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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-08-11 · 32 (11.8.1893) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
32 (11.8.1893)
Date
1893-08-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 598 Vrstrrrrichifchr Wochenschrift Nr. 32 Das Ganze tragt den Titel: „Eine saubere Gesellschaft." Antisemiten und Conservative werden aufhören, sich zu unterhalten und werden gemeinschaftlich das Spiel mit den falschen Karten sortsetzrn, das Spiel der Reaction, das Spiel des Antisemitismus! Aus der antisemitischen Kloake. Der Proceß gegen die antisemitischen Documenten-Fälscher Norton und Du er et, der sich am Samstag im Pariser Justizpalaste abspielte, ist typisch für den gesammten Antisemitismus aller Länder, er erinnerr lebhaft an die Documente Ah lwardt's in Berlin, an Lueger's Anklagen gegen Feldzeugmeister Scudier und den Beamten der Donaudampfschifffahrtsgesellschaft Wertner. Das „Deutsche Volksblatt" begami seine Wirksamkeit mit einen gefälschten „Brief Weiner's" und der Proceß über den Brief des Paulus Mayer harrt noch der Entscheidung. Aber auch die Enthüllungen des französischen Protestes lesen sich wie ein Capitel aus der Wiener oder Berliner antisemitischen Bewegung. A h lwardt hat ja wiederholt mit Erfolg Juden angeschnorrt und der Marquis de Mores hat die verblüffende Unverschämtheit, selbst öffentlich zu erklären, er habe durch Vermittlung des berühmten Enthüllers der Panama-Geheimnisse, Andrieux, von Cornelius Herz zwanzigiausend Francs geliehen, und Herz habe dadurch erreicht, daß sein Name in der „Libre Parole", deren Erscheinen wochenlang gleichbedeutend war mit der moralischen Hinrichtung eines Politikers — nicht genannt werde! F r e y c i n e t, F l o q u e t, R o u v i e r lvurden unter Anklage gestellt, aber Cornelius Herz wurde geschont! Und dieser saubere Handel wurde nicht blos von dem Marquis de Mores und Andrieux, sondern auch von dem Großkophta des französischen Antisemitismus, von Drumont, abgeschlossen, und dieser Drachentödter der Corruption hat sich dabei nach dem Zeugnisse Mores' mit Cornelius Herz auf das Freundschaftlichste unterhalten. Drumont und Mores gehen zu Cornelius Herz pumpen: Das erinnert an. Ah lwardt nicht allein, sondern auch an manche Erscheinung der Wiener antisemitischen Bewegung. In der Gewerbe-Enquete des österreichischen Abgeordnetenhauses wurde der Director der F e l i x d o r f e r W e b e r e i, M. Hirsch einvernommen und er entledigte sich seiner Aufgabe mit Geschick und Sachkenntniß und auch das von ihm citirte Beispiel des Gemeinderathes Greg orig ist bezeichnend für die Art jener Herren, die öffentlich Wasser predigen und insgeheim Wein trinken. - Erperte Hirsch bemerkt, daß der größte Theil der Wiener Kaufleute mit der Verpflichtung zur Angabe der Bezugsquelle kaum einverstanden wäre. Beispielsweise würde sich der Gemeinderath Gregorig sehr bedanken, wenn er angeben müßte, daß seine Krügen und Manschetten und ein Theil seiner Cravatten-Fabrikate von' — Heinrich Sternberg in der Goldschmiedgasse seien. Er würde nicht nur die Kundschaft verlieren, sondern vielleicht sogar gesteinigt werden. Die Parole „Kauft nicht bei Juden" gilt blos für die „dummen Kerle"; die Antisemitenhäuptlinge selber kaufen ihre Maaren ausschließlich bei dem jüdischen Engrossisten und geben sie weiter an ihre Kunden ab, mit einem Aufschlag für die — arische Provenienz. Experte P u r s ch t versuchte zwar dieses Factum zu bestreiten. Jndeffen hat die „Oesterr. Wochenschrift" wiederholt den Nachweis erbracht, daß Herr Greg orig seine Maaren, zumal die besseren Sorten seines Lagers, ausschließlich bei Juden einkauft. Wir konnten hiefür mehrere jüdische Firmen namhaft machen, z. B. die Firmen: Beer u. Reinitz, 1., Augustengasse 2. Herm. Pollack's Söhne, I., Borlaufstraße 3. Theodor Friedmanns Nachf., l., Goldschmiedgasse 8. Ignaz Simon, I., Werderthorgasse. Damit aber auch Herr P urscht sich in seiner „persönlichen Freundschaft" durch das obige Namensverzeichniß nicht erschüttern lassen solle, erlauben wir uns, auch die Adresse seiner eigenen Waarenbezugsquelle zu nennen: Samuel Taussig und Söhne, I., Deutschmeisterplatz Nr. 2. . Das erinnert an Drumont und Mores, welche bei Cornelius Herz pumpen. * ■ * * Es bietet einen interessanten Anblick, den internationalen Antisemitismus in seinen derzeitigen Blüthen genau zu beobachten. Eine große Anzahl seiner thütigsten Männer befindet sich aus der Wanderung — ins Zuchthaus. Nachstehend eine Liste aus den jüngsten Tagen: In Prag wurde am 5. August der gewesene Cassenbeamte der Speditionsfirma Schenker & Com p., Peter Freiherr v. M it is, der nach Defraudirung von 2700 fl. von Prag flüchtig wurde und subsifienzlos zurückkehrte, von einem Erkenntnißsenate zu dreiMonaten schweren Kerkers und zum Adelsverluste verurtheilt. Mitis zählte zu den Führern der Antisemiten in Prag und war der Gründer vieler antisemitlscher Vereine. Unter den Beamten der Firma Schenker u. Com p. hat er leider zahlreiche Gesinnungsgenossen. Wegen Unterschlagung wird der flüchtig gewordene Antisemitenführer, der Buchhändler Schwerdtner, steckbrieflich verfolgt („Magd. Ztg." Steckbrief vom 6. April). Wegen betrügerischen Bankerotts und Urkundenfälschung floh der antisemitische Rechtsanwalt Rad tke aus Marienwerder nach Amerika und hat sich jüngst dem Staatsanwalt zu Graudenz gestellt („Hamburger Fremdenblatt"). Wegen Zechprellereien wurde der antisemitische Agitator Schröder aus Dresden zu sechs Monaten Gefängniß vom Schöffengericht zu Landsberg a. W. verurtheilt. („Vossische Ztg." 25. 4.) Wegen betrügerischen Bankerotts und Wechselfälschung wurden die Antisemitenführer, die Manufacturwaarenhändler August und Emil Andersen zu Altona vom Schwurgericht zu zweieinhalb beziehungsweise eineinhalb Jahren verurtheilt („Fr. Blatt"). Wegen Betrugs- und Urkundenfälschung wurde der antisemitische Großgrundbesitzer Eidmann aus Groß-Umstadt verhaftet. („Neues Hess. Bolksbl." 15. 4.) Wegen Betrugs wurde Frau Margarethe Retter spitz, die Frau eines antisemitischen Agitators in Nürnberg, zu drei Monaten Gefängniß verurtheilt. („Fr. Blatt" Nr. 58.) Ihr Mann, Herr Retterspitz', wurde wegen falscher Anschuldigung eines christlichen Amtsrichters zu dreieinhalb Monaten Gefängniß und dreijähriger' Aberkennung tfer Ehrenrechte verurtheilt. („Jüd. Presse".) Wegen Nahrungsmittelverfälschung wurde der Antisemitenführer in Baholt in Westfalen, Heinrich Eis s in g zu 50 Mark Geldstrafe verurtheilt. („Moerser Ztg." 13. 5.) Wegen groben Unfugs, begangen an Juden, wurden die Studenten Kronbach und Burggraf in Berlin zu 15 beziehungsweise 10 Mark Geldstrafe verurtheilt, wegen gr ob er Excesse der antisemitische Journalist Herzog in Baden zu 3 Wochen Arrest, wegen Unfugs der antisemitische Buchhändler Sesselmann in Breslau zu 50 Mark Geldstrafe. („Bresl. Morgenztg." Nr. 181.) Wegen Beleidigung von Juden wurde der Fabriksbesitzer Braun aus Zerbst zu 50 Mark Geldstrafe verurtheilt, („Anhalt. Tagebl." 2. 5.) Dr. Erwin Bauer in Leipzig zu 100 Mark, der antisemitische Führer in Hamburg E. A. Hübner zu 450 Mark. Wegen Urkundenfälschung wurde der antisemitische Führer, der Sattler Nothhaupt in Walldorf, zu dreiMonaten Gefängniß verurtheilt. („Franks. Ztg." 5. Juni.) Wegen Majestätsbeleidigung erhielt der Antisemit Christian Schmidt aus Salzfeld drei Monate Gefängniß. („Franks. Ztg." 20. Juli.) Wegen Sittlichkeitsvergehens wurde der antisemitische Gymnasial-Professor Johann Mausburger aus Ried zu achtzehn Monate schweren Kerkers verurtheilt („Oest. Wochenschr." Nr. 22, S. 425). — Wegen eines gleichen Verbrechens floh der Antisemitenführer Lehrer Mahd aus Oberhäusen ins Ausland, um der drohenden Verhaftung zu entgehen. („Franks. Ztg." 7. Juli.) Der bekannte Antisemit Paasch, der als Untersuchungsgefangener zur Beobachtung seines Geisteszustandes in der Charite war, ist von den Aerzten derartig geisteskrank erklärt worden, daß er nicht fähig für eine gerichtliche Verhandlung ist. Dieser bleibt darum auch straflos. Die antisemitischen „Dresdner Nachrichten" publicirten am 25. v. M. einen Leitartikel, in welchem es hieß: . . . „An welchen Abgrund sind große Massen unseres Volkes bereits geführt, daß sie einem Ahlwardt zulaufen und zujauchzen, einem Manne, der dem Juden Manche als Agent gegen Provision für Orden und Titeljäger diente, der einst vor einem christlich-jüdischen Consor-

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