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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-08-04 · 31 (4.8.1893) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
31 (4.8.1893)
Date
1893-08-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 31 X. Jahrgang. ♦ 1% Wie«, 4. August 1893. I Centralorgan für die gesammten Interessen des Iudenthums Eigrnthümrr: Reichsralhs-A-geordneter vr. Kloch -—:— K. ft. Popfxku-rkllsrns'nt Tlraringvrrkrtzr Nr. 810.V7S. UrdsrUon und RdministraUon: Franr Jofrfs-Nnsl Dr. 8. Telephon-Nr. 6535. Inhalt: Leitartikel: Der Proceß eootra. Paulus Mayer und Genossen- — Prinz Liechtenstein über die kaiserlichen Auszeichnungen. — Rom und Klagenfurt. — Ein in Pascha. — Branchen die Inden Christenblut? — Vom echten deutschen Manne. — Correspondenzen: Wien, Ischl, Czernowih, Berlin, Neu-Strelitz, Warschau, Petersburg, Bukarest, New-Dork, Rio de Janeiro, Surinam. — Vermischtes: Wien, Wien-Mariahilf, Straßnitz, Karlsbad, Brünn, Prag, Triest, Bozxn, Krakau, Sambor, Kolomea, Budapests Breslau, Posen, Sprottau, London, Kairo, New-Port, Alexandrien. — Josephine und der Magier. — Feuilleton: Fürstengujift XVIII. — Wochenkalender. — Briefkasten. — Inserate. Der Proretz contra Paulus Mayer und Genossen. Am 4. August winde beim Landesgerichte in Wien nach abgeschlossener Voruntersuchung und beendigten gerichtlichen Vorerhebungen, die Klageschrift überreicht gegen Paulus Mayer, den Pfarrer Dr. Josef Deckert und das „Vaterland" wegen jenes im „Vaterland" veröffentlichten Briefes, der mit der Unterschrift des Paulus Mayer versehen war und in welchem der Unterschrift nach Paulus Mayer als Augenzeuge einen Ritualmord erzählt und die Personen namhaft macht, die sich in Ostrow, dem Schauplatze des angeblichen Verbrechens, an diesem Morde betheiligt haben sollten. Das „Vaterland" hat den Brief gedruckt und veröffentlicht, Dr. Josef Deckert hat den Brief zur Veröffentlichung übermittelt und Paulus Mayer wird als der Schreiber des Briefes angesehen. Daraus erklärt es sich, daß die Klage auch auf den Pfarrer von Weinhaus und auf das „Vaterland" ausgedehnt werden mußte. Die Klage geht von den Juden aus der russischen Stadt Ostrow aus, die sich verleumdet, in ihrem guten Rufe angegriffen, in ihrer Ehre beleidigt fühlen durch die Beschuldigung, einen Mord begangen zu haben, sie geht auch von Jenen aus, welche die Ehre ihrer Angehörigen wahrzunehmen haben, die bereits im Grabe liegen. Kläger sind also vor Allem der Rabbiner Jankel Rabin o w i c z in Mala (Russisch-Polen), Schwiegersohndes1873 zu Warschau verstorbenen Ostrower Rabbiners Iehoschua Lentschna, welch Letzterer den angeblichen Mord 1875 in Ostrow begangen haben soll, und Rachel Rabinow i c z, die Tochter dieses Ostrower Rabbiners. Kläger sind ferner Moses R o s a n k e r, genannt M o i s ch e B e r is ch e s, und Israel Fro st, genannt Srul Partzewar, welche Beide als Schamossim derzeit beim Rabbiner in Biala leben und früher bei dessen Schwiegervater, dem Rabbiner in Ostrow, geweilt haben, — die beiden sogenannten Assistenten und Mithelfer bei dem angeblichen Kindesmorde in Ostrow. Endlich S a m u e l W a s s e r st r o m aus Tarlo, genannt S ch m u l T a r l e r, der sogenannte Kinderlieferant. Schon die Vorgeschichte des Processes läßt die Bedeutung desselben erkennen und n 3 . gew'ß, daß demselben ein ungewöhnliches ,.ije inne wcbnen wird. Das Frühjahr war im Anzuge, als in einem antisemitischen Leipziger Verlage das Buch des Dr. , Josef Deckert erschien, welches die Geschichte der Ermordung des Knaben Simon in Trient von Neuem aufwärinte. Die Juden in Trient waren damals das Opfer eines Justizmordes, i Der bischöfliche Palast war der Mittelpunkt einer gegen die > Juden gerichteten Verschwörung. Man suchte nur nach einem Vorwand, um die Juden verfolgen zu können. Man hatte nach erprobtem Beispiele eine falsche Beschuldigung gegen die Juden ersonnen. Die Justiz war damals in Trient, wie in vielen anderen Orten ein gefügiges Werkzeug, was Dr. Josef Deckert in seinem Buche mit Recht hervorhebt. Er beklagt es auch, daß unsere Justiz nicht ausreicht, um Beweise für den Ritualmord herzustellen und er blickt mit schmerzlichem Bedauern auf die verschwundene Tortur zurück, welche geeignet war, die schönsten Geständnisse zu erpressen. Das Buch des Dr. Josef Deckert wurde in der „Oesierreichischen Wochenschrift" ausführlich besprochen; die logischen Fehler und Lücken, die historischen Jrrthümer des Buches wurden aufgedcckt und Dr. Josef Deckert griff zu einem äußersten Mittel, zu der stärksten seiner Künste, um seine Anschauung über den Ritualmord zu vertheidigen. Es wurde ein Schlag vorbereitet, der S Alles niederschmettern sollte. In aller Erinnerung sind die Vorgänge in Kol in, wo ein ärztliches Gutachten das Blutmärchen vernichtete. Nun versuchte man es in H o l l e s ch a u mit dem Dienstmädchen KarolineSchnula und mit der Bettlerin K atharin a Schönbaum, welche man angestiftet hat, gegen die beiden Tandler, Vater und Sohn, die Blutanklage zu erheben. Die Angeschuldigten wurden verhaftet und als Mörder behandelt. In Folge dieser Verleumdungen kam es auch zu Straßenexceffen und zu Bedrohungen der Juden in Holleschau. Nach drei Tagen mußten die Verhafteten als schuldlos entlassen werden. Gegen die interessanten „Opfer" mußte der Staatsanwalt wegen Verleumdung die Anklage erheben. Bei der Schlußverhandlung gegen die beiden Frauenzimmer sagte der Staatsanwalt in seiner Rede: „Der Arrangeur kam heute nicht ans Licht, er müsse aber eine mächtige Persönlichkeit sein, weil sowohl die Schnula wie die Schönbaum eher der Strafe sich unterziehen, als seinen Namen zu nennen." Wer ist nun diese wichtige Persönlichkeit? Derjenige, der die beiden Weiber bezahlte, kann ihnen als „mächtige Persönlichkeit" erscheinen; aber auch er ist nur ein Werkzeug, und für hohen Sold, den er empfangen, wählte er Weiber aus, denen er am Wenigsten zu zahlen brauchte. J"d r n auch dieser Anschlag endete mit einer Blamage fm gehet nnißvollen Betheiligten: „es war wieder nichts". Endlich hatte man den lÄenden Augenzeugen eines Ritualmordes in Gestalt des Paulus Mayer gefunden und so bildete die Darstellung eines ehemaligen russischen Juden über einen angeblichen Ritualmord in Ostrow den Epilog für das Buch des Dr. Josef Deckert. Das ist gewiß ein sehr beziehungsreicher Proceß, Trient, Holleschau, Wein-

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