Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 31 (4.8.1893)
- Date
- 1893-08-04
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 31 OrüerreichMtze WochrntchrV Seite 587 stand und nehmen von der Regierung keinerlei Hilfe an, um die wenigen Armen, die sich unter ihnen befinden, zu unterstützen. Sie besitzen zwei Synagogen, die eine ausschließlich von nach portugiesischem Ritus lebenden Israeliten besucht, die andere von denen, die dem deutschen Cultus folgen. Diese Theilung soll nicht etwa bedeuten, daß irgend welches Mißverhältniß unter den Mitgliedern der Gemeinde herrsche. Das, Gefühl der Zusammengehörigkeit ist hier vielleicht lebhafter und ausgesprochener entwickelt als in Europa. Wien. Sonntag, den 6. August wird die Trauung des Frls. Eugenie von Rapoport-Porada mit Herrn Dr. Heinrich Frieß in Dornbach bei Wien, Promenadegasse 75, stattfiuden. Die Braut ist die Tochter des Reichsraths-Abgeordneten Herrn Dr. Arnold v. Rapoport-Porado, der wegen seiner Wohlthätigkeit und Freigebigkeit hoch geschätzt ist, und der Bräutigam Gutsbesitzer. Wir gratuliren den Eltern und dem Brautpaare. Wien. (Trauungen.) Sonntag, den 30. Juli 1893, wurden getraut: Herr Salomon Horn mit Frl. Jenny Gottlieb; Herr Anton . Pick mit Frl. Jda Bell; Herr Alexander Grabkowitz mit Frl. Hermiue Fasal. — (Verlobung.( In Kolomea hat sich Frl. Regina Seidmann, Tochter des Herm Moses Seidmann, mit Herrn Heschl Slobkowitzer aus Jassy verlobt. Wien. (Bon der Universität Czernowitz.) Der Privatdocent an der Universität Wien Dr. Siegmund Herzberg-Fränkl ist zum außerordentlichen Professor für allgemeine Geschichte an der Universität in Czernowitz ernannt worden. Wien. (Lebens-Bersicherungs-Gesellschaft „New- Jork".) Dem langjährigen Director der „New-Iork" für Oesterreich, Herrn Josef Karl Löwenberg, ist in Anerkennung seines erfolgreichen Wirkens der Titel eines Generaldirectors verliehen worden. Wien-Mariahilf. Am 28. v. M. fand, wie bereits gemeldet, die feierliche Installation des neuen Vereins-Predigers am Mariahilfer Tempel, Herrn Rabbiner Dr. Jsr. Taglicht, statt. Derselbe wurde von zwei Vorstandsmitgliedern abgeholt und in den Sitzungssaal des Tempel-Vereines geleitet, woselbst der Gesammt-Vorstand und die Functionäre ihn erwarteten. Vereins-Präsident Herr Architekt Max Fleischer hielt Namens des Vorstandes folgende Begrüßungs-Ansprache: „Euer Ehrwürden! Der Vorstand des israelitischen Tempel- Vereines für den VI. und VII. Bezirk hat Sie zum Prediger dieses Vereines berufen; ich habe die Ehre, Sie im Namen des Vorstandes auf das Herzlichste zu begrüßen und Sie willkommen zu heißen. Wir werden Sie hernach in das Gotteshaus corporativ geleiten, woselbst Sie die Andächtigen erwarten und wo Sie die Stätte für das künftige Walten in Ihrem heiligen Berufe finden sollen. Sie werden heute dort Ihre Antrittsrede abhalten, Sie werden später das Gotteswort vor der versammelten Tempelgemeinde verkünden; ich fühle mich nicht berufen, Ihnen zu sagen, wie Sie dies thun sollen, das Gotteswort ist ja so wie es in der dieswöchentlichen Sidrah lautet: „Thuet nichts hinzu zu dem, was ich Euch gebiete und lasset nichts aus davon." Allein von der Gemeinde-möchte ich etwas sagen, weil es mir wissenswerth zu sein scheint, von demjenigen etwas zu hören, zu dem man sprechen soll. Vor Allem ist es eine Gemeinde, die das Gotteswort hören will, die es hören will in seiner Reinheit, in seiner Klarheit, in seiner wahrhaft göttlichen Bedeutung. Es ist eine Gemeinde, die leicht begreift, wenn man mit Ueberzeugüng spricht, die Kopf und Herz hat und die empfänglich ist für alles Gute, Schöne und Edle, es ist eine Gemeinde, die den Frieden liebt, den Frieden im Innern, den Frieden nach Auß-n, und die auch im schönsten Einvernehmen leben will mit allen ihren Mitbürgern, gleichgiltig welcher religiösen Anschauung, welch' religiösen Bekenntnisses diese sind. In dieser Gemeinde finden Sie echten Bürger- und Gemeinsinn, treue Anhänglichkeit" an Kaiser und Reich, wahren Patriotismus. Frömmigkeit und Gemeinsinn haben diesen Verein gegründet, Opferwilligkeit hat diese Stätte erworben, Gottesfurcht und Vaterlandsliebe haben dieses Gotteshaus errichtet, mit Liebe und Selbstlosigkeit wird das Ganze geleitet und wird auch, so Gott will, stets so geleitet werden! Sie werden sich gewiß allen edlen Bestrebungen des Vereines anschließen, und die begeisternden Worte, die Sie von geheiligter Stätte verkünden werden, sie werden ihren Weg zu den Herzen nehmen. Und so mögen Sie sich hier einen gesicherten Ort edlen, eifrigen gottgefälligen und erfolgreichen Wirkens begründen, mögen Sie Sitz und Kanzel einnehmen und behaupten, sich zur Ehre, dem Gotteshause zur Zierde, zu unser Aller Freude, zur Befriedigung unserer -Mitglieder und Bethausbesucher. Gott behalte Sie in seinem Schutze, er verleihe Ihnen Kraft und Zuversicht. Ich habe gesprochen!" In sehr wärmen und treffenden Worten dankte der Prediger dem Vorstande für den würdigen und herzlichen Empfang und gab das heilige Versprechen, sein Bestes zu thun, um als ein echter Priester der Liebe der heiligen Sache zu dienen. Hierauf wurde Herr Dr. Taglicht unter Vorantritt der Functionäre vom Gesammt-Vorstande in den Tempel geführt und während der Absingung des 21a tanwa zu seinem Sitz geleitet. Nach Vollendung des Mincha-Gebetes hielt der neue Vereins-Prediger in dem von Andächtigen dicht gefüllten Tempel seine Antrittsrede, in welcher er, aus das Vorbild der Propheten hinweisend, die Pflichten des Seelsorgers in der Gemeinde in gediegener Weise entwickelte. Mit dem Mariv-Gebete schloß die schöne Feier. Aus Ung.-Ostra wird uns gemeldet: Se. Ehrwürden der hochverehrte Herr Rabbiner Dr. I. Taglicht, hielt Samstag, den 22. Juli, in der hiesigen Synagoge seine Abschiedsrede, eine gehaltvolle, zu Herzen dringende Ansprache, nahm in herzlichster Weise von der Gemeinde Abschied und selbst gerührt entlockten seine Worte Vielen der Anwesenden aufrichtige Thränen. Dienstag, den 25. Juli vor der Abreise des Herrn Rabbiners versammelten sich im Gemeindehause der gesummte Cultusvorstand, viele Gemeindemitglieder, die Lehrer der deutschen Volksschule und die Schuljugend, um nochmals Abschied zu nehmen, aus welchem Anlasse, der greise Vater des Herrn Rabbiners gleichfalls gekommen war. Der hochbetagte Vater sprach zuerst, dankte der Gemeinde für die seinem Sohne allzeit erwiesene Verehrung, wendete sich dann seinem Sohne zu und gab ihm väterliche Rathschläge für seine fernere Laufbahn und seinen Segen. Namens der Gemeinde hob der Cultusvorsteher in einer Ansprache die großen Verdienste und guten Eigenschaften des Herrn Rabbiners hervor und rief ihm ein herzliches Lebewohl zu. Nach Ansprache eines Schülers schloß die schöne erhebende Feier, worauf der Cultusausschuß, sowie zahlreiche Mitglieder ihrem scheidenden Herrn Rabbiner, welcher sich in der kurzen Zeit seines Wirkens in der hiesigen Gemeinde die größten Sympathien Aller erworben hatte, bis zum Bisenzer Bahnhofe das Geleite gaben. Wien. (Zwei Schwiegersöhne Sulzer's.) In Vöslau ist der Journalist und Schriftsteller Paul d'Abrest nach kurzem Leiden gestorben. Abrest, der auch in Wiener Journalen mannigfache Beiträge veröffentlichte, war hier Correspondent des Pariser „Temps" und der „Jndependance Belge". Unter den französischen Schriften, die er herausaab, sind die bekanntesten: »vu priutemps en Losaie" und „Vienne sons Frangais Joseph“. Abrest, der ein Alter von 43 Jahren erreichte, war in Prag geboren, kam aber schon als Knabe nach Paris, wo er erzogen wurde und später die französische Staatsbürgerschaft erwarb. Das Leichenbegängniß hat Freitag Bormittags um V-11 Uhr im Beisein der trauernden Familien-Mitglieder und unter zahlreicher Betheiligung von Berufsgenossen aus der israelitischen Abtheilung des Centralfriedhofes stattgefunden. Die Trauergesänge leitete Obercantor Singer, worauf Ober-Rabbiner Prediger Dr. Güdemann dem Verblichenen einen warmen Nachruf widmete, in welchem er Wirken und Schaffen des frühzeitig aus dem Leben geschiedenen Schriftstellers eingehend beleuchtete. Am offenen Grabe sprach dann im Namen des Verbandes der auswärtigen Presse Regierungsrath Hajek Worte der Trauer um den hochgeachteten Collegen. Viele Kränze schmückten den einfachen Sarg. D'Abrest war ein Schwiegersohn des verstorbenen Obercantors Professors Sulzer. Ein eigenthümliches Zusammentreffen ist es, daß am selben Tage auch ein zweiter Schwiegersohn Sulzer's, Herr S. G. Fischel, eines plötzlichen Todes starb. S. G. Fische! war in allen jüdischen Kreisen Wiens wegen seines gemeinnützigen Wirkens und seiner Herzensgüte allgemein beliebt, er betheiligte sich an allen humanitären Unternehmungen und sein Leichenbegängniß gab Zeugniß von der allgemeinen Verehrung, deren er sich erfreute. Wien. (D r. Max Franzos.) Der Präsident des Berwaltungsrathes der „Steyrermühl", Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Max Franzos, ist heute einem Schlaganfalle plötzlich erlegen. Dr. Franzos, welcher im 58. Lebensjahre stand, war seit dem Jahre 1869 Advocat in Wien. Vorher war er als Concipient in den Kanzleien des Dr. Josef Kopp und Dr. Ruthner thätig gewesen. Seit sechs Jahren stand Dr. Franzos als Präsident an der Spitze der „Steyrermühl". Dr. Franzos war ein treuer Sohn des Judenthums, welchem er mit der ganzen Seele zugethan war, eine gütige wohlwollende Natur, ein Mann, dessen Wesen von der umfassenden Bildung durchtränkt war, deren er sich rühmen durfte. Er wußte hingebende Pflichttreue und rastlosen Arbeitseifer stets mit gütigem, echt menschlichem Sinn zu einen. Sein Heimgang reißt für Alle, die ihm näherstanden, eine schmerzlich empfundene Lücke. Dr. Franzos hinterläßt eine Witwe und zwei Kinder.