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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-08-25 · 34 (25.8.1893) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
34 (25.8.1893)
Date
1893-08-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 640 Vestrrretchifrtze Wochenschrift Nr. 34 Um mich einem Gewaltacte, der nach dessen drohender Haltung erwartet werden konnte, zu entziehen, verließ ich mit größter Entrüstung das Local. Ich bringe diesen Vorgang meinen Glaubensgenossen zur gefälligen Kenntniß, behalte mir aber außerdem noch vor, die nöthigen weiteren Schritte einzuleiten. Herr Josef Seidl wird auch demnächst das „Hotel Osser" im Markt Eisenstein übernehmen Hochachtend Ludwig Glaser, Kaufmann aus Pilsen. Lemberg, 6. August 1893. Am 23. v. M. fand im hiesigen Gemeinderathssaale aus Anlaß der Wiener Gewerbeenquete eine jüdische Arbeiterversammlung statt, welche unseren Brüdern doch endlich darüber die Augen öffnen sollte, was sie von den sogenannten „Kämpfern für Freiheit und Gleichheit" zu erwarten haben. Die Versammlung hatte Herr Karl Nacher, der vom jüdischen Arbeiterverein „Jad Hachsaka" zum Experten gewählt wurde, einberufen, um die Meinung seiner Auftraggeber entgezenzunehmen. Unter Anderen befand sich auf der Tagesordnung die Sonntagsruhe. Wer die galizischen Verhältnisse auch nur oberflächlich kennt, roeiß, wie tief diese Angelegenheit ins jüdische Leben eingreift. Jeder weiß, daß die jüdischen Arbeiter Galiziens mit nur sehr geringen Ausnahmen am Samstage nicht arbeiten; diese also zwingen, die Sonntagsruhe einzuhalten, heiße sie an den Bettelstab bringen. Aber was kümmert dies unfern „tapferen Freiheitskämpfer?" Ihnen geht es doch hauptsächlich um pathetische Declamationen von der Kanzel! So war auch Herr Nacher der Ansicht, daß die Sonntagsruhe entschieden durchzuführen sei, da er aber sehr bald merkte, daß die Versammlung ganz anderer Meinung sei, lenkte er schnell geschickt ein und stellte den Antrag, es solle eine 36stündige Ruhe in der Woche eingeführt werden. Zum Glücke befand sich im Saale eine Anzahl jüdischer Studenten, welche sofort die Politik des Herrn Nacher durchblickten und heftig dagegen protestirten. Dagegen meinte Herr Telz, gewesener Redacteur eines Socialistenblattes, das Feiern des Samstages sei am Ende des 19. Jahrhunderts ein Anachronismus, es müsse schon einmal damit aufgeräumt werden, denn die Socialdemokratie sei international und interconfessionell. Dieses Gerede brachte schon die Geduld der anwesenden Studenten zur Neige. In ihren Namen betrat H.-rr Dr. Jiaak Feld die Kanzel und legte in herzlichen, von warmer Liebe zum Judenthum zeugenden Worten die Bedeutung dieser Angelegenheit für uns dar. Er verglich Herrn Telz, der in frecher und roher Weise die religiösen Gefühle unseres Volkes verletzte, mit dem Juden, der in der Wüste, wie die Bibel erzählt, am Samstage Holz gesammelt hatte und von Moses für diese Beleidigung der heiligsten Gefühle zum Steinigen verurtheilt wurde. Als sodann Redner das Elend der jüdischen Arbeiter, das durch die Sonntagsruhe noch erhöht werde, in wahrhaft rührenden Worten schilderte, erfolgte ein Sturm von Beifallsrufen und Händeklatschen. Zuletzt ging zwar der diplomatisch geformte Antrag des Herrn Nacher durch, zugleich aber wurde eine Resolution des Herrn «tnä. ,sar. Jakob Korkis angenommen, welche den Experten aufforderte, an geeigneter Stelle die Meinung der Versammlung bezüglich der Samstagsruhe vorzubringen. D. S. In Plauen (Sachsen) hat vorige Woche eine antisemitische Versammlung stattgefunden, in welcher der Reichstagsabgeordnete Dr^ Förster als Redner auftrat und der auch der conservative Reichstagsabgeordnete des Wahlkreises Plauen-Oelsnitz, Herr Amtshauptmann von Polenz, als Gast beiwohnte. In der Debatte ergriff auch dieser das Wort und erklärte, daß er für die Aushebung der Gleichberechtigung der Juden nicht eintreten werde, da dies verfaffungswidrig sei. Er stehe aber auf dem Standpunkte, daß auf dem Verwaltungswege die Juden von allen öffentlichen Aemtern ausgeschlossen werden sollten. (Der Abgeordnete von Polenz, ein königl. sächsischer Beamter, empfiehlt also eine Umgehung der Verfassung!) Berlin. (Der Millionär Stöcker.) In Siegen ist der Siegener Bankverein gezwungen, seine ausstebenden Forderungen einzuziehen. Durch Schreibebriefe sind die Debitoren aufgefordert worden, ungesäumt ihr Konto zu begleichen. Im „Siegener Volksblatt" vom 8. d. M. aber liest man Folgendes: „Ein Freund in der Noth scheint Herr Hofprediger und Reichsrathsabgeordneter a. D. Stöcker nicht zu sein. Es wird uns versichert, der Busenfreund St/s habe sich an denselben gewendet und um Hilfe in der schweren Calamität gebeten. Der Millionär Stöcker aber soll die geforderte Summe als zu hoch abgelehnt haben. — Der Millionär Stöcker wird sich wohl an den 800 Mark genügend die Finger verbrannt haben, die er einst feinem Freunde und Mitkämpfer Ahlwardt gepumpt hat." Am 5. d. M. hieß es im „Siegener Volksblatt": „Wir erinnern daran, daß wir schon gelegentlich der Reichstagswahlen Veranlassung nahmen, darauf hinzuweisen, daß gerade von Seiten der Führer der Stöckerpartei im Siegerland durch Börsengeschäfte kürzlich viele Millionen verfpeculirt worden sind und sogar der seitherige Vorsitzende genannter Partei, Herr Heinrich Fuchs seine Firma Fuchs u. Comp., die mit Franz u. Comp., das ist die Firma, welche Millionen durch Getreidespeculationen verloren hat, in gar keiner Beziehung steht und daß nur genannter Herr Fuchs bei Franz u. Comp, persönlich betheiligt ist — durch Wechselaccepte rc. verpflichtet hat, allein den Betrag von über 1,700.000 Mark aufzubringen. — Leider ist auch die hiesige Volksbank za vertrauensselig gewesen und hat der Firma Franz u. Comp. 1,800.000 Mark creditirt." Breslau, den 20. August 1893. (Warnung.) Im Interesse unserer russischen, polnischen und galizischen Glaubensgenossen fühle ich mich veranlaßt, die mir von competenter Seite zugegangene Mittheilung zu veröffentlichen. In Breslau ist der strengste Befehl erlassen, allen auswärtigen Juden, die aus den Gegenden kommen, die von der Cholera bedroht sind, den Aufenthalt in der Stadt zu verbieten. Es ist nicht von jenen armen Juden die Rede, die flüchtig und mittellos der Verfolgung der russischen Blutsauger entrinnen wollen. Diese Armen sind längst belehrt, welch hartes Schicksal ihrer in Preußen harrt. Es ist von vermögenden Juden die Rede, die in unsere Stadt kommen, um einen berühmten Arzt zu consultiren, Verwandte zu besuchen, oder Geschäfte abzuschließen. Sie alle trifft seit den letzten Tagen das nämliche Schicksal. Eine russische Frau, die mit mehreren Tausend Rubeln, nach Breslau kam, um ihren vor einigen Wochen hier erkrankten Mann zu besuchen, resp. zu Pflegen und nach Rußland mitzunehmen, wurde trotz ihrer herzzerreißenden 'Bitten, Flehen, trotz ihres Nachweises, daß sie Niemandem zur Last fallen werde, noch an demselben Tage ausgewiesen und mit ihr theilten 30 andere Juden das gleiche Schicksal, weil die Behörde das Einschleppen der Cholera fürchtet. Es ergeht also an alle unsere Glaubensgenossen im Auslande die wohlgemeinte Warnung, sich unter keinen Umständen diesen furchtbaren Unannehmlichkeiten auszusetzen. Jeder soll uns glauben, ehe er durch traurige Erfahrungen zum Glauben gezwungen wird. Paris. Baron von Hirsch hat den früheren Director der Ackerbauschule' in Jaffa, Herrn Hirsch, zum Administrator der isr. Colonien in Argentinien ernannt. — Der Ernst unserer Zeit spiegelt sich in einigen künstlerischen Darbietungen unserer Glaubensgenossen im diesjährigen Pariser Salon wieder. So hat der auf der Zeichenschule in Wilna vorgebildete Bildhauer Bernstein, welcher seit vier Jahren als Schüler Antokolskys und Dallons in Paris studirt, einen Esra ha Sofer ausgestellt, der aus dem Leben Esra's den Moment wiedergibt, der in Esra 9, 3 geschildert ist: „Und als ich dies hörte, zerriß ich mein Kleid und mein Obergewand, und raufte die Haare mir von Kopf und Bart, und saß da betäubt." Die Composition, welche mit einer mention honorable von der Jury ausgezeichnet wurde, zeigt uns Esra mit jammervollen Zügen, mit dem vor Schmerz über die Abtrünnigkeit seines Volkes ganz abgemagerten Körper, wie er wehklagend auf einem Felsen sitzt. Nicht minder ergreifend ist ein gleichfalls mit der mention bonorable ausgezeichneter Jeremias, der mit halb gebeugtem Rücken und ausgebreiteten Händen über Jerusalem wehklagt. Auf dem Sockel befindet sich mit hebräischen großen Lettern der die Scene erklärende 1. Vers der Klagelieder Jeremiä. Jerusalem, 20. Juli. Unsere tonangebenden Glaubensgenossen haben momentan den Plan gefaßt, die beiden jüdischen Gemeinden zu einer zu machen, die Sephardim, Aschkenasim und dann selbstverständlich auch die „Kollelim" zu einer von der Regierung officiell anerkannten jüdischen Gemeinde zu vereinigen. Baron Rothschild hat größere Ländereien neben der Colonie Sichron Jacob zur Gründung einer neuen Colonie, respective zur Vergrößerung von Sichron Jacob angekauft. Zur Verbesserung derLage der armenJuden in der heiligen Stadt haben unsere wohlhabenden Glaubensbrüder die Gründung von Fabriken beschlossen, in denen jüdische Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt werden sollen. So hat auch der Bankier H. L. Unger

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