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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-08-04 · 31 (4.8.1893) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
31 (4.8.1893)
Date
1893-08-04
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 31 Orsterrrichischr Wochenschrift Seite 589 Die Zahl der am sechsmonatlichen Abendcurs für Handwerksburschen eingeschriebenen Zöglinge betrug 61. Wiewohl das Curatorium armen Schülern die Lehrmittelbehelfe unentgeltlich überließ und dieselben vom Schulgelde befreite, hat sich auch der Schulfond um fl. 640°73 vergrößert, welcher Umstand der Subvention zu verdanken ist, die das Curatorium der Baron Hirsch-Stiftung der Schule in der Höhe von fl. 500 zu Theil werden ließ. Vom Heiratsausstattungsfond sind zwei arme Mädchen durch eine Unterstützung von fl. 375 in die Lage versetzt worden, sich ein eigenes Heim zu gründen. Brünn. (Adresse für Clevela nd.) Der Großindustrielle Henry Latzko aus Brünn, Mitglied der Aussiellungscommission und Berichterstatter für die Textilindustrie, hat in Washington dem Präsidenten Cleveland ein geschmackvolles Album überreicht, welches eine Uebersicht über die Leistungsfähigkeit der österreichischen Textilindustrie bietet. Der Präsideut war über diese Aufmerksamkeit sehr erfreut und gab während der längeren Audienz Herrn Latzko wiederholte Beweise seiner Sympathien für Oesterreich und für die Fortdauerfreundschaftlicher Beziehungen zwischen beiden Ländern. Prag, 25. Juli. Der ehemalige Führer der Prager Antisemiten, Peter v. Mitis, welcher im November vorigen Jahres bei der hiesigen Speditionsfirma Schenker u. Comp. 2500 fl. defraudirt hat und flüchtig geworden ist, hat sich heute in gänzlich. herabgekommenem Zustande der Polizei gestellt, mit der Angabe, er sei von Madrid, wo er keine Stellung finden konnte, über Wien nach Prag zurückgekehrt. Mitis hat seine Familie in Prag in größtem Elend zurückgelassen. Kolomea. Dienstag, am 1. August, fand die Trauung von Frl. Betti Knöpper, Tochter des Herrn Saul Knöpper, mit Herrn Josef Mandl statt. Budapest, 21. Juli. Zur Frage der Judenreception bringt der „Zsido Hirado" heute ein ergreifendes Argument. Der Cultusminister Graf Csaky erhielt dieser Tage ein dringendes Telegramm aus Erlau von einer Frau Berta Ronai. Es hat folgenden Wortlaut: „Excellenz! Vor Jahren bin ich aus nicht näher anzugebenden Gründen vom Judenthum zum christlichen Glauben übergetreten. Ich liege nun auf dem Sterbebette, aber Gewissensbisse lassen mich nicht zur Ruhe kommen. Erlauben Sie mir, Excellenz, daß ich vor meinem nahen Tode zum Glauben meiner Väter zurückkehren darf!" Der Minister war natürlich nicht in der Lage, dieser flehentlichen Bitte, zu willfahren; die Vorlage der Judenreception ist ja noch nicht Gesetz geworden. Der Minister konnte also nur der armen Frau sein inniges Bedauern aussprechen. Da erhielt er ein zweites Telegramm: „Excellenz, die Qualen lassen mich nicht sterben. Noch einmal flehe ich Sie an, lassen Sie mich zu meinem alten Glauben zurückkehren." Selbstverständlich hatte das zweite Telegramm so wenig Erfolg wie das erste. Breslau. Das 25jährige Docentenjubiläum des Ophthalmologen Professor Dr. Hermann Cohn wurde unter Theilnahme weitester Kreise gefeiert. Bei dem Festdiner hielt die erste Rede der Regierungspräsident Freiher Jnncker v. Ober- Conreut, welcher die Bemühungen des Professors Cohn namentlich um die Schulhygiene in anerkennendster Werse betonte und die Bereitwilligkeit der Behörden aussprach, den Vorschlägen desselben nach Möglichkeit Rechnung zu tragen. Der Jubilar erwiderte, indem er in längerer Rede die Leiden und Freuden eines außerordentlichen Professors schilderte und sein Glas auf das Wohl der allen Anwesenden gleich theuren Breslauer Universität leerte. Posen, 21. Juli. Dem am 16. d. M., verstorbenen katholischen Probst Maximilian v. Lukaszewicz widmet die jüdische Gemeinde einen besonderen Nachruf, in dem es zum Schlüsse heißt: „Die jüdische Gemeinde Hierselbst betrauert in dem Entschlafenen einen von ihr allezeit hochgeschätzten, edeldenkenden gütigen Gönner, dessen Wohlwollen sie sich jederzeit versichert halten durfte. Sein unvergeßliches Andenken werden wir stets in hohen Ehren halten. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde." Sprottau, 20. Juli. Herr Rathsherr Ollendors ist mit 17 von 26 Stimmen zum Kreistags-Abgeordneten gewählt worden. London. Der. Prinz von Wales beehrte Baron Ferdinand Rothschild mit seinem Besuche in Waddesdon-Manon und verweilte daselbst von Samstag bis Montag. London. Signor Mario Ancona, ein Mitglied der königlichen Oper, ist ein Glaubensgenosse von uns und hatte die Ehre, nach einer Vorstellung der Königin vorgestellt und von Ihrer Majestät besonders ausgezeichnet zu werden. Die Königin beschenkte den Künstler mit einer Diamantnadel mit den königlichen Initialen zum Angedenken an diese Stunde. Kairo, 4. Juli. Der j mge K h e d i v e hat seit seiner Thronbesteigung wiederholt Proben seiner freundlichen Gesinnung gegen dieJuden im Allgemeinen und seiner herzlichen Freundschaft gegen unsere Glaubensgenossen in Alexandria und Kairo gegeben. Einige von ihnen sprechen gar oft im Palaste des Khedive vor, der als Beweis seiner Achtung dem jüdischen Hospital in Alexandria, welches von Baron Manafie gegründet wurde, einen Besuch, abgestattet hat. New-Port, im Juni. Ein schönes Beispiel judenfreundlicher Gesinnung gab die hiesige christliche Bevölkerung, indem sie 8000 Dollars, das Ergebniß einer Sammlung, für den Bau eines jüdischen Hospitals spendeten. Herr David Hyman hat zu dem gleichen Zweck 2500 Dollars geschenkt. Alexandrien, 26. Juni. Die hiesige jüdische Gemeinde ist um ein wohlthätiges Institut reicher geworden. Die Familie Manasse hat das von ihr vor vier Jahren gegründete Hospital unserer Gemeinde zum Geschenke gemacht. Iofephine und der Magier. (Eine historische Erzählung.) In der ersten Zeit des Consulats lebte Josephine in ihrem Schlosse in Malmaison, wohin Bonaparte allabendlich, von der Tageslast erschöpft, zu ihr sich begab. Eines Tages speiste Josephine ganz allein in Malmaison, als in dem Augenblicke, wo man den Nachtisch auftrug, ein Mann bei ihr eingeführt wurde, der ungefähr fünfzig Jaüre alt sein mochte und sich als Magier vorstellte. Während sonst aber Gaukler und Taschenspieler ein fröhliches Aeußeres zur Schau tragen, lag auf dem Gesichte dieses Mannes tiefer Ernst ausgegossen. Er trug einen kleinen Tisch herbei, welchen er vor Josephine hinstellte und über denselben einen abgenützten Teppich ausbreitete. Als diese Vorbereitungen getroffen waren, zog der Unbekannte aus seiner Tasche drei zinnerne Becher hervor, mit denen er allerlei Taschenspielerstückchen begann. Die Kugeln vervielfältigten sich unter seinen Fingern und bildeten nach seinem Winke allerlei Figuren und groteske Gestalten, bis sie im Nu wieder verschwanden. Hierauf berührte er mit einem Stäbchen einen, der Becher und sagte: „Madame, Sie dürfen nur einen Wunsch aussprechen und er soll erfüllt werden. Befehlen Sie, was aus diesem Becher hervorgehen soll!'" „Eine Rose", sagte Josephine. Kaum war das Wort ihrem Munde entflossen, als der Taschenspieler den Becher umstürzte und zum Erstaunen der Zuschauerin eine Rose zum Vorschein kam, die sich anmuthig auf ihrem Stengel schaukelte und das Gemach mit süßem Duft erfüllte. „Mein Gott", rief Josephine aus, „Sie haben die schönste Rose meines Gartens abgeschnitten!" „Entschuldigen Madame", erwiderte der Taschenspieler, „diese Rose gehört mir. und ich habe die Ehre, sie der Gemalin des ersten Consuls zu überreichen" Der Mann setzte seine Knn,lstückchen fort und steigerte mit jedem die Bewunderung seiner Zuschauerin, bis sie ihn bat, einzuhalten, weil sie um ihren Verstand fürchte. Sie griff in einen Pompadur, der an ihrem Lehnstuhl hing, um daraus einige Goldstücke hervorzuholen und sie dem Taschenspieler zu überreichen. Als dieser das merkte, warf er sich ihr zu Füßen.und sprach: „Madame, Sie können mich tausendfach für das kleine Vergnügen belohnen, das ich Ihnen bereitet habe, aber nicht mit Gold — eine Gnade, Madame, eine Gnade!" „Welche", fragte Josephine. Da bat der Wundermann sie, einen der Aepfel, die auf dem Tische lagen, aufzuschneiden. Josephine streckte die Hand mach einem der Aepfel aus und setzte das Messer an — im Innern fand sie eine Bittschrift an den ersten Consul. „Madame", sagte der Zauberer, „Sie sehen einen Unglücklichen vor sich, der, ohne sich des Verbrechens des Verrathes an dem Vaterlande bewußt zu sein, auf der Liste der Emigranten steht und für sein Leben zittern muß. Ein Wort aus ihrem Munde, Madame, kann mich wieder zum Franzosen machen und mich den Memigen zurückgeben." Bei diesen Worten stürzte ein Thränenstrom aus den Augen dieses Mannes. Die Sceneri

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