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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-07-28 · 30 (28.7.1893) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
30 (28.7.1893)
Date
1893-07-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Vrsterreichifche Wochenschrift Sette 567 Nr. 30 Reihe „arischer Cridatare" herauszugreifen, die diesmal die Hochburg der nationalen Anti-Corruption aufznweisen hat. Der eine Cridatar — Rud. März, Handschuhmacher, Währing, Hauptstr. — war Obmann-Stellvertreter der „Christlichen Familie" in Währing und bei allen politischen und geselligen Versammlungen derselben obenan. Der zweite Cridatar hat die Genugthuung, alle seine christlichen und jüdischen Vorgänger der letzten Jahre an — Bedenklichkeit zu übertreffen. Dieser arische Kaufmann, Geza Hensel, Währing, Kreuzgasse, verstand es, binnen kurzer Zeit Maaren im Betrage von fl. 43.000 zu — beziehen, mußte aber selbst seine Activen mit fl. 3000 beziffern, wobei er aber — wie allgemein bekannt — um fl. 1000 zu hoch gegriffen hat. Es stehen also den Passiven von fl. 43.000 thatsächlich Activen im Betrage von fl. 2000!! gegenüber und ergibt sich ein unbedecktes Deficit von fl. 41.000!! Man ist sowohl in Gläubigerals auch in Kaufmannskreisen über diesen „christlichen Kaufmann" entrüstet und dürfte derselbe auch, da das unlautere Gebühren desselben in der Umgegend des Geschäftes beobachtet wurde, seinem verdienten Schicksale nicht entgehen. Wien. (Emin Pascha.) Die „N. Fr. Pr." vom 21. Juli 1893 publicirte folgende Zuschrift: „Geehrter Herr Nedacteur! In Nr. 10.376 der „Neuen Freien Presse" (Morgenblatt vom Donnerstag, den 13. Juli 1893) veröffentlicht Gerhard Rohlfs auf Grundlage eines neuen Buches über Emin einen Artikel, in dessen Eingang es wörtlich, wie folgt, heißt: Einen deutschen Gordon kann man mit Recht Eduard Schnitzer nennen, der am 28. März 1840 zu Oppeln in Schlesien geboren wurde. Sein Vater war Kaufmann und wie seine Mutter, eine geborene Schweizerin, evangelischer Confession, was wir hier betonen wollen, da vielfach behauptet worden ist, obgleich ihn das in unseren Augen nicht herabgesetzt hätte, daß der junge Schnitzer Jude gewesen sei. Diese bestimmte Aeußerung aus der Feder eines so namhaften Forschers machte mich stutzig, da seit Jahren in jüdischen Fachjournalen Emin für die Juden reclamirt und in antisemitischen denselben zugeschoben wurde. Um über diesen Punkt authentische Gewißheit zu erlangen, die, wie ich mir dachte, . doch ohne Schwierigkeit zu ermitteln sein müsse, da wir ja nicht, wie Emin, im „dunkeln Welttheil" uns befinden, wendete ich mich an den Rabbiner Dr. A. Wiener in Oppeln. Dieser ehrwürdige,.mehr als achtzig Jahre alte, übrigens mir nicht persönlich bekannte Gelehrte schreibt mir nun unter dem 16. d. M. die nachstehenden, Emin betreffenden Notizen, welche in Anbetracht der Bedeutung des Letzteren der Veröffentlichung werth erscheinen, wobei es mir jedoch lediglich darum zu thun ist, einen Jrrthum Rohlfs' zu berichtigen und Einiges zur Biographie Emin's beizutragen. Die Mittheilung des Herrn Dr. Wiener lautet wörtlich: Es sind noch lebende Zeitgenossen hier in Oppeln, die in alle Verhältnisse des Hauses und der Familie Schnitzer eingeweiht sind. Ich selbst gehe fast täglich vor dem Hause vorbei, wo Emin Pascha das Licht der Welt erblickt hat. Schon vor 40 Jahren, als ich noch Rabbiner in Kosten (Posen) war, wo ~ ich mit einem nahen Verwandten des Emin Pascha in einem Hause lebte, erfuhr ich viel über die Familie Schnitzer in Oppeln, freilich nicht über den damals noch sehr jugendlichen Eduard. — In der von hiesiger Gemeinde geführten Geburtsliste findet sich (Seitenzahl verlöscht) für das Jahr 1840 folgender Vermerk: „N. O. L. Schnitzer, Kaufmann, den 29. März (folgt hebräisch, was ich deutsch wiedergebe): Der Knabe Isaak, Sohn des Herrn Löb Schnitzer, geboren Sonntag, den 24. Adar II des Jahres 5640." Dieser Löb, alias Löb Schnitzer, (Vater) ebenfalls hier geboren, war der Sohn des Josef Schnitzer, eines Gelehrten, der hier unentgeltlich die rabbinischen Functionen versah. Er war hier eingewandert aus der Stadt Krzepitz im Königreiche Polsn und heiratete die Tochter des Simon Oppler, eines rabbinisch gelehrten Mannes, Bruders des durch seine hebräischen Dichtungen berühmt gewordenen, in Breslau verstorbenen Satomon Pappenheim. Ein Bruder des Louis Schnitzer war der Hofrath Dr. Schnitzer in Berlin, der, wie ich glaube, als Jude in Berlin gestorben ist. Eduard Schnitzer (Emin) war ungefähr fünf Jahre alt, als sein Vater starb; seine Mutter, eine geborene Schweitzer (also keine Schweizerin, wie Rohlfs schreibt) aus Neisse, kehrte nach dem Tode ihres Gatten nach ihrer Vaterstadt zurück, ließ sich und selbstverständlich auch Eduard, jetzigen Emin Pascha, taufen und heiratete nunmehr einen Christen. Baden, 18. Juli 1893. Hochachtungsvoll Dr. M. Güdemann, Oberrabbiner. Die „Oesterreichische Wochenschrift" 1888 Nr. 40 und 41 publicirte den Geburtsschein Emin Paschas, welcher am achten Tage nach seiner Geburt in den Bund des Judenthums ausgenommen worden. Wien. Das „Deutsche Bolksblatt" vom Samstag den 15. Juli schreibt unter der Spitzmarke: „(Der getaufte Rabbiner.) Man schreibt uns aus Budapest: Ignaz Licht enstein nennt sich der Ex-Rabbiner des nahe zur Hauptstadt gelegenen halb hebräischen Marktfleckens Tapio-Szele. Wieso aus dem Rabbiner ein Ex-Rabbiner wurde, das ist eine sehr interessante Geschichte, die ich Ihnen nicht gerne vorenthalten möchte. Wie jedes sterbliche Menschenkind seine Passionen hat. mit welchen es sich die Mußestunden würzt, so auch unser Freund Lichtenstein. Der biedere Herr „machte" nämlich in seinen freien Stunden in Literatur. Jüngst schrieb er ein philosophisches Werk, in welchem er das bekannte „Schwer ist es, Mensch zu sein" dahin variirte „Schwer ist es heutzutage, Jude zu sein" und begründete diese Erkenntniß damit, daß die Juden den jüdischen Codex nicht mehr so strenge hallen als früher; sie finden am verbotenen Chasersleisch (Schweinernes) Gefallen, fahren und rauchen am Schabbes, wollen am Jvnküper (langer Tag) nicht fasten u. s. w., u. s. w. Im Verlaufe seiner weiteren Betrachtungen kam nun der Rabbi zu dem Schlüsse, es sei für die „aufgeklärten" Juden das Beste, nach den Lehren Christi zu leben, denn diese Religion predigt die Nächstenliebe und andere schöne Dinge. Es sei ja deshalb nicht nvthwendig, daß sie sich taufen lassen, geradeso wie er sich nicht taufen läßt und auch in Hinkunft ein getreuer Jude zu verbleiben gedenkt. Mehr brauchte der gute Rabbiner nicht, der sich unterfing, seinen Glaubensgenossen Nächstenliebe zu predigen. Seine Heerde packte die verpönten Schriften zusammen und sandte sie an den Budapester und Szegediner Rabbi, damit diese ihr Urtheil über dieselben abgeben. Daß dasselbe vernichtend ausfiel, ist wohl selbstredend. Nun kam es zu einem Austritte in der Synagoge von Tapio-Szele, indem ein gewisser Grünhut dem Rabbi während der Gebete zurief, er habe kein Recht, die Ceremonien zu verrichten, denn er sei bereits seit einem Jahre getauft. Der Rabki mußte nun abdanken, belangte aber Griinhut wegen Verleumdung. Wie gewöhnlich in derlei Fällen versöhnten sich die beiden Herren, trotzdem blieb aber Lichtenstein Ex-Rabbiner und hat somit das Capitel von der christlichen Nächstenliebe ziemlich theuer bezahlt." Unsere Leser wissen bereits aus den Artikeln der „Oesterr. Wochenschrift", Jahrgang 1886 und 1887, daß dieser sogenannte „Bezirks-Rabbiner" seit Jahren ein bezahlter Agent der englischen Missionsgesellschaft ist. — Ein Bericht aus London meldet: Der famose ehemalige Rabbiner Lichtensteinzu Tapio-Szele predigte hier vor einer großen Anzahl Juden den in Jesu erschienenen Messias. Am 30. März betheiligte er sich an der Ostercommunion des judenchristlichen Gebetbundes und hielt hierbei eine Ansprache über die in der Sühnung unserer Sünden sich offenbarende Kraft des Blutes Christi. Neuhaus, 19. Juli. In Tabor fand gestern ans Initiative des Vorstehers der dortigen Cultusgemeinde, Mitgliedes der Repräsentanz der Landesjudenschaft, Herrn Philipp Guttmann eine Versammlung mit folgendem Programm statt: 1. Ansprache des Rabbiners Dr. Weislowits. 2. Berathung betreffs Aufnahme nur qualificirter, beziehungsweise würdiger Männer für die zu besetzenden Rabbinatsposten. 3. Freie Anträge. Erschienen waren etwa 30 Delegirte der südböhmifchen zum „eh emal ig en" Taborer Kreis gehörigen Cultusgemeinden als: Neuhaus, Kardaschretschitz, Sobtzslau, Moldauthein, Bechyn, Tuöap, Kamoitz, Pilgram, Beneschau rc. rc. Die Leitung der Versammlung oblag dem für das Judenthum so warmherzig einstehenden und activen Advocaten, dem Herrn Dr. Guttmann, der die Verhandlungen i« liebenswürdigster und belehrender Art dirigirte. Herr Dr. Weislowits hielt eine tiefempfundene, höchst gelungene und sachgemäße Ansprache, die jedenfalls die Wirkung haben dürste, daß dort, wo etwa die Möglichkeit vorhanden, lieber einen gediegenen Seelsorger aufzunehmen, als sich mit einem „Provisorium" weiter fort zu „gftetten", diese das Bestreben der maßgebenden Factoren werden dürfte. Die Neuhauser Delegirten machten den Standpunkt geltend, daß diese Gemeinde, seit dem 11. Jahrhundert bestehend, loyalerweise erklären müsse, daß sie sich dem beabsichtigten Verbände mit dem Rabbinatssitze in Tabor nicht anfchließen werde, sondern bestrebt sei, ein zweites Centrum für die in dessen Umgegend befindlichen Gemeinden mit dem Rabbinatssitze in Neuhaus selbst zu creiren. Andere Delegirte gaben mehr oder weniger bindende Erklärungen für den Beitritt zu der Taborer Centralstelle ab. Es ergab sich, daß Vieles noch unklar sei, und Herr Dr. Guttmann hatte oft Gelegenheit, seine Berfirtheit in jüdischen

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