Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 32 (11.8.1893)
- Date
- 1893-08-11
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 602 Orsterreichische zu folgen und in der schweren Noth der Zeit, oder in der Zeit der schweren Noth ein Uebriges zu thun und sich seiner — bald hätte ich Mitchristen geschrieben — leidenden Mitmenschen zu erbarmen. Er überlegt sich Alles wohl, wie das seines Volkes bedächtige Art ist. er fragt sein Herz, er fragt sein Geschäft, beide nicken mit dem Kopfe und sagen: In Gottes Namen! Thu's! — Er thut's! Er holt 100 Thaler preuß. Courant hervor und gibt sie zu einer Suppenanstalt für die Armen der Stadt. — Halt! Herr Inspector, Sie wollen sagen, was Sie wahrscheinlich schon oft gesagt haben: „Jude ist Jude, er hat seinen Vortheil dabei." Die Sache ist noch etwas anders. Der Mann denkt: soweit wär's gut, aber die preußischen Thaler können die armen Teufel nicht fressen, sie müssen Suppe dafür haben, aber wo diese Suppe kochen? Ich habe da zwei Küchen, ich will sie bergeben diese beiden Locale, ich will mir die Last auf den Hals laden und die Gefahr, daß man bei Gelegenheit mir die silbernen Löffel stiehlt. — Große Freude in der christlichen Versammlung! „Habens Sie's schon gehört? der Co." Ja, ja. weiß es schon. Hat 100 Thaler gezeichnet. „Ja, er hat aber auch seine Küchen zu diesem wohlthätigen Zwecke angeboten." Allgemeine Freude und Anerkenung. Da erhebt sich der dreimal im Feuer des Glaubens und der Liebe geläuterte hierarchische Goldquast und spricht: „Meine Herren, ich stimme für Ablehnen! Nie werde ich als christlicher Superintendent zugeben, daß christliche Arme aus einer Judenküche gespeist werden!" Trotzdem heftiger Widerspruch von vier Mitgliedern des Kom'tes, weswegen dieselben in den Verdacht des heimlichen Mosaismus gerathen. Dieselben gehen ab und zürnen inwendig. Jndicirte Judenverfolgung." — Bräsig schreibt in seiner Antwort über den „Fall": „Unser Herr Pastur ist noch einer von die Alten. Vor die Stallfutterung und die vielen Betstunden is er nich. Als Oekonomiker is er richtig un als Pastur ein Menschenfreund. Er is der Meinung, daß die Israeliten im Ganzen genommen, millgäwerner wären als die Christen und daß ihre Kocherei sehr rendlich mit „Milchern" und „Fleischern" wäre, auch das Essend behilflich, wie er dies an seiner eigenen körperlichem Beschaffenheit erfahren habe, da er lange Jahre als, Gimnast bei so einem mosaischen Samariter 's Middwochens Freitisch gehabt habe. Nun frage ich Ihnen aber: Hat dieser Suvperdent was gegen die 100 Rthlr. preuschen Crant dieses mosaischen Glaubensgenossen gehabt, oder hat er diese for probat erklärt? dieses wäre, wie uns' Herr Pastur sagt, eine exemplarische Beitragung zu die Moralität von's 19. Jahrhundert." * (D a ni el Sanders' Manuscripte.) Ein für die deutsche Sprachforschung wichtiges Werk ist in den Besitz des Britischen Museums übergegangen. Seit dem Erscheinen seines „Wörterbuches der deutschen Sprache", also seit mehr als dreißig Jahren, hat der Professor Dr. Daniel Sanders in einem mit Papier durchschossenen Handexemplar seines genannten. Werkes später zu benützende Bemerkungen, Ergänzungen, Be-, richtigungen u. s. w, eingetragen. Das erste aus fünf Bänden bestehende Exemplar war im Laufe verhältnißmäßig geringer Zeit bereits so sehr mit derartigen Notizen gefüllt, daß für weitere Aufzeichnungen der Raum nicht mehr hinreichte. Es mußte ein zweites, ebenso eingerichtetes Handexemplar zu Hilfe genommen werden, und auch dieses ist größtentheils wieder mit neuer, einschlägiger Information jedweder Art angefüllt. Aehnlich verfuhr der Verfasser mit seinem „Ergänzungswörterbuch". In diesen elf Bänden hat also Sanders reiches Material für eine neue Ausgabe seines Wörterbuches zusammengetragen. Nachdem sich bedauerlicherweise in Deutschland Niemand gefunden hat, dieses werthvolle Manuscript zu erwerben, wird es jetzt im Britischen Museum den Sprachforschern zugänglich sein. * * * (Heine-Denkmal für N.ew-Z)ork.) Das von Herrn Professor Herter entworfene, für New-Iork bestimmte Heine-Denkmal stellt einen Monumentalbrunnen mit rund gehaltenem Sockel vor, auf dem die ideal gehaltene Figur der Loreley thront. Von drei Seiten speien Löwenköpfe in Muschelschalen Waffer aus. Um den Sockel, zwischen den drei Becken, stehen drei weibliche Gestalten, Nixen, mit schönem Gesichtstypus, den „Weltschmerz", die „Satyre" und die „Lyrik" verkörpernd. Heine's Profilbild ist über dem Wasserbecken der Vorseite angebracht. Das Bildwerk steht auf einem Treppenaufbau und erreicht eine Gesammthöhe von acht Metern und eine Breite von sechs Metern. Die Ausführung geschieht in Wochenschrift Nr. 32 Tiroler Marmor und soll in drei Jahren vollendet sein. Das Denkmal soll dann an einem hervorragenden Punkt der schönen Promenaden des Centralparks von New-Iork aufgestellt werden.' (fm'mpnttem. Wien. (Apologetik des Judenthums^) Wir erhalten nachstehende Zuschrift: „Baden 7. August. Meine Artikel über „Die Apologetik des I u d e n t h u m s", welche zuerst in der „Oesterr. Wochenschrift" und dann als Separatabdruck erschienen, wurden von Herrn Prof. Vittorio Castiglioni in Triest italienisch übersetzt und im „Corriere Jsraelitico" veröffentlicht. Es ist der Sache wegen wichtig, daß für „die Apologetik des Judenthums" Propaganda gemacht werde, da der Antisemitismus sowohl in Oesterreich als im Deutschen Reiche immerfort große Verwüstungen und Verheerungen anrichtet, besonders seitdem Excellenz Ahlwardt unumschränkter Beherrscher der antisemitischen Bande ist. Ich erlaube mir daher Herrn Dr. Bloch, den Herkules im antisemitischen Augiasstall, nochmals öffentlich zu ersuchen, wenigstens den Theil der Apologetik zu bearbeiten, welcher die schmachvolle Gegenwart betrifft. In demselben sollen die antisemitischen Angriffe auf das Judenthum und die Bertheidigung desselben erörtert und die antisemitischen Häuptlinge in ihrer Erbärmlichkeit charakterisirt werden. Jeder Rabbiner, besonders in den kleineren Gemeinden, muß in den Stand gesetzt werden, die antisemitischen Verleumdungen rasch zu widerlegen, was nur dann möglich ist, wenn ihm ein Werk zur Verfügung steht, das ihn ohne langes Suchen und Forschen orientirt und ihm das Material in diesem unseligen Kampfe liefert. .Ein solches apologetisches Werk, das. vorzugsweise die Gegenwart berücksichtigt, muß in einer großen Anzahl von Exemplaren verbreitet werden. ■ Herr Dr. Bloch ist im Besitze der erforderlichen, literarischen Mittel; er ist ein ausgezeichneter Taktiker und Strategiker auf dem antisemitischen Kriegsschauplätze. An Muniti.on oder an materiellen Mitteln wird es hoffentlich nicht fehlen. Dr. Ad. Jellinek." Wien. (Defraudation im Wiener Hilfsu n d Sparvereine.) Der Cassier Mayer, welcher an 60.000 fl, welche die Aermsten unter den Armen beim genannten Vereine in kleinsten, vom Munde abgesparten Beträgen einlegten, defraudirte, war ein frommer Mann, er ging täglich in die Kirche, machte aber stark in Antisemitika. Es zeigt sich wieder der Erfahrungsfatz:DefraudantundAntisemit s i n d z w e i c o n g r u e n t e B e g r i f f e. Wien. (D a s antisemitische „Vaterland" gegen Hautkrankheit en.) Jüngst begleitete ich einen Patienten in die Ordination zu dem Professor für Hautkrankheiten, Dr. Kaposi, und war nicht wenig befremdet, im Wartesaal unter der aufliegenden Lectüre auch das „V a t e r l a n d" zu finden, in welchem zur Ab w e ch s l u n g ein besonders judenfeindlicher Artikel enthalten war. Reflectirt Dr. Kaposi, der große Sohn eines kleines Synagogenfunctionärs auf jüdische Patienten, und dies ist anzunehmen, denn auch Convertiten ist jüdisches Geld non ölet, dann zeigt es von gänzlichem Mangel an Takt, diese solcher Art zu brüskiren, verzichtet er aber auf diese, dann dürfte es sich wohl empfehlen, dies publik zu machen. . E. B. Wien. In der Nummer vom 4. d. M. erzählt das „Deutsche Volksblatt" eine Reihe von Schwindeleien, welche ein gewisser I. Ackermann in Deutschland und Holland verübt hat. Obgleich das antisemitische Hetzblatt selbst constatirt, daß Ackermann sich gefälschter Zeugnisse der Rabbiner Dr. Hildesheimer und Dr. Berliner bedient, setzt es seinen Mittheilungen doch das Schlagwort: „Ein sauberer Rabbiner" vor. Ackermann ist ein ganz gewöhnlicher Lump, der sich fälschlich als Rabbiner, ausgibt und damit zum größten Theile seine eigenen Glaubensgenossen schädigt. Die deutschen Rabbiner haben ihn öffentlich als. Betrüger und Schwindler gekennzeichnet und sich dagegen verwahrt, daß dieser Mensch für ihresgleichen gehalten werde. Trotzdem nimmt Ernst Vergani keinen Anstand, sich an