Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 33 (18.8.1893)
- Date
- 1893-08-18
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 33 Vekerrelrhifche Wochenschritt Seite 623 Willens seine Verfassung zu ändern, es fall sich nicht weniger weise Zeigen als seine Gesetzgeber. Es leiste vor den anderen Völkern den Beweis seiner politischen Reife, indem es verhindert, daß unter dem Vorwand der Gleichheit die Freiheit zu Grabe getragen werde. Liebe M i t b ü r g e r! Dies unsere Gründe! Schon dieser kurze Hinweis zeigt Euch, das; das Begehren, über das Ihr zu entscheiden habt, keineswegs so unbedeutend ist, als es ans den ersten Blick den Anschein hat. Wir stehen vielmehr vor einer gewichtigen Principienfrage; um sie zur Ehre unseres Volkes und Landes zu lösen, bedürfen wir der Mitwirkung aller Bürger, die das Jnitiativbegehren mißbilligen. Das Centraleomite für die Propaganda gegen die Ausnahme des Schächtverbotes in die Bundesverfassung: Der Präsident: N u m a D r o z, alt Bnndesrath; Fürsprecher Sahli, alt Ständerath; H e ß, Professor der Thierarzmikunde; A u g u ft i n, Journalist; Dr. E. P i e t e t, C. Bo g t, Fürsprecher; F. Z e e r l e d e r, Fürsprecher; E. v. G r e n u s, Fürsprecher (Cassier). London, 3. August. Der Bericht des englischen Consuls über Import und Export des Hafens zu Jaffa bringt eine Menge interessante Einzelheiten über den Handel Palästinas. Derselbe hat, wie die Zahlen ausweisen, einen rapiden Aufschwung genommen, und wir gehen sicher nicht fehl, wenn wir dieses Wachsthum mit der steten jüdischen Einwanderung und der jüdischen Eolonisation in Verbindung setzen. Der Export Palästinas über Jaffa betrug noch 1888 nur 4'/- Mill. FrrS., im Jahre 1891 dagegen bereits 10 Millionen und selbst 1892, trotz der schlechten Ernte, 6V» Millionen. Er vertheilt sich hauptsächlich auf Weizen, Mais, Sesam, Oel, Seife, Orangen, Häute und Wolle. Im Jahre 1891 wurden exportirt für 2,700.000 Frcs. Orangen, 3,100.000 Fres. Seife. 500.000 Frcs. raffinirtes Oel, 750.000 Frcs. Oelsrüchte. 430 000 Frcs. Mais, 80.000 Frcs. Weizen, 220 000 Frcs. Häute, 120.000 Frcs. Wolle. Man muß hiebei bedenken, daß der Hafen im nördlichen Palästina, Haifa, eine nvcb stärkere Handelsbcwegung hat, vorzugsweise in Weizen, Oel und Seife, so daß man, auch einigen Landexport nach Syrien eingerechnet, den gesammten Ausfuhrhandel auf 25 Mill. Frcs. schätzen kann. Und dieser Betrag wird erreicht von einer Bevölkerung . vvn..noch, nicht..600.000 Seelen und besteht, ausgenommen Seife, nur in Landesproducten. Ein glänzenderes Zeugniß der Fruchtbarkeit des heiligen Landes können wir uns nicht wünschen, vor diesen Zahlen müssen alle jene Nörgler verstummen, welche noch immer das Land unserer Väter unfruchtbar schelten möchten. Auch der Import ist in gleich stetig steigender Bewegung; der Zuwachs an Bevölkerung veranlaßt eine gesteigerte Banthätigkeit, der zunehmende Wohlstand der Bevölkerung, der aus dem wachsenden Export resuliirt, erhöht die Kaufkraft der Bewohner Palästinas. Der Import betrug im Jahre 1888 nur 4,500.000 Frcs., im Jahre 1891 schon 7,400.000 Frcs., im Jahre 1892 sogar 8,550.000 Frcs. Er vertheilt sich auf Baumwoll-Waaren, Wollwaaren, Kleider, Kaffee, Reis, Petroleum. Kurzwaaren, Eisenwaaren, Bauholz und zahlreichere kleinere Artikel. Die genauen Zahlen sind die folgenden. Es wurden eingeführt: Baumwollwaaren ca. 2,000.000 Frcs. Kaffe 380.000 Frcs., Reis 760.000 Frcs,Zucker 400.000 Frcs., Petroleum 275.000 Frcs., Kurzwaaren 530.000 Frcs., Kleider und Wollstoffe 500.000 Frcs, Bauholz 2,000.000 Frcs, Eisenwaaren 570.000 Frcs Der englische Consul schließt seinen Bericht mit Mittheilungen über die neue Eisenbahn Jaffa-Jerusalem und die im Bau begriffene Linie Haifa Damaskus. Seine Erwartung, daß diese Bahnen, welche das Binnenland dem Welthandel erschließen, eine neue mächtige Steigerung des Handelsverkehrs hervorbringen werden, dürfte schneller in Erfüllung gehen, als selbst die Freunde des heiligen Landes in Europa zu hoffen wagen. Petersburg. Den Juden in Rußland soll, wie „Rowoje Wrcmja" und „Grashdanin" melden, gestattet werden, in den Dörfern und Marktflecken im Niederlasfungsgebiete sich ansiedeln zu dürfen, mit der Beschränkung jedoch, daß diese Ansiedlung nur auf solchem Grund und Boden zuzulassen sei, welcher Gutsbesitzern und anderen Privatpersonen gehöre. In den Dörfern, welche ausschließlich von Bauern bewohnt sind, bleibt das bestehende Niederlassungsverbot für die Juden aufrecht. Da aber im Niederlasfungsgebiete kaum ein Dorf vorhanden ist, das nicht einen Gutsbesitzer hätte, so dürfte die bevorstehende theilweise Aufhebung der Jgnatiew'schen Verordnung vom Jahre 1882 den Inden eine bedeutende Erleichterung bringen. Gleichzeitig hat das russische Minister-Comite auf Antrag des Domänen- Ministers beschlossen, den jüdischen Ackerbau-Colonisten in dem Gouvernements Cherson und Jekaterinoslaw die Beträge, welche sie der Regierung für das ihnen zugewiesene Areal schulden, gänzlich nachzulaffen. Diese Maßregel soll damit in Verbindung stehen, daß die Regierung den jüdischen Ackerbau-Colonisten für ihren Fleiß und ihre Tüchtigkeit einen Acr ihrer Zufriedenheit bezeugen wolle. VermiDtes. Wien-Mariahilf. Freitag, den 18. August d. I. findet im Tempel, VI., Schmalzhofgasse 3, um h.^9 Uhr Bormittags, ein Festgottesdienst anläßlich des Allerhöchsten Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers statt. Wien. Am 11. August feierte Herr S. Heller, Director des hiesigen isr. Blindeninstitutes auf der hohen Warte, einer der ersten Fachmänner Europas auf dem Gebiete der Blindenpädagogik, seine silberne Hochzeit. Vom frühen Morgen an beeilte man sich von Nah und Fern ihm telegraphisch und schriftlich die verdienten Huldigungen darzubringen; denn trotz des Wunsches des Jubilars, dieses Fest in aller Stille zu begehen, hatte sich doch bei seinen zahlreichen Anhängern und Freunden die Kunde verbreitet und Diejenigen, die in Wren augenblicklich anwesend waren, beeilten sich, ihrer Freude an dem Feste persönlichen Ansdruck zu geben. Nachdem die Lehrer der Anstalt ihren Glückwunsch dargebracht hatten, der von dem Iw ilar durch den Hinweis onf die heiligen Plichten des Lehrberufes im Dienste der Humanität beantwortet wurde, erschienen der kaiserliche Rath Wölfler, wie Herr Theodor Ritter v. Taussig als Repräsentanten des Cnratoriums, Ersterer feierte in schlichten und erhebenden Worten den segensreichen Einfluß der Familie auf das Institut, worauf der Jubilar tiefbewegt von dem herrlichen Beispiele sprach, das kaiserl. Rath Wölfler und Ritter v. Taussig durch ihr eigenes Verhalten in Pflichttreue und echt menschlicher Hingebung an die großen Zwecke des Lebens ihm und allen guten Menschen gebe. Indessen hatten sich die Vertreter der einstigen Schüler der Anstalt eingebunden und einer derselben sprach in warmen Worten den Dank aus, den sie dem Jubilar und seiner theuren Frau, ihrem geistigen Elternpaare, schulden. Die schwungvolle Rede beantwortete der Jubilar damit, daß er von seinem rigeuen ernsten Lebenslauf sprach, von Gottes wunderbarer Führung, die für manchen Unglücklichen ein Leitstern fein dürfte, und wiederholte, daß auch er den Wunsch habe, stets ein väterliches Verhältnis zwischen seinen Zöglingen und sich zu erhalten. Auch die Kinder der Anstalt sprachen ihrem geliebten Lehrer und seiner treuen aufopfernden Gefährtin, die beide im Verein mit ihren vortrefflichen Kindern so gut und fürsorglich für sie alle sorgten, heißen Dank und Glückwunsch aus, worauf der Jubilar in väterlicher Liebe seinen Dank sagte. Hieran schloß sich noch eine lange Reihe von Gratulationen. Am Abend vorher feierte das Silberpaar das Verlobungsfest seiner ältesten Tochter Marianne mit Herrn Siegmund Rosenbaum aus Wien. Wien. 8. Berzeichniß von Bücherspeuden für die Bibliothek des Rabbinerseminars in Wien. Bon Herrn M. Konrad, Oberlehrer in Trebitsch: Bikkure Haittim, 11 Jahrgänge; Dr. Jost. Geschichte des Judenthums, 3 Bände; viele verschiedene Werke von Philippsohn, L. A. Frankl, Grätz re., zusammen 30 Bände und 23 Hefte. — Von Herrn M. Lederer, Kaufmann in Breznitz: Mehrere Werke biblischen und talmudischen Inhaltes in 18 Bäuöen. — Vom Hof- und Gcrichtsadvocaten Herrn Dr. Bernhard Beck: Talmud Babli, vollständig in 12 Bänden. — Bon Herrn M. Epstein, Privatgelehrter, die von ihm edirten Werke: Elverel ha-Dani 1 Exemplar, Beiträge zur jüdischen Alterthumskunde 1 Exemplar, Moses Ha-Darschon aus Narbonne 1 Exempl. und 4 Hefte Comm. verschiedener Midraschim. — Bon Herrn Sigmund Frankel -. Mischnajoth in 6 Bdn. mit dem Versprechen, bei Erössnung des Rabbinerseminars eine cvmpletzte Talmudausgabe für die Bibliothek zu spenden. —Sendung eines Ungenannten aus Passau: Mischnajoth vollständig in 6 Bänden; Pentateuch vollständig in 5 Bänden: Machzor, 5 Bände; Gabriel Riesser's Werke in 4 Bänden: Selichoth, 1 Band: Lirerarurblatt des Orients. 1 Band; Frankl's Zeitschrift, Jahrgang 1844: Löwenstein, Geschichte derJuden am Bodensee 1 Bd. Herder. Jdexn zur Philosophie der Geschichte der Menschheit, 1 Band; Krochmal, Haktaw we-ham-Michtab. 1 Bd.: Riekes, Pädagogik, 1 Band; Fürst, Geschichte des Karäerthums. 1 Bd.: Kimchi, Michlol, 1 Band; Ascheri, Orehath Chajjim, 1 Band; Ben Seb, Talmud Laschon Jbri, 1 Baud: Heidenheim, Mischpte Hatteamim, 1 Band; Seligsberger, Or Thora, 1 Band; Ben Seb, Jesfodr Hadaath. — Bon Herrn Samuel Schapira, Buczaczham-Maggid, Jahrgang 1869—1871; Misrachi, Eommentar zu Rafchi, 1 Band; Schapire, 1 Sefer Sikkaron; Schaphire, Chakirath Refchith, 2 Eremplare. — Von