Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 34 (25.8.1893)
- Date
- 1893-08-25
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 34 Oesterreichifchr Wochenschrift Seite 643 Lomnitz. (I n b i l ä u m s se i e r.) 15. d. wurde ttt der Israel. Gemeinde Lomnitz aus Anlaß des hundertjährigen Tempelbestaudes eine Jubiläumsfeier begangen. Die Gemeinde hatte aus diesem Anlässe Festschmuck angelegt. Die Häuser waren mit Reisiggewinden und Blumen geschmückt. Am Vorabende wurden dem Ortsrabbiuer und dem Bürgermeister Leopold Bauer, sowie den Cultusvorständen unter Musikklängen Ehrungen bereitet. Nachmittags um 3 Uhr kamen Obercantor Heller sowie die Choristen und die Mitglieder des Damenchores aus Brünn hier an. Nachdem sich die Honoratioren der israel. Gemeinde, sowie die Vertreter der Jsraelitengemeinden Wien und Brünn, anch jene der Nachbarortschasten versammelt hatten, tvurde vom Lehrer Gustav L i b e s n y aus Wien ein Festzug veraustaltet. Derselbe begab sich zunächst nach dem Ortssriedhose. Dort wurden von dem Obercantor und dem Chore ceremonielle Lieder gesungen und von dem Ortsrabbiner eine schwungvolle Ansprache gehalten, in welcher er zunächst dem hi:r ruhenden Erbauer und Förderer des Tempels den Dank aussprach. Von dieser Trauerstätte ging der Zug in den Tempel, wo einige religiöse Lieder und Psalmen gesungen und das Abendgebet verrichtet tvurde. Unter großer Stille hielt der Rabbiner Dr. Wolfsohn die Festpredigt. Den Schluß bildete die Absingung der Volkshymne. — Aus Anlaß des Festes wurde von der politischen Genteinde auf Antrag des Bürgermeisters den Herren Ignaz Skutetzky, Alois Hofmann und Bernhard Engel in Anerkennung vieler Wohlthätigkeitsacte das Ehrenbürgerrecht verliehen. F. H. Lemberg, den 18. August 1893. Am Vorabend des Geburtstages des Kaisers fand im hiesigen israelitischen Tempel ein solenner Festgottesdienst statt, wo der bekannte hiesige Philantrop Advocat und Cultusvorsteher Herr Doctor Wilhelm Holzer eine eminente Rede — Gebet für unfern allergnädigsten Kaiser Franz Josef — hielt, in welcher er dessen Eigenschaften, nämlich Wissen, Arbeit und Wohlthätigkeit, gebührend hervorhob, indem Se. Majestät, ohne sich Ruhe zu gönnen, vom frühen Morgen in der Cabinetskanzlei arbeitet, indem er 5000 fl. für die Ueberschwemmten in Galizien gespendet hat und alle Anstalten unterstützt, daher wir in jetziger Zeitströmung, wo auch in Galizien der Antisemitismus herrscht, uns der Gnade des Kaisers anvertrauen. Unter der Aegide des Vicebürgermeisters, Herrn Director Marchwicky wurde ein Rettungscomitä für die Ueberschwemmten in Galizien gebildet, in welches 50 Christen, 4 Juden — Herr Cultuspräsident Samuel Horowitz, Director Lazarus und Dr. Caro, sowie Dr. Wilhelm Holzer — gewählt wurden; ob aber der Landesausschnß, der gewohnt ist, antisemitischen Juden, wie Dr. Caro, Stipendien zu gewähren, jüdische Arbeiter aber beim Baue des Ausstellungsgebäudes, zu welchem Juden viel Geld beitragen, zu entfernen, die von den Ueberschwemmuugen heimgesuchten Juden unterstützen wird, ist fraglich. Denn wird der Professor Dr. Tarnowski es zulassen?!! Lapieati sat. Neubydzow, 18. August. (Allerhöchstes G eb urts fest.) Das Allerhöchste Geburtsfest unseres allgeliebten Kaisers wird in unserer Gemeinde fast immer durch einen erhebenden Gottesdienst auf das Feierlichste begangen. Noch nie aber ist dasselbe in solch solenner Weise gefeiert worden wie diesmal. Grund hiefür mag einerseits die Anwesenheit des neuen Herrn Bezirkshauptmannes und des Veteraneuvereiues mit seinen: Ehrenpräsidenten, Herrn Fabriksbesitzer H. Friedländer, gewesen sein, andererseits die wackeren Leistungen der Mitwirkenden, wo vor Allem Herr Cantor Alois Freund besonders hervorgehoben zu werden verdient, da er bis vor Kurzem noch ein Junger ^Merkurs" war und sich trotzdem eine solche fachliche Bildung und praktische Schulung angeeignet hat. das; seine Leistungen die ungeteilte Anerkennung Aller fanden. Diese Anerkennung ist auch eine verdiente. Nebst seiner sympathischen Erscheinung verfügt derselbe über eine sehr angenehme, kräftige Teno''stimme, die sich immer mehr und mehr entwickelt und zu den schönsten Hoffnungen berechtigt. Der feierliche Gottesdienst wurde mit einem vom gemischten Chor unter Harmoniumbegleitung vorgetragenen und vom Cantor recitirten >i>1a towu« eingeleitet. Hierauf erklangen die Töne des vom Obercantor Naumbourg in Paris componirten 150. Psalms gleichfalls mit Harmoniumbegleitnng. Nun bestieg Herr Rabbiner Dr. Löwy die Kanzel, um in formvollendeter Rede den versammelten Andächtigen die Bedeutung des Festes klar zu machen. Vom Cardinalsatze unserer Religion, „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst", ausgehend, brachte er diesen in Beziehung zu unserem allgeliebteu Herrscher, der mit gleicher Liebe und Güte alle seine Völker inid Coufessionen umfaßt und als glänzendes Vorbild dasteht, dem nachzuahmen alle Bolksstämme und Religionsgeuossenschaften bestrebt sein sollten. Die längeren Ausführungen fanden den allgemeinen Beifall der andächtigen Menge. — Die würdige und erhebende Feier endete mit der Absingung der Volkshymue. Nicht uüudere Anerkennung und geringerer Dank für das Zustandekommen dieser schönen Feier gebühren dem Herrn Hermann Schnabel, der die Harmoniumbegleitung besorgte uno die sämmtlichcn Chöre dirigirte und einstudirte, sondern anch den geschätzten Damen und Herren, die in uneigennützigster Weise zur herrlichen Feier beitrugen. Mögen dieselben in der Verherrlichung unseres Gottesdienstes nicht erlahmen. Holleschau (Mähren), 21. August. Eine erhebende Feier hat am 15. d. M. anläßlich der Neubesetzung unseres seit mehr als drei Jahren verwaisten Rabbinatssitzes stattgefunden. An diesem Tage zog unser neuerwählter Seelsorger, Rabb. Dr. I. Frei mann, hier ein. Bei der Bahn erwartete die Cultusvertretung, in der festlich geschmückten Judenstadt ein Spalier der Schuljugend, sowie der Mitglieder aller religiösen Vereine den Rabbiner. Nach kurzer, aber herzlicher Begrüßung seitens des Herrn Bürgermeisters Knopfelmacher bewegte sich der Zug in den von Andächtigen gefüllten Tempel, woselbst «e. Ehrwürden in kurzen Worten dankte und das Programm feiner Thätigkeit im samstägigen Vortrage zu entwickeln versprach.. Hierauf fand in der Schule eine feierliche Begrüßung statt, wobei der hiesige Oberlehrer, Herr Sigmund Höuig, eine schwungvolle Rede hielt. Die Volkshymne beendigte die hübsche Feier. Am Samstag den 19. hielt Se. Ehrwürden seine Antrittsrede. G. W. Sz. — Gleichenberg. Am 14. d. M. wurde im hiesigen jüdischen Hospital dem Herrn Moriz Steiner, Gründer des Hospitals, zu Ehren ein solennes Abschiedsfest arrangirt. Sein liebes Bild, auch in effigie holdselig lächelnd, wurde an dem Eingänge angebracht und mit Guirlanden und Blumen geschmückt. Abends um 7 Uhr versammelte sich die Elite der Cnrgäste vor dem Portale und eine Deputation geleitete den 74jährigeu Greis, den nimmerrastenden Wohlthäter zum Hospital, in den schmucken Kreis seiner Verehrer und Verehrerinnen. Brausende Hochs ertönten, bald aber trat lautlose Stille ein, und es wurde ihm eine hübsch ausgestattete Widmung der Hospital-Inwohner vvrgelesen und eingehändigt. Der tiefgerührte Greis dankte mit thränenerstickter Stimme. Nach abermaligen brausenden Hochs wurden die Spitalräume in Augenschein genommen und für sehr praktisch befunden. Milee (Galizien). Die hiesige Scyule der Baron Hirsch- Stiftung, die voriges Jahr mit der ersten Classe eröffnet wurde, hatte anfangs eine große Gegnerschaft zu bekämpfen, bald jedoch befreundeten sich die Orthodoxesten mit der Schulidee und die Schülerzahl wuchs mit jedem Tage. Nebst der geistigen Pflege wurde auch die körperliche berücksichtigt. Die Kinder erhielten für die Wintermonate warme Bekleidung und eine gesunde, schmackhafte Mittagskost. Im Februar l. I. wurde auch ein Abendcurs für Erwachsene, eröffnet, an welchen 125 Schüler, darunter 30 Christen theilnahmen. Das Schuljahr an beiden Anstalten wurde am 26. Juni mit einer öffentlichen Prüfung geschloffen, bei welcher als Delegirter des k. k. Bezirksschulrathes der k. k. Notar Herr Anton Fibich, die Spitzen der Behörden und die Cröme des polnischen Adels unserer Stadt und der Umgebung zugegen waren und den erzielten Resultaten dieses ersten Schuljahres das ungetheilteste Lob spendeten, welchem sie auch in ihrem Gutachten im Schulvisitationsbuch den vollsten Ausdruck gaben und das den edlen Stifter mit Befriedigung erfüllen kann. Hlinik. (Trentschiner Comitat.) Auf unserer seit drei Jahren verwaisten Synagogen-Kanzel, während welcher Zeit wir auch nicht das Wort Gottes vernahmen, wurde am verflossenen Sabbath, 5. August, auf mehrmaligen Wunsch unserer Gemeinde von dem sowohl durch seine vielseitige Gelehrsamkeit als auch durchseine geniale Redekunst weithin bekannten Prediger Ehrwürden Herr Dr. Leind örfer aus Hamburg das Wort Gottes gesprochen. Jung und Alt, Reich und Arm, Alles strömte herbei, und sämmtliche Tempelräume waren in der Weise gefüllt, daß die vielen, vielen Herren und Damen draußen vor dem Tempel bleiben mußten. — Als Thema seiner Predigt wählte er: „Die Familie, geknüpft an den Gottesbund", im Anschlüsse an den Wochenabschnitt An der Hand der Bibel, der'Geschichte und der Literatur wurde der Beweis erbracht, daß das Familienleben und die Sittlichkeit ohne religiöse Führung der Gemeinden eine wesentliche Einbuße erleiden müssen. Heißt es doch in der Schrift der eben gelesenen Stelle, daß unseres Lehrers Moses vierzigtägige Abwesenheit schon im Stande gewesen, das Hauptgebot des Jndenthunls durch die Sünde des Kalbes umzustürzen. Das Grundprincip des Judenthnms bleibt für alle Zeiten geknüpft an das eine Wort: „Schema, höre!" Hören aber erfordert die Verkündigung des göttlichen Wortes! Ein großartiges, geschichtliches Bild, wie es der Pinsel nur eines vollendeten Meisters zu malen im Stande ist, ent-