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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-08-04 · 31 (4.8.1893) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
31 (4.8.1893)
Date
1893-08-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sette 576 Oesterretchiptze Wochenschrift Nr. 31 Haus, Ostrom, eine kleine Wanderung durch vier Jahrhunderte, Dr. Josef Deckert, der convertirte Jude Paulus Mayer (Protestant) und das „Vaterland", als Kläger die Juden aus Ostrom. Der Gerichtssaal mird ein interessantes Schauspiel bieten. Wollten wir eine detaillirte Vorgeschichte des Processes geben, so müßten wir eine Unzahl von Artikeln und Mitcheilungen aus der „Oesterreichischen Wochenschrift" wiederholen. Wir müssen uns begnügen, aus dieses Material zu verweisen. Dm Pfarrer Dr. Josef Deckert kennt man nicht nur als Schriftsteller, sondern man bewundert ihn auch als proceßgewandt in der Geschichte von der als Haupttreffer figurirenden „Villa in der Luft", und man weiß, daß er unermüdlich ist im Berichtigen. Jetzt wird er durch den Brief des Paulus Mayer gezwungen, in Gesellschaft des Genannten, über dessen Vergangenheit wir heute nicht reden wollen, im Gerichtssaale zu erscheinen. „Trau, schau, wem?" sagt ungefähr Dr. Josef Deckert, indem er zur Vorsicht mahnt, in seinem Buche. Ja, wenn wir die Regeln immer zu beobachten wüßten, die wir Andern erthcilen. Im Frühjahre erschien das Buch des Dr. Josef Deckert und bald darauf tauchte Paulus Mayer an die Oberfläche empor. Die Voruntersuchung hat sich verzögert, weil die Feststellung der Identität der Klager, wie dies bei der Verschiedenheit der Sprache und der Gerichts-Einrichtungen natürlich erscheint, mit gewissen Schwierigkeiten verknüpft war. Vertreter der Klage ist der Hof- und Gerichtsadvocat Dr. I o s e f K o p p. Die Schlußverhandlun^g dürfte in derer st e n Hälfte des Monates September stattfinden. ___ Prinz Liechtenstein üher die kaiserlichen Auszeichnungen. Dienstag, 1. August, publicirte der „amtliche Theil" der „Wiener Zeitung" nachstehende „Allerhöchste Entschließung": „Se. k. u. k. Apostolische Majestät haben mit Allerhöchster Enffchließung vom 29. Juli d. I., dem Chef des Bankhauses S. M. von Rothschild in Wien, Albert Freiherrn von Rothschild, den Orden der Eisernen Krone erster Classe taxfrei, ferner dem Präsidenten des Berwal- ' tungsrathes der priv. österreichischen Creditanstalt für Handel und Gewerbe, Karl Ritter Weiß von Weißenhall, sowie dem Director der priv. allgemeinen österreichischen Bodencreditanstalt, Theodor Ritt, v Taussig, den Stern zum Comthurkreuze des Franz Joseph-Ordens und dem Director der priv. österreichischen Creditanstalt für Handel und Gewerbe, Gustav Ritter v. Mauthner, Len Orden der Eisernen Krone zweiter Classe mit Nachsicht der Taxe allergnädigst zu verleihen geruht." Am selben Tage publicirte das „Deutsche Volksblatt" eine Rede des Prinzen Alois Liechtenstein, gehalten in Ried, N.-Oe., am 31. Juli, in welcher die kaiserliche Entschließung im Voraus in folgender Weise kritisirt wird. Prinz Liechtenstein kehrt sich speciell gegen die Auszeichnung des Baron Albert Rothschild und sagte: „Ich weiß nicht, ob er es wünscht. An seinem Verdienste aus Anlaß und bei Gelegenheit der Goldanleihe und der Convertirung ist nicht zu zweifeln. Er muß sehr viel verdient haben, mehr als er je eingestehen wird. Für solche Fälle sollte man ganz specielle Decorationcn stiften und austheilen: etwa den Orden der eisernen Casse, statt jenen der Eisernen Krone. Das Bewußtsein, mit dem Staate Oesterreich-Ungarn ein brillantes Geschäft gemacht und Millionen in ein paar Monaten gewonnen zu haben, ist Lohn, der reichlich lohnet. Eine einfache Gratulation unserer Regierung, andie Adresse des Welthauses gerichtet, das seinen Bortheil so klug und nachhaltig wahrzunehmen weiß, würde meiner Ansicht nach genügen." „Aber die Eiserne Krone, der Stahlreif, welcher das Haupt der Longobardenkönige schmückte, den Carl der Große bei seinem Römerzug erwarb und auf die deutschen Kaffer vererbte, scheint mir für andere symbolische Zwecke passen zu wollen. Dies treue, keusche Eisen vergönne ich dem Krieger, der für Oesterreich in der Schlacht Wunden davontrug; dem Beamten und Staatsmanns, der.für Oesterreich in opfervoller Arbeit ergraut ist; warum es als Zuwage auf den Haufen schnöden Goldes legen, das der unbeholfene Staat seinen Geldvermittlern in den Schooß wirst." Einekais. Entschließung, ohne Gegenzeichnung eines Ministers, unterliegt, als eigenster Willensact der Krone, keiner öffentlichen Kritik, indeß Prinz Liechtenstein erlaubt sich mancherlei, was kein zweiter Sterblicher wagen wird. Der Kaiser hat die Männer ausgezeichnet und Prinz Liechtenstein ergreift die Gelegenheit, sie darum in öffentlicher Volksversammlung zu beschimpfen, und er beschimpft sie, weil sie kaiserliche Auszeichnungen erhielten. Ist das der Weg, die monarchische Gesinnung im Volke zu kräftigen, oder sind derlei Hetzreden nicht vielmehr geeignet, daß Volk gegen jede staatliche Autorität aufzureizen? Und wenn es wahr ist, daß Rothschild, Creditanstalt und Herr von Taussig so viele Millionen bei dem Staat verdient haben, warum tvaren die Fürsten Liechten st ein und Schwarzenberg, deren Reichthümer denen der Familie Rothschild nicht nachstehen, nicht so patriotisch, die Convertirung und die Goldbeschaffung zu übernehmen? Ihnen, einem Fürsten-Consortium, hätte der Staat diese Geschäfte zu ungleich günstigeren Bedingungen übergeben. Unter Kaiser Leopold haben einige Feud alherren den Versuch unternommen, dem Staat eine Anleihe zu vermitteln — aus Neid gegen den jüdischen Finanzmann Oppenheimer. Der Effect war, daß der Staat das Geld nicht erhielt und überdies mit einem beispiellosen Raffinement ausgewuchert wurde; die feudalen Finanzkünstler,, welche Oesterreich aus der „Judenmacht" befreien wollten, — entpuppten sich als die abscheulichsten Blutsauger. Ja, der erste Fürst aus demHause Liechtenstein legte den Grund zu dem Reichthum seiner Familie mit Hilfe einer „Valutaoperation", die nichts anderes als Raub und Diebstahl war und das österreichische Staatsvermögen und das christliche Volk an den Rand des Verderbens gebrächt hat. Karl Liechtenstein, geboren im Jahre 1569, folgte seinem Vater im Jahre 1585. Im protestantischen Glauben erzogen,, trat er später zum Katholicismus über. Im Besitze der Herrschaften Feldsberg und Baumgarten in Oesterreich, Eisgrub in Mähren, hatte er durch seineFrau, eineTochterdes Herrn Schembera auf Boskowitz, sein Besitzthum gemehrt. Am 17. November 1620, einige Tage nach der Schlacht am Weißen Berge, wurde ihm die Landesverwaltung Böhmens übertragen, welch einflußreiche Stellung durch eine ihm am 17. Jänner 1622 vom Kaiser ertheilte absolute Vollmacht noch verstärkt wurde. Eine der ersten Maßnahmen des neuen Statthalters war die Weisung an die Münzämter, aus einer feinen Mark 37 fl. 38 kr. auszumünzen. Bisher waren aus der Wiener Mark 93/4 Thaler ausgebracht worden, was für die leichtere Prager Mark nahe an 8'8 Stück oder 19 fl. 39 kr. ergeben hätte. Fast gleichzeitig verbot er dem Münzmeister Benedict Huebner von Sonnleithner, Silber zu einem niedrigeren Preise als 25 fl. für die Mark zu kaufen, da der Fürst, um die Prägungen in großer Massenhaftigkeit zu betreiben, das Anerbieten eines Juden, Namens Jacob Bassevi angenommen hatte, zu dem erwähnten Preise Ivöchentlich 2000 Mark liefern zu wollen. Einige Tage darauf, am 16. März 1621, wurde diese Weisung dahin abgeändert, daß das Münzamt von anderen Personen zum Verkauf gebrachtes Silber mit 22 fl. zu bezahlen hätte, während Bassevi 25 fl. erhalten sollte. Nachdem im Laufe des Sommers durch Verfügungen des Statthalters vom 11. Juni und 16. August 1621 Werthsteigerungen des Thalers angeordnet worden waren, wurden die Münzämter am 16. September angewiesen, „zu desto stärkhern Beförderung und Forttreibung des kaiserlichen Münzwesens, damit kein Mangel an Silber und Pagament erscheine", dem Jacob Bassevi 27 fl. für jebe Mark, und zwar vom 1. August an, zu bezahlen; später wurde der Preis auf 29'/z fl. festgestellt. Der Gewinn des Consortiums bei diesem öffentlichen Diebstahl am österreichischen Volke war in den ersten Monaten, insolange die ganze Operation tiefes Geheimniß blieb, ein großer, verringerte sich aber später, als der Silberpreis stieg. Gindely führt eine im Jahre 1638 angestellte Berechnung an, wonach der Gewinn bei einer Prägung von 30 Millionen,, die schon in den ersten zwei Monaten ferttggestellt waren, 9 Millionen betragen haben soll. Im Ganzen sollen in der

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