kein Auge thränenleer. Sie war die Tochter des Oberrabbiuers Simandl von Lipto- St. Miklos und Enkelin" des als talmudische Autorität in Ungarn berühmten R. Sinai und des Oberrabbiners R. Sam. Kohn von Batiz-Vasvary, der auf seinem Gute eine Jeschiba unterhielt, Suiatyn. Ueber Veranlassung des Herrn Josef Rosenkranz hat sich hier ein Verein gebildet zur Beköstigung und Bekleidung armer Schulkinder. In erster Linie sollen die Schüler aus der Stiftungsschule des Herrn Baron Hirsch und dann auch die Schüler der öffentlichen Volksschule unterstützt werden. Bueovar. Am Geburtsfeste unseres allergnädigsten Kaisers fand ein feierlicher Gottesdienst statt, an welchem sämmtliche Beamte des Comitates unter Führung des Obergespans und des Bicegespans, die gesammte Repräsentanz der Stadt unter Führung des Bürgermeisters, die Finanzdirection unter Führung des Oberdirectors, das Professorencollegium, das Officierscorps, sämmtliche Gerichtsbeamte unter Führung des Präsidenten, die Gendarmerie-Officiere, die Gesangvereine und Feuerwehr corporativ mit ihren Fahnen in der Synagoge theilgenommen. Oberrabbiner Dr. Julius Diamant hielt eine meisterhafte Festrede. Den gesanglichen Theil leitete unser trefflicher Obercantor Heller. Zum Festdiner beim Obergespan waren auch der Oberrabbiner und Gemcindepräses geladen und dem geistlichen Oberhaupte der jüdischen Gemeinde wurde ein Ehrenplatz angewiesen, wie der hohen Geistlichkeit anderer Confessionen. Berlin, 8. August. Der Geheime Commerzienrath B l e i ch r ö d e r hat der Stadt Berlin eine Million vermacht zur Begründung einer milden Stiftung, welche den Namen „Samuel Bleichröder-Stiftung" führen und den Zweck haben soll, hilfsbedürftigen Kranken oder Reconvalescenten auch Kindern, Unterkunft, Pflege und Unterstützung zu gewähren, Hauptsächlich sollen Brustkranke berücksichtigt werden. In städtischen Kreisen besteht die Absicht, diese Stiftung in dem von den Bleichröder'schen Erben erkauften Gütergotz oder auf einem anderen geeigneten städtischen Rieselgut zu domciiliren. Berlin. Auf Strafantrag des Reichskanzlers Grafen Caprivi werden, wie die „Germania" vom 26. Juli meldet, die Urheber, Verfertiger, sowie sämmtliche Verbreiter des neuerdings erschienenen Glöß'schen antisemitischen Bilderbogens Nr. 9, auf welchem der Reichskanzler unter Anderem mit einer Jüdin zusammen Droschke fahrend dargestellt ist, strafrechtlich verfolgt. Am Mmitag zum Beispiel hatte der bekannte antisemitische Buchhändler G. Dewald in Berlin, Krausenstraße 49, eine Ladung in dieser Sache vor den Untersuchungsrichter — mit Dewald scheint der Reigen eröffnet tvorden zu sein. Berlin. Die Feier des hundertsten Geburtstages Baruch Auerbach's, des Begründers der nach ihm benannten Waisenhäuser, hat auf dem alten Begräbnißplatz An der Schönhauser Allee stattgefunden. Circa 300 Personen, meistentheils ehemalige Zöglinge der obenerwähnten Anstalten, tvaren erschienen und auch das Baruch Auerbach'sche Waisenhaus in der Oranienburgerstraße war durch eine Deputation von 16 Schülern bei der Feier vertreten. Die in der festlich decorirten Gebethalle abgehaltene Gedenkfeier verlief in würdiger Weise. Eingeleitet wurde jie durch Gesang, dann folgte eine Ansprache des Vorsitzenden des Baruch-Auerbachvereins, Herrn Kaufmann I. Kussel. Der Redner schilderte dabei in warmen Worten das Leben und Wirken des edlen Mannes und seiner Gattin. Hierauf schloß sich wiederum Gesang an, worauf noch einige frühere Zöglinge des Waisenhauses "zu Worte kamen. Darauf begab man sich nach -er Grabstätte Auerbach's. Hier wurde die Gedenkfeier ourch weitere Ansprachen fortgesetzt und mit einem Schlußgesaug beendet. Berlin, 14. August. Die Herren Geheimen Sanitätsräthe Dr. S. Kristeller und Dr. Bähr sind aus Anlaß ihres fünfzigjährigen Doctor-Jubiläums mit dem Rothen Adler-Orden dritter Claffe ausgezeichnet worden. Coburg. Anläßlich der Gothaer Festspiele hat Herzog Ernst dem Herrn Dr. Julius Baron K ö n i g s w ar ter in Hannover und dem Kammersänger Reich mann in Wien das Ritterkreuz Erster Claffe des Ernestinischen Hausordens verliehen. Bern. Zur Charakteristik der wenig wählerischen Mittel, mit welchen die Gegner des Schlichtens Vorgehen, lassen wir folgendes Pröbchen folgen. Unter dem Titel „Lügen haben kurze Beine!" bringen die Blätter Folgendes: Das Centralcomitä der Thierschutzvereine von Zürich, . Bern, Aargau und Luzern verbreitet in den katholischen Gegenden einen Aufruf, wonach mehrere katholische Bischöfe und Erzbischöfe Deutschlands mit ihren Namen einen Aufruf an's Volk erlassen, worin sie die Ueberzeugung aussprechen, daß das Gefühl aller guten Menschen durch die Massenthierfolter, wie sie beim Schächten ohne Betäubung stattfindet, verletzt werde und darum die Bestrebungen der Thierschutzvereine zur Beseitigung der ganz unnöthiqen Thiergnälereien in jeder Weise unterstützt werden sollten. Von den im Aufrufe genannten Bischöfen sind die Bischöfe Stumpf von Straßburg und Hefele von Rotenburg gestorben. Bon den übrigen 5 Bischöfen und Erzbischöfen hat das Centralcomitö für Bekämpfung der Initiative auf gestellte Anfrage hin folgende Antworten erhalten: Starnberg, 16. August, 11 Uhr 20 Min. Erzbischof Thoma (München) hat zu folgender Erklärung ermächtigt: Weder ist Anfrage an mich gelangt, noch weiß ich etwas von der Schächtsache. Mainz, 16. August, 12 Uhr 40 Min. Bischof Haffner erklärt, daß er niemals über das Schächten sich auszusprechen Veranlassung gehabt habe. Der Herr Bischof ermächtigt mich zur Miltheilung dieses genau seine Worte wiedergebenden Dementis. Dr. Bondi. Niedermendig, 16. August, 3 Uhr 40 Min. Bischof Korum (Trier) hat weder Aufruf unterzeichnet, noch sonst sich mit der Frage befaßt. Im Auftrag: Willms, Secretär. Breslau, 16. August, 5 Uhr 40 Min. Cardinal Kopp telegraphirt von Johannisberg: Habe keine Erinnerung von solchen Aufruf oder meiner Unterschrift. Cardinal Kopp. Frankfurt a. M. In einer Arbeit: „Notizen zur Diabetessterblichkeit in Frankfurt a. M." gibt Dr. Wallach in der „Deutschen Medicinischen Wochenschrift" einige sehr interessante Daten. Danach finden sich in einem Zeitraum von 19 Jahren, nämlich von 1872—90 inet, 171 Todesfälle an Zuckerkrankheit verzeichnet. Unter diesen war die Religion der Verstorbenen 156mal angegeben, und zwar vertheilten sich die Todesfälle auf 51 Israeliten und 105 Andersgläubige; auf erstere entfiel also