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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-08-25 · 34 (25.8.1893) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
34 (25.8.1893)
Date
1893-08-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 34 Orstrrreichifchr Wortzrnschrifl Seüe 633 mJt—wguriTaMfc akademisch gebildeten Jünglinge und ihr antisemitischen Männer auf den Lehrkanzeln, läutet mit den Trinkgläsern und singt eure Schändlicher — das Deutschthum wird die Kosten bezahlen, nicht das Judenthum. Was der Abgeordnete Dr. Bloch am 11. Februar 1890 im österreichischen Reichsrathe dem Dmtschthum warnend prophezeit hat, geht rascher in Erfüllung, als der Redner selber wohl vermuthete. Die Deutschen beginnen, sich der Heiligkeit des Gastrechtes zu erinnern — leider etwas zu spät! Rumänen, Ungarn und Inden. il Das preußische Junkerorgan, welches die Bewegung der Rumänen in Ungarn vom Beginne an lebhaftest propagirte, bespricht neuerlich die Lage der Rumänen in Ungarn. Man könnte wie sonst an diesen Darstellungen schweigend vorübergehen, wenn sie diesmal nicht ein wichtiges Zugeständniß enthalten würden. „Eine neue Jrredenta scheint sich herauszubilden," heißt es in dem Leiborgan der ungarischen Rumänen und es wird hiebei ganz offen herausgesagt, daß die Rumänen förmlich gezwungen seien, die Rettung ihres Volksthums außerhalb der Grenzen des Vaterlandes zu suchen. Deutlicher können die Ziele und Zwecke der rumänischen Liga nun nicht mehr kundgegeben werden, und es zeigt sich, daß jene Kreise Recht hatten, welche vor cmiger Zeit bereits auf die gegen den Staat gerichtete rumänische Bewegung in Ungarn besonders aufmerksam machten. Die ungarische Regierung wird wohl Vorsorge treffen, daß die Bäume der neuen Jrredenta nicht allzu sehr in die Höhe schießen und die Drohungen, welche die „Kreuzzeitung" gegen Ungarn ausstößt, werden hieran nichts ändern. Will man die ganze Verlogenheit der Declamation über die angebliche Bedrückung der Rumänen in Ungarn ermessen und würdigen, so muß man die traurige Sclaverei kennen, in welcher die Juden in Rumänien schmachten und deren hartes Los sich täglich verschlimmert. Die europäischen Völker sollen blos den rumänischen Schmerzensschrei über den Despotismus der Magyaren an der Hand der Thatsachen prüfen, welche in dem nachstehenden Schreiben eines rumänischen Juden aufgeführt werden: (Zuschrift eines rumänischen Juden.) Nirgends ist der Antisemitismus so stark, so allgemein und so — widerwärtig, wie in Rumänien. Selbst in Rußland nicht. Denn, wenn auch in Rußland, ganz wie in dem östlichen Belgien, welches spitlloton ornans dem Königreiche Rumänien die Rumänen selbst beilegen, häufig Rohheiten und Grausamkeiten gegen die jüdischen Landeskinder ungestraft verübt werden können, so ist doch im. Czarenreiche den gebildeten Juden die Möglichkeit nicht benommen, sich dem sogenannten Jntelligenzberufe zu widmen, als Gemeinderäthe in der Verwaltung städtischer Gemeinwesen mitzuwirken, im Staats- und Militärdienst höhere Chargen zu erlangen u. A., während dergleichen im Lande der Römlinge trotz des liberalen Geistes der Verfassung in der Praxis fast völlig ausgeschlossen ist. Als noch Fürst Cuza Herr in den rumänischen Landen war, befanden sich die rumänischen Juden in viel besserer Lage. Wohl gab es damals von Zeit zu Zeit grausame Judenverfolgungen, doch waren dies eben nur Wuthausbrüche des Pöbels, welche die Behörden in ihrer Schwäche nicht zu verhindern wußten und vielleicht nachher nicht bestrafen konnten oder wollten. Das Landvolk aber, ferner die Städter und Bojaren lebten in bester Harmonie mit den Inden und ich entsinne mich noch, welch reger Familienverkehr zwischen den angesehensten Bojaren und meinen Angehörigen bestand, dergleichen heute äußerst selten vorkommt. Als dann Rumänien von den Großmächten aus politischen Gründen sozusagen mündig gesprochen wurde, begann den Herren Rumänen der Kamm zu schwellen. Und je größere Erfolge Rumänien als Staatswesen errang, desto hochnäsiger wurden die Wortführer der Rumänen und desto mehr wuchs die feindselige Stimmung gegen die Juden. Die Römlinge hatten inzwischen auch ein wenig diplomatische Kunst erlernt, und so hieß es nicht etwa, man müsse energische Maßregeln gegen die Juden ergreifen, sondern es muß gegen die F r e m d e n in Rumänien vorgegangen werden. Die rumänischen Politiker und Städter nennen die heimischen Juden Fremde! Wahrlich, das wäre sehr lustig, wenn es nicht sehr traurig wäre! Man prüfe genau auf ihre Herkunft die rumänischen Städter, insbesondere aber die oberen Zehntausend, welche die Geschicke des Landes leiten, und man wird unter ihnen, obgleich sie ihren Namen die rumänischen Schwänzchen „—escu oder —ennu“ angehängt haben, nur sehr wenige finden, welche Rumänen auch nur in zweiter Generation find. Und dieses aus eingewanderten Griechen, Bulgaren, Serben, Armeniern, Polen, Deutschen u. s. f. bestehende, sonderbare mixtum compositum spielt sich auf Original-Rumänenthum hinaus und bezeichnet die heimischen, erbgesessenen Juden als Fremde! Freilich eben nur die Juden! Denn ein eingewanderter Christ braucht nur leise an die Pforten der rumänischen Burg anzuklopfen und Einlaß in die Staatsbürgerschaft zu begehren, so öffnen sich die Thore sperrangelweit, ohne daß erst sorglich geprüft wird, ob der Bittsteller nicht etwa ein entsprungener Galeerensträfling ist. Wenn er nur Christ ist, das genügt. Zri bemerken wäre allerdings, daß die Feindschaft der Rumänen gegenüber den spaniolischen Juden nicht so groß ist. Und das läßt sich leicht erklären. Die Spaniolen sind im Gegensätze zu den anderen rumänischen Juden, den sogenannten deutschen Juden, nicht sonderlich veranlagt, sie obliegen fast ausschließlich dem Handel und preben nichts Höheres an. Die Spaniolen selbst anerkennen die hohe Begabung der „Deutschen" (Juden) und sie wissen einen ihrer Sprößlinge, wenn er etwa einige Begabung zeigt, nicht besser zu loben, als indem sie ihm sagen: „Jju, tienis cavessa di tedescu!“ (Sohn, du hast den Kopf eines deutschen Juden!") Da also die Rumänen nicht zu befürchten haben, daß ihnen aus den Kreisen der Spaniolen viele tüchtige, fl ei ß ige und ehrenhafte Advocaten, Aerzte, Apotheker u. s. f. als Concurrenten erstehen werden, pflegen sie, wenn sie gerade guter Laune sind, herablassend zu äußern, daß die Spaniolen ihnen sympathischer seien. Und hierin liegt der Urgrund des rumänischen Antisemitismus: Die Furcht vor der Tüchtigkeit und Gewissenhaftigkeit der Juden. Die Situation der Juden verschlechterte sich also von Tag zu Tag. Und seitdem der Berliner Congreß den Rumänen als conditio sine qua non die Gleichstellung der jüdischen Staatsbürger mit den christlichen vorschrieb,' wenn anders sie Anerkennung der Selbstständigkeit ihres Staates erlangen wollen, ist es noch viel ärger geworden. Im Anfänge wurden zwar gleich über 800 Juden naturalisirt, von denen aber die immense Majorität bereits auf den bulgarischen Schlachtfeldern den Tod für ihr grausames Vaterland gefunden hatten. Einige Jahre lang wurde noch ab und zu ein rumänischer, abgefallener Jude naturalisirt, während gleichzeitig fremdländische Christen, darunter viele, die erst wenige Jahre im Lande wohnten, in Schaaren ohne Weiteres der Ehre der Staatsbürgerschaft theilhaftig wurden; die Juden, die damals mit Mühe und Roth das Bürgerrecht erlangten, mußten damals so viele unb große Leistungen für das Gemeinwohl oder in wissenschaftlicher Beziehung u. A. Nachweisen, daß von den 4'/2 Millionen christlicher Rumänen wohl nur einige Tausend die gleiche Prüfung bestehen konnten. Wollte man eine solche Ueberprüfung der zur Aufnahme in den Staatsverband von den Juden geforderten Qualitäten in gleicher Strenge bei den rumänischen Staatsbürgern vornehmen, so blieben nur wenige rumänische Staatsbürger im Königreiche Rumänien. Als die rumänischen Machthaber eonstatirten, daß die Großmächte sich darum gar nicht kümmern, ob und wie die Anordnungen des Berliner Congresses hinsichtlich der Juden ausgeführt werden, singen sie an, ihre unglückseligen Unterthanen jüdischen Glaubens auf gesetzgeberischen: Wege — man

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