Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 32 (11.8.1893)
- Date
- 1893-08-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 600 Vesterreichifttzr Wochenschrift Nr. 32 herausgeben. Den Unfähigkeits-Nachweis habe ich ja nicht zu erbringen. Mein Blatt würde jeden Freitag Abend erscheinen. Ich glaube „Gut Schabbes" wäre ein recht passender Titel. Jawohl — Titel — ohne Mittel. Doch die braucht unsereiner nicht so dringend. Geld ist bei derlei arischen Unternehmen immer — das wenigste. Die Hauptsache wäre, die richtigen Mitarbeiter aufzutreiben. Liechtenstein müßte mir Feuilletönchen über Münzreformen in alter Zeit — er hat darüber gewisse Ahnungen — verfassen. Ich biete ihm genau dasselbe Honorar, welches er bei Vergani erhält. Lueger sollte eine Artikelserie schreiben über operative Eingriffe in den menschlichen Unterleib unter dem Titel: „Das Beuschel und sein Riß." Er könnte da seine eigenen Erfahrungen trefflich verwerthen. Ernst Schneider dürfte natürlich auch nicht fehlen mit einer größeren Arbeit über die Mechanik der Stampiglie. Er wird das Thema erschöpfend behandeln — (er behandelt jedes Thema erschöpfend, sein Publicum weiß davon zu sagen) — ob man nicht selbst längere Verleitungen zu unrichtigen Zeugenaussagen mittelst falscher- Stampiglien Herstellen könnte. Dadurch ließe sich ein Maffenconsum in gewissen gerichtlichen Aussagen leicht erzielen — ein interessantes Thema, nicht wahr? Auch Rohling würde mir gerne für Geld und gute Worte — die e r natürlich m i r zu geben hätte — etwas aus dem Talmud übersetzen, was meinen Leserkreis natürlich gewaltig interessiren müßte. Wenn er mir aber unter Eid das Eintreffen des Artikels für die nächste Nummer zusagte — dann würde ich mir doch schleunigst einen andern versorgen, denn dann erst wäre ich ganz sicher, daß ich ihn nicht bekäme .... Deckert lernt jetzt mit Feuereifer die hebräische Sprache. Ich habe zufälligerweise Einblick in eines seiner Studienhefte gewonnen. Sehr interessant, sage ich Dir, Pumpo: „Hast Du nicht den Talmud meines Onkels gesehen? Ich habe den Talmud Deines Onkels nicht gesehen, dafür aber habe ich das Schächtmesser Deines Großvaters verloren. Hast Du wirklich die Schächtung des blonden Christenkindes gesehen? Ich habe sie nicht gesehen, aber mein Freund Paulus Mayer hat sie gesehen. Wo ist Dein Freund Paulus Mayer, wo jetzt er wohnt? Jetzt wohi2 er in dem grauen Hause des Gerichtes des Landes, in dieser Tonart weiter. Deckert wird mir auch diese Studienblätter zum Abdruck überlassen — ich zweifle nicht im Mindesten daran. Doch was kümmere ich mich viel um Material für mein Blatt? Eine stramm antisemitische Zeitung für Juden und solche, die es werden wollen, füllt ihre Spalten einestheils mit Berichtigungen und anderntheils mit Annoncen der „haut Finanz", die natürlich auch ordnungsmäßig berichtigt werden, allerdings nicht mit dem § 19, sondern mit barerer Münze. Ja, ich gebe so einen Wisch heraus! Aueb io sono Vergani. Was Vergani nicht kann, kann ich auch nicht, ich sehe deshalb gar nicht . ein, warum ich nicht ebenso schlecht — Jetzt weiß ich nicht, soll ich mir die erwähnte Talmudübersetzung, welche an Stelle eines Romanes in Fortsetzungen zu erscheinen hätte, wirklich. von Rohling machen lassen? Er übersetzt mir am Ende zu frei — Paulus Mayer sollte sie lieber machen, der hätte jetzt gerade Zeit und übersetzt ganz gewiß nicht — frei! Genug von diesen Phantasmagorien! Ich werde ja doch das Blatt nicht gründen. Da muß man fleißig bei Judenbanken und Semitenassecuranzen „abfamen" geh'n, da muß man eifrig dieScheere handhaben und emsig die Ausschnitte der Judenblätter aufkleben — und alles, wozu Fleiß, Emsigkeit und Eifer gehören, dazu tauge ich nicht. Ich liebe mir die Bequemlichkeit, ich lobe mir meine Stammecke, ich bin nur für Cognac und Reflexion — soll der junge K. H. Wolf , dem in der linken Bahngasse zum Himmel Stinkenden nur getrost die Abonnenten wegfressen, die er nicht hat — ich rühre mich nicht. Kaum, daß ich mich entschließen kann, ab und zu eine Prüfung mit meiner edlen ur-arischen Anwesenheit zu verherrlichen. Wozu ich dahin gehe, weiß ich übrigens auch nicht! Sie könnten mich ja gerade so gut in contumaciam, schmeißen. Die Gesetze des beschleunigten Durchsalles sind die einzigen, die ich gründlich kenne. Alles eitel Protectionswirthschaft, Klein-Panama. Ja, wenn ich eine krumme Nase, krause Schwarzlöckchen hätte und Teutoboldeles hieße und geochset hätte, wie die Semitlein thun — dann freilich ließen sie mich durch, alle die verjudeten Hofräthe. Aber ich bleibe meiner Natur getreu. „Wenn Alle untreu werden, will ich doch bleiben treu . ..." a propos „untreu?" Der Führer der Deutschen in der Ostmark will sich wieder wählen lassen. Sein Platzhalter wird zwar etwas sehr ver„dötzt" dreinschauen, aber wenn Sanct Schorsch befiehlt, muß parirt werden, da hilft nichts. „Suchs Mandaterl!" — es wird gefunden werden. Sie sind von ihrem Herrn zu fein dressirt worden. — Soll ich Dir noch was von der Gewerbe-Enquete oder von Paris-Panama erzählen? Was ist Dir lieber? Daß Gregorig^ seine Maaren fast alle von Judenfirmen kauft, wirst Du gelesen haben. Das nehme ich ihm lange nicht so übel, wie seine Feinde und Neider. Welcher große Mann hätte deren keine? Gregorig der Weise will nur den praktischen Beweis erbringen für die Unsolidität und Unbrauchbarkeit der von ven jüdischen Häusern gelieferten Erzeugnisse. Deshalb, und nur deshalb erweist er den Hebräern die Ehre, ihren Credit in Anspruch zu nehmen. Die, welche das in der Enquete aufgestochen haben, glaubten weiß Gott was damit zu erzählen. Derlei Hemden-Enthüllungen sind noch lang kein Panama. Unsere Führer sind, Gott sei Dank, verhältnißmäßig mehr minder unbestechliche Charaktere in ihrer Art. Wenn der Mann mit dem Millionen-Sack ihnen vor den Ohren klimpern wollte — Hand auf Cornelius Herz — wer würde sich von dem Semiten ködern lassen? Bei uns können derartige Scandale nicht Vorkommen. Wie seinerzeit der Wiener-Neustädter Canal. gebaut worden ist — hat man da derlei vernommen, wie jetzt in Frankreich? Daran sind wieder nur die dortigen Juden Schuld. Hätte der Jude Lesseps — (scheint mir mit Szeps verwandt? werde mal nachspüren) nicht den Canal zu bauen angefangen, wäre die ganze Geschichte nicht gewesen. Die großen Unternehmungen sind der Solo-Krebsschaden der modernen Gesellschaft. Das ist in unserer Gewerbe-Enquete oft genug wiederholt worden. Wenn man den Durchstich ein paar soliden Kleingewerbetreibenden übergeben hätte, wäre Alles ganz anders gekommen. Ein Glück nur, daß das sonst unglückliche Land die wackeren Antisemiten Drumont und Morös hat. Diese edlen Panama - Canalräumer werden schon zeigen, wer sie sind. Haben es theilweise schon gezeigt. Sollten wir unseren Genossen nicht zu Hilfe eilen? Vielleicht brauchen sie rasch einige falsche Documente — Ahlwardt, Rector aller Deutschen, und Schneider herbei — ihr habt ja derlei immer in Vorrath. Freund Rohling beschwört mit Vergnügen die Echtheit und der gastfreundliche Deckert veröffentlicht sie dann mit Vor- und Nachwort im „Vaterland"! Dein Teutobold. Der „Colonist" in Palästina. „Und die Stimme der Turteltaube wird gehört in unserem Lande". Selten hat eine Publication in dem Maße auf alle unsere Empfindungen gewirkt, wie das kleine, schmucklose auf Wohlfeilheit berechnete Büchlein, das heute mit dem Titel in doppelter Schrift, der eine Titel von rechts nach links, der andere von links nach rechts zu lesen, in aller Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit bei uns anklopft. Glaubt nur nicht, daß dieses kleine Heft irgend etwas enthält, was eurem Idealismus oder Realismus, eurem vornehmen Geschmack, eurer gelehrten und geistreichen Bildung oder eurem Sensationsbedürfnisse Rechnung tragen würde. Stellt euch einen Bauern vor, der die Locken des polnischen Juden trägt, der einen jüdischdeutschen mit slavischen Wendungen zersetzten Dialect mit rauher Sprache redet wie in seiner Heimat, und ihr habt die richtige Vorstellung von unserem Büchlein gewonnen. Da sei auch gleich der ganze jüdisch-deutsche Titel wiedergegeben: „Der Colonist, Landwirthschastliches Organ, enthält wissenschaftliche Artikeln, Notizen, Belehrungen und praktische Erfahrungen in allen Fächern der Landwirthschafr, zum praktischen Nutzen der jüdischen Ackerbauer in Erez Israel". Heft I. Herausgegeben unter Mitwirkung von mehreren Fachmännern im heil. Lande, vom Agronom Menascheh Meierowitz und ^Abrahami Moses Luncz. Jerusalem 653 (1893). Buchdruckerei von A.M. Luncz. Preis 1 Franc per Heft, mit Porto 1 Franc 20 Centimes." Die jüdischen Colonisten in Palästina haben somit auch ihre landwirthschaftliche Zeitschrift, nicht schlechter und nicht besser als die landwirthschaftlichen Zeitschriften populärer Tendenz in Oesterreich oder Deutschland. Der Fortschritt der Agricultur wird wissenschaftlich auch im „Colonist" zur Anschauung gebracht und der jüdisch-deutsche Dialect wurde nur gewählt, damit die jüdischen Colonisten in Palästina sich leichter in der Zeitschrift zurecht finden können. Uns ist der „Colonist" frei-