Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 33 (18.8.1893)
- Date
- 1893-08-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 33 Orfierrrichifche Wochenschrift Seite 621 Soldat wegen Feigheit bestraft worden wäre, und wo sie nicht gewaltsam daran behindert worden sind, haben die Juden noch immer ihren Mann gestellt, wenn es galt, sich ihrer Haut zu wehren. Es muß nur füglich befremden, daß die „N. Fr. Pr." sich durch die widerspruchslose Wiedergabe der erwähnten Bemerkungen des Gelehrten Enrico Ferri mit dessen Anschauungen identificirt. E. L. Wien. (Zum Kapitel derHo chschulbummler. — Ein österreichischer Schmoller wird gesucht.) Gegen Ende Juli fanden an der Wiener medicinischen Facultät die Promotionen statt. Am 28. wurden 42Candidaten promovirt, unter welchen sich Neunzehntel Juden befanden, von denen wieder der allergrößte Theil kaum das zur Bewältigung der medicinischen Studien erforderliche Alter besaß, wogegen die arischen Candidaten bemoste Häupter waren, einer von letzteren schon über 40 Jahre alt. Freilich, wenn die Studien geschwänzt, die Collegienzeit in Wirthshäusern zugebracht wird, um der Weisheit Schönerer's und seiner antisemitischen Apostel zu lauschen, wenn anstatt an den Brüsten der Alma. mater zu saugen, teutonischer Gerstensaft hinter die Binde gegossen wird, können bessere Studienresultate allerdings nicht erfolgen. Leider hat sich noch kein österreichischer Schm o ller gefunden, der den Muth besitzt, den Radaustudenten die Wahrheit zu sagen und sie auf den Pfad Rechtens zu leiten, dagegen wird in unvernünftiger und docentischer Capacitaten unwürdiger Weise eine Popularitätshascherei gemacht und um die Gunst halbreifer, ungewaschener Bursche gebuhlt. Wann wird auch hier zur Einsicht gelangt werden, daß der Studentencultus eine für das Staatswesen höchst nachtheilige Wirkung im Gefolge haben muß? Salzburg, 14. August. (Antisemiten auf Reisen.) Unter der Leitung des Mechanikers Schneider veranstaltete der Bolksverem in Fünfhaus dieser Tage einen Ausflug durch's Gesäuse nach Salzburg und Innsbruck, an welchem beiläufig 600 Personen theilnahmen. Sonntag Abends wurde im hiesigen Cursaale eine Versammlung abgehalten, in welcher Mechaniker Schneider, Abg. Muth und Dr. Lueger über die Baluta-Regulirung und die Urheber derselben, über die Lage deS Bauernstandes, über die Ziele der christlich-socialen Partei und die politische Lage Borträge hielten und in der üblichen Weise über die Juden, die Liberalen und die Judenpresse loszogen. Das Reiseprogramm, welches mit den Worten: „Juden werden keinesfalls zugelassen!" schließt, kündigt unter Anderm einen Ausflug von Innsbruck nach Rinn an, „wo der von den Juden rituell geschlachtete heilige Andreas von Rinn liegt." Triest. (Die Cedern-Ernte.) Manschreibt der „Presse": „Alljährlich finden sich einige Wochen vor den großen jüdischen Feiertagen hier in Triest ziemlich viele, meist aus Galizien kommende jüdische Händler ein, um von den betreffenden Eigenthümern die für den am Laubhüttenseste üblichen rituellen Cultus nothweudigen Cedernsrüchte zu erwerben. Dieser Kauf und Verkauf der genannten Früchte ist so einträglich, daß es angeblich hierzulande nicht wenig Mäkler oder Agenten gibt, welche von dem nur auf wenige Wochen beschränkten Geschäfte so viel gewinnen, um eiue ziemlich geraume Zeit — man spricht von einem halben bis selbst einem ganzen Jahr — sich und eventuell die Faniilie zu ernähren. Das Geschäft liegt gänzlich in den Händen der Griechen, welche die Frucht direct von den Erzeugern beziehen und nach Maßgabe der Ernte den Preis bestimmen. Die besten Cedern (Früchte) bringt Corfu hervor, namentlich auf der Fläche von Parga; doch kommt die Frucht (Esrog) auch in der Gegend von Genua vor, wird aber weit weniger geschätzt als die erste. Die Ceder muß nämlich gewisse, von jüdischem Religionsgesetz verlangte Eigenschaften aufweisen, wenn sie zu rituellen Zwecken dienen solle, namentlich den oben befindlichen Fruchtknoten besitzen und auch wohl noch ein Stück Stengel haben. Für eine solche, auch sonst gut geformte Cedernfrucht werden 5 bis 20 Ducaten gezahlt. Nur von Triest aus wird die jüdische Welt mit Cedern versehen, in anderen Seestädten ist dieser Handel so gut wie nicht vorhanden. Heuer ist die Ernte in Folge der verflossenen strengen Winterkälte sehr gering, man spricht gar nur von zehntausend Stück, die zu verwenden wären. Die Ceder steht daher heuer hoch im Preise und die Bewegung auf dem Markte — ein hiesiges Kaffeehaus gegenüber der Börse — ist sehr lebhaft. Auf alle Fälle werden die Griechen an den paar Früchten ein schönes Stück Geld verdienen, denn die Ceder ist für den jüdischen Feiertagscultus unerläßlich und muß um jeden Preis erstanden werden." Wie wir vernehmen haben zahlreiche orthodoxe Rabbiner beschlossen, blos Eßrvgim aus Palästina zu verwenden und zu empfehlen. München. (ZumLeibregimentstyphus in Münch en.) Das „Deutsche Bolksblatt" in München vom 6. d. schreibt: „Nach einer Meldung der „Münchner Post" sollen die berüchtigten Dörrgemüse aus der „Ersten bayerischen Obst- und Gemüse-Dörranstalt Gundelfingen" stammen. Das „Fränkische Volksbl." glaubt zu wissen, daß auch diese Fabrik in jüdischen Händen ist. Ja, zum Teufel, gibt's denn nur koschere Conserven? Nächstens wird man wohl unsere deutschen Soldaten mit Mazzes füttern." Also: Im Leibregiment sind schwere Typhusfälle vorgekommen. Eine Zeitung sagt, Gemüse sollen daran schuld sein. Eine andere glaubt, diese Gemüse sind von jüdischen Händlern gekauft. Und das antisemitische Münchener Blättlein athmet vor Wonne auf, denn nun ist seine Sehnsucht erfüllt. „Da haben wir den Juden!" Erst die Klauenseuche, dann die Cholera, nun den Typhus! Wir empfehlen Euch noch: Schwindsucht, Krebs, Diphtheritis rc., denn an Allem sind nur die Juden schuld. Berlin, 8. August. Man schreibt uns: „Wieder einmal gehen die Antisemiten mit dem Märchen von dem schlechten Einfluß der Juden auf das Gejchäftsleben hausiren und suchen ihr Märchen durch die steigenden Zahlen der Concursstatistik zu beweisen. Ihr neuester Abgeordneter Dr. Förster, der Busenfreund Ahlwardt's, verflieg sich sogar zu der Behauptung, die Steigerung der Concurse im Manufacturwaaren-Handel komme daher, weil in dieser Branche die Juden das Geschäft an sich reißen. Der Herr weiß nickt oder will nicht wissen, daß diese Steigerung nur die Folge neuartiger Classificirung ist. Wenn man die beiden Rubriken Manufactur- und Kleiderhandel zusammennimmt, sieht man sofort, daß die Erhöhung der Zahl bei dem ersten mit dem Rückgang der Zahl bei dem zweiten zusammenfällt. Es waren: 1891 1892 im Manufacturhandel 123 Concurse 279 Concurse im Kleiderhandel 163 „ 53 „ Aber ganz etwas anderes geht aus der Concursstatistik hervor. Die meisten Concurse kommen in denjenigen Provinzen vor. in denen die wenigsten Juden wohnen. Man bettachie einmal die folgende Tabelle: Auf 100.000 Einwohner Auf 100.000 Einwohner Bremen 45 00 Concurse 570 Juden Königreich Sachsen 30 40 „ 270 „ Schleswig-Holstein 2230 „ 290 „ Reuß ältere Linie 38'40 99 „ Lübeck 36-00 860 „ Pfalz 18-90 „ 1510 „ Berlin 19-40 5020 „ Provinz Sachsen 13-20 H 310 „ Württemberg 1940 n 620 „ und dagegen Auf 100.000 Einwohner Auf 100.000 Einwohner Posen 950 Concurse 2530 Juden Schlesien 920 „ 1140 „ Westpreußen 11'60 „ 1520 „ Hessen-Nassau 12'70 „ 2680 „ Großherzogthum Hessen 14 80 „ 2570 „ Aus diesen Ziffern geht unwiderleglich hervor, daß in den stark von Juden bewohnten Provinzen die Zahl der Concurse am geringsten ist. Berlin, 8. August. Der in weiteren Kreisen bekannte Humorist und Dramatiker Oscar Justinus ist, wie uns aus Nauheim gemeldet wird, in der Nacht zum Sonntag nach kurzer Krankheit einem Herzleiden erlegen. Justinus, so war sein Schriftstellername, entstammt einer sehr angesehenen Breslauer Kaufmannsfamilie Cohn und wandte sich erst in reiferen Jahren dem Schriftstellerberufe zu, ermuthigt durch den Erfolg seines ersten Lustspiels „Unser Zigeuner", das sich seit nahezu zwanzig Jahren auf dem Repertoire erhielt. Seinen bedeutendsten Bühnenerfolg errang er in gemeinschaftlichem Schaffen mit Wilken durch die Posse „Kyritz-Pyritz", die im Jahre 1881 zunr ersten Mal in Berlin gegeben wurde, Lustspiele feineren Geschmacks, wie „Das griechische Feuer" u. A., öffneten ihm das Burgtheater und das königliche Schauspielhaus. Neben seinen Bühnenwerken schrieb er humoristische Feuilletons, die mit liebenswürdiger Behaglichkeit das deutsche Familienleben schildern, Skizzen und Plaudereien, denen man in fast allen deutschen Zeitungen und Zeitschriften begegnete. Auch auf dem Gebiete des humoristischen Romans versuchte er sich. Durch seine Persönlichkeit wußte er sich bei Allen, mit denen er in Berührung kam, beliebt zu machen. Sein bescheidenes Auftreten, seine grenzenlose Güte, sein stachelloser Witz und seine Freude an harmloser Geselligkeit erwarben ihm viele Freunde, die seinen Tod, der ihn in seinem vierundfünfzigsten Lebensjahre von der Seite einer wahrhaft