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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-08-04 · 31 (4.8.1893) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
31 (4.8.1893)
Date
1893-08-04
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Sir. 31 bar schönen Altstimme, welche diesmal vor Erregung noch etwas tiefer als gewöhnlich klang. „Herr Perez Markbreiter, wenn sie mir nicht weh, sehr weh thun wollen, stellen Sie die Frage nicht. Enden wir die Unterredung bevor sie begonnen " — ein tiefer Seufzer hob den Busen des schwer gequälten Mädchens, „sie kann zu keinem Resultate führen.^,, Eva". rief ich in wilder, fieberhafter Aufregung, „so kennen Sie die Frage, die schon lange-Zeit auf meinen Lippen schwebt? So wissen Sie, daß ich Sie liebe, von dem Momente an, wo ich Sie das erste Mal gesehen und sofort Ihr ganzes wunderbar schönes Wesen, Ihre Anmuth, Ihre Kindesliebe, Ihren Heldenmuth, Ihr Gottvertrauen, Ihre Gottergebenheit — wie vermag ich alle, Ihre Herrlichkeit in Worte zu fassen? — erkannte. So wissen Sie es, daß ich Sie, von dem ersten Momente an, wo ich Sie erblickte, geliebt und Sie bis zu meinem letzten Aihemzuge lieben werde? So wissen Sie es, daß ich Sie fragen will, ob Sie meine ehrliche treue Liebe erwidern, ob Sie mein Weib werden wollen? So wissen Sie es, daß, wenn Sie meine Frage verneinen, ich mich endlos unglücklich fühlen würde, und Sie verbitten sich meine Frage, um mich nicht tödtlich zu verwunden?" Dann aber fühlte ich mich in tiefster Seele bedrückt, daß ich dem Mädchen, dem ich gleichgiltig schien, Einblick in mein Herz gewährt hatte, ich schämte mich meiner wild überschäumenden Heftigkeit, die Eva erschrecken, mich in ihren Augen herabsetzen mußte. Ich suchte meine verlorene Fassung wieder zu gewinnen, ich wollte den vermeintlichen Fehler, den ich begangen, gut machen, ich versuchte es, mich zu. sammeln, verbeugte mich vor Eva und sprach: Mein Fräulein, ich habe nicht das geringste Recht an Sie, es war verwegene Thorheit von mir, zu glauben, daß Sie meine Liebe erwidern können. Es erübrigt mir nichts Anderes, als Sie ergebenst für meine Dreistigkeit und Heftigkeit um Verzeihung und auch zu bitten, meiner ohne Haß und Bitterkeit zu gedenken; dann eilte ich rasch der Thüre zu — an der Schwelle mußte ich mich unwillkürlich umblicken und — seltsames Gemisch in einer Menschenbrust — mich erfaßte tiefer Schmerz und doch hätte ich vor wilder Lust ausjubeln mögen! Eva, bleich wie ein Marmorbild, hielt beide Hände vors Gesicht und schluchzte so bitterlich, daß ihre wunderherrliche Gestalt zusammenbebte. „So habe ich mich doch nicht getäuscht? So liebst Du mich doch?" rief ich, „so willst Du doch mein Weib werden, sprich?! Ende die Qual des peinigenden Zweifels!" Eva ließ langsam die Hände von dem Gesichte niedersinken, ein wehmüthiges Lächeln verschönerte ihr thränenüberströmtes Gesicht zu unschilderbarem Reize und sie sprach: „Ich sollte Ihrer in Haß und Bitterkeit gedenken?! Herr Perez Markbreiter, ich bin Ihnen ja zu dem höchsten Danke, den ein Mensch einem zweiten schulden kann, verpflichtet! Ich werde nie, der schauervollen Nachts in welcher Sie mich und meine Mutter vom Tode retteten, vergessen! Und — es ist nicht mädchenhaft, daß ich es sage — aber man hat mich stets gelehrt, man dürfe die Wahrheit nur dann verschweigen, wenn es die unabweisliche Nothwendigkeit gr bietet; auch glaube ich, ich könnte nicht eine Secunde ruhig leben, wenn ich es nicht ausgesprochen.ich liebe Dich, Perez Markbreiter, wie ein Menschenherz nicht inniger, nicht reiner lieben kann — Perez Markbreiter, es wäre mein höchstes Glück als Deine Gattin Dein Leben nach meinen schwachen Kräften zu verschönern.— aber es kann nicht sein! Fragen Sie mich nicht warum? Ich würde Ihnen nicht antworten. Mann meines Herzens! Mann meiner Seele! Je heißer ich Dich liebe, desto weniger kann ich den Gedanken ertragen, Dein Schicksal an meines, an unseres zu knüpfen. Bevor ich Dir unter den Trauhimmel folgte, stürzte ich mich in den Fluß! . . . Um meiner Mutter Willen, kommen Sie nicht mehr nach Schönhof, sonst müßt' ich mit meiner armen Mutter fort .... fort! Wohin? Das weiß ich bei dem einzigen Gotte nicht! . . . Ich fleh' Sie an, meiner zu vergessen! Ich werde Ihrer nie vergessen! Leben Sie wohl auf ewiges Nimmerwiedersehen!" Plötzlich überkam mich ein peinigender Gedanke, ich frug „Eva, sind Sie das Weib eines Andern?" „Nein", erwiderte sie laut aufschreiend, „ich bin frei . . . frei . . . vogelfrei!" und stürzte aus dem Zimmer. Ich brach wie vernichtet zusammen. Wenige Minuten darauf öffnete sich die Thüre des Nebenzimmers und meine Mutter trat, von Dina Leidensdorf begleitet, aus demselben. Beide Frauen waren ungewöhnlich bleich und meine Mutter sprach in ihrer gewohnten milden Weise: „Bemühen Sie sich nicht weiter, ich habe Sie ohnehin durch meinen Besuch längere Zeit gestört und Sie find dringend beschäftigt. Meine Auftraggeberin nämlich wünscht, daß Seite 591 die Barches-Decke *), die sie zum Geschenke für ihren Vater bestimmt hat, zu dessen 60. Geburtstage, den er von Samstag in 8 Tagen feiert, fertig wird. Sobald Sie diese Arbeit beendet haben, sende ich Ihnen weitere. Ich werde Sie auf Jahre hinaus mit Arbeit versehen können. Auch muß ich Sie dringend bitten, den Gedanken, uns zu verlassen, aufzugeben, Sie sind uns unentbehrlich geworden und Ihr Wegzug würde uns in peinlichste Verlegenheit versetzen." Dina Leidensdorf versuchte es, zu antworten, aber ihre bebenden Lippen brachten es nur zu einem leisen Murmeln. „Mein lieber Sohn", wandte sich nun meine Mutter an mich, „wenn Du mit Deinen Geschäften zu Ende bist, wollen wir heimfahren". „Ich bin mit meinem Geschäfte zu Ende und habe hier nichts mehr zu thun", erwiderte ich in unwillkürlicher-Bitterkeit. Meine Mutter ließ ihren Blick im Zimmer umherschweifen, sie suchte offenbar Eva, aber sie fühlte, daß diese nicht in der Verfassung war, angesprochen zu werden, und nach kurzem Bedenken sprach Sie, zu Dina Leidensdorf gewendet: „Grüßen Sie Ihre liebe Eva von mir". Wir schritten nun zu unserem Wagen, der im Hofe stand, Landstadt und seine Frau begleiteten uns über demselben und sahen uns vom Hausthore nach, bis wir ihren Blicken entschwanden. Als wir im Wagen saßen, sprach die Mutter: „Ich sehe an Deiner verstörten Miene, Eva hat in gleicher oder ähnlicher Weise mit Dir gesprochen wie ihre Mutter zu mir. Ich habe bei dieser für Dich um ihrer Tochter Hand angehalten, jedoch in einer Weise, die es deutlich erkennen ließ, daß vorher volle Klarheit zwischen uns hergestellt werden müßte. Frau Dina kam mir, allerdings nur in einer Richtung, mit rührender Offenheit entgegen, Sie gestand es, daß sie erkannte, daß Eva von dem Momente an, wo sie Dich gesehen und Du sie zum höchsten Danke verpflichtetest, eine tiefe Neigung für Dich gefaßt; aber sie erklärte, sie müsse dem höchsten Glücke ihrer Tochter entsagen, sie könne um keinen Preis der Welt ihren Namen nennen, ihre Verhältnisse entdecken, diese wären so eigenthümlich, daß sie nie daran denken könne, ihre Tochter zu verheiraten. Das was Frau Dina sprach, trug, trotzdem es nahezu unglaublich klang, m ihrem Munde das Gepräge voller Wahrheit, Ich erkannte, daß jedes Wort, das ich noch ferner spräche, ein verlorenes wäre und nichts Anderes bewirken könnte, als das wunde Herz der schwer gequälten Frau noch schmerzlicher zu verletzen. — Ich Hab' Dir schon gesagt. Du mußt Dich in das Unabänderliche mit Ergebung fügen." „Daß ich Eva entsagen muß, das sehe ich ein", erwiderte ich, „aber ich kann sie nie vergessen und werde nie eines anderen Weibes Gatte werden." „Du bist unser einziges Kind", entgegnete die Mutter, „es würde mich tief schmerzen, wenn Du das höchste Glück im Menschenleben, ein edles, treues Weib, für immer missen solltest; aber ich vermag mich in Dein Fühlen zu versetzen, ich weiß, kein Mensch kann einen zweiten zu seinem Glücke zwingen; aber Dein Vater ist anders geartet als ich, er liebt Dich nicht weniger als ich, aber in einer ganz anderen Weise, mit dem wirst Du voraussichtlich einen harten Kampf zu bestehen haben. Er will Dich recht bald und recht glücklich verheiraten. Das erscheint ihm als seine wichtigste Aufgabe auf Erden, alles Andere nur als Mittel zu diesem Zwecke. Allein, er wird, wenn auch mit tiefem Schmerze, seinem Lieblingsplan entsagen. Doch glaube ich, wir sollen, so lange es eben möglich, dem guten Vater, der \a nur Dein Bestes anstrebt, jede Aufregung ersparen. Er kennt Eva nicht, hat keine Ahnung, daß Du sie liebst, daß heute Deine schönste Hoffnung Schiffbruch erlitten". — „So glaubst Du theuere Mutter, daß es gar keine Möglichkeit gibt, daß ich je an das Ziel meiner Wünsche gelange?" frug ich. „So weit menschliche Voraussicht reicht, muß ich so glauben; über darum ist es doch nicht unmöglich! Gottes Allmacht kann das dem blöden Menschenauge unmöglich Erscheinende möglich machen". „Nun, Herr Oberhoffactor, wissen Sie Alles! Th eilen Sie niemer lieben Mutter Ansicht? Und welchen Rath ertheilen Sie mir?" „Ihre Mutter ist eine kluge, edle Frau", erwiderte Werthheimer. „Ich glaube wie sie, daß Sie, um Ihrem Vater Kummer, Ihrer Mutter und sich selbst Unfrieden zu ersparen, es vor- *) Eine Decke, die am Sabbath über die Weizenbrotc, über welche eine Benediclion gesprochen, gelegt wird, und welche ziiwcilen mit Stickereien geschmückt wird. Orfierreichische Wochenschrift

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