Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 29 (21.7.1893)
- Date
- 1893-07-21
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Sette 554 Vesterrrktzifitzr unserer Vater, durch seine große Liebe für die heilige Lehre Israels ist Pinchas der Retter von ganz Israel geworden. Er hat den Grimm und den mächtigen Unwillen Gottes versöhnt- und den Untergang seines ganzen Stammes abgewmdet. So haben wir noch heute Männer und Frauen in Israel, -welche ein Segen unseres Stammes, die Beschützer unserer Nation durch ihre edle Begeisterung und Liebe für unsere Glaubensbrüder geworden sind. Es dürfte Euch auch nicht unbekannt'sein, daß Ihr durch dieEte und das edle Herz wohlthätiger Frauen in diese schöne und gesunde Gegend geschickt wurdet, um hier gekräftigt und gestärkt zu werden. Solchen Rettern und Beschützern unseres Glaubens und unseres Stammes entbietet Gott auch heute seinen Gruß und Segen. Liueui naussen lochem es brissi Scholaum. Liebe Kinder! In meinem Namen und im Namen meiner Gemeinde begrüße ich Euch mit dreifachem Scholaum! Seid uns Allen herzlich willkommen und wöget Ihr nach glücklichem -Ablauf der Ferialwochen vollkommen gesund zu Eueren Eltern zurückkehren. Möget Ihr Euere Eltern im Wohlstände antreffen und möget Ihr Vollkommenheit erlangen in der Thora Gottes, welche uns labet und erquicket. Adch Eueren Wohlthätern, durch deren Güte wir Euch hier begrüßen können, entbieten wir unseren dreifachen herzlichen Gruß und Segen. Mögen sie fortab zum Segen unseres Stammes wirken können in ungestörter, ungetrübter Gesundheit, in gesegnetem Wohlstände und ungeschwächt in ihrer Liebe und ihrer Begeisterung für das Judenthum und seinen Stamm. Ihr werdet mich wohl, liebe Kinder, fragen: wie sollen wir Vollkommenheit erlangen in der Kenntniß der Thora? Wir sind noch Kinder und sind nur zu unserer Erholung hier? Wie sollen wir diese große Aufgabe bewältigen? Wohl, liebe Kinder, seid Ihr nicht hierhergekommen, um zu lernen; Ihr seid hier, um Kräfte zu sammeln für die Schule, für die Zukunft! Aber dennoch ist es an Euch, schon heute, feste, unerschütterliche Vorsätze und Schlüsse zu fassen, dahin zu streben, daß Ihr vollkommene Kenntniß unserer heiligen Thora und was sie von uns fordert, anstreben wollet. Unsere Arbeit, liebe Kinder, ist groß und kann nicht früh genug begonnen werden. gehobener Stimmung verließ die jugendliche Schaar das alte ehrwürdige Gotteshaus. O, daß die edlen Bestrebungen der wackeren Damen Wiens zahlreiche Unterstützung seitens unserer so hochherzigen Glaubensgenossen fänden und daß der Segen des Allmächtigen, den der hiesige fromme Rabbiner ihnen ertheilte, sich bewährte. - Adolf Mautner. öffent. Lehrer in Wien, Bade«. Ungarn ist nicht nur ein gesegnetes Land an Producten aller Art, sondern auch geistig bevorzugt, ein modernes Culturvolk, schreitet mit dem Zeitgeiste immer vorwärts, ist human und tolerant. Dieses bestätigt auch ein Ereigniß, welches veröffentlicht zu werden nicht ohne Jntereffe ist. Mein Sohn Dr. Heinrich Wollner, Landes- und Wechselgerichts. Advocat in Budapest, studirte in Raab und maturirte daselbst. Seitdem sind 25 Jahre verflossen. In einem Schreiben an seine Eltern, die gegenwärtig in Baden bei Wien die Cur gebrauchen, berichtete er unter Anderem Folgendes: „Vorige Woche habe ich einem schönen Feste in Raab beigewobnt. Die ehemaligen Schülercollegen sind nach 25 Jahren zusammengekommen. Die Sache hat viel gekostet, aber ich bereue es nicht. Wir waren zusammen 19 und zwei Professoren, die noch am Leben sind. Bon dem herzlichen, brüderlichen Entgegenkommen, ohne Unterschied auf Rang und Religion, könnt Ihr Euch keinen Begriff machen. Ja, ich muß gestehen, daß gerade die katholischen Geistlichen, und es waren nicht weniger als 10 Stück unter uns, diejenigen es waren, welche mir und noch zwei Glaubensgenossen gegenüber das wahre, aufrichtige brüderliche Gefühl am meisten bekundeten. Ich konnte die Thränen nicht unterdrücken, als der eine meiner gewesenen Professoren, gegenwärtig Prior des Benedictinerordens, zu mir kam, mich umarmte und Üißte. Mit einem Worte, es war ein Tag, an den ich mit Freuden zurückdenken werde." So weit der Berichterstatter, dem nichts hinzuzufügen nöthig ist. Rabbiner Wollner. Prag. Am 15. d. M. ist hier der Prager Bürger und Kaufmann David Glaub er im 61. Lebensjahre verschieden. Herr Glauber war Vorsteher der ist. Beerdigungs-Brüderschaft, der Pinkas-Synagoge, des ist. Fortbildungsvercins und Mitglied zahlreicher anderer gemeinnütziger und humanitärer Vereine. In der verflossenen Woche starb in Schweiß in g nach langem schweren Leiden der im weitesten Umkreise hochgeschätzte Wochenschrift Nr. 29 Domänenarzt L. H. Löwy. Der Verewigte wurde als Sohn ganz armer. Eltern im Jahre 1821 in Dürrmaul bei Marienbad geboren, oblag unter den größten Entbehrungen in Prag dem ärztlichen Studium, mach dessen Beendigung 1843 er auf Wunsch der Patrimonial-Herrschaft seine Praxis in Heiligenkreuz, hierauf in seiner Heimatsgemeinde aufnahm.. 1848 als Stadtarzt nach. Neustadtl berufen, erwarb er sich eine ausgebreitete Praxis, welche ihn bei dem Umstande, als er der einzige Ärzt im ganzen Pstaumberger Bezirke war, oft Wochen hindurch von seiner Familie fernhielt, insbesondere damals, als eine heftige Typhus-und Dysenterie-Epidemie die ganze Thätigkeit des nimmermüden Mannes in Anspruch nahm. Mit 1859 beginnt seine Wirksamkeit . als Werksarzt in Josephihütte, in welcher er bis zur Auflassung der Hütte — länger als ein Vierteljahrhundert — verblieb. Galgocz. Am 12. d. M. wurde hier der im Alter von 84 Jahren verschiedene, in weiten Kreisen bekannte und hochgeachtete Arzt Dr. Adolf (Abraham) Stiglitz zu Grabe getragen, Der Verblichene, der vor mehr denn 5 Jahren das 50jährige Jubiläum seines ärztlichen Wirkens feierte und dem bei dieser Gelegenheit aus den verschiedensten Kreisen Ovationen in herzlichster und aufrichtigster Weise bereitet wurden, war ehedem städtischer und herrschaftlicher Arzt und bekleidete Ehrenstellen bei der politischen und der israelitischen Gemeinde. Das Leichenbegängniß gestaltete sich zu einem höchst imposanten, da alle Honoratioren der Stadt, sowie eine große Volksmenge ohne Unterschied des Standes und des Glaubens dem biederen humanen Arzte die letzte Ehre erwiesen. An der Bahre widmete Dr. Anton Rudolfer, ein erst jüngst zum Rabbiner promovirter Zögling der Landes-Rabbinerschule zu Budapest, dem Verstorbenen einen ergreifenden Nachruf. München, 10. Juli. Bei der diesjährigen Preisvertheilung an der hiesigen Universität hat ein Jude, Herr cand. med. Eugen.Frankel aus Bischberg (Franken), den Preis der medicinischen Facultät erhalten. Oberhausen, 8. Juli. „Wieder Einer!" Die hiesigen Antisemiten, die im Laufe der letzten zwei Jahre eine^stetig wachsende Anhängerschaar bekamen, haben einen schweren Schlag erlitten. Ihre „hervorragendste" Kraft und ihr - „bewährtester" Agitator, Lehrer May d, hat sich ins Ausland geflüchtet, um der ihm wegen eines schweren Sittlichkeitsverbrechens drohenden Verhaftung zu entgehen. Chile. (E.i«Wiener — amerikanischer Universitätsprofessor.) Dr. Julius Frömel, ein gebürtiger Wiener, der vor einigen Jahren nach Santiago in Chile übersiedelt ist, wurde kürzlich, zum außerordentlichen Professor für Dermatologie und Syphilis an der dortigen Universität ernannt. Stark« (Florida), 1. Juni. Unser Glaubensgenosse Herr - W ittko ws ki ist zum Bürgermeister unserer Stadt gewählt worden. Aucktand (Neu-Seeland), im Mai. Die hiesige jüdische Gemeinde hat beschlossen, eine neue Synagoge zu erbauen, deren Kosten sich auf 3000 L. (ca. 63.000 Mk.) belaufen sollen. Die Gemeinde besitzt zu diesem Zwecke bereits einen Fond von 1630 L. Calentta, 24. Mai. Unter Vorsitz des Lordbischofs unserer Stadt hat vor Kurzem hier die Preisvertheilung in der jüdischen Knaben- und Mädchenschule stattgefunden. Roman von S. Kohn. Verfasser von „Gabriel". Jeder unbefugte Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden. Uebersetzungs- 16) rechte Vorbehalten.) „Ihre Mutter ist nicht todt, sie lebt", erwiderte ich, „Sie sehen es ja, sie athmet, wenn auch kaum bemerkbar. Wir müssen uns bemühen, mit ihr rasch in einen warmen Raum zu kommen." - „Ich überlegte es, wie ich das hier unter Gottes freiem Himmel, in erstarrender Kälte am Besten zu Stande brächte. So weit mein Auge reichte, war keine menschliche Behausung zu sehen. Die Frauen, von denen eine ohnmächtig, ohne rasche Hilfe dem sicheren Tode verfallen, die andere verzweifelnd, allein zu lassen, um nach Hilfe zu eilen, erschien. mir völlig undenkbar. — Plötzlich erleuchtete mich ein glücklicher Gedanke, seitwärts, eine halbe Stunde entfernt, liegt das Dorf Schönhof. Als General-Arendatoren des Fürsten Liechtenstein haben wir auch das dortige Branntweinhaus gepachtet und einen Verwalter hingesetzt. Dorthin wollte ich die beiden Frauen bringen.