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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-08-11 · 32 (11.8.1893) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
32 (11.8.1893)
Date
1893-08-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 32 DrSerrrMMke WochenschrM Seite 599 tium, welches ihn aus der finanziellen Klemme reißen wollte, den heiligen Schwur ablegte, daß er allezeit den Antisemitismus als eine schmachvolle Bestrebung verdammen werde, der wiederholt nachweislich sein Ehrenwort gebrochen hat, der bei dem socialdemokratischen Juden Singer Pumpversuche gemacht, der wiederholt Gefängnißstrasen verbüßt und noch zu verbüßen hat, der vor den Augen von ganz Europa im Reichstage als ein berufsmäßiger Verleumder in seiner ganzen Blöße entlarvt worden ist! Ein solcher K e r l wagt es unter dem frenetischen Beifallsgeheul von Leuten, die sich Antisemiten nennen, einen Stöcker, einen Liebermaun von Sonnenberg einen Judenknecht einen Verrälher zu neunen. Und von einem solchen Lump glaubt man, daß er sich noch häuten und ein an st änd i g e r M a n n werden kann. Böckel hat in einer Berliner Versammlung große Hoffnungen auf die Besserung Ahlwardt's gebaut und auch in einer Dresdner Antisemiten-Versammlung hat man der Zuversicht Ausdruck gegeben, daß sich der Vertreter von Friedeberg- Arnswalde immer mehr zu einer „annehmbaren — Schlange" häuten werde! Gegen jüdische Corruption will Ahlwardt kämpfen und doch ist er, seitdem ihm di: Larve vom Gesicht gerissen worden ist, v e rächtlicher als irgend ei ne Giftpflanze, die je auf dem Beete dieser Corruption emporgeschossen ist. Es ist eine heuchlerische Lüge, wenn jemand behauptet, gleichzeitig ein Anhänger Ahlwardr's und ein königstreuer Deutscher zu sein und jeder ehrenwerthe Reformer, der es mit seiner Sache gut meint, sollte denjenigen auf den Mund schlagen, der es fertig bringt, nach einem Hoch auf Ahlwardt, ein solches auf Se. Majestät den König auszubringen und „Deutschland, D utschland über Alles" zu singen." Ein Jahr vorher — am 8. Juli 1892 — waren die Redacteure dieses Blattes mit Herrn Ahlwardt zusammen in einer Versammlung, begrüßten und becomplimentirten sich einander und in seiner Rede erklärte Herr Ahlwardt: „In jedem größeren Local müssen Sie mindestens zwei Exemplare Ihrer werthen „Dresdener Nachrichten" haben." (Bravo!) . . . „Welche Wendung durch Gottes Fügung!" Die katholische „Köln. Volksztg." schreibt am 29. Juli: „Je unberechtigter und je gewaltsamer eine Bewegung ist, um so eher werden die radicalen Elemente die Oberhand gewinnen. Wir sind überzeugt, daß die antisemitischen Radaumacher eher noch bei den Anarchisten, als den planmäßigen Socialisten landen werden." Und das Stöcker'sche „Volk" schreibt am 30. Juli: „Der sogenannte Radau-Antisemitismus, welcher den Scandal pflegt, Ausschreitungen provocirt, mit radicalen Phrasen paradirt, unter Umständen auch die „Propaganda der That" nicht verschmäht und dabei den Leichtgläubigen vorspiegelt, in wenigen Jahren die Majorität des Volkes für sich gewinnen zu können, ist ein Zwillingsbruder jenes Anarchismus, der in der socialen Bewegung des Proletariats sein Unwesen treibt." Wir haben die Antisemiten seit je als Anarchisten erkannt und es ist gut, daß Herr Stöcker nunmehr unser Urtheil ratificirt. die Berichte über den Proceß des Semitenjünglings. Sie glauben wohl, wir sind hier in Philadelphia? Ihr Kaffeebeisel, Ihr Jungtschecherl ist allerdings zum Durchgehen: aber zum Hüter meiner Moralität sich hier anfznwerfen, haben Sie noch lange keine legalisirte Vollmacht. Ich, Teutobold, bin ein Deutscher, ein stramm national fühlender Jüngling. Ich thne nie nichts Böses, schon aus dem einfachen Grunde nicht, weil ich über- Haupt uichts thne. Das heißt im landläufigen Sinne nichts — wohl sinne ich mit aufgestemmtem Ellenbogen den ganzen lieben Tag darüber nach, daß ich schwitze, wie denn das teutsche Volk in der Oftmark ans den Umklammerungen der semitischen Hydra zu erwecken wäre. Dazu bedarf ich der leiblichen Stärkung und die willst Du, Wicht, mir schnöder Weise verweigern? Ich mache keine falschen Wechsel, weil ich nur zu gut weiß, daß jeder falsche Wechsel unbedingt eine Entgleisung im Gefolge haben muß. Ich halte es auch für geradezu lächerlich überflüssig, falsche Wechsel in die Welt zu setzen — echte thun es ja auch. Nur darf man sie nicht zahlen — dann leisten sie genau dieselben Dienste. Ich will Dir also Deine Forderung acceptiren, Bube, bring' ein Blankettchen herbei, Zahlkellner-Seele — Du sollst befriedigt werden und mir nicht nachsagen können: „Ich habe den Teutobold gefordert und er hat mir die schuldige Genugthuung verweigert. Aber jetzt Cognac und Schwarzen ohne Widerspruch; die alte wird geordnet, es lebe die neue Rechnung, es lebe der Saldo-Vortrank— rühr' Dich Bursche und schau mich nicht gar so verdutzt an — Vorwärts, links um, Marsch!" Damit ging er und sang nicht mehr, brachte alles Gewünschte schweigend, nachdenklich und äußerst rewectvoll — unaufgefordert sogar die Alizarin-Tinte, damit ich Dir, geliebtester, alter Pumpo schreibe, was der Geist des Cognac mir eingibt und was auch hiemit seit 5 Minuten geschieht. Mila, Sie fürtreffliche Cassierin des Sitzes, ei warum haben Sie den gar so kalondont-plakatmäßig, mit allen zweiunddreißig Zähnen, die wie falsche Perlen glänzen, gelächelt. während meiner seriösen Unterhaltung mit Johannes dem Säufer? He? Kommt Ihnen denn diese ernsthafte Auseinandersetzung — (wenn ich jemals neben ihm zu sitzen käme, ich würde uns sofort wieder auseinandersetzen) — wirklich gar io nrdrollig vor, oder wissen Sie wohl selbst ein wenig gar sehr, wie reizend Ihnen solch Lächeln zu Gesichte steht, Sie kleine Zwicker-Schlange, und Ahlwardtin meines Herzens? Ahlwardt? fragt Ihr Blick unter den schön getuschten Augenbrauen erstaunt zu mir herüber? Natürlich, weil ich auch Sie gleich zwei- bis dreimal wählen würde — zur Königin meines Daseins, zur — — ach, jetzt neigen Sie sich wieder zürnend über das Aufschreibebuch — Sie verschmähen noch immer das Opfer meines keuschen — Hatzi! — Danke sehr! — Herzens-auch schlecht! Hat vielleicht irgend ein Semitlein mit Ein- und Auskommen die stolze Festung Ihrer Grundsätze erobert — bei Wotan! mir ahnt und schwant so was. Wehe, wenn ich Ihnen hinter derlei Schliche komme, daun fließt Cognac in Strömen — Cognac der Verzweiflung, der Raserei . . Dann erscheinen wir Beide illustrirt. — Entsetzlich! — als Doppelbild! — das schwöre ich Ihnen, Sie reizende Mila. Hüten Sie sich also und nehmen Sie sich gefälligst in Acht vor dem Ausbruche — Ausbruch ist immer sehr gut — meiner gährenden Leidenschaft. Ich habe Sie gewarnt. Daß Sie mir dann nur am Ende nicht sagen, ich hätte Sie nicht gewarnt, denn ich lege Werth darauf, Sie gewarnt zu haben. Ferien! O du schöne herrliche Sache, beglückend und Ähnlichst erwartet ziehst Du ein in die Gemüther. Für Teutobold — ad)! — für Teutobold gibt es keine Ferien. Ich seufze unter dem ununterbrochenen Drucke der gleichmäßig dahinrollenden Tage. Kaum daß ab und zu ein freundlicher Sannenblick das graue Gewölk durchbricht, welches den politischen Horizont verdüstert. Ein solch' hell schimmernder Sonnenblick war für mich die Nachricht, daß ein zweites täglich erscheinendes antisemitisches Blatt demnächst das Licht der gänzlich verjudeten Welt erblicken werde. Das „Deutsche Bolksblatt" Bergani's, dessen großer Zaubergewalt bekanntlich weder Judenbanken noch Assecuranzen widerstehen können, wird einen feindlichen Bruder erhalten. Der unverfälschte Schönerianisnms wird täglich zweimal frisch angeschlagen werden. Die Semiten werden sich darüber nicht übel freuen. Dann können sie Alle wie ein Jud in sämmtlichen Kaffeehäusern die „Ostdeutsche Schundschau" stürmisch begehren. Ungeduldig wird Moische Meier harren bis Schloime Kohn das Blatt aus der Hand gelegt hat. Von den Juden allein kann so eine antisemitische Zeitung leben. Das ist übrigens ganz gut. Ich möchte auch gleich eine Teutobold'» buntes Mancherlei. Schreibebrief des deutschnationalen Studenten. XI. Wien, in den Hnndstagen 1893. Liebwerther Genosse und Cumpan Pumpo! Denke Dir nur einmal, was mir heute passirt ist. Ich koche noch vor Wuth, Aerger, Verdruß und brüte grimmige Rache. Johannes, dieser unverschämteste aller Geldeinnehmer, wagte es, mir, mir, die Verabreichung von Getränk rundweg zu verweigern — er versagte den kellnerischen Gehorsam, als ich ihm den gewohnten Schwarzen mit den üblichen Cognacen anbefahl. „Ich sollte erst das Alte bezahlen," Ich — und bezahlen! Welche schneidige Ironie in dieser ungeheuerlichen, grotesken Zumuthung! Habe ich denn jemals einem Menschen einen Heller bezahlt? Wie konnte jener Elende nur auf diesen jammervoll kläglichen Einfall kommen? Sein Gehirn muß sich im letzten Stadium der Verknöcherung befinden. Mir wagte der Bube das zu bieten, n>ir, dem rassenreinsten Arier unter der verjudeten Sonne, mir, dem Manne mit den drei Sck)missen im Gesicht, Ein solcher Kerl fordert mich, darf es ungestraft wagen, mich zu fordern — ja, kann ich mich denn mit ihm schlagen? Lächerlich! Ich nahm seine Forderung natürlich nicht an. So mache ich das in ähnlichen Fällen immer. Ich habe ihm übrigens auch eine Standrede gehalten, die sich gewaschen hat: „Ihnen find wohl die Zeitungen in den Kopf gestiegen, Sie uncorrigirter Bürstenabzug von einem Menschen,

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