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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-08-04 · 31 (4.8.1893) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
31 (4.8.1893)
Date
1893-08-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Oestrrrrichischr WochrnschrM Sette 579 Nr. 31 Dir ihr Leben, viele Arbeiterfrauen das Leben und Gesundheit ihres Ernährers und ihrer Kinder zu danken haben. Du warst ein Vater d:r Arbeiter und aufrichtig wird Dein Heimgang von uns beweint." Das war allerdings, als man Adolf Fischhof begraben und man sicher war, daß dieser Jude keine Gelegenheit mehr finden wird, einen ärztlichen Posten zu verlangen. Emin Pascha. Die „N. Fr. Pr." vom 28. Juli bringt folgende Zuschrift: „Geehrtester Herr! Obgleich es für mich vollkommen gleichgiltig ist, ob Emin Jude, Christ oder Mohammedaner war und ist, die Hauptsache, daß er Christ wurde, gibt ja Herr Dr. Güdemann selbst zu. In dem von mir citirten Werke: „Emin Pascha, eine Sammlung von Reisebriefen und Berichten Dr. Emin Paschas rc.", heißt es wörtlich pag. VII, Einleitung: „Eduard Schnitzer wurde am 28. März 1840 zu Oppeln in der preußischen Provinz Schlesien geboren, als Söhn des Kaufmannes. Ludwig Schnitzer (gestorben 1845) und seiner Ehefrau Pauline, geborenen Schweitzer, Beide evangelischer Confessiou." Wie Sie aus meiner Schrift ersehen, die ich anbei folgen lasse, hatte ich nicht „Schweizerin", sondern „Schweizer" geschrieben. Es muß also entweder ein Druckfehlervorliegen oder ein Flüchtigkeitsfehler seitens meiner Abschreiberin. Die Hauptsache scheint mir die zu sein, daß ja Emin, den neuesten Nachrichten nach, lebt und daß ihm nur die Mittel, fehlen, zur Küste zu kommen. Diese werden ihm hoffentlich baldigst zugehen. In größter Hochachtung ergebenst . Godesberg, am 24. Juli. Gerhard Rohlfs. Demgegenüber constatiren wir: „In dem Synagogal- Geburtsregister der Stadt Oppeln findet sich unter „Geburtsregister für das Jahr 1840" in hebräischer Eurrentschrift eingetragen: „Nr. 6 L. Schnitzer Kaufmann" und dann: vtk Y3 '8 Yftapr« pnr noSts> 'n Siiyj* (d. 29. März 1840). „Nr. 6 das Kind Jsaac, Sohn des Leb Schnitzer, geboren an einem Sonntage, dem 24. des Monates Adar des Jahres der Welt 5600, die Beschneidung vollzog Salomon Berliner." In dem Register der jüdischen Gemeinde des Magistrats in Oppeln findet sich dagegen vermerkt: „Eduard Schnitzer, geboren 29. März 1840, Sohn des Kaufmannes Louis Schnitzer". Der Vater hatte sich also seinen eigenen Vornamen „Lebel" in „Louis" und den des zukünftigen „Emin" aus „Jsaac" in „Eduard" modernisirt. Der Großvater Jsaac's, Josef Schnitzer, wanderte aus Krzepitz in Polen nach Oppeln ein und heiratete dort die Tochter eines wegen seiner Gelehrsamkeit und Strenggläubigkeit — er verrichtete häufig Rabbinerdienste — hochgeachteten Juden Pappenheim, auch Oppeler genannt. Emin Paschas Vater heiratete Fräulein Pauline Schweitzer, Tochter des jüdischen Banquiers Moritz Schweitzer, in Neisse. Jsaac, alias Eduard Schnitzer kam als dreijähriges Kind mit seinen Eltern nach Neisse, wo sein Vater im Jahre 1845 starb und seine Mutter sich zum zweitenmale, diesmal mit einem Christen, vermählte, nachdem sie selbst den christlichen Glauben angenommen hatte. Zu bemerken ist ferner, daß der verstorbene Hofrath Dr. Schnitzer in Berlin ein Bruder des L. Schnitzer war; deren Vater, Joseph Schnitzer hatte eine Tochter (rrSne) des seligen R. Simon Oppeler, alia5 Oppenheim, Verfassers der mns und jnyn\ Die getaufte Mutter Emin Paschas lebt noch in Neisse als verehelichte Treftz. Es darf wohl keinem Zweifel unterliegen, daß Emin Pascha als Getaufter zum Mohammedanismus übertrat. Ueber die Confession Emin Paschas veröffentlicht ein Gewährsmann der „Kölnischen Volkszeitung", welcher in mehrjährigem persönlichen Verkehr mit Emin gestanden, intereffante Einzelheiten. Ueber die Religion Emins kann der Verfasser keine Auskunft geben. Direct um seine religiöse Ueberzeugung befragt, antwortete Emin selbst: „Sie haben den Beweis, daß ich alle Religionsgenossenschaften achte und respectire und auch ihre inneren Einrichtungen kenne; was aber meine innerste Ueberzeugung ist, darüber befragen Sie mich lieber nicht." Selbst der intimste Freund, den Emin Pascha in 'Afrika hatte — Consul Hansal — hat nie erfahren, welcher Religion Emin eigentlich huldigte. Einem Hamburger Professor schrieb Emin, nachdem der betreffende Herr ihn um Mittheilung .seiner Personalien ersucht hatte, noch 1882 u. A.: „Mein lieber Herr Professor bekümmern Sie sich um die schönen Vögel, die ich Ihnen sende, aber nicht um meine Vergangenheit". Der Protestant konnte in ihm einen Protestanten verrauchen, der Katholik einen Katholiken, da Emin mit allen Einrichtungen der katholischen Kirche und den verschiedenen Obliegenheiten ihrer Priester vollkommen vertraut ist. Dem Moslem sagte er den Koran auf und dem Juden den Talmud. Mit all' deren religiösen Hebungen und Gebräuchen zeigte er sich vollkommen vertraut. Er besuchte den Gottesdienst der verschiedensten Culte und war überall zu Hause. Einige Regierungsbeamte, die ehemals in Constantinopel waren, erinnerten sich, Emin dort gesehen zu haben. Sie erzählten, daß er m eine Haremsverschwörung und dergleichen verwickelt und deshalb seine hohe Stellung aufzugeben und in der Flucht sein Heil zu suchen gezwungen gewesen sei. Verläßliches ist hierüber nicht bekannt. Was schließlich seine Sprachengabe betrifft, so spricht und schreibt er vollkommen: Deutsch, englisch, französisch, italienisch, spanisch, griechisch (ob nicht auch Polnisch und russisch, ist mir nicht mehr erinnerlich), ebenso die orientalischen Sprachen: Türkisch, persisch, arabisch und amharifch mit ihren Dialecten. Dazu versteht er die verschiedenen Negerdialecte seiner Provinz". * * * Von der kleinen Ferida, dem Töchterchen Emin Paschas, ist zwar »viederholt in den Blättern die Rede gewesen, aber bisher verlautete noch nichts Näheres über dieses interessante Persönchen. Herr Eugen Wolf, der bekannte Afrika-Correspondent, schreibt nun von Bord des „Kaiser" im Golf von Suez, Juli 1893, dem B. T.: „Ferida" — man nennt sie regelmäßig Ferry — ist meine liebe Nachbarin auf dem Postdampfer „Kaiser"; sie übt auf mich, wie auf alle Passagiere einen mysteriösen Reiz aus, dieses aus der Wildheit stammende Wesen. Die Augen — sie scheinen das ganze Köpfchen einzunehmen — sind vom feurigsten Schwarz, das exotische Schmachten dieser glühenden Kohlen wird von auffallend langen tiesdichten, wie schwarze Straußfederchen überhängenden Brauen theilweise beschattet; sie strahlen einen hätschelnden Blick aus, ähnlich dem jungen Spielkätzchen. Das Rüschen ist kurz und sein, die Nasenflügel dünn und durchsichtig; durch ihre ätherische Beweglichkeit drücken sich alle Gesühlsempfindungen aus. Das Mündchen ist etwas voll, aber fein abgerundet, es läßt dem Kenner den Schelm erkennen. Die Zähne sind groß, weiß, aber vernachlässigt, der kleinen Ferry blieben Sitzungen beim Zahnarzt bisher erspart. Das kohleupechrabenschwarze Haar ist dicht, etwas rauh, wie das Haar eines ungepflegten Füllens auf grüner Weide; um die Stirne spielt es in niedlich feinen natürlichen Löckchen. Welch eigenthümliche Hautfarbe! Ein helles, aber trotzdem gesättigtes, ganz mattes Gold von stahlblauen Aederchen durchzogen, so eine Art Terracottafarbe, ähnlich dem noblen Cachet der dänischen Terracottaväschen. Ihr Körper ist schlank, Proportionirt, Taille, Fuß- und Armgelenkknöchel fein. Der Gang frei, von einer natürlichen, angeborenen Grazie. Die Stimme warm, weich und tief, tief wie die einer Altistin. Wie glücklich die neunjährige Ferry mit ihrer blonden Puppe aus „Uleia" (Europa) spielt! Wie sie sie badet, wickelt, pudert, frisirt, parfümirt und brennt, wie sie ihr himmelblaue Kleidchen, grüne Hütchen, blaue Armbänderchen, rosa Strümpfchen, Goldkäferschuhchen, violette llnterröckchen und gelbseidene Hemdchen an- und auszieht. Muß doch Alles bunt sein, wenn es bei „Ferry" Beifall haben soll. War doch bisher Alles um sie „bunt" vom Hat-el-Estiva, von Wadelai bis nach Bagamoyo. Und erhoffen wir doch Alle für das vielleicht jetzt elternlose, seltsam geheimnißvolle Wesen, daß ihm auch die Zukunft bunt und farbenreich bleiben möge. Wie sie sich freut, wenn man ihren Geschmack, ihre Puppe bewundert. Wie der merkwürdige Augenaufschlag größer und größer wird, mich fragend durchdringen will, ob ich denn ihre Puppe auch wirklich liebe, und wie das Kind auHhaut und liebevoll wird, wenn es Zutrauen gefaßt hat. Wie es sich anschmiegen kann an den „Musungu" (Deutschen), der ihm von all den Ländern erzählt, durch die er gezogen, der mit ihm abwechselnd in Kisuaheli, deutsch, französisch und italienisch scherzt — denn die kleine Ferry spricht fünf Sprachen geläufig. Dann setzt sie sich wieder stundenlang allein; die großen Augen verlieren sich träumerisch in der Ferne, man sieht es dem Köpfchen au, daß es nachdenklich und ernst, weit, weit weg schweift, daß die Gedanken unstät und nicht znm Ziele kommen können. „Ferry, an was denkst Du?" — „Je pense ä papa!“ Arme Ferida! * * Am Freitag Abend ist das Töchterchen Emin Paschas, Ferida, in Begleitung einer früheren Angestellten des Hospitals in Bagamoyo, Frau Schüler, und der Schwester Lies in München eingetroffen. Ein Vertreter der „M. N. Nachr." hat am Sonnabend Ferida einen Besuch abgestattet, über welchen er Folgendes berichtet: „Ich konissinnen- Schwester Lies, einer Dame, die die bekannte schwarze Diawurde von tracht trug, empfangen. Schwester Lies ist eine ebenso liebenswürdige wie energische Dame: ihr glaubt man es, wenn sie sagt, sie habe selbst die größten Schwierigkeiten nicht gescheut, um Ferida aus den Händen ihrer von Emin selbst zugegebenen Pflegerin, einer schönen, aber oiabolischen Araberin, zu reißen, die, wohl wissend, daß Ferida in Bagamoyo ein sehr stattliches Vermögen besitze, den egoistischen Plan hatte, das vaterlose Kind nach Egypten einst mit fvrtzuführen, um die Nutznießung von feinem Vermögen sich anzueignen. Dieses Vorhaben aber vereitelte Schwester Lies, von dem Gouverneur-Stellvertreter in Bagamoyo kräftig unterstützt, und so konnte die Dame denn Anfangs Juli mit ihrem Schützling von Bagamoyo aus die Reife nach Deutschland antreten, wo Ferida im Kreise der Familie der Schwester Emins (in Neisse) eine neue Heimat finden soll. Und auch eine glücklichere! Denn die Araberin ließ das arine Ding verwildern; sie scheute sich nicht, es sogar am ganzen Körper — zu tätowiren!

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