Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 32 (11.8.1893)
- Date
- 1893-08-11
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 606 Vrstrrretchifitzr Wortzrnschrifl Nr. 32 L. L. Wie«. (Silbernes Hochzeitsjubi- 1 ä u m.) Der in weitesten commerciellen Kreisen eine hochgeachtete Stellung einnehmende Wiener Großindustrielle, Herr Salomon Stein (Firma S. Stein) begeht am 27. d. M. die Feier der silbernen Hochzeit mit seiner Gattin Nanette, geborene Willgut. Wien. (DasAvancementim Eisenbahndienste und jüdische und arische Namen.) Schönerer'» Organ „U. D. W." constatiren in der letzten Nummer wuth chnaubend, daß beim jüngsten Avancement unter cas 4000 Beförderten auch einige Juden in höhere Rangsclassen versetzt wurden und bemerkt schließlich ironisch: Glückliches Oesterreich, wo Sonnenschein, Rosenbaum, Sabath u. s. w. Beamte sind. Sind etwa Namen in Wolle gefärbter Antisemiten wie: Schweinhagen. Häufler, Schmiede rn o ch , S ch e i ch e r u. s. w. appetitlicher!? Wien, 2. August. (Schönerer als Reichsraths-Candidat.) Wie eine hiesige Localcorrespondenz meldet, soll der Reichsraths-Abgeordnete für den vierten Wiener Bezirk, Herr W. Ph. Hauck, die Absicht haben, auf sein Mandat zu Gunsten Georg Schönerer's zu verzichten, und der Letzrere gewillt sein, sich um dasselbe zu bewerben. Bekanntlich tritt Herr Schönerer im December dieses Jahres, wieder in den Genuß der politischen Rechte ein, welche ihm in Folge seiner Berurtheilung auf die Dauer von fünf Jahren entzogen waren. Kolomea. (Baron Hirsch'sche Stiftung.) Der Unterrichtsminister hat, wie die heutige „Wiener Zeitung" meldet, der von der Freiherrn von Hirsch-Stiftung erhaltenen Privat- Bolksschule rn Kolomea das Oeffentlichkeitsrecht ertheilt. Budapest. Die tolerante Denkweise des Fürstprimas Baszary kam anläßlich der jüngst stattgefundenen Verpachtung, einer großen Restauration in-der Graner-Wasserstadt zur Geltung. Bisher wurde dieselbe -nur an Bekenner der christlichen Confeffionen verpachtet, und zwar ohne Offertausschreibung. Diesmal jedoch hat die Regierung angeordnet, daß die Verpachtung auf dem Wege öffentlicher Offertausschreibung stattfinden soll, und da ein israelitischer Unternehmer das günstigste Anbot machte fiel ihm die Pachtung zu. In der Umgebung des Fürstprimas machte sich nunmehr eine Bewegung geltend, welche auf die Annullirung des Vertrages abzielte, allein der Fürstprimas erklärte, daß ihm von dem neuen Pächter nichts Ungünstiges bekannt sei und er daher keinen Grund zur Annullirung des Pachtvertrages habe. Budapest. (Todesfall.) Dr. Josef Simon, Secretär der israelitischen Landeskanzlei, hat einen herben Verlust erlitten. Sein Vater Martin Simon ist im 72. Lebensjahre am 31. Juli in Kapolcs verschieden. Vor wenigen Wochen hat der rüstige Greis das Fest der goldenen Hochzeit gefeiert, aus welchem Anlaffe ihm zahlreiche Ovationen zutheil wurden. Nunmehr ist er unerwartet ans dem Leben geschieden und am 2. d. unter großer Theilnahme zu Grabe getragen worden. Budapest. Der uns vorliegende Bericht der Pester Chewra-Kadischa über das Verwaltungsjahr, 1892 liefert ein getreues Bild von der Großartigkeit dieses Vereines in der Großgemeinde der ungarischen Judenheit. In erster Reihe wird des neuen Siechenhauses gedacht, dessen Erhaltungskosten, 14.232 fl. 18 kr. betrugen. Zur Erhaltung des israelitischen Spitals und des Armenärzte-Jnstitutes wurden seitens der Chewra-Kadischa fl. 15. 000 beigeiteuert. Außerdem hat sie auf die Verabreichung der rituellen Peßach-Kvst an die Zöglinge des Blindeninstitutes, ünd die Kranken des Rochusspitals und auf die Besoldung von Wärtern bei armen Hauskranken fl. 1840 76 verwendet. Auf Unterstützungen wurden von ihr fl. 19.422.07 ausgegeben. Die Beerdigung von 1091 Armen kostete fl. 10.054. Entsprechend . solchen Leistungen sind aber auch die Zuflüsse, die die Chewra- Kadifcha aus Stiftungen, Legaten und Schenkungen erhielt. In der Chewra-Kadischa concentrirt sich gegenwärtig der noch vorhandene jüdische Sinn. Allerdings müssenauch an der Spitze dieser Vereine Männer stehen,' wie der achtzigjährige ehrwürdige Greis Herr Carl Reuß, der Präsident der Pester Chewra- Kadischa, der durch seine Frömmigkeit der Sammelpunkt dieser zerstreuten Gefühle sein kann. In Würdigung der Verdienste ihres Präsidenten hat die Pester Chewra-Kadischa auch im letzten Jahre eine den Namen Carl Reuß führende Stiftung von fl. 10.000 kreirt, mit der Bestimmung, die Zinsen derselben alljährlich an alte arme Chewr.r Kadischa-Mitglieder in thunlichst größeren Beträgen zu vertheilen. Straflnitz. Am 31. v. M. verschied in Kanitz Herr Albert Haller, welchen das Vertrauen seiner Mitbürger zu den höchsten Ehrenstellen in der Gemeinde berufen hatte. Er bekleidete durch lange Jahre die Stelle des Bürgermeisters, Cultusvorstehers und Obmannes im Ortsschnlrathe; zudem saß er im Ausschüsse des Spar- und Vorschußvereines und war auch Mitglied vieler daselbst bestehender Vereine. Er war aber auch aller Ehren werth, und von ihm konnte mit Recht gesagt werden, daß er durch seine Person die ihm anvertrauten Stellen erst zu Ehren brachte. Wer das Glück genoß, seines Umganges geivürdigt zu werden, der traf in ihm einen Mann von unsaffender Bildung und praktischer Richtung, der auf jedem Geliete menschlichen Wissens zuhause und geeignete Winke zur Erreichung des vorgesteckten Zieles zu geben im Stande war. Sein vortreffliches Herz ließ ihn immer die Mittel finden, humanitäre Werke und Bestrebungen zu fördern und materiell zu unterstützen. Bildung und Fortschritt zählten in ihm einen warmen Anhänger und kräftigen Beschützer. Besonders hoch hielt er die Schule; Schule und Lehrer zu unterstützen, war er jederzeit gerne bereit. Da;u bewahrte er immer ein religiöses, tief gläubiges Gemüth. Die letzten zwei Jahre war er von einem schweren Leiden befallen, dessen wahrer Charakter ihm jedoch verschwiegen wurde, um ihn nicht jeder Hoffnung auf Wiedergenesung zu berauben. Sein Abgang läßt eine klaffende, unausfüllbare Lücke zurück, und Jeder in der Gemeinde muß sein Hinscheiden, mit .Schmerz und Betrübniß beklagen. Bei dem am 2. August stattgebabten Leichenbegängnisse zeigte sich die große allgemeine- Theilnahme für den Verstorbenen. Unabsehbar war der begleitende Zug; alle Honoratioren des Ortes ohne Unterschied der Confession waren erschienen; Bekannte und Freunde aus Nah und Fern tvaren herbeigeeilt, um dem Verblichenen die letzte Ehre zu erweisen. Den herbsten Verlust erleiden seine treue Gattin, die beide» Töchter und alle seine Verwandten; sie verlieren in ihm den aufopfernden Gatten und Vater, der jeden Augenblick seines Lebens ihrem körperlichen und geistigen Wöhle geopfert, einen treuen anhänglichen Freund, der jederzeit mit Rath und That geholfen hatte. Möge Gott den unsäglichen Schmerz der Hinterbliebenen bald lindern! Ein ehrendes Andenken ist ihm bei allen seinen Mitbürgern, Freunden und Bekannten gesichert. Binder. Lomnitz, 8. August. Am 15. d. M. findet hier die 100jährige Jubiläumsfeier unserer Synagoge statt. Die Feier wird durch einen Festgottesdienst mit Predigt und Gesang begangen, letzterer durch Herrn Obercantor Heller aus Brünn executirt. Abends schließt dieselbe mit Concert und Tanzkränzchen. In allen Schichten der Bevölkerung gibt sich ein reges Interesse für dieses Fest kund, so daß zu erwarten steht, die Feier werdewürdig vor sich gehen. Breslau. Herr Privatdocent Dr. Leo Grätz aus Breslau, Sohn des verstorbenen Professors Grätz, ist zum außerordentlichen Professor an der philosophischen Facultät der Universität München, bei der er habilitirt war, ernannt worden. Berlin, 25. Juli. Der einzige Bildhauer, dem von der Jury der Berliner Kunstausstellung die große goldene Medaille verliehen wurde, ist unser Glaubensgenosse, der russische Bildhauer Markus Antokplsky, der bisher in Berlin mit seinen Schöpfungen weniger bekannt geworden, da er unsere großen Kunstausstellungen selten beschickt hat. Er ist geboren im Jahre 1842 zu Wilna von armen jüdischen Eltern. Seine künstlerische Vorbildung erhielt er auf der Akademie in Petersburg. Im Gegensätze zu der dort herrschenden classicistischen Richtung bildete er sich im realistischen Sinne durch eifriges Studium nach der Natur aus. ' Schnitzarbeiten in Holz und Elfenbein, unter denen die Holzstatuette eines jüdischen Schneiders und die Elfenbeinstatuette eines geldzählenden Geizhalses durch ihre naturwahre und charaktervolle Auffassung ^und Durchführung hervorragen, gehörten zu seinen ersten bemerkenswerthen Leistungen. Später ging er nach Rom und Paris, um alsdann seinen dauernden Aufenthalt in der französischen Hauptstadt zu nehmen. Auf der Weltausstellung im Jahre 1878 erntete er die ungetheilteste Bewunderung durch seinen sterbenden Sokrates, der in ergreifender Weise den Kampf einer großen Natur mit dem Tode zur Anschauung brachte. Bon den zahlreichen