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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-07-21 · 29 (21.7.1893) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
29 (21.7.1893)
Date
1893-07-21
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 29 Oesterreichifchr Wochenschrift Seite 553 das genannte Blatt gar nicht an, die Drohungen Schtvennhagen's gegen den deutschen Finanzminister als einen Erpressungsschwindel zu bezeichnen und ihm den guten Rath zu geben, sich wenigstens so lange, als er sich in Rumänien aufhält, solcher Wühlereien zu enthalten, die ihm eine unfreiwillige Rückreise nach Berlin eintragen könnten. Madrid. Hier wohnen circa 40 jüdische Familien, darunter die Vertreter der Bankhäuser Rothschild und Erlanger. Dieselben nehmen hier eine geachtete Stellung ein, sehr zum Aerger gewisser Kreise. So hat einst einer der ersten Geistlichen der Residenz in keiner Predigt in häßlichen Aussällen dagegen geeifert, daß christliche Damen, darunter Vertreterinnen der höchsten Kreise, in jüdischen Häusern verkehren. Die Sache hat viel von sich reden gemacht nnd mit der Versetzung des Geistlichen geendet. Es ist das immerhin ein Beweis für das Ansehen, welches die Juden in der Hauptstadt Spaniens genießen. Daß dies im Lande nicht weniger der Fall ist, ersehen Sie daraus, daß mehrere Juden Consuln, in Barcelona selbst ein Generalconsul Jude ist. Ein jüdisches Gemeindewesen existirt hier in Madrid noch nicht, kaum sind die allerersten Ansätze dazu vorhanden. So gibt es keine gemeinsame Betstelle; an den Festtagen veranstaltet ein Herr I. in seinem Hause Gottesdienst, und zwar fungirt er selbst als Vorbeter und liest selbst aus der Thora vor. Selbstverständlich haben die hiesigen Israeliten einen Schächter, und zwar ist ihnen eine Abtheilung auf dem städtischen Schlachthause zugewiesen. Derselbe Schächter beabsichtigt auch, ein jüdisches Restaurant zu errichten, welches zum Winter, der zahlreiche jüdische Reisende hierherführt, eröffnet sein soll. Einen israelitischen Begräbnißplatz gibt es in Madrid nicht; nur ein Stück Feld außerhalb der Stadt gilt den Israeliten als Stätte, auf der sie ihre Todten beerdigen. Dies die spärlichen Mittheilungen über die Israeliten in Madrid. — In . Cadix fand ich eine ganz beträchtliche Anzahl maurischer Juden, welche sich zu einer Art voy Gemeinde zusammengethan und dieselbe durch ihre rührige Geschäftigkeit mit allen nöthigen Institutionen ausgestattet haben. Sie ernähren sich zumeist mit Pantoffelhandel. Auch in Huelva traf ich einige jüdische Familien; in dessen Nähe, in Rio Tinko, wird Bergbau und Mineralienhandel getrieben, und auch die Israeliten suchen durch diesen Betrieb ihre Existenz sich zu gewinnen. Die größte jüdische Gemeinde der spanischen Halbinsel befindet sich in Gibraltar, wo ca. 5000 Juden wohnen, die sechs Synagogen besitzen. Gibraltar gehört bekanntlich den Engländern, und hier hatte denn der Geist der Freiheit und Toleranz die Juden schon längst von allen Beschränkungen erlöst. Aber auch im übrigen, eigentlichen Spanien, wo zuerst und am längsten Glaubenshaß und Glaubeuszwang ihre Schreckensfackel geschwungen, beginnt es zu dämmern, und es werden sicherlich in nicht allzu ferner Zeit auch hier die Israeliten einen hervorragenderen Theil der Bevölkerung bilden, als dies jetzt der Fall ist. Wien, 17. Juli. (Israelitischer C ul tu sgem ei nde- Sprengel in Böhmen.) Das k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht hat mittelst Verordnung vom 3. Juni d. I. bestimmt, daß die durch Verordnung vom 10. März d. I. festgestellte Abgrenzung der 197 israelitischen Cultusgemeinden in Böhmen nicht, wie ursprünglich angeordnet, am I.Julid.J., sondern erst am 1. September d. I. in Wirksamkeit zu treten hat. Wien. Aus Marienbad wird uns telegraphirt: Ein neues Lustspiel von S. Fritz (Fritz Singer) „Ein lieber Mensch" hatte gestern im 'Marienbader Theater einen durchschlagenden Erfolg. Sowohl die Fabel des Stückes als die Durchführung, ganz besonders aber die Zeichnung der verschiedenen Charaktere machten die Novität sehr interessant. Die Darstellung war sehr gut, der Autor, sowie die Schauspieler wurden von dem gedrängt vollen Hause wiederholt gerufen. Wien. (Sch widern och im Loch.) Es ist in dieser schlechtesten aller Welten häßlich eingerichtet, daß das Strafgesetz selbst für solche Uebelthaten, die man in heiliger nationaler Begeisterung oder-gar in froher Weinlaune begeht, Sühne erheischt. Polizei und Staatsanwaltschaft sind doch recht schwunglose Wesen, denen das Verständniß für die edelsten Regungen der Menschenseele mangelt. Fuhr da vor etlichen Wochen Herr Franz Schwidernoch, Chef der von uns wiederholt gewürdigten Firma „Lesk und Schwidernoch", nach Troppau zu einem nationalen Feste. Man weiß, daß Herr Schwidernoch als rechter Deutscher keinen Juden leiden kann. Das liegt schon so im Blut und mehr noch im Geschäft. Auf dem Bahnhofe in Troppau nun passirte Herrn Franz Schwidernoch ein kleines Malheur, über welches wir seinerzeit berichtet haben. Der Geist Wotans und die Geister des Weines verleiteten ihn, einen harmlosen jüdischen Passagier zu prügeln, welcher die Frechheit hatte, zu glauben, daß der Bahnsteig nicht blos für die Abkömmlinge Hermann's des Cheruskers, sondern auch für die Söhne Israels bestimmt sei, und daher an Herrn Schwidernoch vorübergegangen war, ohne denselben erst um Erlaubniß zu fragen. Die Polizei legte sich ins Mittel, und vor einigen Togen geschah, was Herr Schwidernoch in einem arisch civilisirten Rechtsstaate kaum für möglich gehalten hätte — er wurde zu drei Wochen Arrests verurtheilt. Drei Wochen im Loch für einen geprügelten Juden — ist das nicht ein zwingender Beweis dafür, daß bei uns schon Alles verjudet ist? Alles, bis auf die amerikanische Versicherungsgesellschaft „E q u i t a b 1 e", welche die Liebenswürdigkeit hatte, die ob ihrer antisemitischen Spottbilder obdachlos gewordene Firma „Lesk und Schwidernoch" in ihrem Palais aufAmehmen. Herrn Schwidernoch mag in seinem Unglücke nur Eines trösten: Es hätte ihn wohl dasselbe, wenn nicht noch ein weit schlimmeres Schicksal ereilt, wenn er seine Heldenthat nicht in Oesterreich, sondern in seiner preußischen Heimat begangen hätte. Um für solche Dinge straflos auszugehen, müßten die Herren Lesk und Schwidernoch den Schauplatz ihrer menschenfreundlichen Thätigkeit nach Rußland verlegen. Ottakring. Sämmtliche Wiener Journale brachten ausführliche Berichte über die am letzten Sonntag stattgehabte Jubiläumsfeier der Freiwilligen Feuerwehr von Ottakring. Es muß mit hoher Befriedigung erfüllen, daß der Pfarrer von Ottakring, Geistlicher Rath P o k o r n y, bei der kirchlichen Feier des ersten Obmannes dieses Vereines, Herrn Ignaz v. Kuffner, in so ehrenden Worten gedachte, und einen nicht minder erhebenden Act von dankbarer Pietät vollführte diese wackere Feuerwehr dadurch, daß sie anläßlich ihres 25jährigen Gründungsfestes an die Zuckerfabriks-Feuerwehr in Lundenburg einen Kranz gesendet hat, damit derselbe im Namen der Ottakringer Freiwilligen Feuerwehr auf das Grabmal des am 26. März 1882 in Lundenburg bestattete» Herrn Ignaz Edlen von Kuffner, Großindustriellen und gewesenen Bürgermeisters von Ottakring, niedergelegt wird. Die Kranzschleife trägt dieJnschrift: „Ihrem ersten Obmanne in dankbarster Verehrung — Die Freiwillige Feuerwehr in Ottakring 1868—1893". Die Lundenburger Fabriksfeuerwehr hat auch mit kameradschaftlicher Bereitwilligkeit diesen Act der Pietät in feierlicher Weise zur Ausführung gebracht. Schattmannsdorf, den 11. Juli 1893. Israel. Feriencolonie aus Wien. Die erste Serie dieser Feriencolonie, welche unter Begleitung des Gefertigten am 2. d. Wien verlassen, hat sich an feinem Bestimmungsorte Schattmannsdorf im Preßburger Comitat alsbald eingerichtet, und schon nach achttägiger Anwesenheit zeigt sich der höchst wohlthätige Einfluß dieser humanen Institution. Die bleichen, eingefallenen Wangen der Colonisten, fie beginnen sich schon zu färben, und die abgemagerten Gestalten zeigen bereits Zeichen der Erholung und entwickeln frischen, kindlich freudigen Muth. Dank und Ehre jenen Damen, an deren Spitze Frau Dr. G r ü n f e l d steht, die keine Mühe und Arbeit scheuen, immer zahlreicheren Kindern diese Erholung zu schaffen. Nebst der physischen Erholung wird in der Colonie auch für Pflege des Geistes durch Spiele, Zerstreuungen, Spaziergänge rc. Sorge getragen. Aber auch die religiös-sittliche Erziehung findet hier eine vortreffliche Stätte. Gleich am ersten Sabbathe, nachdem sämmtliche 55 Zöglinge am Freitag Abends und dem sabbathlichen Mufsafgottesdienste beigewohnt, wurde ein von dem hiesigen hochwürdigen, frommen, gelehrten und höchst liebenswürdigen Rabbiner, Herrn Israel Frankl, eingerichteter feierlicher Mincha- Gottesdienst (ganz nach Art des Wiener Jugendgottesdienstes) abgehalten, und dürfte es die edlen Wohlthäter und Freunde dieser Colonie interessiren, einen Auszug der herzlichen und kindlich gehaltenen Begrüßungs-Ansprache zu lesen. Nachdem der gelehrte Redner in schlichten einfachen Worten dm geschichtlichen Inhalt der Sidrah — den Eifer des Priesters Pinchas geschildert, sagte er beiläufig Folgendes: Aus dieser Begebenheit können wir, liebe Kinder, sehen, wie ein einzelner Mensch der Segen, der Beschützer und Retter seines ganzen Stammes werden kann. Durch seine große Begeisterung für Gott, durch seinen Eifer für die heilige Religion

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