Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 31 (4.8.1893)
- Date
- 1893-08-04
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 588 Vesterreichischr WochenfchrM Nr. 31 Straßuitz, 26. Juli. (I r a e I. Fe r ien-Col o nie.) Nach längerer i Eisenbahnfahrt von zehn Minuten langen wir bei der Haltestelle Petra» an. Etwa hundert Schritte entfernt liegt das Dorf Petrau, welches zur Pachtung ves Großindustriellen Herrn Rudolf Auspitz gehört. Anfangs des Dorfes befindet sich das Gasthaus Schmitz, welches ehemals als Curhaus Verwendung fand. Hier sind dreißig jüdische Mädchen aus Wien als Ferien-Colonie untergebracht. Das Haus ist wie geschaffen zu diesem Zwecke. Der geräumige Saal — früher ein Tanzsaal — bietet den Kindern eine weite, lichte und luftige Schlafstelle; jedes Kind besitzt einen numerirten Korb zur Aufbewahrung seiner Habseligteilen. Das Essen wird im Freien unter einem gegen die Gluth der Sonnenstrahlen geschützten Raume eingenommen; der Tisch ist reichhaltig und besteht aus nahrhaften Speisen, und man sieht es den blühenden Gesichtern an, daß es immer recht gut schmeckt. Eine Lehrerin aus Wien regelt die Tagesordnung und hält durch Abwechslung in der Beschäftigung die muntere Kinderschaar immer bei froher Stimmung und in schönster Ordnung. Kurze Ausflüge in die nahen Weingärten und zu sonstigeil anziehenden Plötzen der reizenden Umgebung bieten manchen nützlichen Stoff zur Eii.zeichnung in das mitgebrachte Notizheft; die Lehrerin besucht auch zuweilen mit ihren Schützlingen den unvergleichlich schönen Park d:s gräflich Magnis'schen Schlosses in Straßnitz. Herr Schmitz versäunit auch nicht, darauf zu sehen, daß die Kinder an das Beten nicht vergessen. Darum verdient das an der Spitze des Vereines zur Gründung und Unterhaltung jüdischer Ferien- Colonien stehende Comitö und vor Allem dessen wackere Präsidentin, Frau Dr. Grünfeld, volle Anerkennung, indem von keiner Seite die hiebei nöthige Aufopferung und Mühe gescheut wird, die erforderlichen Mittel beizuschaffen und dem wohlthätigen Zwecke zuzuführen Die Damen des Comites verfehlen auch nicht, unvermuthet eine eingehende Jnspection vorzunehmen, um aus eigener Anschauung zu erfahren, ob die Ausgabe auch zweckentsprechend verwendet wird. Möge dieser warme Eifer der guten Sache auch in der Zukunft erhalten bleiben! Die nächste Woche verläßt die bisherige Colonie Petrau, um einer ztveilen Serie von Mädchen den Platz zu räumen. B . . . r. E. B. Karlsbad, 25. Juli. Das Stadtverordneten-Collegium hat in seiner letzten Plenar-Sitzung den Stadtverordneten Advocaten Dr. Ferdinand F l e i s ch n e r zum Rechtsanwälte der Stadt Karlsbad als Nachfolger des verstorbenen Dr. Kn oll gewählt, was in allen Kreisen der hiesigen Bevölkerung, bei welcher sich Dr. Fleischner allgemeiner Beliebheit erfreut, die lebhafteste Befriedigung hervorgerufen hat. — Von Notabilitäten weilen gegenwärtig hier zur Cur die Herren: David v. Gutman n, Ritter v. S o n n e n t h a l, Professor Dr. Kaufmann aus Budapest. Dr. Maybaum aus Berlin, Nordbahn-Jnspector E P p e r aus Brünn. E. B. Brünn. (AerztekammerfürMähre n.) Bei der am 19. v. M. erfolgten Scrutinirung erschienen als Kammermitglieder gewählt: Dr. Jacob E h r en st e i n, Dr. Samuel P e r l, Dr. Max Muck; als Ersatzmänner: Dr. David Weiß, Dr. Moritz L ö w, Dr. Hans C a n t o r, Dr. Sigmund Groß, Dr. Josef Mandler und Dr. Moritz Sommer. Prag. Emil Frida, bekannt unter dem Dichternamen Jaroslav Brchlicky, der größte czechische und einer der größten Weltpoeten, ein seltener Judenfreund, wurde zum außerordentlichen Professor der Geschichte der modernen Literatur an der böhmischen Universität in Prag ernannt. Derselbe ist Ehren- Doctor der Universität. Trieft. Unserer Gemeinde ist eine große Ehre widerfahren. Ihr Secretär, Dr. Josef Barzilai, wurde vom Könige von Italien mit den Commandeurs - Insignien des italienischen Kronenordens geschmückt. Dr. Barzilai ist bekanntlich auch ein vorzüglicher Jurist, Dichter und Philolog. Auch auf dem Gebiete der hebräischen Etymologie und Geschichtsforschung hat derselbe schon manches Vorzügliche an das Tageslicht gefördert. In Dr. Barzilai hat König Humbert so unsere ganze Gemeinde geehrt. — Das hiesige Seehospitz für skrophulöse Kinder hat vor einigen Tagen wieder seine Pforten geöffnet. Dasselbe ist, was nur Wenigen bekannt sein dürste, eine Schöpfung des Mediciners Dr. Arturo Castiglioni, Sohn des gleichnamigen hiesigen Rabbiners. — Die Malerin Nella Morpurgo hat der Synagoge in Görz ein großes Oelgemälde gespendet, damit es zu deren Vortheil ausgespielt werde. Bozen. Allgemeine Thettnahme erweckt der Tod der Frau Camille Schwarz, gcb. B r a u n s ch w e i g. Welcher Verehrung die Heimgegangene sich in allen Kreisen unserer Stadt erfreute, das zeigte sich recht deutlich bei der Ueberführung ihrer irdischen Hülle vom Bahnhofe aus nach dem isr. Friedhofe. Mit dem Eisenbahnzuge, der um 8 Uhr Morgens hier eintrifft, war der Sarg hier an gelangt, wurde dann von Bahnbediensteten gehoben und auf den schwarz drapirten Leichenivagen überbracht. Außer den Verwaudten der Familie Schwarz hatten am Perron eine große Menge Leidtragender aller Stände, die Notabilitäten unserer Bürgerschaft und des Handelsstandes, dann viele nähere Bekannte des Gatten der Verstorbenen, darunter auch eine Abordnung des Bozner Turn- und des Cur-Vereines u. s. w. die Ankunft der Leiche erwartet, und folgten nun dem Leichenwagen in einer schier unabsehbaren Wagenreihe bis zum Friedhofe. Dort nahm der Herr Rabbiner von Meran die rituellen Gebete vor, und nachdem der Sarg ins Grab gesenkt worden w r, hielt er eine ergreifende Grabrede, dle Viele zu Thränen führte. Und als er mit dem Wunsche geendet hatte, es möge der theuren Todten die Erde leicht sein, da war wohl Niemand in der ganzen Trauerversammlung, der nicht vom Herzen mit ihm übereingestimmt hätte. Dem trauernden Gatten aber, der sein Theuerstes veiloren hat, möge die allgemeine Theilnahme der Bevölkerung unserer Stadt sagen, daß man den inneren Werth und die Tugenden der Verlebten zu schätzen verstand und ihr ein ehrenvolles Andenken bewahren wird. Krakau, 16. Juli. Die in der letzten Zeit entstandenen jüdischen Literatur-Vereine verfolgen als Zweck die Verbreitung der Kenntniß der hebräischen Sprache, Literatur, Geschichte, sowie Förderung von Forschungen auf diesen Gebieten. Nun ist 'diese geistige Strömung auch bei uns angelangt und hat bereits weite Kreise mitfortgerissen. Zwar wissen auch unsere Glaubensgenossen, sowohl Orthodoxe als auch sogenannte Reformer, den Werth obiger Disciplinen nicht zu schätzen, die Lectüre der hebräischen Sprache ist bei den meisten von ihnen rein verpönt. Daß jedoch der Boden auch hier vorhanden ist, den man nur zu bearbeiten wissen muß, beweist der hier vor etwa 7 Monaten durch den rühmlichst bekannten Redacteur der hebräischen Wochenschrift „Hamagid" Herrn Samuel Fuchs, ins Leben gerufene Literaturverein „Sfas Emes", der circa 200 Mitglieder zählt, die den besten und was bemerkenswerth ist, in Bezug auf religiöse Parteistellung verschiedensten Kreisen der hiesigen Judenschaft angehören. Allwöchentlich werden Vorträge in hebräischer, deutscher und polnischer Sprache — (erstere erhält stets den Vorzug, dieselbe ist auch Um g an gsspräche im Vereine), über allerlei Fragen aus dem Gebiete des Judenthums und der zeitgenössischen jüdischen Literatur gehalten. In den prächtig auSgestatteten Lesezimmern des Vereins befinden sich fast alle in den verschiedensten Sprachen erscheinenden jüdischen Zeitschriften, die den ganzen Tag den Mitgliedern des Vereines gratis zur Verfügung stehen. Außerdem sind verschiedene unentgeltliche Lehrcurse zum Unterrichte in hebräischer Sprache und Literatur eingerichtet worden, so daß der in Rede stehende Verein ein wirklicher Mittelpunkt des geistigen Lebens der hiesigen Juden wird und das Interesse für die jüdische Wissenschaft und die hebräische Sprache in allen Kreisen der jüdischen Bevölkerung wachruft. Sambor. Dem Jahresberichte der Ozyak Gotthelf'schen Stiftungen entnehmen -wir, daß die Institute sich ungemein . günstig entwickeln. Die Ozyak Gotthelf'sche Stiftung umfaßt: 1. einen Spitals-, 2. einen Handelsschul- und 3. einen Ausstattungsfond. — Im Spitale fanden vom 1. Jänner 1892 bis 1. Jänner 1893 123 Kranke Aufnahme, u. zw. 11 weniger als im Jahre 1891. Die Ausgaben waren aber trotzdem um fl. 90 87 mehr als ine Vorjahre, es ist dies einerseits dem Umstande zuzuschreiben, daß das Curatorium in Folge der drohenden Choleragefahr viele Desinfectionsmittel angeschafft hatte, anderseits, daß die freiwilligen Spenden fürs Spital sich verminderten. — Der Stand des Spitalvermögens hat sich um fl. 267-73 vergrößert, so daß das Stammcapital jetzt fl. 45.089'93 beträgt. An dieser Stätte sei des Spitalsarztes Herrn Dr. Heinrich Markiewicz und des Spitalverwalters Herrn Abraham Meißles erwähnt, welche Herren besonders viel zur Hebung des Spitals beitragen. Ersterer durch seine außerordentliche Sorgfalt, gewissenhafte ärztliche Thätigkeit und liebevolle Behandlung der Kranken, Letzterer durch seine musterhafte Leitung des Spitals. , . Die Ozyak Gotthelf'sche Handelsschule entwickelt sich gleichfalls ungemein günstig und wird — wiewohl erst im Jahre 1891 gegründet —- schon jetzt als Wohlthat für die Jugend betrachtet. Diese Schule besteht aus 3 Abtheilungen u. zw.: 1. einem einjährigenTagescurs, 2. einem sechsmonatlichen Fortbildungscurs und 3. einem sechsmonatlichen Abendcurs für Handwerksburschen. Die Zahl der Schüler an den Tagescursen betrug 30 — und sind die Erfolge, die bei deren Ausbildung erzielt wurden, nach jeder Richtung hin zufriedenstellend, so daß die Schüler, die die Schule bereits verlassen haben, bereits in der Praxis — und dies zur vollsten Zufriedenheit der P. T. Chefs — beste Verwendung finden.