Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 31 (4.8.1893)
- Date
- 1893-08-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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"aa' 11 'r 1 rrr Nr. 31 Prager Münze etwas mehr als 42 Millionen geprägt worden sein, wonach also der Gesammtgewinn hiesür allein beiläufig 12 Millionen betragen haben würde. Es liegt aber eine Berechnung vor, wonach die Theilnehmer mehr als 17-76 Millionen gewonnen haben sollen, eine Angabe, die der Wahrheit näher zu kommen scheint, da auch die anderen Münzstätten bedeutende Summen ausprägten. Der jedenfalls colossale Gewinn erklärt sich zumeist dadurch, daß nicht aus der Wiener Mark, sondern aus der geringeren Prager Mark, die beiläufig eine Ausbeute von 71 Gulden 16 Kreuzer hätte ergeben sollen, 79 Gulden geprägt wuroen; später wurden aber auch noch Münzen von geringerem Gehalte geprägt, und zwar aus 1 Mark Silber 110 fl.. Wie Gindely, auf Actenstücke sich stützend, hervorhebt, wußten'die Theilnehmer, mit dem Gewinne bei der Münzfälschung nicht zufrieden, auch bei der Zahlung der ftipulirten Pachtsumme von 6 Millionen ihren Vortheil zu finden, „indem sie einmalige Zahlungen zweimal aufrechneten und so den Kaiser um einen großen Theil der vereinbarten Summe betrogen. Das Cvnsortium ließ sich zwar eine Quittung ausstellen" — sie trägt die Unterschrift Hanns Mathias Glauchau — „als ob 6 Millionen gezahlt worden wären, die spätere Untersuchung ergab jedoch, daß dies nicht der Fall war und daß man den Kaiser durch doppelt verrechnete, aber nur einmal geleistete Zahlung beschwindelte." Dazu kam, daß die an den Kaiser abgelieferten Beträge in schlechter Münze bestanden. Den größten Vortheil hatten die adeligen Herren, welche sich an dem Kaufe der in Böhmen confiscirten Güter betheiligten, indem sie den Kaufpreis in dem entwertheten, oder wie der amtliche Ausdruck damals lautete, in langem Gelbe entricht teien. Um ein Beispiel anzuführen, kaufte der Vertrauensmann des Kaisers, Fürst Eggenberg, die Herrschaften Worlik, Klingenberg, Chenov für fl. 384.534'30; hierauf zahlte er in gutem Gelbe fl. 24.514-13 4 Pfg., in langem oder entwerthetem Gelbe fl. 352.365, den Rest war er nach einem Menschenalter noch schuldig. Daß Eggenberg nicht der einzige war, der die Verhältnisse auszubeuten suchte, braucht nicht erst gesagt zu werden. Mancher adelige Name, der zu den glänzendsten gehörte, suchte auf diesem Wege sein Besitzthum zu mehren und durch wahrhaft geriebene Mittel dem Fiscus ein Schnippchen zu schlagen. Auch der Statthalter von Böhmen, Fürst Carl Liechtenstein, hat durch dasselbe Mittel seinen Güterbesitz auszudehnen verstanden. Im Jahre 1614 verlieh ihm Kaiser Mathias das Herzogthum Troppau und erhob ihn in den böhmischen, ein Jahr später in den R e i ch s f ü r st e n st a n d. Er war daher der e r st e Fürst dieses Hauses. Wir haben nicht vernommen, daß Prinz Liechtenstein dem Fürstentitel entsagt hätte, der seinem Hause bei jener Gelegenheit verliehen worden, oder die Reichthümer restituirt, welche sein Urahn bei jener bedenklichen Valutaoperation für seine Nachkommen zusammengeschaart hat. Prinz Liechtenstein sollte der Letzte sein, historisch-kritische Untersuchungen über die Legitimität erworbener Vermögen öffentlich zu veranlassen. Um die Hebung und Festigung des österreichischen und ungarischen Staatscredites hat speciell Baron Albert Rothschild sich Verdienste erworben, die namentlich ungarische Staatsmänner jederzeitmit patriotischer Wärme anerkennen, und Prinz Alois Liechtenstein hat es selber wiederholt anhören müssen, wie der österreichische Handelsminister im offenen Parlamente die Verdienste des Herrn von Taussig um die österr.Staatsinteressen anerkannte, während die öffentliche Wirksamkeit des edlen Prinzen bisnun sich darin erschöpfte, die Völker zu entzweien, die niederen Jnstincte zu reizen, die Leidenschaften zu entflammen, den Bürgerzwist zu schüren. Jndeß dürfte er sich gewaltig irren, über die schließlichen Resultate seiner Wühlarbeit. In Deutschland hat Herr Ahlwardt Herrn Stöcker abgelöst, auf Ad. Wagner solgteB ö ckel, der Kampfruf hat sich'geändert, es gilt nicht mehr gegen „Juden und Judengenossen", sondern gegen „Junker und Juden" zu streiten, und man darf es als zweifelhaft erachten, wer von beiden in den antisemitischen bis zum Fanatismus verhetzten Bauernkreisen eigentlich mehr gehaßt wird, der jüdische Capitalist oder der christlich-conservative Grundbesitzer. Und auch in Oesterreich wird es nicht anders sein. Kommt einmal die große Abrechnung, dann wird der subtile Unterschied zwischen mobilem und immobilem Capital wenig gelten, und das sociale Programm von Karl Marx lautet kurz und scharf: „Expropriation der Expropriateure". Wir werden sehen, ob dann für den Prinzen Liechtenstein eine Ausnahme gemacht werden wird. __ Seite 577 Rom und Rlagrnfurt. In Klagenfurt erscheint dreimal wöchentlich ein Blatt „Freie Stimmen" und in seiner Donnerstagnnmmer vorn 20. Juli konnte man lesen: „Die vacante Professur der Geburtsbilfe an der hiesigen Hebammen-Lehranstalt muß in der kürzesten Zeit besetzt werden. Man sieht dieser Besetzung in ärztlichen und auch außerärztlichen Kreisen mit Spannung entgegen, Unter den achtzehn Bewerbern befindet sich nämlich auch ein israelitischer Arzt in Wien, dessen Aussichten für die Erlangung der Stelle nicht die schlechtesten sein sollen. Für den Fall, als der Betreffende wirklich den hervorragenden Posten in Kärnten erhält, scheint uns die eine Folge bedenklich, daß er sich bestreben wird, ärztliche Glaubensgenossen, deren es ja in Wien und Niederösterreich im Uebermaße gibt, hereinzuziehen, wobei die eigenen Landeskinder zu kurz kämen. Da nun, durch die seit einigen Jahren bestellenden Mediciner-Stipeudien ermuthigt, sich eine genügende Anzahl von Kärntnern dem ärztlichen Berufe zuwendet, so ist es nur ein Gebot der Billigkeit, wenn für diese im Lande selbst Wirkungskreise geschaffen werden, beziehungsweise solche ihnen Vorbehalten bleiben, auftatt sie durch eine zu befürchtende Invasion von anderswo unzähligen israelitischen Aerzten zu beeinträchtigen. Wir und mit uns alle Kärntner hoffen, daß an die eingangs erwähnte Lehrkanzel als würdiger Nachfolger des hochverehrten Professors Dr. Kraßnigg jener sehr befähigte heimatliche Bewerber, welchen auch der Landesausschus; primo loco Vorschlägen dürfte, berufen werde." Die „Freien Stimmen" find ein sogenanntes „liberales" Blatt, aber dieser sogenannte Liberalismus zeigt sich beschränkter und engherziger als das päpstliche Rom im Mittelalter. Das päpstliche Rom hat niemals aus das Glaubensbekenntniß oder auf die Abstammung eines Arztes Rücksicht genommen, sondern auf dessen Tüchtigkeit und humane Gesinnung, und so wurden denn an den päpstlichen Hof jederzeit jüdische Aerzte berufen. Dr. Moriz Stern in Kiel hat soeben den ersten Band einer Sammlung „Urkundlicher Beiträge über die Stellung der Päpste zu den Juden" veröffentlicht, welche eine staunenswerte Fülle gelehrten Materials über die Geschichte der Juden enthält. Eine Reihe der veröffentlichten Urkunden handelt von den Privilegien der jüdischen Aerzte und beweist von Neuem die alte Thatsache, daß die Intoleranz der modernen Germanen unvernünftigere Formen annimmt, als das Mittelalter sie gekannt hat. Auf einzelne Urkunden wollen wir Hinweisen: Rom, 27. April 1376. Mitglieder des römischen Senates erklären, daß Magister Manuel und dessen Sohn Magister- Angelus, beide in der Chirurgie sehr erfahrene jüdische Aerzte, wegen der vielen nützlichen Dienste, die sie den römischen Bürgern täglich durch ihre ärztliche Kunst leisten, nebst ihren Angehörigen von jeder Steuer und Abgabe, sowie von der Tragung des Judenzeichens befreit sein sollen. Rom, 1385, 8. August. Der römische Senat erklärt: Dem Magister Manuel und seinem Sohne Magister Angelus sei wegen ihrer ärztlichen Verdienste von einem Theile des Senats völlige Steuerfreiheit zugesichert worden. Trotzdem verlange die jüdische Gemeinde Roms von den Beiden einen Beitrag zu den 1130 Goldgulden, welche Summe die Juden jedesmal zu den Kosten des Carnevals an die Stadt zahlen mußten. Manuel und Angelus wollten daher fortziehen und sich anderwärts niederlassen, was kein geringer Verlust für das römische Volk sein würde. Da nun die jüdische Gemeinde Roms verarmt sei und auch von den Juden der Umgebung, wie dies früher geschehen, keine Hilfe erwarten könne, beschließt der. Senat, die bisherige Beitragssumme von 1130 Goldgulden um 30 Goldgulden, den auf die Beiden fallenden Theil, so lange Manuel, Angelus und die beiden Söhne des Letzteren leben, zu verringern. Die Genannten aber sollen von dieser oder irgend einer anderen Steuer völlig befreit sein und ebenso an der Verpflichtung aller Contracte, Schulden :c., welche die jüdische Gemeinde eingeht, keinen Antheil haben. 1392, 1. Juli, Rom. Papst Bonifaz IX. nimmt den verdienstvollen jüdischen Arzt Angelus, Sohn des Manuel, von Trastevere unter die päpstlichen Aerzte und Hausgenossen auf. 1399, 6. April, Rom. Papst Bonifaz IX. bestätigt seinem Chirurgen und Hausgenossen, dem Juden Angelus in Vrsterrrtchifchr Wochenschrift