Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 30 (28.7.1893)
- Date
- 1893-07-28
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 572 Orsterreichischr Wochenschrrst Nr. 30 Gegenständen und Fächern des -jüdischen Wissens unterrichtet, und erhalten dieselben nach abgelegter Prüfung über die einzelnen Gymnasialgegenstände staatsgiltigc Zeugnisse, die sie bei eventuellem Austritte aus der Anstalt zur Fortsetzung ihrer Studien an öffentlichen Gymnasien berechtigen. Das Motiv, welches uns bei der Gründung dieser Schule leitet, dürste Jedermann einleuchten. Der religiöse Jndifferentismus unserer Jugend hat in der crassen Unkenntniß des Judenthums seine Wurzel; denn während ihr in den Mittelschulen alles Schöne und Herrliche auf dem Gebiete der profanen Wiffenschaft ununterbrochen, zuströmt, bleibt ihr die Erkenntniß der hohen Idealität des Judenthums und der tiefe Ideengehalt der Tbora verschlossen. Dieser Umstand erzeugt in unserer studirenden Jugend den verhängnißvollen Jrrthum, daß nur anderswo herrsche Licht und Wahrheit für Kopf und Herz, im Judenthum dagegen sei Alles düster und dunkel. Indem aber die Religion jener Gottesgarten ist, in welchem allein die schönen Pflanzen der Moral und Sittlichkeit gedeihen, wirkt die Unkenntniß derselben selbstredend auch , auf den moralischen und sittlichen Charakter nachtheilig ein. Insbesondere ist die sittlich-religiöse Erziehung solcher Kinder, die genöthigt sind, auswärtige Gymnasien zu besuchen, äußerst erschwert. In zarter Kindheit verlassen sie das Elternhaus, sind, noch völlig unreif, sich selbst überlassen; die Vormünder schenken ihnen nicht jene Aufmerksamkeit, die das Erziehungswerk erfordert, und manche Untugenden wurzeln sich in das Gemüth des Kindes ein, weil die nöthige Ueberwachung fehlt, um zur rechten Zeit mit vernünftiger Hand die Ueberwucherung des Unkrautes zu verhüten. Diesem Uebel kann nach unserer tiefinnersten Ueberzeugung nur durch gründliche Kenntniß unserer Religionsquellen und tieferes Einsühren unserer Jugend in das erhabene Wesen des Judenthums gesteuert werden. Unsere Kinder müssen befähigt werden, selbst aus göttlichem Born des Judenthums zu schöpfen. Unser Wahlspruch lautet daher: Innige Verbindung und harmonische Vereinigung der humanen mit der religiösen Bildung, der profanen mit der jüdischen Wissenschaft; Heranbildung unserer Jugend zu sittlichen, moralischen, und das Judenthum aus eigener Ueberzeugung mit Begeisterung liebenden Männern, damit sie als leuchtende Muster hoher Intelligenz, strenger Sittlichkeit, geläuterter Religiosität dastehen. Wir hoffen alldies durch die an unserer Anstalt wirkenden vorzüglichen Lehrkräfte und durch die strenge Beaufsichtigung der Zöglinge in sittlich-religiöser Beziehung mit Gottes Hilfe zu erreichen. Die Eröffnung erfolgt am 15. September l. I. Die Unterrichtssprache ist die deutsche; Zöglinge - aus Ungarn werden auf Verlangen auch in der ungarischen Sprache und Literatur unterrichtet. Aufnahme - Bedingung: der Nachweis über absolvirte Volksschule. Nähere Auskunft ertheilt bereitwilligst die Direction. Ung.-Brod (Mähren), am 15. Juli 1893. Rabb. Dr. M. Jung. (Die Lebensverstcherungsgeseüstuaft , „The Gresham“ in London.) . Der 44. Bericht über die am 31. Dccember 1892 zu Ende gegangene achtzehnmonatliche Geschäftsperiode (1. Juli 1891 bis 31. Decernber 1892), welcher in der am 30. Mai 1893 abgehaltenen ordentlichen Generalversammlung der Aktionäre vorgelragen wurde, liegt nun' vor. Wir entnehmen demselben folgende Hauprmomente. Das Ergebniß war ein überaus günstiges. Es sind während der abgelaufenen achtzehnmonatlichen Geschäftsperiode 15.206 Versilberungsanträge über Frcs. 125,732.050 bei der Gesellschaft eingereicht und hievon 13.091 über Frcs. 102,636.475 Versicherungssumme angenommen worden, für die die entsprechende Anzahl von Polizzen ausgefertigt worden ist. Das Prämienübereinkommen der abgelaufenen achtzehnmonatlichen Geschäftsperiode, abzüglich des für die Rückversicherungen verausgabten Betrages, bezifferte sich auf Frcs. 25.753.445*42, worunter Frcs. 3,744.277*19 Prämien des ersten V^rsicherungssahres inbegriffen sind. Die Bilanz öes Zinsencontos der abgelausenen achtzehnmonatlichen Geschäftsperiode belief sich auf Frcs. 7,690.898*01 und erhöhte, der Prämieneinnahme hinzugefügt, das Einkommen der Gesellschaft auf Frcs. 33,444.343*43. Die im Lause der abgelausenen achtzehnmonatlichen Geschäftsperiode der Gesellschaft zur Auszahlung angewiesenen Forderungen aus Lebensversicherungs-Polizzen beliefen sich auf Frcs. 12,908.018*96. Die Forderungen aus Ausstattungs- und gemischten Versicherungs-Verträgen rc., deren Fälligkeitstermin abgelaufen war, bezifferten sich auf Francs 2,801.455*42. — Für den Rückkauf von Polizzen ist der Betrag von Frcs. 1,909.171*57 während der abgelaufenen achtzehnmonatlichen Geschäftsperiode verausgabt worden. — Die Versicherungs- und Rentenfonds haben sich wahrend der achtzehnmonatlichen Geschäftsperiode um isrcs. 7,922.421*77 erhöht. Der Gesammtbetrag der Aktiva belief sich am rrnde des Geschäftsjahres, 3l. December 1892, auf Francs. 125,305.150*62. Capitalsanlagen: Frcs. 49.425*52 in Sicherheiten der britischen Regierung, Frcs. 401.616*77 in Sicherheitenderindischen und Colonial-Rcgiernngen, Frcs. 19,584*857*40 in fremden Staatssicherheiten, Frcs. 253.3^6*14 in Eisenbahnactien, Prioritäten und garantirte, Fres. 61,191.868*02 in Eisenbahn- und anderen Schutdverschreibungen, Frcs. 17,536.889*18 in Hauseigenthum, worunter die Häuser der Gesellschaft in Wien und Budapest, Frcs. 5,328.350*4 in Hypotheken tin.> diversen Sicherheiten Frcs. 20.958.747*16. („Equitable", Lebensversicherungs-Gesellschaft der Vereinigten Staaten.) Die „Eauitable" publicirt jetzt den 33. Geschäftsbericht, welchem folgende wesentliche Details zu entnehmen sind: Die Gesellschaft schloß im Jahre 1892 501 Millionen an neuen Versicherungen ab und erreichte Cude 1892 einen Versicherungsstand von 2127-Millionen Gulden. Die Pr äinien-Einnahmen betrugen 85*11 Millionen, die Zinsen 15*6, die Gesammt-Einnahmen 100*7 Millionen Gulden. Die Ausgaben bezifferten sich auf st. 17.500 für die Aktionäre, dagegen auf 41*34 Millionen Gulden für die Versicherten, während die gesamiuten Verwaltungskosten ca. 19 06 Millionen Gulden in Anspruch nahmen, daher eine Abnahme von fast anderthalb Millionen Gulden stattgefunden hat. Das Vermögen der Anstalt erreichte einen B.trag von 382 6 Millionen Gulden, erfuhr somit eine Steigerung von'42 Millionen Gulden; es ist mit 55 Millionen Gulden in Hypotheken, mit 95 Millionen Gulden in Grundeigentyum, mit 163 Millionen Gulden in Staatsfonds und anderen Obligationen und mit 14*78 Millionen Gulden im Lombardgeschäfte angelegt, während der Rcst Depots in den Banken, Saldi von Agenten, Baaraeld und gestundete Prämien umfaßt. Die Sterblichkeit wird als sehr günstig, und weit hinter der 'erwarteten zurückbleibend bezeichnet. Der Ueberschuß der Einnahmen über die Ausgaben betrug mehr als 40 Millionen Gulden, der den Versicherten baar bezahlte oder zugewiesene Gewinn mehr als 17 Millionen. Der Gewinnstfonds stieg aus 77*72 Millionen Gulden und die sämmtlichen auf Basis von 4 Percent berechneten Verbindlichkeiten der Anstalt sind mit 125 Percent bedeckt. Ueberdies hat die .,Equitable", angesichts des sinkenden Zinsfußes, eine Specialreserve creirt und dieselbe mit ' 6*25 Millionen Gulden dvtirt. Diese Specialreferve hat den Zweck, den Uebergang von der Basis von 4 Percent auf jene von 3*5 Percent zu erleichtern und damit die Sicherheit der Versicherten zu erhöhen. Die Versicherten der Anstalt haben in den 33 Jahren ihres Bestandes an Todesfällen, Rückkäufen und Dividenden die Summe von fl. 438,682.007 ausbezahlt erhalten. Was die Tontineil-Resnltate anbelangt, so waren-dieselben trotz des sinkenden Zinsfußes sehr zufriedenstellende. Die fälligen 20jährigen Tontinen ergaben nebst der 20jährigen Ab lebensversicher ung die Rückvergütung sämmtlicher Prämien und überdies 2 bis 7 Percent Zinsen. Die Abtheilung für Oesterreich erzielte im I ihre 1892 ein neues Geschäft von mehr als 4 Millionen Gulden und zeigt einen Versicherungsstand von mehr als 13 Millionen; es betrug die Prämien- Einnahme fl. 560.000, der Gewinn fl, 44.133. CONCURS. ~ In der Cultasgemeinde Mähr.-Aussee ist die Stelle eines Rabbiners zu besetzen. Mit diesem Posten ist ein Jahresgehalt von 1000 fl. nebst freier Wohnung, üblichen Emolumenten und Stiftungserträgnissen verbunden. Bewerber wollen unter Nachweis des österreichischen Staatsbürgerrechtes und der erforderlichen Qualification, wie dieselbe in der hohen Verordnung des Ministers für Cultus und Unterricht vom 30. Juni 1891, Z. 21707 angedeutet ist, ihre gehörig documentirten Gesuche bis Ende August 1. J. bei dem Cultusvorstande einbringen. Eeisespesen werden nur dem Acceptirten vergütet. Mähr.-Aussee, am 19. Juli 1893- S- A» Pollak, Vorsteher. CONCURS. In der israelitischen Cultusgemeinde Ung.-Hradiseh (Mähren), ist die stelle eines zweiten Cantops, der guter Koreh, Sehoehet, Bodek und Sehames sein muss, zu besetzen. Gehalt 600 Kronen, Einnahmen aus der kleinen Schechita circa 600 Kronen und übliche Nebenemolumente. Praktisch erprobte Bewerber, österreichische Staatsbürger, welche im Besitze von „Kabbalot“ anerkannter rabb. Autoritäten sind, wollen ihre mit Verwendungszeugnissen versehenen Gesuche unter Bekanntgabe des Alters und Familienstandes an den hiesigen israelitischen Oultusgemeinde-Vorstand bis längstens den 25. August 1893 gelangen lassen. Bevorzugt werden solche Bewerber, die befähigt sind, event. den hebräischen Lehrer zu suppliren. Zu Probevorträgen werden nur die Berufenen zugelassen und die Beisespesen nur dem Acceptirten vergütet. Ungar.-Hradisch im Juli 1893. Der Cultusgemeinde-Vorstand.