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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-08-25 · 34 (25.8.1893) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
34 (25.8.1893)
Date
1893-08-25
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 642 VrflerredMchr WmtzensttzrM Nr. 34 Letzten Montag, 14. August, hatte die Colonie die Ehre, | vom hiesigen Schloßherrn, dem liebenswürdigen Herrn Grafen Stefan Pülffy, k. k. Kämmerer, besucht zu werden! Der hohe Gast besichtigte mit großem Interesse alle Räumlichkeiten, wohnte einem gemeinschaftlichen Mahle, dann verschiedenen Exercir- und Marschübungen bei und ermunterte durch wiederholte Zurufe und Hutschwenken die beglückten Kinder. Ebenso sprach er beim Abschiede seine lebhafte Befriedigung über das Gesehene aus, mit dem Wunsche, daß dieses humane Werk vielfach Nachahmung finde! O, daß es alle die hochherzigen Gönner,. gleich unserer Präsidentin und ihrem für unsere Glaubensgenossen und unsere Jugend so warmsühlenden Gemale, Herrn Dr. Grünfeld, auch nur einen Tag mitansehen und in der Colonie verleben könnten; die frohen und dankbaren Augen der Kleinen, das frische erwachte Leben derselben 'beobachten, sie würden Lohn sein, der reichlich lohnet und gewiß werden dann die derzeit noch spärlich fließenden Spenden zunehmen und die herrlichste aller Institutionen verdientermaßen fördern. Adolf Mautner, össentl. Lehrer aus Wien. Zuaim. Herr Ignatz Holzer, Obercantor und Religionslehrer in Znaim, feiert am 1. September 1893 sein fünfundzwanzigjähriges Cantorjubiläum. Mährisch-Ostrau. (R a b b i n e r D r. Z i m m e l s g e st o r b e n.) Der hiesige Rabbiner, Herr Dr. Bernhard Fimmels ist nach langem und schweren Leiden gestorben. Dr. Fimmels, welcher als erster Rabbiner der hiesigen Cultusgemeinde in Mähr.-Ostrau erst seit etwa zwei Jahren wirkte, ist heute vor elf Wochen an einem schweren Rückenmarkleiden erkrankt, von dem er nicht mehr genesen sollte. Sein einnehmendes Wesen, nicht minder aber sein gediegenes Wissen, welches die Grundlage zu seiner seltenen Rednergabe war, haben ihm die Herzen der Mitgliederder israelitischen Gemeinde erobert und tiestrauernd stehen diese heute an der Bahre ihres jungen, vielversprechenden Seelsorgers. Man mußte ihn von der Kanzel hören, um den Schmerz seiner Angehörigen und der Gemeinde zubegreifen. Herr Dr. Fimmels, welcher erst im 32. Lebensjahre stand, gehörte auch als Feldrabbiner dem k. und k. Heere an. Dr. Fimmels hinterläßt eine schwer geprüfte Witwe und einen 11 Monate alten Knaben, sowie eine alte Mutter und 6 Geschwister. Die Leiche wurde Sonntag um 2 Uhr Nachmittags vom Trauerhause aus den Nordbahnhof überführt, um von hier nach Brody in Galizien geschafft zu werden. Die Begleitung des Leichenzuges war ttotz der mangelhaft erfolgten Verständigung eine überaus zahlreiche. Außer den Anverwandten folgte das Präsidium und der Ausschuß der israelitischen Culiusgemeinde mit dem Präses Marcus S t r a ß m a n n an der Spitze, ferner in Vertretung der Stadtgemeinde die Gemeinderäthe Gärtner und Lichten st ern und endlich eine große Zahl Privater aus allen Kreisen der Gesellschaft dem Sarge. Die große und aufrichtige Theilnahme an dem geradezu tragischen Geschicke des Dahingeschiedenen wurde allseitig wahrgenommen. Brody. Noch unter dem Eindrücke des tiefsten Schmerzes erlaube ich mir, Einiges über das heute hier stattgefundene Leichenbegängniß des allzufrüh verstorbenen Gelehrten, des Herrn Dr. Bernhard Fimmels, Predigers in Mähr.-Ostrau, dessen Leiche auf Wunsch seiner Familie hierher überführt wurde, der löbl. Redaction mitzutheilen. Schon um 1 Uhr Nachmittags versammelten sich am Perron des Bahnhofes mehrere Mitglieder des Cultusvorstandes, die Schulinspectorcn Herzberg-Fräukel und Bloch, die schon mit dem Frühzuge eingetroffene ttefttauernde Familie, worunter sich auch der Vorsteher der Mähr.- Ostrauer Cultusgemeinde, Herr Krasny und dessen Gemalm, Herr Dr. Margulies, Prediger aus Florenz, befanden, eine Deputation aus Lemberg nebst zahlreichen Trauergästen — der Verstorbene erfreute sich auch hier eines großen Ansehens — um die Leiche zu erwarten? Um halb 4 Uhr, nach Auswaggonnirung der Leiche, setzte sich der Conduct, begleitet von einer"unübersehbaren Menschenmenge, in Bewegung. Der schwere Sarg wurde die ganze Streck über 2 Kilometer, da hier noch immer kein Leichenwagen im Gebrauche ist, getragen. Vor der Synagoge sprach der hierorttge Rabbinatsverweser einen kurzen Hesped nach altem Style. Am offenen Grabe sprach Herr Dr. Margulies eine so tief empfundene Grabrede, daß wenige Augen trocken blieben. Als Vertreter des abwesenden Directors Dr. Herzl hielt der 6anä. tbeol. Dr. Dobschitz, der bereits als Prediger in Skotschau engagirt ist, dem Verblichenen einen warmen Nachruf. Mähr.-Weitzkirchen. Donnerstag, den 17. August, fand, als am Vorabend des Geburtstages Sr. Majestät, ein solenner Festgottesdienst statt. Das Gotteshaus war von zahlreichen Gästen besucht. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Leimdörfer hielt eine schwungvolle Predigt. Am Schluffe der erhabenen Feier wurde die Volkshymne von den Schülern der israelitischen Volksschule unter Leitung des Oberlehrers, Herrn Torz, abgesungen. F. R. Prosnitz. Einen beachtenswertsten Erfolg erzielte vor Kurzem ein junger Landsmann. In der renommirten Goldwaarenfabrik des Herrn Jacob Engel aus Wien wurde nämlich kürzlich für die Gemalin des Schah von Persien ein Medaillon, versehen mit persischen Buchstaben in Diamanten bestellt; die schwierige und kunstvolle Arbeit wurde dem taubstummen Goldarbeiter Herrn Wilh. Gans, Sohn des hiesigen Juweliers Herrn Gans, übertragen, welcher dieselbe zur vollsten Zufriedenheit ausführte und hiemit allseitige Anerkennung fand. Wir freuen uns dieses Erfolges eines jungen strebsamen Arbeiters, von dem wir noch oft Rühmenswertstes zu berichten hoffen. EB. Prohnitz. (Antisemitischer Ferialclub.) Die neueste Errungenschaft ist ein antisemitischer Ferialclub, der sich neben den bereits bestehenden intelconfessionellen hier gebildet hat. Die arischen studentischen Grünschnäbel, können es nicht erwarten, ihren Antisemitismus auf der Hochschule zu bethätigen, sie müssen ihn auch während der Ferien cultiviren, und sich rasch in die Mysterien des antisemitischen Hochbummels einführen. Und diese jungen Bursche bilden den Nachwuchs des hiesigen Deutschthums" für welches man sich seitens der hiesigen Juden anschickt, schwere materielle Opfer zu bringen. Salzburg. Endlich ist es uns im Recurswege gelungen, den Ankauf eines etwas über 500 Quadratklafter großen Grundstückes in der Gemeinde Aigen behufs Anlegung eines Friedhofes um den Betrag von 1030 fl. durchzusetzen. Hier hat sich denn auch deshalb ein israel. Leichenbestattungsverein gebildet, dessen Statuten von der Landesregierung bereits bescheinigt wurden. Sarajevo. In den Synagogen der deutsch-israelitischen, sowie auch der spanischen Cultusgemeinde wurden anläßlich des kaiserlichen Geburtstages solenne Festgottesdienste abgehalten. Besonderen Beifall fand in ersterer die geistreiche und schwungvolle Predigt des Herrn Dr. Sam. Spitzer, Oberrabbiners aus Essegg. Grotz Beeskerek, 17. August. Am 17. d. M. Abends wurde im hiesigen israelitischen Tempel das Geburtsfest Sr. Majestät im Beisein des Obergespans Rünay, ferner sämmtlicher Civil- und Militärbehörden der Stadt, sowie einer großen Zahl Gäste in solenner Weise gefeiert. Besondere Wirkung machte aus die Anwesenden die Festrede des Oberrabbirers Dr. Moriz Klein, welche mit einem erhebenden Gebete für den König und das Herrscherhaus schloß. Abends war die Stadt reich beflaggt und die öffentlichen und viele Privatgebäude reich decorirt. Kandrey. In solenner Weise feierte unsere israelitische Gemeinde den Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers in ihrem Gotteshause. Die Feier, an der alle hiesigen Bürger beider Consessionen und die Spitzen der hiesigen Behörden theilnahmen, eröffnete der Lehrer unserer deutsch-israelitischen Schule mit einer schwungvollen, von echt patriotischem Sinne durchdrungenen Rede, worauf sechs Zöglinge, Knaben und Mädchen, Reden unb Gedichte in deutscher und hebräischer Sprache zum Vortrage brachten. Die erhebende Feier wurde mit der Executirung der Volkshymne in deutscher und hebräischer Sprache in würdiger Weise abgeschlossen. Straßnitz, 20. August 1893. Anläßlich des allerhöchsten Geburtsfestes Sr. Majestät unseres allverehrten Kaisers und Herrn Franz Josef I. fand Freitag Abends ungefähr eine Stunde vor dem Sabbatheinzug-Gottesdienst eine solenne Feier im isr. Tempel statt, welcher ein zahlreiches Publicum anwvhnte. Nachdem Cantor Preßer mit seinem gut eiugeschulten Chor das „Mali tawu“, das Minchah-Gcbet und die üblichen Psalmen ausdrucksvoll zum Vortrage gebracht hatte, bestieg unser Ehrw. Herr Rabbiner Friedmann die Kanzel, um in einer halbstündigen excellenten Festrede die Bedeutung des Tages in patriotisch zündenden Worten auseinander zu setzen, welche auf alle Zuhörer einen mächtigen Eindruck übte. Nach der zur hingebungsvollen Liebe, Dankbarkeit und Verehrung gegen unseren allergnädigsten Kaiser begeisternden Predigt wurden vom Herrn Bürgermeister und Herrn Cultusvorsteher zwei prachtvoll ornamentirte Thorarollen der heiligen Lade entnommen und vom Cantor ein hebräisches, vom Herrn Rabbiner bei offener Bundeslade ein der Feier entsprechendes, gediegenes Gebet in deutscher Sprache gesprochen. Die Absingung der Kaiserhymne bildete den Abschluß der erhebenden Feier, welcher der Freitag Abends-Gottesdienst vom Cantor Preßer in gewohnter Meisterschaft folgte. ..r.

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