Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 34 (25.8.1893)
- Date
- 1893-08-25
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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rTmrir vtr. 34 Oesterrrichifche Wochenschrift Seite 641 aus Berlin eine auf Actien beruhende Fabrik gegründet und größere Antheile der Actien gezeichnet. Actien ä 100 Francs sind noch zu haben. Hier bietet sich den wohlhabenden Glaubensgenossen die Gelegenheit, Wohlthaten zu üben, ohne dabei financiellm Verlust zu erleiden, da die Chancen sehr günstige sind und ein Verlust nicht zu befürchten ist. In der Colonie Sichron Jacob sprechen die Arbeiter dem gelegentlich seines Besuches kundgegebenen Wunsche des Baron Rothschild gemäß seit Kurzem nur hebräisch. Auch haben dieselben, da fast täglich jüdische Arbeiter um Beschäftigung nachsuchen und ihnen meistentheils keine Arbeit zugewiesen werden kann, eine Bereinigung gegründet, die es sich zur Ausgabe macht, die Arbeitsuchenden drei Tage unentgeltlich zu verpflegen und ihnen, sollte sich in der Zwischenzeit für sie keine Beschäftigung gefunden haben, mit einer Reiseunterstützung unter die Arme zu greifen. Vergangene Woche ward der Colonie Sichron Jacob die hohe Ehre eines Besuches von Saddas Huali zu Theil. Auf dem Triumphbogen, den man zu den Empfangsfeierlichkeiten errichtet hatte, konnte mau in arabischer und hebräischer Schrift lesen: „Jechi Malkenu Ewed Le Chamid leolam!“ — Am Nachmittage desselben Tages besuchten auch der Pascha und der Kaimacam von Cheipho die Colonie. Nachdem im Betlocale derselben das Gebet I. (,,Llanosssn Teschua lehodos Hasultan etc.“) für den Sultan verrichtet und Saddas Huali durch einen Mischeberach gesegnet worden war, trat Saddas Huali vor, dankte dem Vorstande und sagte unter Anderem: „Betet nur immer für das Heil Eures Sultans, alsdann wird er seinen Schutz Euch Juden insgesammt und speciell Euren Colonien nicht entziehen!" — Baron Rothschild hat neuerdings 20.000 Francs zur Gründung eines Asyls für Obdachlose ohne Unterschied der Confession gespendet. Zugleich hat er der Regierung eine Petition um Erlaubnis; zur Gründung einer Glaswaarenfabrik in Cheipho unterbreitet; es würde dadurch einem großen Uebel, der Arbeitslosigkeit, Abhilfe geschaffen werden. Das von der Verwaltung der Rothschild'schen Colonie „Rischon lezion" vor dem letzten Osterfeste gegründete „Weinhaus" hat bedeutende Ueberschüsse erzielt. Die Verwaltung gedenkt noch mehrere solcher Häuser zu gründen. Nicht nur die Israeliten deckten ihren Bedarf mit den von der Verwaltung fabricirten Weinen, sondern auch Türken und Christen ließen sich den vorzüglich gelungenen — nur durch jüdische Kräfte hergestellten — Rebensaft gut schmecken. Kein Reisender — sei es Forschungsreisende oder Bergnügungstouristen — deren letztere wir übrigens in einer stattlichen Anzahl im letzten Jahre zu begrüßen die Ehre hatten — versäumte, den köstlichen Tropfen „Rischon lezion" zu proben. Von den Bergnügungsreisenden, die uns.in diesem Jahre mit ihrem Besuche beehrten, war nur ein verschwindend kleiner Procentsatz jüdischen Glaubens. Dagegen haben im letzten Jahre ziemlich viele ausländische Glaubensgenossen (Rußland und Galizien) hier ihren Wohnsitz genommen. So hat auch kürzlich der jüdische Schriftsteller Ascher Günzburg seinen Wohnsitz im russischen Barbarenlande aufgegeben und gedenkt hier in Jerusalem sich häuslich niederzulaffen. In Paris hat sich ein Comits gebildet, welches über alle die Auswanderung nach Palästina betreffenden Fragen unentgeltlich die bestmöglichste Auskunft ertheilt. Diesbezügliche Anfragen wolle man an die Präsidenten: Herrn Isidor Braun, Paris, 4 Rue de Pay, oder an den Grand-Rabbin Zadoc Kahn, Paris 17 Rue St. Georges, richten- Vermijscktes. Wien. (Generalco nsulat.) Der Kaiser hat dem zum Generalconsul der Republik Ecuador ernannten Industriellen Adolf Nächste; in Wien das Exequatur ertheilt. Wien. (Zum Empfange der Königin Natalie von Serbien in Wien.) Auf dem Bahnhofe war auch der serbische Viceconsul Herr v. Kuh anwesend und wurde von der Königin durch eine längere Ansprache ausgezeichnet. Wien. Sonntag am 27. d. M. vermält sich Frl. Julie Fischer, Tochter des bekannten hebräischen Schriftstellers Herrn Jacob Fischer, mit Herrn Dr. Med. Sigmund Bauer. Die Trauung findet um l/2% Uhr Nachmittag im isr. Tempel, UI., Untere Biaductgasse 13 statt. Wien. Man meldet aus Berlin: Der Inhaber der deutsch-socialen antisemitischen Geschäftsstelle in Berlin, welche dieser Tage vom Gerichtsvollzieher unter Siegel gelegt wurde, ist (dem konservativen „Reichsboten" zufolge) der Baron von Langen in Lüdershagen bei Stralsund. Freiherr v. Langen ist bekanntlich Mitglied der deutsch-conservativen Fraktion des Reichstages. Der antisemitische Schriftsteller Plack-Podgorski, welcher das Hasenpanier ergriffen hatte, dann aber bei Schandau durch einen Dresdener Kriminalbeamten verhaftet wurde, ist bereits in Berlin eingeliefert worden. Wien. Aufruf! Ein Religionslehrer, Vater von fünf unmündigen Kindern, derzeit ohne jeglichen Verdienst, ist durch das verhängnißvolle Zusammenwirken vieler widriger Umstände so sehr in Nothlage gerathen, daß nur die schleunigste Hilfe ihn und seine Familie vor einer Katastrophe bewahren kann. Zu stolz, um persönlich die öffentliche Mildthätigkeit in Anspruch zu nehmen, appellirt Unterzeichnete an die bekannte Herzensgüte und Menschlichkeit der Wiener und bittet, dem Un - glücklichen die rascheste Hilfe angedeihen zu lassen. Jede, wenn auch noch so kleine Spende wird von der Redaction der „Oesterreichischen Wochenschrift" dankend in Empfang genommen und der armen Familie zugestellt. Hochachtungsvoll Antonie Graf, Wien, II., Praterstraße 28. Wien, 23. August. Geehrter Herr Redacteur! Ich ersuche höflichst, die in Nr. 33 Ihres Blattes vom 18. August gebrachte Notiz von der Verlobung des Schriftstellers Dr. Ludwig Fulda mit der Schauspielerin Frl. Jda Theumann in der demnächst erscheinenden Nummer dahin zu berichtigen, daß Frl. Theumann nicht die Tochter des Selchwaaren-Fabrikanten I. Theumann ist. Deren Vater ist der Onkel des besagten Fabrikanten und empfiehlt sich Hochachtungsvoll S. Theumann, Privatier. Baden, 18. August 1893. (Ehrenbürgerwahl.) Die Stadtrepräsentanz von Nyir-B ü tor hat dieser Tage dem dortigen Einwohner Eduard Mandel in Anerkennung seines selbstlosen und erfolgreichen Wirkens im Interesse der Stadt und seiner hohen Verdienste um die theilweise Neuschaffung eines Stadttheiles einhellig und unter allgemeiner Begeisterung zum Ehrenbürger der.Stadt gewählt und gleichzeitig eine Gasse der Stadt nach dem geehrten Manne „Eduardgasse" benannt. Baden, den 22. August 1893. Am 20. d. M. verschied hier in Baden Herr Wilhelm Mattersdorfer, einer alten Patrizier-Familie entstammend. Derselbe dürste Jedermann aus den früheren Jahren durch seinen Wohlthätigkeitssinn bekannt sein. Friede seiner Asche. Schatlmannsdorf, den 1ö. August 1893. (Jfr. Ferieneolonie aus Wien.) Nur im Interesse der so überaus humanen und derzeit überall entstehenden Feriencolonien wage ich es, als Leiter der durch Frau Dr. Grünfeld nach Schattmannsdorf entsendeten Knabencolonie, Sie verehrter Herr Redacteur um die Veröffentlichung dieser Zeilen zu bitten: vielleicht gelingt es mir, den edlen und wackeren Wohlthätern hiedurch ihr eigenes Werk selbst in einem kleinen Bild vorzuführen. Es gibt derzeit kaum eine schönere humanere Institution, ausschließlich der armen verlassenen Jugend gewidmet, die mit diesem Zwecke nur zu vergleichen wäre. Wer die abgehärmten, von Nahrungssorgen geplagten Eltern am Bahnhofe gesehen, .wie sie ihre gedrückten, zumeist durch Krankheiten geschwächte Kinder der Colonie zuführen, wer nur in diele hohlen großen Augen, die eingefallenen blassen Gesichtchen geschaut — und dann hier zumeist schon nach wenigen Tagen,' dieser aufmarschirenden, munteren Schaar begegnet, wie sie, aller Noth und Entbehrung vergessend, jubelnd dem Commando ihres Lehrers folgt und unter fröhlichen Liedern fünfmal täglich die wohlbedeckten Tische besetzt und mit frischem Appetit die Speisen gierig verschlingt, nur der kann die große und unvergleichliche Wohlthat ermessen, welche diesen Armen zutheil wird und der muß begeistert und gerührt bei diesem Anblicke jener Frauen und Männer gedenken, durch deren Initiative und Opferwilligkeit diese Stätte der Erholung und Erziehung für die ärmsten Kinder entstanden. Ja, Gottes reichsten Segen diesen edlen und braven Wohlthätern, besonders der unermüdlichen, aufopfernden Präsidentin Frau Dr. Grünfeld! Von weit und breit kommen auch Jugendfreunde herbei, der Colonie ihren Besuch abzustatten. Gewährt sie ja^doch auch äußerlich in ihren gleichen blauen Blousen, gleichen Strohhüten mit den Holzgewehren auf den Schultern, bei ihren früh liehen Märschen einen Anblick, der es Jedem vergessen macht, daß diese Kinder, wenn auch nur für kurze Zeit, der Armuth, ja oft großem Elende entrissen wurden.