Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 31 (4.8.1893)
- Date
- 1893-08-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 582 . Oesterreichische Wochenschrift Nr. 31 waltet und daß er größere Summen votirt, wenn es sich um anständige Familien, um Gelehrte und Schriftsteller handelt. Diese beiden Vereine müßten jeden Monat in einigen Journalen sowohl die Namen der Dahingeschiedenen, als die der Spender nebst Angabe der gewidmeten Summen veröffentlichen und in jedem Jahresbericht diese Veröffentlichung zum bleibenden Andenken für die betreffenden Familien wiederholen. Die Blume der Wohlthätigkeit welkt nicht, erquickt die Seele der Bekümmerten. Möge sie den Sieg davontragen über verwelkende und sterbende Blumen in Todtenkränzen! j. Wie». (Pater Eichhorn.) Der gewesene Geistliche von Floridsdorf, dessen antisemitische Hetzereien unseren Lesern noch in Erinnerung sein dürften, der seinerzeit die Hetzartikel: /.Juden, Anarchisten und Vagabunden" im „Westungarischen Grenzboten" publicirte und -den Reichsraths-Abgeordneten Dr. Bloch als den moralischen Urheber des anarchistischen Attentates gegen den unglücklichen Floridsdorfer Polizeicommissär H l u b e k in anonymen Schmähschriften denuncirte, ist derzeit Gegenstand einer Disciplinar.-Untersuchung, über welche die „Volksstimme" Nachstehendes berichtet: Der niederösterreichische Landesschulrath hat, wie wir erfahren, mittelst Zuschrift vom 7. Mai b. I. die Enthebung des bekannten „christlich-socialen" Agitators, Pfarrer Eichhorn in Höflein a. d. Donau, von seiner Stelle als katholischer Religionslehrcr verlangt und diese an das fürsterzbischöstiche Consistorium gestellte Forderung. in ausführlicher Weise begründet. Pfarrer Eichhorn dürfte den meisten unserer Leser bekannt sein. Als Pfarrer in Floridsdorf stürzte er sich mit aller Leidenschaft in die antisemitische Bewegung und wurde so neben dem Baron Vogelfang Gründer der „christlich-socialen" Partei. Nach der Verurtheilung Schönerer^ wurde er in den Reichsrath gewählt. In Folge einer in Schwarzenau gehaltenen Rede war gegen ihn eine Untersuchung wegen Aufreizung gegen einzelne Elasten der bürgerlichen Gesellschaft (den Adel) anhängig, und es hieß sogar, daß der Bezirkshauptmann von Zwettl in der Rede Eichhorn's eine Majestätsbeleidigung entdeckt habe. Kurz nach dieser Affaire verlangte die Regierung vom Consistorium die Entfernung Eichhorn's aus Floridsdorf, wo er eine umfassende Thatigkeit entwickelte, um die Arbeiter für "bie „Christlich-Socialen" zu captiviren. Nach Höflein a. d. Donau versetzt, gerieth der heißblütige Pfarrer bald mit aller Welt in Conflict. Mit Hilfe der Antisemiten wurde er vor drei Jahren zum Obmanne des Ortsschulrath cs gewählt und damit ‘ war eine neue Ursache zu unausgesetzten Verdrießlichkeiten unter dm Ortsbewohnern gegeben. - Da trat zu Ende des vorigen Jahres eine auffallende Veränderung in dem Verhältnisse der Höfleiner Bevölkerung zu ihrem Pfarrer ein. Man begann sich langsam von ihm zurückzuziehm. Der Vater eines schulpflichtigen Mädchens hatte gegen chn eine Anzeige erstattet, die wir nicht näher specificiren wollen. Gericht, Landesschulrath und Consistorium haben sich mit dieser dunklen Affaire eingehend beschäftigt, und von Seite der niederösterreichischen Landesschulbehörde wurde seine Entfernung von der Höfleiner Ortsschule verlangt. Das Consistorium verfügte die Einleitung einer Untersuchung, .die vom Domherrn Kornheisl bis in die kleinsten Details geführt wurde'. Das Resultat der gepflogenen Erhebungen veranlaßt das Consistorium, an den Probst des Klosterneuburger Stiftes, welchem der streitbare Pfarrer angehört, die Aufforderung zu richten, Eichhorn von Höflein zu entfernen und als Religionslehrer an Schulen überhaupt nicht mehr anzustellen. Der Probst hat aber diese Aufforderung unbeachtet gelassm und will das Ergebniß der noch immer schwebenden gerichtlichen Untersuchung abwarten. In diesem Stadium befindet sich die Affaire gegenwärtig. In clericalen Kreisen, die dem Consistorium nahestehen, findet man die Haltung des Probstes Ubald Kostersitz unbegreiflich, da die Versetzung des Pfarrers Eichhorn das einzige Mittel ist, einem Conflicte zwischen Schul- und Kirchenbehörden vorzubeugen. Der niederöstecreichische Landesschulrath ist entschlosten, wenn die Abberufung des mißliebigen Pfarrers nicht von Seite des Probstes erfolgen sollte, dieselbe von amtswegen zu veranlassen und er wird dabei die volle Unterstützung des Cardinals Gruscha finden. Wie noch erinnerlich sein dürfte, hat sich Pfarrer Eichhorn öffentlich geäußert, er würde keinem Beichtenden wegen eines an einem Juden begangenen Diebstahles die Absolution verweigern. Durch diese Worte hat sich der Mann selbst als ein Fanatiker charakterisirt, der der Freundschaft eines Mechanikers Schneider vollauf würdig ist! - Wie«. (Die antisemitischen Trotteln gegeneinander.) In dem. Leitartikel vom Samstag, den 29. Juli, schreibt das „Deutsche Volksblatt": „Für das Futterausfuhrverbot, für das sich die Großgrundbesitzer einsetzen, hatte man-die Regierung im Handumdrehen gewonnen. Gerade' dabei hat es sich wieder gezeigt, daß die feudalen Großgrundbesitzer sich keinen Augenblick besinnen, die Regierung zu ihnen günstigen Maßregeln zu drängen, wenn dadurch auch die gesummte ländliche Wählerschaft des Hohenwart-Clubs in ihren Interessen aufs Schwerste geschädigt wird. Die Herren nehmen ihre Interessen wahr, und nur diese." In der Nummer vom 30. Juli schreibt der „Oesterr., Volksfreund" unter der Spitzmarke: „Das Viehs utter-Ausfuhrverbotund die jüdischenHändle r." „Das Futter-Ausfuhrverbot hat unsere . Getreide- und Productenhebräer in hochgradige Aufregung versetzt. Mit allen Mitteln und von allen Seilen, von der willfährigen, jüdischen Einflüssen leicht zugänglichen ungarischen Regierung angesangen bis herab zur jüdischen Börsepresse, haben sie gearbeitet, um, da sich das Verbot nicht aufhalten ließ, doch wenigstens einen Aufschub des Giltigkeitstermines oder doch eine solche Auslegung desselben zu erzielen, die einer Umgehung des Verbotes gleichgekommen wäre." „Diese Hebräer machen sich eben kein Gewissen daraus, wenn sie durch ihre Spekulationen ganze Bevölkerungsclassen schädigen." „Unter den cisleithanischen Gegnern des Ausfuhrverbotes war auch die niederösterreichische Landwirthschafts-Gesellschast. Wer deren Zusammensetzung kennt und die Beziehungen vieler ihrer Mitglieder zu den jüdischen Mächten zu würdigen weiß, wird sich über eine solche, vielleicht sogar unfreiwillige Gegnerschaft nicht wundern. Ein braver Gutsverwalter oder Pächter wird stets auf die Interessen seiner Herrschaft sehen." Da nun das „Deutsche Volksblatt" über das Futterausfuhrverbot so fürchterlich Lärm schlägt und dem Hohenwart-Club deswegen die Freundschaft kündigt, so muß dieses Organ jedenfalls von der „Alliance israelite“ subventionirt sein. Wien. (Einantisemitischer Briefträger aus Reisen.) Ueber das ganz unerhörte Benehmen, das sich ein k. k. Briefträger während der Fahrt von Klosterneuburg nach Wien im Eisenbahn-Coupe erlaubte, kommt uns nachstehend verbürgte Mittheilung zu: Vor etlichen Tagen reiste eine Gesellschaft, in der sich fünf Damen befanden, mit der Franz Josef-Bahn von Tulln aus nach Wien. In Klosterneuburg stieg der Briefträger Franz Frank aus Wien ein und verkürzte sich die Zeit mit antisemitischen Reden und Schimpfereien. Niemand reagirte, bis endlich die im Coupe befindliche Frau Hermine W., Gattin eines bekannten reichen Holzhändlers, welche gerade mit dem gleichfalls anwesenden Gerichtsauscultanten Doctor Heinrich L. im Gespräche begriffen war> dev. antisemitischen Briefträger ersuchte, doch endlich einmal ruhig zu sein. Bemerkt sei, daß Frau W. Katholikin ist; nichtsdestoweniger tvurde sie jetzt vom Briefträger, der sie für eine Jüdin hielt, insultirt. Nun erst wandte sich Dr. L. gegen Frank, hielt demselben das Ungeziemende seines Benehmens vor und mahnte ihn zum Schweigen. Darauf höhnte der Briefträger: „Aha! Gewiß sind Sie auch so a Jud!" Eine andere, daneben sitzende Dame rief ihm zu: „Der Herr benimmt sich jedenfalls sehr anständig, aber Sie benehmen sich ärger als ein S . . jud!" Hierauf näherte sich Frank den Damen und machte eine schamlose Aeußerung, die sich nicht einmal andeuten läßt. Sämmtliche Damen wandten sich unter Schreien entsetzt und entrüstet ab. Dr. L. versprach, er werde bei der Ankunft im Bahnhofe das Nationale des Passagiers durch die Sicherheitswache feststellen lassen; allein dieser behauptete, er sei Detective, er brauche nur sein Abzeichen hervorzunehmen, um in Wien alle im Coupe Befindlichen arretiren zu lassen. Da lief aber der Zug auch schon in der Halle ein und der antisemitische Held drängte sich plötzlich zur Coupe-Thür und sprang noch während der Fahrt ab. Hierauf gelangte er aus dem Regen erst recht in die Traufe, denn ein Wachmann nahm ihn sofort wegen, Übertretung der bahnpolizeilichen Verordnungen fest und ecsortirte ihn ins In-