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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-08-25 · 34 (25.8.1893) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
34 (25.8.1893)
Date
1893-08-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1wn Nr. 34 Vefirrreichifchr Wochenschrift Seite 637 nicht betete. Die Wirthin ärgerte sich darüber und stellte ihn diesbezüglich wiederholt zur Rede, doch er entschuldigte sich mit den Worten: „Liebe Frau! Ich habe keine derartige Erziehung genossen, ich kann nicht hebräisch beten." Als er fort war, kam der Wirth athemlos zu mir gelaufen und erzählte: „Herr Kohn, der Fremde, den Sie angesprochen, hat knapp vor seiner Abreise eine hebr. Ansprache an mich gehalten — aber in einem hebräisch, wie ich es im Leben nicht so geläufig habe sprechen gehört."— Es war also doch Josef Kremnitzky mit dem gläsernen Auge, ich hatte mich nicht getäuscht, und das ist der Paulus M a y e r v o n h e u t e. Nabb. Dr. Ignatz Friedländer. Arische Betrüger. Unsere Gerichtsordnung schreibt noch immer vor, daß bei der Abnahme der sogenannten „Generalien" auch das Religionsbekenntniß des Angeklagten festgestelltzwerde. Die Gerichtsordnung bezweckt damit augenscheinlich nichts Anderes, als eine möglichst genaue Umschreibung der Persönlichkeit, und gewiß ist es dem Schöpfer unseres modernen Strafprocesses, dem einstigen Justizminister Dr. Glaser, nicht im Traume eingefallen, aus dem Religionsbekenntnisse oder aus der Rasseuzugehörigkeit irgend welche Schlüsse auf die Verbrecher und die zu beurtheilenden Verbrechen zu ziehen. Aber seit der Einführung der neuen Straf- Proceß-Ordnuug hat sich in der Oeffentlichkeit ein Ereigniß vollzogen, durch welches die Feststellung der Consession des Angeklagten zu einem gefährlichen gesellschaftlichen Kampfmittel geworden ist — wir meinen das Emporkommen des Antisemitismus und der Rassentheorie. Der Antisemitismus hat ungeheuere Anstrengungen gemacht, um nachzuweisen, daß der jüdische Volksstamm für gewssse Kategorien von Verbrechen besonders pädestinirt erscheint, prädestinirt nicht etwa durch die Eigenart der Verhältnisse, unter welchen er Jahrhunderte laug zu leiden hatte, sondern Kraft seiner angeborenen auf Enkel und Urenkel vererbten Stammeseigenschaften. Zu diesem Zwecke werden die statistischen Tabellen der Gerichtshöfe gefälscht und in den Gerichtssaalrubriken der antisemitischen Zeitungen jene Processe, in welchen Inden als Angeklagte erscheinen, mit besonderer Liebe und Sorgfalt behandelt. Das Judenthum hat niemals behauptet, daß seine Bekenner aus lauter Heiligen bestehen. Es gibt so gut jüdische Spitzbuben, wie es arische Strolche gibt, und die ersteren sind genau so gefährliche Feinde der bürgerlichen Gesellschaft wie die Letzteren. Für eine vorurtheilslose Auffassui g der Dinge läge schließlich auch in der Eventualität, daß die Juden an gewissen Eigenthumsdelicten, an Betrug, Veruntreuung und Crida, die Arier aber an den schweren Verbrechen wie Raub, Todtschlag und Mord einen relativ größeren Antheil hätten, nichts Beunruhigendes. Aber diese Rechnung ist falsch, sie ist insbesondere falsch, seit der Ausbreitung, des Antisemitismus. Wenn es wirklich eine Tarnopoler Moral gäbe, dann hätten die Antisemiten dieselbe den Juden gründlich abgeguckt und das raffenstolze Arierthum macht gerade auf dem Gebiete der Eigenthumsdelicte den Juden heute die bedenklichste Concurrenz. Wir wollen nicht die lange Liste von Spitzbuben wiederholen, die sich gerade aus den Reihen der antisemitischen Führer recrutircn, wir wollen nicht von den Diebstählen eines Verhovay, den Betrügereien eines Dr. Förster, den Wucherprocessen eines Pickenbach, dem Falscheid eines Stöcker, den Fälschungen eines Schneider rc. rc., sprechen. Aber zahlreiche Vorkommnisse der letzten Zeit beweisen, daß der Antisemitismus die Volksmoral in der traurigsten Weise Vergifter, daß insbesondere die Unterschlagung öffentlicher Gelder, der Betrug von Ariern an Ariern zu dem fast täglich wiederkehrenden Verbrechen gehören. Im St. Josef-Sparverein in der Leopoldstadt, an dessen Spitze christlich - sociale Functionäre standen, wurden die bedenklichsten Unregelmäßigkeiten aufgedeckt, in der Schneidergenossenschaft, deren Vorstand zu den eifrigsten Parteigängern der Herren Schneider und Lueger gehört, wurden Genossenschaftsgelder von bedeutender Höhe defraudirt, im Wiener Hilfs- und Sparverein, dessen Direction aus durchwegs rassenreinen Ariern besteht, konnte der Cassier Benedict Mayer, der trotz seines semitisch klingenden Namens ein wüthender Antisemit war, lange Jahre findig die Spargelder der Aermsten unterschlagen und erst vor einigen Tagen mußte der Armenrath des dritten Bezirkes, Leopold Hollomay, eine Leuchte des Antisemitismus, vom Amte suspendirt werden. Die arischen Betrüger, die antisemitischen Defraudanten vermehren sich mit beängstigender Raschheit. Es braucht den Juden nicht mehr, um das arme christliche Volk auszubeuten, das besorgen die „Führer und Freunde" dieses christlichen Volkes weit gründlicher. Wir constatiren dies lediglich im Stande der Nothwehr. Solange der Staatsanwalt keine Aufreizung darin erblickt, wenn die Verurtheilung eines jüdischen Gauners von den antisemitischen Blättern generalisirt und als Beweis für die verbrecherische Moral des gesammten jüdischen Volkes hingestellt wird, solange sind auch wir gezwungen, die arische Moral näher zu beleuchten und die sich häufenden Eigenthumsdelicte nach Religionsbekenntniß und Rassenzugehörigkeit zu beurtheilen. Me Hetze gegen jüdische Nerste. Wien, August. Unter der fettgedruckten Aufschrift „Christen, erwacht Ihr noch nicht aus Euerer Gleichgiltigkeit?" bringt das Hetzorgan des sattsam berüchtigten Judenfressers Psenner, der „Oesterreichische Volksfreund", eine Tabelle, in welcher diejenigen Wiener Bezirke namhaft gemacht erscheinen, in denen jüdische Aerzte überwiegen, und schließt mit nachstehendem Ausrufe: „Was der Talmud einem Juden rücksichtlich der Heilung eines Christen gebietet, ist in diesem Blatte schon oft genug erörtert und bewiesen worden." Wie Alles und Jedes, was der antisemitische Strauchritter, genannt Psenner, in seinem Schundblatte bringt, so ist auch diese Zusammenstellung tendentiös gemacht, denn es sind in derselben nur diejenigen Bezirke Wiens ausgenommen, in welchen die jüdischen Aerzte in der Mehrheit sind, die Bezirke jedoch, wo die arischen Aerzte prävaliren und daß per Saldo in Wien arische Aerzte namhaft in der Majorität sind, wohlweislich verschwiegen wird. Es lohnt sich allerdings nicht, die Perfidie, welche in der Brandschrift Psenner's zu Tage tritt, zu perlustriren, allein es soll hier dargethan werden, daß sich die jüdischen Aerzte damit, daß sie sich in den genannten Bezirken ansässig gemacht, ein wahr- Haftes Verdienst erworben haben, denn es sind dies diejenigen Bezirke: V., VII., XL, XII., XV., XVI., XVII., XIX., wo die Arbeiter- und ärmere Bevölkerung überwiegt oder welche einen vollständig ländlichen Charakter besitzen, während sich die arischen Aerzte als Domicil die reichere Bevölkerung zählenden Bezirke wählen. Würden z. B. im XI. Bezirke nicht neben 2 arischen 4 jüdische, im XII. 3 arischen 7 jüdische, im XVII. 7 arischen 15 jüdische und im XIX. neben 8 arischen nicht 16 jüdische Aerzte domiciliren, so gäbe es auch an der Peripherie der Reichshauptstadt die beschämende Noth an ärztlichem Personale, an welcher zum Schaden des ganzen Gemeinwesens die Bevölkerung des flachen Landes leidet. Uebrigens ist ja der ärztliche Beruf kein leichter, vielmehr mit physischer und geistiger Anstrengung verbunden und in Bezirken von überwiegender Arbeiter- und unbemittelter Einwohnerschaft auch nicht lohnend. Gerne würden sich die Juden anderen intelligenten Berufen zuwenden, wenn ihnen die Wahl frei st ü n d e. Wir wollen aber einmal den Spieß umdrehen und ein Bild geben, wie das Berhältniß in dem Beamtenstande in schreiendem Mißverhältnisse zwischen Juden und Ariern besteht. In Wien gibt es ca. 5000 kaiserliche Beamte, unter diesen sind in der XI. Rangsclaffe 16, in der X. 10, in der IX. 9, in der VIH. 4, in der VII. 2, in der VI. 1, in der V., IV., III. II. und I. kein jüdischer Beamter vorhanden. Im Percentsatze der Bevölkerung besteht daher zu Ungunsten der Juden ein Manco von über 450 Beamtenstellen. Noch weit ärger ist das Mißverhältniß zu Ungunsten der Juden im Lehrerstande. Bon den 2000 Lehrpersonen Wiens fallen etwa zwei Dutzend Stellen auf Juden und diese nur in den Elementarschulen. Jüdische Mittelschulprofessoren gibt es gar keine, demnach wieder ein Minus von 170 Stellen zu Ungunsten der Juden. Von den 3000 Officieren und Militärgagiften der Wiener Garnison sind etwa zwei Dutzend Juden, abermals ein Ausfall von beinahe 300 Stellen zum Nachtheil der Juden, davon zu schweigen, daß von den im Hofdienste stehenden 1000 Personen auch nicht eine dem Judenthum angehört. Dabei muß aber

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