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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-07-28 · 30 (28.7.1893) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
30 (28.7.1893)
Date
1893-07-28
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. BO Vesterrrichiphe Wochrnschrist Seite 571 so mit völligem Unterordnen seiner eigenen Wünsche, daß, wenn es Dein wahres Glück gilt, er — so schwer es ihm auch siele — von diesen beiden Anforderungen Abstand nehmen würde. An was er aber mit unerschütterlicher Festigkeit halten wird und worin ich ihm auch vollkommen beipflichte, das ist die Forderung: Daß an der Schwiegertochter, die Du uns zuführst auch nicht der leiseste Schein eines Makels hafte. Das lieber Sohn, müssen wir um Deinet- und um unserer Willen fordern." Meine liebe Mutter hatte in meiner Seele wie in einem aufgeschlagenen Buche gelesen, und als sie mich erbleichen sah, fuhr sie mit ihrer milden Stimme fort: „Erschrick nicht mein Sohn, ich will nicht Deine Hoffnungen zerstören, im Gegentheil, ich will's mit Gottes Hilfe versuchen, Dich an das erwünschte Ziel zu bringen, doch will ich nicht eher mit Deinem Vater sprechen, als bis ich erkenne, daß dies eben möglich ist. Eva gefällt mir und wird, ich hoffe, auch Deinem Vater gefallen. Der vielbeschäftigte Mann, der größte Kaufmann in Mähren, der nach meines Vaters Tode auch dessen anstrengendes Amt als Vorsteher von Nikolsburg und Landesältester von Mähren übernommen, kennt sie noch nicht, er hat in der Thal nicht Zeit, Alle, die er beschützt und unterstützt, persönlich kennen zu lernen. Daß sie arm, blutarm ist, wird ihm recht unlieb, aber ganz gewiß nicht Grund genug sein, seine Einwilligung zu'versagen, allein das wirst Du mein lieber Sohn, begreifen, wenn EvaDein Weib werden, ja wenn ich auch nur mit Deinem Vater darüber sprechen soll, muß der Schleier des Geheimnisses fallen, in dem sich Mutter und Tochter hartnäckig hüllen. Mann und Weib müssen Eins sein in Geist und Seele und nicht das Geringste aus der Vergangenheit deA Einen darf dem Andern verborgen bleiben. Ich kann's nicht länger ansehen, daß Du, in bangen Zweifeln Dich verzehrend, traurig fortlebst, wir wollen über Alles Wahrheit und Klarheit erlangen." „Aber Mütterchen", hatte ich sie hastig unterbrochen, „Du hast ja schon Frau Dina befragt und sie hat Dir jede Auskunft — wie sie ftdj ausgedrückt — aus die Gefahr hin verweigert, daß Du Deine Hand von ihr abzögst, daß sie und ihr geliebtes Kind von Neuem schutzlos in Elend und Verzweiflung versinken müßten! . . . Was könnte sie veranlassen, ihren Entschluß zu ändern?" „Der Wunsch, ihr Kind glücklich zu machen", erwiderte meine Mutter. „Ich habe mir die Sache folgendermaßen ausgedacht. Du sprichst mit Eva, sagst ihr, daß Du sie liebst, fragst sie, ob sie Dein Weib werden will, wenn sie wahr ist — und ich glaube, daß sie wahr ist — wird sie das nicht verneinen; dann hast Du das Recht, sie über ihre Vergangenheit. ihre Verhältnisse zu fragen, will sie Deine Gattin werden, darf sie Dir Red' und Antwort nicht verweigern. Gleichzeitig aber will ich mit ihrer Mutter sprechen, eine Mutter weiß, was in ihres Kindes Seele vorgeht. Sie wird mir sagen können, ob Dich Eva liebt — dann frag' ich weiter! Wenn eine Frau zur andern, eine Mutter zu der andern spricht, dann finden sich die Herzen leichter. Wenn Dina Leidensdorf erkennen wird, daß nicht blos innige Theilnahme, noch weniger müssige Neugierde mich zu der Frage drängt, wenn sie erkennen wird, daß durch eine wahrhaftige Beantwortung meiner Frage meines und ihres Kindes Glück befördert werden kann, wenn Dina Leidensdorf erkennen wird, daß wir ein gefährliches Geheimniß, das unsere Schwiegertochter und deren Mutter betrifft, nicht minder sorgfältig als sie selbst bewahren werden, dann wird sie offen sein. Liebt Dich Eva und ist das, was sie mittheilt, nicht etwas, was Euere Verbindung unmöglich macht, dann wird, davon bin ich überzeugt, Dein Vater keinen unbesiegbaren Einspruch erheben. Allerdings, wenn Eva Deine Liebe nicht erwiderte oder die Enthüllungen derartige sind, daß sie sie in der That zu scheuen hatten oder — was für uns von gleicher Wirkung wäre — wenn sie auch nach unserem Anträge in ihrem Schweigen verharren sollten, dann lieber Perez müßtest Du als Mann und Jude, gottergeben das tragen, was Dir durch Gottes unerforschlichenl Rathschlusse auferlegt ist." Da Markbreiter einen Augenblick tief aufathmend einhielt, rief Wertheimer; „Sie haben in der That von Ihrer Mutter nicht zu viel gesagt . . . Doch fahren Sie fort, ich befinde mich in der lebhaftesten Spannung." „Ich war mit dem, was meine Mutter sprach, vollkommen' einverstanden, nur bat ich sie, den beiden Frauen in keinem Falle zu grollen, in keinem Fälle ihre milde Hand von ihnen -abzuziehen, und fast hätte mir meine Mutter gezürnt, daß ich das zu vermuthen wagte.... Wir langten in Schönhof an und wurden von dem Verwalter und dessen Frau in gewohnter Weise ehrerbietig empfangen. Meine kluge, auch das scheinbar Unbedeutendste reiflich erwägende Mutter hatte es mit mir vorher besprochen, daß ich sofort mit Landstadt ins Rechenzimmer gehen und dort seinen Bericht über den Gang des Geschäftes entgegen und Einsicht in die Bücher nehmen sollte. Mittlerweile würde sie sich eine Unterredung mit Dina Leidensdorf erbitten, nnd da diese voraussichtlich längere Zeit dauern dürste, würde ich Eva allein finden. Was David Landstadt damals mit mir sprach, schlug unverstanden an mein Ohr, ich blickte zerstreut in die Bücher und brach die Besprechung mit ihm so rasch als möglich ab. Dann ging ich ins erste Stockwerk, wo die beiden Frauen wohnen und fand Eva allein mit ihrer Stickarbeit beschäftigt. Einen Augenblick war ich vor Aufreguug keines Wortes mächtig, dann aber stieß ich hastig die Worte hervor: „Ich habe Wichtiges mit Ihnen zu sprechen; ich habe eine Frage an Sie zu richten, von deren Beantwortung das Gkvck meines Lebens abhängt. (Fortsetzung folgt.) Wochenkalender. Ab 5653. — Juli-August 1893. Freitag I 15 i 28 E. d. N. 8>' 211® Samstag 16 29 Sabbath Nachmu Sonntag 17 30 Montag 18 31 Dienstag 19 1 Mittwoch 201 2 Donnerstag 21 3 Freitag 22 4 Briefkasten. Herrn A. G., Wien. Die sittliche Entrüstung, welche .Vergant angesichts der von Herrn Ehreufeld veröffentlichten „Pikanterien" äußert, mag Ihnen immerhin imponiren, wir wissen nur zu gut, daß dieselbe erheuchelt ist. Als im vorigen Jahre die hervorragendsten Honoratioren des judenreinen St. Pölten in einem abscheulichen Kuppelproceß verwickelt wurden, da war es das „Deutsche Volksblatt", welches in einem schamlosen Artikel mit ekelhafter Lüsternheit einzelne Details der in diesem Processe zur Erörterung gelangten Liebessceuen ausmalte. Wenn die Staatsanwaltschaft sich schon damals gegen dieses „die Unzucht zum lucrativen Gewerbe machende Blatt" zu einem „festen Griffe" entschlossen haste, so wäre sie vollkommen in ihrem Rechte gewesen. Herr Vergani jubelt heute dem Staatsanwalt nur deshalb zu, weil ihm dieser die „jüdische Concurrenz" vom Halse geschasst hat. Im klebrigen hat er vor Herrn Ehrenfeld nichts voraus. I. H. in K. Das ist ein grober Schwindel, eine Speculation auf die leichtgläubigen Dorfleute. Baron Rothschild denkt nicht an eine Wallfahrt und seine Tochter ist auch nicht krank. Die Erzählung ist vom Anfang bis zum Ende erlogen. Der unglücklichen Familie Rosenbaum, II/5., Webergasse 25, Thür 6, ist noch zugekommen: Bon Herrn Singer, Wien fl. 1, Ungenannt fl. —.20, von Herrn Nathaniel Frech, v. Rothschild sl. 10, von Herrn R. v. Taussig fl. 10, Robert und Grethe Montiver, Baden, fl. 4.20 und Herrn Friedländer, Baden, fl. 2. L. M. Krakau: Adresse des Vereines ist: „Verein zur Förderung des Handwerkes unter den inländischen Israeliten, Wien, I., Schultergasse 5. Ernst Vergani, Wien. Auf Ihre Enthüllungen über den nahen Verwandten des „Rabbi Bloch" sind wir neugierig. Nur zu! Die Kupplerin, welche arische Mädchen nach dem Auslande verschachert, ist bekanntlich Ihre Cousine und nicht „eine nahe Verwandte des Rabbi Bloch". Unter den Antisemitenhäuptlingen sitzen die Gauner und Spitzbuben hart nebeneinander ohne semitische Beimischung. Ueber die Natur Ihrer „Armenkassa" liegen bekanntlich gerichtliche Aussagen vor. Auch Ihre „jüdischen Schweinehändler aus Galizien" sind arischer Abstammung und arischen Bekenntnisses. Schweinhandel und Antisemitismus find arische Gewerbe. Eingesendrt. An unsere theuren Glaubensgenoffen. In unserer Gemeinde wird mit behördlicher Genehmigung eine Privatanstalt für humanes und religiöses Wissen eröffnet. In dieser Anstalt werden die Zöglinge in allen Gymnasial--

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