Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 32 (11.8.1893)
- Date
- 1893-08-11
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Sk. 32 Dxsterrrtrtzisrtzr Wochenschrift Seite 603 der Falschmeldung jenes Individuums mitschuldig zu machen. Es prägt sich in diesem Borgehen eine gewisse Wahl- und Gesinnungsöerwandtschaft aus. Ackermann ist so wenig Rabbiner, wie Ernst Vergani ein Deutschnationaler, ein Christlich-Socialer oder gar der „Freund des arbeitenden Volkes" ist. Die Firma deckt hier wie dort Bestrebungen höchst zweifelhafter Natur. Im Uebrigen berichtet dieselbe Nummer des „Deutschen Volksblatt" von einem christlichen Exabt, der wegen einem Unsittlichkeitsverbrechens dem L'ndesgerichte eingeliefert wurde. Dem falschen jüdischen Rabbiner steht also ein echter christlicher Geistlicher gegenüber, welcher genau so ehrenwerth ist und dem Vergani selbst das schmeichelhafte Epitheton eines Erzgauners bellegt. Wer denkt da nicht an Heine's berühmten Vers vom Rabbi und vom Mönch. Wien, 4. August 1893. Geehrter Herr Redacteur! Gestatten Sie mir, um gütige Aufnahme dieser Zeilen höflichst zu bitten. Seit vielen Dezennien haben die jüdischen Kurgäste zu Luchatschowih (Mähren) von der Curinspection in Miethe (für 60 fl. jährlich) ein Betlocal, allwo Früh und Abends Gottesdienst abgehalten wird. Die vorzüglichen wirksamen Heilquellen und die kräftigende Luft, mit denen Gott das liebliche, waldige Luhatschowitz gesegnet hat, ziehen mit jedem Jahre mehr Curgäste an, darunter, wie in jedem Curorte auch solche Leidende, die Geldunterstützung bedürfen; sie finden selbe auch bei der bekannten jüdischen Öpferwilligkeit der Bemittelten, von denen üblicher Weise allwöchentlich durch die jeweilige sogenannte Bethaus-„Leitung" abgesammelt wird. Am 28. v. M. wurde in einem vom Hern Adolf Braunfeld, Gemeindenotar aus Holleschau, verfaßten, durch Herrn Kellerman ans Mg Neustadtl und den Gefertigten überreichten Gesuche dem Herrn Reichsrathsabgeordneten Grafen Otto Serönyi, als dem Besitzer des schönen Luhatschowitz, nahe gelegt, wie ein gütiges Absehen vom Miethzins den Armen unter den jüdischen Curgästen dort zugute käme. Nun wurde mir die amtliche Erledigung ddo. Luhatschowitz, 3. August 1893 hieher nachgesendet, die besagt, „Sr. Hochgeboren der Herr Graf überlassen das bisher benützte Bethauslvcal im Bincenz-Haus den israel. Curgästen zur Benützung als solches bis auf einen seitens des Herrn Grafen etwa erfolgenden Widerruf unentgeltlich". Ich fühle mich nun angnehm verpstichtet, Sr. Hochgeboren dem Herrn Reichsrathsabgeordneten Grafen Otto Sörenyi den innigen Dank hiemitim Namen dex Petenten und gewiß auch im Sinne der zahlreichen dortigen jüdischen Curgäste öffentlich auszudrücken. Rabbiner Wilhelm Sor. Wien. In der Praterstraße 33 hat ein Glaserer sein Geschäft, dessen Kundenkreis sich zumeist aus Juden recrutirt; trotzdem werden von dem Inhaber d ieses Geschäftes und seiner Gattin die in demselben Hause auch ihre Wohnung haben und mit jüdischen Parteien des Hauses in Berührung kommen, bei dem geringsten Rencontre mit ihnen die Juden nicht anders als Saujuden, Saubankerte, Judengesindel titulirt. Zeigt es nicht einen Mangel an Selbstachtung, wenn Juden in dieses Geschäft gehen und Leuten Geld verdienen lassen, die kaum über die Schwelle ihres Ladens hinaus ihren Antisemitismus bemeistern können. Wien. (Gegen eine der Vergani'schen Lügen) schreibt man uns: „Der Trödler M. Wiener, VH, Neustlftgasse 10, seit zwanzig Jahren daselbst etablirt, erfreut sich des besten Rufes bei seinen Kunden wie bei der christlichen Nachbarschaft. Vor drei Jahren hatte er aber das Unglück, an der Lungenschwindsucht zu erkranken und sein Geschäft ging in Folge dessen immer mehr zurück, bis der arme kranke Mann mit Frau und vier Kindern ganz in Elend verfiel. Ein Arzt, Namens R umb old, ein Christ, der den Kranken in letzter Zeit gratis behandelte, hat ohne dessen oder der Frau Wissen im „Extrablatt" für ihn an die Privatwohlthätigkeit appellirt. Daraufhin brachte das „Deutsche Volksblatt" eine Notiz von jüdischen Professionsbettlern, daß es dem Juden Wiener nicht so schecht gehen könne, nachdem er si. 90 vierteljährigen Miethzins zahlt und schon den zweiten Sommer eine Landwohnung in Kierling hat. Nun sind beide Angaben zwar wahr, nur mit dem traurigen Unterschiede, daß die Familie Wiener den Miethzins vom verflossenen Quartale noch schuldig ist und daß die Landwohnung in einem Benefice in der Rothschild'schen Stiftung für Brustkranke in Kierling besteht. Frau Wiener hat auf Grund des §. 19 eine Berichtigung an das „Deutsche Volksblatt" eingesendet, die aber Herr Vergani nicht brachte, da er nur den Muth hat, einem armen unglücklichen Menschen bie Ehre abzuschneiden, aber nicht das Rechtlichkeitsgeiühl, durch einen Widerruf der Wahrheit die Ehre zu geben. Wien. (Selbstmord eines Soldaten.) Wir erhalten Kenntniß von dem traurigen Ende eines jungen Soldaten, welcher nach der Darstellung der Eltern des Unglücklichen, von denen die nachfolgenden Angaben stammen, sich aus Verzweiflung über die ihm bei seinem Regiment zutheil gewordene Behandlung erschoß. Wenn auch vielleicht Manches in der Darstellung der tieferschütterten Eltern auf Rechnung ihrer begreiflichen Parteilichkeit zu fetzen ist, so verdient dieser Fall doch die Aufmerksamkeit der leitenden militärischen Kreise. Der unglückliche Soldat war der 22jährige Jacob Eltenberger, Sohn eines in Wien lebenden armen Agenten, Namens Moriz Ellenberger, der als kaiserlicher Soldat die Feldzüge in Italien und Böhmen mitgemacht hatte. Der junge Mann, dessen Vater nach Temesvar zuständig ist, wurde, als zum Dienste bei der activen Armee untauglich, dem in Lugos stationirten 8 Honved- Regimente zugetheilt. Ellenberger, der als Knabe zahlreiche Krankheiten durchgemacht hatte und beständig an Kopfschmerzen litt, war den Strapazen des Dienstes, der ihm noch obendrein durch seine völlige Unkenntniß der ungarischen Sprache bedeutend erschwert wurde, durchaus nicht gewachsen. Leider fanden seine Klagen bei feinem unmittelbaren Vorgesetzten kein Gehör; man hielt ihn für einen Simulanten und ließ ihn diesen Verdacht umso härter entgelten. Die Briefe, die Ellenberger an seine Eltern richtete, lassen erkennen, daß der Unglückliche fiir seine Unfähigkeit im Dienste nicht blos einfache und strenge Arreststrafen, sondern auch Mißhandlungen zu erdulden hatte, die den körperlich ohnehin schwachen jungen Mann in wahre Verzweiflung versetzten. Die Mutter, eine arme Frau, unternahm die Reise nach Lugos, um sich persönlich von der Lage ihres Sohnes zu überzeugen. Was sie dort von Kameraden desselben erfuhr, war nur die Bestätigung der Klagen ihres Sohnes. Die arme Mutter wagte es jedoch nicht, bei dem Commandanten des Regiments vorzusprechen, weil sie dadurch die Lage ihres Kindes nur zu verschlimmern befürchtete. Sie sprach ihrem Sohne Muth zu und reiste verzweifelten Herzens nach Wien zurück. Am 21. Juli erhielt die Frau von ihrem Sohne ein Schreiben, das sie in größten Schrecken versetzte. Der unglückliche Honvedsoldat schrieb: Lugos, 19. Juli 1893. „Theuerste Mutter! So schwer es mir fällt, ich muß Dir leider ein Geständniß machen. Ich bin vor vierzehn Tagen aus Verzweiflung über meine unglückliche Lage aus der Kaserne entwichen und direct in den Wald gegangen, um den Hungertod zu finden, da ich auf andere Weise nicht den Muth hatte, mir das Leben zu nehmen. Ich blieb zwei Tage und zwei Nächte im Walde. Aber die Hitze, der Hunger, der Durst trieben mich in die Kaserne zurück. Nun bekam ich eine Woche Arrest. Wie es mir geht, das zu berichten, bin ick außer Stande . . Ich danke Dir sehr für Deine Trostesworte, doch ist mir leider nicht zu helfen . . . Dein unglücklicher Sohn Jacob. Das war der letzte Brief des Sohnes. Mitte der vorigen Woche erhielten die Ettern des Soldaten ein Telegramm aus Lugos. welches ihnen den T o d des Sohnes berichtete. Jacob Ellenberger hatte sich, da er die Mißhandlungen nicht länger ertragen konnte, durch enten Schuß aus seinem Die-istgewehre g e t ö d t e t. Nach Aussage seiner Kameraden soll er noch kurz vor dem Selbstmorde von seinem Vorgesetzten in seinem Arrest mit Kolbenschlägen tractirt worden sein. Die beklagenswerthen Eltern eilten nach Lugos und kamen noch rechtzeitig zum Leichenbegängnisse ihres Sohnes. Der commandirende Oberstlieutenant hat eine strenge Untersuchung über die Ursache des Selbstmordes Ellenbergers angeordnet. Weidlingau. (Wozu die Juden g ut si n d.) Der Spiritus rector der hiesigen Antisemiten hatte das Malheur, daß sem Sohn in einer Mittelschule durchfiel. Man widmet also den jungen Teutobold dem verpönten Handelsstande. Nun ist guter Rath theuer. Zu wem ihn in die Lehre geben, doch gewiß zu einem Arier, etwa zu den Gregorig, Zuleger u. s. w. Doch kau, schau wem! Die schönen Seelen kennen sich. Das Besteist wohl, so wird argumentirt, den Jungen zu einem Juoen in Condition zu geben. Da lernt er gewiß nichts Schlechtes und so geschah es auch. Und die Moral der Affaire? Die Antisemiten kennen sich gegenseitig wie die bösen Pfennige, und wo es sich um ihre eigenen Interessen handelt, meiden sie sich. Pilsen, 2. August. (Antisemitisches.) Wie bereits gemeldet wurde, sollte Sonntag in Ronsperg eine Versammlung